Personen der GeschichteRatgeber
Mahatma Gandhi: gewaltfreier Widerstand gegen die britische Herrschaft
Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma, wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar geboren und am 30. Januar 1948 in Delhi ermordet. In Südafrika entwickelte er den gewaltfreien Widerstand, den er Satyagraha nannte, und machte ab 1915 die indische Unabhängigkeitsbewegung zur Massenbewegung. Indien wurde am 15. August 1947 unabhängig, zugleich wurde das Land in Indien und Pakistan geteilt.

Mohandas Karamchand Gandhi führte die indische Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft an und setzte dabei auf gewaltfreie Mittel. Er wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar in Gujarat geboren und am 30. Januar 1948 in Delhi ermordet [1, 4]. Seine Methode des gewaltfreien Widerstands nannte er Satyagraha, das "Festhalten an der Wahrheit" [1]. Der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King berief sich später auf ihn [4].
Herkunft und Studium in London
Gandhis Familie stand im Dienst des örtlichen Fürsten von Porbandar, seine Mutter war tief religiös [1]. 1882 wurde er mit 13 Jahren mit Kasturba verheiratet [5]. 1888 ging er zum Jurastudium nach London [1]. Nach der Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung scheiterte sein Versuch, sich den Gewohnheiten der britischen Oberschicht anzupassen [1]. 1891 wurde er in England als Barrister, als Anwalt bei Gericht, zugelassen [5].
Im Juli 1891 kehrte er nach Indien zurück [1]. Als Anwalt in Bombay Fuß zu fassen, gelang ihm nicht. Der Politikwissenschaftler und Indologe Clemens Jürgenmeyer nennt Schüchternheit und Nervosität als Gründe [1]. Auch das King-Institut der Stanford University schreibt, Gandhi habe nach seiner Rückkehr kaum gut bezahlte Arbeit gefunden [4].
21 Jahre in Südafrika
1893 nahm Gandhi einen Auftrag in Südafrika an [1, 4]. Gedacht war er für ein Jahr, er blieb 21 Jahre [1, 4]. Dort erlebte er, wie die Behörden Menschen indischer Herkunft benachteiligten, und entwickelte die gewaltfreie direkte Aktion [4]. Seine Lebensweise formte er in dieser Zeit unter dem Einfluss von Henry David Thoreau, John Ruskin und Leo Tolstoi [1].

1904 gründete er die Phoenix-Siedlung bei Durban, die sechs Jahre später in der Tolstoi-Farm aufging [1]. Mit seinen Kampagnen erreichte er, dass diskriminierende Gesetze fielen, darunter eine Kopfsteuer [1]. 1906 legte er das Gelübde der Enthaltsamkeit ab [5]. Wann Gandhi Südafrika verließ und Indien erreichte, geben die Quellen unterschiedlich an: Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt in einem Beitrag 1914, in einem anderen Anfang 1915, das King-Institut 1914 und die Gandhi-Chronologie von mkgandhi.org 1915 [1, 2, 4, 5].
Satyagraha und Ahimsa
Jürgenmeyer beschreibt Satyagraha als Lebenspraxis, die Religion, Denken und Handeln verbindet. Gandhi selbst übersetzte den Begriff auch mit "soulforce", der Macht der Nächstenliebe [1]. Eng damit verbunden ist Ahimsa, die Gewaltfreiheit, die er als aktive Nächstenliebe verstand [1].
Dazu kamen weitere Grundsätze: Brahmacarya, die Kontrolle von Körper und Geist, Swadeshi, die Beschränkung auf die unmittelbare Umgebung, und Sarvodaya, die "Wohlfahrt aller", die sich an den Ärmsten ausrichtet. Das Handspinnen, an dem sich nach Gandhis Forderung jeder beteiligen sollte, verband nach Rothermund Strategie und Lebensform. Es entsprach dem Grundsatz, das eigene Brot mit den eigenen Händen zu verdienen, und gab dem Bemühen um Arbeit im indischen Dorf einen konkreten Ausdruck [7]. 1941 schrieb Gandhi ein konstruktives Programm, das er 1945 überarbeitete [1]. Es forderte unter anderem Toleranz, die Abschaffung der Unberührbarkeit, Bildung, Hygiene, die Gleichstellung der Frau und wirtschaftliche Gleichheit [1].
Die Unabhängigkeitsbewegung in Indien
Nach seiner Rückkehr wurde Gandhi zur bestimmenden Figur der Unabhängigkeitsbewegung und machte sie zur Massenbewegung [1]. Der Indische Nationalkongress, im Dezember 1885 gegründet, hatte anfangs fast nur aus Freiberuflern und Unternehmern hoher Kasten bestanden [2]. Unter Gandhi wurde er in den 1920er-Jahren zur Massenorganisation [2]. Die neue Kongressverfassung von 1920 schuf einen Arbeitsausschuss, der nach Rothermund faktisch die Rolle eines Politbüros übernahm [7]. Sein Förderer Gopal Krishna Gokhale, der ihn in die indische Politik einführen sollte, starb schon 1915 [7]. 1917 führte Gandhi seinen ersten Satyagraha-Feldzug in Indien, im Bezirk Champaran in Bihar [5].
Am 6. April 1919 rief er zu einem landesweiten Tag mit Fasten, Versammlungen und Arbeitsniederlegung auf, um gegen die Rowlatt-Gesetze zu protestieren [4]. Als es bei Protesten zu Gewalt kam, brach er die Kampagne nach wenigen Tagen ab [4]. Nach Unruhen in Amritsar ließ ein britischer General auf eine unbewaffnete Menge schießen. Mehrere hundert Menschen wurden getötet. Im Auftrag des Nationalkongresses schrieb Gandhi einen Bericht über die Ereignisse [7].
1920 und 1921 folgte die erste Kampagne der Nichtzusammenarbeit [7]. Inder sollten britische Schulen, Gerichte und Wahlen boykottieren und keine eingeführten Stoffe mehr kaufen [7]. Gandhi verband sie mit der Khilafat-Bewegung, in der indische Muslime gegen die Bedingungen protestierten, die die Briten dem Osmanischen Reich und dem Kalifen auferlegt hatten. So wollte er Hindus und Muslime zusammenführen [7]. Nach gewaltsamen Ausschreitungen in einem Dorf in Nordindien brach er auch diese Kampagne ab [7]. Im März 1922 wurde er festgenommen und wegen Aufruhrs verurteilt [4]. Vor Gericht bekannte er sich schuldig. Die Strafe lautete auf sechs Jahre Haft, nach zwei Jahren kam er aus gesundheitlichen Gründen frei [5, 7]. Wie die britische Herrschaft in Indien entstanden war, beschreibt der Artikel Der Kolonialismus.
Der Salzmarsch von 1930
Am 12. März 1930 brach Gandhi zu seinem Salzmarsch auf [3]. Er richtete sich gegen das britische Salzmonopol und die Salzsteuer [1, 2]. Der Weg führte vom Ashram bei Ahmedabad quer durch Gujarat nach Dandi am Arabischen Meer [1]. In 24 Tagen legte Gandhi fast 400 Kilometer zurück, Tausende Menschen schlossen sich ihm an [3]. Nach dem King-Institut begann er den Marsch mit 80 Freiwilligen [4].

Am Meer hob Gandhi eine Handvoll Salz auf und brach damit öffentlich das Gesetz [1, 3]. Die Regierung ließ ihn und viele Mitstreiter verhaften, die Gefängnisse füllten sich [1]. Wie viele Menschen festgenommen wurden, beziffern die Quellen unterschiedlich: das King-Institut mit über 60.000, der Politikwissenschaftler Joachim Betz mit über 100.000, darunter die Führung des Kongresses [2, 4]. Die Salzsteuer blieb bestehen, doch die Aktion mobilisierte die Bauern, die unter hohen Grundsteuern litten [1, 2]. Ein Jahr später handelte Gandhi einen Waffenstillstand mit Lord Irwin aus [4]. Dieser Gandhi-Irwin-Pakt brachte nach dem Historiker Dietmar Rothermund kaum Zugeständnisse, galt Gandhi aber als Zeichen, dass die Briten mit ihm auf Augenhöhe verhandelten. Winston Churchill sprach damals abfällig von einem "aufrührerischen nackten Fakir" [7].
Quit India und die Jahre in Haft
1934 trat Gandhi aus dem Nationalkongress aus [1]. Sein Ashram in Sevagram bei Wardha blieb nach Rothermund dennoch eine Art inoffizielle Hauptstadt der Kongresspolitik [7]. Immer wieder fastete Gandhi, um moralischen Druck auf Anhänger, Gegner und die Regierung auszuüben [7]. 1942, während des Zweiten Weltkriegs, startete der Kongress die Kampagne "Quit India", mit der er den Abzug der Briten forderte [2]. Die Briten schlugen sie nieder, die Führung des Kongresses blieb bis Kriegsende in Haft [2]. Auch Gandhi wurde 1942 verhaftet [5]. Seine Frau Kasturba starb am 22. Februar 1944 in der Haft, im selben Jahr kam Gandhi frei [5].
Unabhängigkeit und Teilung 1947
1906 war die All-India Muslim League gegründet worden, um die politischen Rechte der Muslime zu schützen [2]. 1909 erhielten Muslime bei Wahlen eigene Wählerschaften [2]. 1916 schlossen Nationalkongress und Muslimliga noch einen gemeinsamen Pakt [7]. Bei den Provinzwahlen von 1937 gewann der Kongress in den meisten Provinzen deutliche Mehrheiten, die Muslimliga siegte nur in einer [2]. 1946 konnten sich Kongress und Muslimliga nicht auf eine gemeinsame Übergangsregierung einigen, und es kam zu ersten größeren religiös begründeten Zusammenstößen [2].
Im Juni 1947 kündigte Lord Mountbatten den Plan an, Britisch-Indien zu teilen [2]. Am 14. und 15. August 1947 wurden Pakistan und Indien unabhängig [2]. Gandhi nahm an den offiziellen Feierlichkeiten nicht teil. Er hielt sich dort auf, wo die Gewalt zwischen Hindus und Muslimen aufflammte [1]. Im selben Jahr erklärte ein Beschluss die Benachteiligung der "Unberührbaren" für gesetzwidrig [4]. Ebenfalls 1947 fastete er 73 Stunden lang in Kalkutta [5].
Für Indien und Pakistan war die Teilung nach Betz ein Desaster. Wenige Tage danach wurden die jeweiligen Minderheiten, vor allem im Punjab, Opfer gewalttätiger Gruppen [2]. Sowohl Betz als auch Jürgenmeyer nennen rund eine Million Tote [1, 2]. Bei den Menschen, die ihre Heimat verloren, weichen die Angaben ab: Jürgenmeyer schreibt von über 15 Millionen Flüchtlingen, Betz von bis zu zwölf Millionen, die auf beiden Seiten in die Flucht getrieben wurden [1, 2]. Gandhi und Nehru hatten sich zunächst gegen die Teilung gestellt und nahmen sie dann hin, um weitere Konflikte zu vermeiden [2]. Gandhi empfand die Ereignisse als persönliche Tragödie. Trotz seines Einsatzes gegen die Gewalt, namentlich in Kalkutta, konnte er den Gang der Ereignisse nicht aufhalten [1]. Wie andere Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangten, beschreibt der Artikel Die Dekolonisierung.
Ermordung am 30. Januar 1948
Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi in Delhi auf dem Weg zu einem Gebetstreffen erschossen [4]. Der Täter war der Hindu-Fanatiker Nathuram Godse [1]. Nach Rothermund fürchtete er, Gandhi werde Pakistan gegenüber zu nachgiebig sein [7]. Kurz vor seinem Tod hatte Gandhi vorgeschlagen, den Kongress aufzulösen, weil sein eigentliches Ziel, die Unabhängigkeit, erreicht sei [1].
Wirkung und Kritik
Martin Luther King lernte Gandhis Ideen im Studium kennen und wandte die gewaltfreie direkte Aktion erstmals beim Busboykott von Montgomery 1955 und 1956 an [4]. 1959 reiste er für fünf Wochen nach Indien, traf die Familie Gandhi und Premierminister Jawaharlal Nehru [4]. In seiner Predigt zum Palmsonntag am 22. März 1959 sprach King über Gandhis Salzmarsch und über sein Fasten [4]. Mehr dazu steht im Lebensbild Martin Luther King.

Seit 2007 begehen die Vereinten Nationen am 2. Oktober, Gandhis Geburtstag, den Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit [6]. Die Generalversammlung beschloss ihn am 15. Juni 2007 mit der Resolution A/RES/61/271 [6].
Gandhis politische Vorstellungen teilten nicht alle Weggefährten. Jürgenmeyer schreibt ihnen anarchistische Züge zu, weil Gandhi einen starken Staat und Mehrheitsentscheidungen ablehnte. Nehru sah die Zukunft Indiens in Stahlwerken, Gandhi im Leben der Dörfer [1]. In Maharashtra führte B. R. Ambedkar die Bewegung der Unberührbaren an [2]. Gandhi selbst fastete in der Haft gegen getrennte Wählerschaften für die Unberührbaren, die in der neuen Verfassung vorgesehen waren [4]. Wie sich die Idee gleicher Rechte für alle Menschen entwickelte, zeigt der Artikel Die Geschichte der Menschenrechte.
- Behörde Clemens Jürgenmeyer: An der Wahrheit festhalten. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.01.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Joachim Betz: Epochen der indischen Geschichte bis 1947. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2007. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 90 Jahren: "Salzmarsch" Mahatma Gandhis (Tägliche Dosis Politik). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 12.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gandhi, Mohandas K.. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Mahatma Gandhi: Chronologie. Bombay Sarvodaya Mandal und Gandhi Research Foundation (mkgandhi.org). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde International Day of Non-Violence, 2 October. Vereinte Nationen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Dietmar Rothermund: Gandhi als Phänomen der indischen Politik (Aus Politik und Zeitgeschichte 24/1969). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 1969. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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