Das 20. JahrhundertRatgeber

DDR und Bundesrepublik: das geteilte Deutschland 1949 bis 1990

Von 1949 bis 1990 gab es zwei deutsche Staaten: die demokratische Bundesrepublik im Westen und die DDR, eine Diktatur der SED, im Osten. Beide gehörten zu gegnerischen Blöcken im Kalten Krieg. Nach der Friedlichen Revolution und dem Mauerfall am 9. November 1989 trat die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik bei.

Eine lange graue Betonmauer zieht sich in der Dämmerung durch eine leere Straße, dahinter ein Wachturm
Bild: KI-generiert

Gut 40 Jahre lang war Deutschland in zwei Staaten geteilt. Im Westen entstand 1949 die Bundesrepublik Deutschland als parlamentarische Demokratie, im Osten die Deutsche Demokratische Republik, in der die SED eine von der Sowjetunion abhängige Diktatur errichtete [1]. Die Grenze zwischen beiden Staaten war zugleich die Grenze zwischen den Blöcken des Kalten Krieges.

Vier Zonen nach 1945

Nach der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 übernahmen die Siegermächte die Verantwortung für Deutschland [17]. Sie teilten das Land in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Sektoren. Die Sowjetunion verwaltete den Osten und Ost-Berlin, die USA, Großbritannien und Frankreich den Westen und West-Berlin [3]. Im Frühjahr 1948 zerbrach die Zusammenarbeit der Alliierten endgültig. Beide Seiten bereiteten daraufhin eigene Staatsgründungen vor [2]. Wie sich der Ost-West-Konflikt weltweit entwickelte, beschreibt der Artikel über den Kalten Krieg.

Die doppelte Staatsgründung 1949

Kurz nach Beginn der Berlin-Blockade beauftragten die drei westlichen Militärgouverneure die Ministerpräsidenten der Westzonen, eine Verfassung ausarbeiten zu lassen. Der Parlamentarische Rat beriet die Verfassung seit September 1948. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet und trat nach Artikel 145 mit Ablauf dieses Tages, also am 24. Mai 1949, in Kraft. Bonn wurde vorläufige Hauptstadt [2, 18, 19]. Die Westalliierten behielten die Besatzungshoheit in gelockerter Form [2]. Was im Grundgesetz bis heute gilt, erklärt die Seite Das Grundgesetz.

In der Sowjetischen Besatzungszone fanden am 15. und 16. Mai 1949 Wahlen zum Deutschen Volkskongress statt. Die Wähler konnten nur Einheitslisten bestätigen [2]. Am 7. Oktober 1949 setzte die provisorische Volkskammer die Verfassung der DDR in Kraft, Hauptstadt wurde Ost-Berlin. Am 11. Oktober wählte sie Wilhelm Pieck zum Präsidenten, Otto Grotewohl erhielt den Auftrag zur Regierungsbildung. Die "führende Rolle der SED" im Staat sicherten Beschlüsse des Politbüros [2].

Westbindung und Wirtschaftswunder

Bundeskanzler Konrad Adenauer band die Bundesrepublik fest an den Westen: Sie trat der NATO bei, stellte wieder Streitkräfte auf und beteiligte sich an der europäischen Einigung. Die Wiedervereinigung stellte er dafür zurück [1]. 1963 besiegelte er die Aussöhnung mit Frankreich [1].

Eine belebte Einkaufsstraße der späten 1950er-Jahre mit Passanten in Mänteln und Hüten
Bild: KI-generiert

Wirtschaftlich erlebte der Westen nach einem schwierigen Start einen langen Aufschwung. Im März 1950 lag die Arbeitslosenquote bei 12,2 Prozent [9]. Von 1950 bis 1960 wuchs die Wirtschaft im Schnitt um 7,6 Prozent im Jahr, 1955 sogar um 11,5 Prozent [9]. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von 79 Milliarden D-Mark 1949 auf fast 300 Milliarden 1960. Um 1957 herrschte Vollbeschäftigung [8]. Geholfen haben die starke Exportnachfrage seit dem Koreakrieg und das Londoner Schuldenabkommen von 1953, das fast die Hälfte der Auslandsschulden erließ [8]. Aus dem Marshallplan erhielt die Bundesrepublik von 1948 bis 1952 rund 1,4 Milliarden US-Dollar [9].

Die DDR unter Ulbricht

In der DDR baute die SED unter Walter Ulbricht eine Zentralplanwirtschaft nach sowjetischem Muster auf. Das Ministerium für Staatssicherheit und die Justiz sicherten die Macht der Partei. Die DDR trat dem Warschauer Pakt und dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bei [1]. Die erste Volkskammerwahl am 15. Oktober 1950 lief bereits über Einheitslisten [17]. Zum sowjetisch geführten Bündnis insgesamt steht mehr im Artikel über den Ostblock.

Im Mai 1953 erhöhte die SED die Arbeitsnormen um 10,3 Prozent bei gleichem Lohn. Daraus wurde am 17. Juni 1953 ein Volksaufstand. Rund eine Million Menschen protestierten in mehr als 700 Städten, Orten und Betrieben, in 167 von 217 Landkreisen galt der Ausnahmezustand. Sowjetische Truppen schlugen den Aufstand nieder. Etwa 50 Menschen starben, rund 15.000 wurden festgenommen [1, 4]. Ausführlich behandelt politische-news.de den Volksaufstand vom 17. Juni 1953.

Flucht und Mauerbau

Viele Menschen stimmten mit den Füßen ab. Von September 1949 bis August 1961 flohen rund 2,8 Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik, etwa zwei Drittel von ihnen über West-Berlin [5]. Die innerdeutsche Grenze war auf 1.378 Kilometern abgeriegelt, in Berlin aber noch offen. Allein vom 1. bis 13. August 1961 kamen über 47.000 Flüchtlinge [5].

Arbeiter setzen Betonsteine quer über eine Pflasterstraße, daneben liegen Rollen Stacheldraht
Bild: KI-generiert

Am 13. August 1961 ließ die SED die Sektorengrenze zu West-Berlin abriegeln und begann mit dem Bau der Mauer [6, 17]. Die Westmächte beschränkten sich auf die Entsendung eines US-Militärkonvois über die Transitstrecke, weil der völkerrechtliche Status West-Berlins unberührt blieb. Ende Oktober 1961 standen sich in Berlin amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber [6]. Die SED feierte die Mauer als "antifaschistischen Schutzwall" [17]. An der Berliner Mauer kamen bis 1989 mindestens 140 Menschen ums Leben, darunter erschossene und verunglückte Flüchtlinge, aber auch Grenzsoldaten [7].

Wandel durch Annäherung

Ab 1969 regierte in Bonn eine sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt. Sie leitete die Neue Ostpolitik ein [1]. Im Moskauer Vertrag vom August und im Warschauer Vertrag vom Dezember 1970 akzeptierte die Bundesrepublik den Status quo in Europa. Das Viermächteabkommen über Berlin vom September 1971 schuf den Rahmen für Gespräche mit der DDR [10].

Am 21. Dezember 1972 unterzeichneten beide deutsche Staaten den Grundlagenvertrag. Sie vereinbarten "normale gutnachbarliche Beziehungen" und tauschten statt Botschaften Ständige Vertretungen aus [11]. Eine Anerkennung der DDR als Ausland war damit nicht verbunden. Das Bundesverfassungsgericht billigte den Vertrag am 31. Juli 1973, hielt aber am Gebot der Wiedervereinigung fest [11]. 1973 trat der Vertrag in Kraft [1].

Zwei Gesellschaften, zwei Lebenswelten

Die Bundesrepublik veränderte sich in den 1960er- und 1970er-Jahren stark. Sie warb Gastarbeiter an, Wohlstand, Konsum und Reisen nahmen zu, und ab Mitte der 1960er-Jahre protestierten Studenten gegen die Große Koalition und den Vietnamkrieg [1]. Nach dem Ölpreisschock von 1973 stieg die Arbeitslosigkeit deutlich. Bundeskanzler Helmut Schmidt sah sich dem Terror der RAF gegenüber, und neue Bewegungen gegen Atomkraft und für Umwelt, Frieden und Frauenrechte entstanden, aus denen die Grünen hervorgingen [1].

In der DDR löste Erich Honecker 1971 Walter Ulbricht an der Spitze der SED ab [12]. Im Juni 1971 verkündete er die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik": mehr Wohnungen, höhere Mindestlöhne und Mindestrenten, mehr Kinderbetreuung [12]. 1980 waren 87 Prozent der Frauen erwerbstätig [12]. Bezahlt wurde der Lebensstandard zunehmend mit Krediten aus dem Westen, Anfang der 1980er-Jahre wurde die Wirtschaftskrise offensichtlich [12]. Im Alltag herrschte Mangel. Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 empörte viele, und nach der KSZE-Schlussakte von 1975 stieg die Zahl der Ausreiseanträge stark an [1].

Die Friedliche Revolution 1989

Ende 1988 hatten rund 110.000 Menschen in der DDR einen Ausreiseantrag gestellt [13]. Im Mai 1989 deckten Bürgerrechtler Fälschungen bei der Kommunalwahl auf, danach versammelten sich Oppositionelle regelmäßig montags [16]. Im selben Monat begann Ungarn, die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen. Ostdeutsche besetzten die bundesdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest. Als Ungarn am 11. September 1989 die Grenze ganz öffnete, flohen binnen drei Tagen etwa 15.000 vorwiegend junge Menschen über Österreich in den Westen [13].

Eine große friedliche Menschenmenge mit brennenden Kerzen auf einer nächtlichen Ringstraße im Herbst
Bild: KI-generiert

Vor allem in Leipzig demonstrierten montags Hunderttausende friedlich für Demokratie [3]. Am 18. Oktober 1989 stürzte Honecker, am 4. November versammelten sich Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz [17]. Am Abend des 9. November verkündete Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz neue Reiseregeln. Auf die Frage, ab wann sie gelten, antwortete er: "Sofort, unverzüglich!" Gegen 23.30 Uhr öffneten die Grenzer an der Bornholmer Straße als Erste die Schlagbäume [14]. Den Ablauf jener Nacht schildert der Artikel Der Mauerfall am 9. November 1989.

Der Weg zur Einheit 1990

Am 18. März 1990 wählten die Bürger der DDR zum ersten Mal frei eine Volkskammer. Die Wahlbeteiligung lag bei über 93 Prozent. Die Allianz für Deutschland gewann 48 Prozent, die SPD 21,9 Prozent. Am 12. April wurde Lothar de Maizière Ministerpräsident [15]. Am 1. Juli 1990 führte die DDR die D-Mark ein und übernahm das westdeutsche Wirtschaftssystem. Im September regelte der Zwei-plus-Vier-Vertrag die außenpolitischen Fragen [16]. Mit dem Einigungsvertrag trat die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik bei, der Tag ist seitdem Nationalfeiertag [3, 16]. Die Einzelheiten stehen im Artikel Die Wiedervereinigung 1990. Wie die DDR-Zeit in einem einzelnen Land aussah, zeigt politische-news.de am Beispiel der DDR in Sachsen-Anhalt.

  1. Organisation Markus Würz: Geteiltes Deutschland (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 27.10.2014. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Sonja Hugi: Die doppelte Staatsgründung (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Deutsche Einheit (Politik einfach für alle). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Andreas Grau, Ruth Rosenberger, Johanna Volkwein: Volksaufstand 17. Juni 1953 (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 19.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Andreas Grau, Markus Würz: Flucht und Notaufnahme (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 22.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Andreas Grau, Markus Würz: Mauerbau (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 29.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Todesopfer an der Berliner Mauer (Chronik der Mauer). Gedenkstätte Berliner Mauer, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Stand 09.08.2017. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Annette Hinz-Wessels, Markus Würz: Wirtschaftswunder (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 20.04.2016. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Werner Bührer: Wirtschaft in beiden deutschen Staaten (Teil 1), in: Informationen zur politischen Bildung Nr. 256. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.12.2002. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Andreas Grau: Neue Ostpolitik (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 05.05.2003. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Andreas Grau: Grundlagenvertrag (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 05.05.2003. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Sonja Hugi: Wirtschafts- und Sozialpolitik (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Ilona Schäkel: Fluchtbewegung (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  14. Behörde Ilona Schäkel: Mauerfall (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  15. Behörde Ilona Schäkel: Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  16. Organisation Markus Würz: Deutsche Einheit (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 08.03.2023. abgerufen am 29.10.2026
  17. Behörde Die Etappen der Entwicklung von 1945 bis 1990 (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  18. Behörde Seit wann gibt es das Grundgesetz?. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  19. Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 145. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.