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Maria Theresia: Erbin der Habsburger und Reformerin

Maria Theresia (1717 bis 1780) war die Erbin Kaiser Karls VI. Ab 1740 regierte sie als Königin von Ungarn und Böhmen die habsburgischen Länder, verlor im Erbfolgekrieg den größten Teil Schlesiens an Preußen und baute danach Verwaltung, Heer und Schulwesen um. Ihr Mann Franz Stephan wurde 1745 Kaiser.

Ein barocker Schlossgarten im leichten Herbstregen mit Kieswegen, geschnittenen Hecken und einer langen gelben Fassade
Bild: KI-generiert

Maria Theresia wurde am 13. Mai 1717 in Wien geboren, als Tochter Kaiser Karls VI. und der Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel [1, 3]. Ab 1740 war sie Königin von Ungarn und Böhmen, ab 1745 nannte sie sich römische Kaiserin [1, 3]. Sie starb am 29. November 1780 in Wien und liegt in der Kapuzinergruft [1].

Herkunft und Pragmatische Sanktion

Am 19. April 1713, vier Jahre vor ihrer Geburt, erließ Karl VI. die Pragmatische Sanktion, die das Erbe seiner Töchter sichern sollte [1]. Maria Theresia wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Maria Anna (1718 bis 1744) unterrichtet [1]. Mathematik lehrte sie Johann Jakob Marinoni, Geschichte und Latein Gottfried Wilhelm Spannagl [2]. Auf die Pragmatische Sanktion stützte sie sich, als sie 1740 die Herrschaft über die habsburgischen Länder übernahm [3].

Am 12. Februar 1736 heiratete sie Franz Stephan, damals Herzog von Lothringen [2, 3]. Sein Stammland musste Lothringen nach dem Frieden von 1735 abgeben, dafür erhielt es die Toskana, nachdem dort am 7. Juli 1737 Gian Gastone gestorben war [1]. Ab 1737 war Maria Theresia damit Großherzogin von Toskana [1]. Franz Stephan hielt sich nur vom 19. Januar bis zum 28. April 1739 selbst in der Toskana auf [1].

Regierungsantritt und Erbfolgekrieg

Karl VI. starb am 20. Oktober 1740, und seine Tochter erbte die Monarchie [1, 2]. Gegen sie stand bald eine Koalition aus Preußen, Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien [1]. Friedrich II. von Preußen nahm ihr den größten Teil Schlesiens ab [1]. Dreimal schloss sie mit Preußen Sonderabkommen: 1741 in Klein-Schnellendorf, 1742 in Breslau und Berlin [1]. Wie Preußen unter Friedrich aufstieg, beschreibt das Lebensbild Friedrich der Große.

Eine Burg mit vier Ecktürmen auf einem Hügel über einem breiten Fluss im Morgennebel
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Fünf Monate nach dem Tod ihres Vaters brachte sie ihren Sohn Joseph zur Welt [2]. Im Mai 1741 berief sie den ungarischen Landtag nach Pressburg [2]. Nach der Allgemeinen Deutschen Biographie bewegte ihr persönliches Erscheinen die Mitglieder beider Tafeln dazu, ihr Treue zu schwören und "Blut und Leben für sie hinzuopfern" zu wollen [2]. In Prag nahm sie die Huldigung der böhmischen Stände entgegen und wurde am 12. Mai 1743 zur Königin von Böhmen gekrönt [2].

Mit Preußen endete der Krieg im Frieden von Dresden am 25. Dezember 1745 [1]. Darin bestätigte Österreich die Abtretungen in Schlesien, und Friedrich erkannte Franz Stephan als Kaiser an [2]. Den gesamten Krieg beendete 1748 der Frieden von Aachen. Die Neue Deutsche Biographie datiert ihn auf den 18. Oktober 1748, die Allgemeine Deutsche Biographie nennt den 23. Oktober 1748 als Tag, an dem Wenzel Anton Kaunitz in ihrem Namen unterschrieb [1, 2]. Österreich verlor dabei Parma, Piacenza und Guastalla [2].

Kaiserin an der Seite von Franz Stephan

1745 wurde Franz Stephan als Franz I. Kaiser, die Krönung fand am 4. Oktober 1745 statt [1, 2, 3]. Die Regierung der habsburgischen Länder blieb in der Hand seiner Frau. Das Paar hatte 16 Kinder, darunter die späteren Kaiser Joseph II. und Leopold II., Maximilian Franz, Maria Karolina, Maria Christine und Marie Antoinette [1, 3]. Welche Rolle das Reich spielte, an dessen Spitze Franz stand, erklärt der Artikel Das Heilige Römische Reich.

Ihr ältester Sohn Joseph wurde 1764 zum römischen König gewählt [3]. Am Abend des 18. August 1765 starb Franz Stephan plötzlich [2]. Von diesem Tag an trug Maria Theresia Trauerkleidung [3]. Joseph folgte dem Vater als Kaiser und wurde Mitregent seiner Mutter [2]. Er griff zunehmend in die Staatsgeschäfte ein, über Reformen und religiöse Toleranz kam es zum Streit [2].

Die Staatsreform nach 1745

Nach dem Ende des Krieges mit Preußen wandte sich Maria Theresia dem Umbau des Staates zu [1]. Die treibende Kraft war Friedrich Wilhelm Graf Haugwitz [1]. Erprobt wurde das neue System von Verwaltung und Steuern 1747 in Krain und Kärnten [1]. In den deutschen Erbländern führte ein Handschreiben vom 2. Mai 1749 die Reform ein [1]. Sie fasste die Verwaltung zentral zusammen, trennte die Staatskanzlei ab, beschränkte die Rechte der Landstände, schuf Behörden in den Ländern und legte ein Kataster des Grundbesitzes an [1].

Zur Neuordnung gehörten eine oberste Behörde für Verwaltung und Finanzen, das Directorium in publicis et cameralibus, und die Kreisämter in den Ländern [2]. 1753 setzte Maria Theresia eine Kommission ein, die ein neues Zivilgesetzbuch ausarbeiten sollte [2]. Etwa fünf Jahre nach dem Frieden von Aachen trat Kaunitz sein Amt in Wien an [2]. In den zwei Jahrzehnten nach 1740 wurden die Militärakademie in Wiener Neustadt, eine Ingenieurakademie und das Theresianum gegründet [2, 3]. Nach dem Österreich-Lexikon verbesserte sie auch die Lage der Bauern und schränkte den Einfluss der Kirche ein [3].

Die Pflichten der Bauern gegenüber ihren Grundherren regelten die Robotpatente, die nach Maria Theresias eigener Ansicht nicht genug bewirkten [2]. In Ungarn setzte sie die Neuordnung der bäuerlichen Lasten, die Urbarialregulierung, ohne den Landtag durch [2]. In Böhmen kam es wegen der Bedrückung der Bauern und der Unzufriedenheit mit dem Robotpatent zu Unruhen, über die sie am 30. Januar 1777 ihrem Sohn Ferdinand schrieb [2].

Die Reform des Heeres leiteten Leopold Daun, Karl von Lothringen und Joseph Wenzel Liechtenstein [1]. In der Kirchenpolitik verband sich barocke Frömmigkeit mit Ideen der katholischen Aufklärung [1]. Maria Theresia ließ Feiertage und Wallfahrten verringern und stimmte trotz Bedenken der Aufhebung des Jesuitenordens zu, die 1773 erfolgte [1, 3]. Nichtkatholiken verweigerte sie die bürgerliche Toleranz, was zu Konflikten mit Joseph führte [1]. Als gegen Andersgläubige in Mähren hart vorgegangen wurde, drohte Joseph mit dem Rücktritt als Mitregent, bis seine Mutter die Maßnahmen milderte [2]. Welche Ideen der Zeit dahinterstanden, zeigt der Artikel Die Aufklärung.

Schule und Strafrecht

Eine Schulordnung für Tirol gab es bereits 1747 [2]. Für die Volksschulen holte Maria Theresia später geistliche Fachleute heran, darunter den Abt Johann Ignaz Felbiger [2]. Die Allgemeine Schulordnung von 1774 für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen der Erbländer formulierte im Wesentlichen Felbiger [4]. Sie führte eine Unterrichtspflicht vom 6. bis zum 12. Lebensjahr ein [4].

Ein schlichtes Dorfschulzimmer aus dem 18. Jahrhundert mit Holzbänken, leeren Schiefertafeln und einem Kachelofen
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Das Strafrecht fasste die Constitutio Criminalis Theresiana zusammen. Nach der Allgemeinen Deutschen Biographie wurde das neue Kriminalgesetzbuch am 31. Dezember 1768 veröffentlicht [2]. German History in Documents and Images datiert es auf 1769 und schreibt, es habe trotz der Reformen an älteren Vorstellungen der Strafgerichtsbarkeit festgehalten [5]. Ein Kupferstich aus dem Gesetzbuch zeigt die Verfahren beim peinlichen Verhör, also unter der Folter [5].

Wann die Folter endete, geben die Quellen unterschiedlich an. Nach der Allgemeinen Deutschen Biographie ordnete Maria Theresia am 2. Januar 1776 auf Drängen Josephs die Abschaffung an [2]. German History in Documents and Images nennt 1777 als Jahr, in dem das Habsburgerreich die gerichtliche Folter abschaffte, und hebt den Juristen Joseph von Sonnenfels (1733 bis 1817) hervor, der sich maßgeblich dafür eingesetzt habe [5].

Siebenjähriger Krieg und Bündniswechsel

Schlesien zurückzugewinnen blieb ein Ziel. Staatskanzler Kaunitz leitete die sogenannte diplomatische Revolution ein, die 1757 zum Bündnis mit Frankreich und Russland gegen Preußen führte [1]. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 brachte Schlesien aber nicht zurück [1]. Nach dem Feldzug von 1760 lehnte Maria Theresia Friedensverhandlungen zunächst ab, am Ende war sie nach Arneth froh, dass der Vertrag zustande kam [2]. Der Frieden von Hubertusburg am 15. Februar 1763 beendete den Krieg zwischen Preußen, Österreich und Sachsen und schrieb den Vorkriegsstand fest [6, 7]. Österreich verzichtete endgültig auf Schlesien und die Grafschaft Glatz, das Land blieb bei Preußen [6]. Im Gegenzug versprach Friedrich II. seine Zustimmung zur Kaiserwahl Josephs II. [6]. Maria Theresia hatte gehofft, wenigstens Glatz behalten zu können [2]. Wie die Kriege dieser Zeit geführt wurden, erklärt der Artikel Die Kabinettskriege.

Polen, Bayern und die letzten Jahre

Am 19. Februar 1772 unterzeichneten Russland und Preußen einen Vertrag über die Teilung Polens [2]. Maria Theresia lehnte eine Beteiligung ab, gab aber dem Drängen von Joseph und Kaunitz nach [1, 2]. Auch ihre Zustimmung gab sie nach der Allgemeinen Deutschen Biographie nur widerstrebend [2]. Nach dem Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph am 30. Dezember 1777 ließ Joseph gegen den Willen seiner Mutter Truppen in Bayern einmarschieren [2]. Im folgenden Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 nahm sie heimlich Kontakt zu Preußen auf, um den Krieg abzukürzen [1]. Der Frieden von Teschen am 13. Mai 1779 brachte Österreich das Innviertel [2].

Am 8. November 1780 war sie bei Regen im Park von Schönbrunn auf der Jagd und erkrankte danach [2]. Ab dem 20. November verschlechterte sich ihr Zustand, am 26. und 27. November schrieb sie Abschiedsbriefe an ihren Sohn Leopold und dessen Frau, am späten Abend des 29. November 1780 starb sie im Alter von 63 Jahren [2]. Joseph II. regierte nun allein. Ihre jüngste Tochter Marie Antoinette erlebte als Königin von Frankreich die Umwälzungen, die der Artikel Die Französische Revolution schildert.

Die Neue Deutsche Biographie rechnet ihrer Regierungszeit die meisten grundlegenden Reformen in Verwaltung, Finanzen, Schulwesen, Justiz, Heer und Gesundheitswesen zu, die über ihren Tod hinaus Bestand hatten [1]. Das bedeutendste Denkmal für sie entstand 1888 in Wien [3].

  1. Studie Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich (Neue Deutsche Biographie 16, S. 176 bis 180). Adam Wandruszka, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1990. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Maria Theresia (Allgemeine Deutsche Biographie). Alfred von Arneth, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1884. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Maria Theresia (AEIOU, nach dem Österreich-Lexikon). Austria-Forum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Allgemeine Schulordnung (AEIOU, nach dem Österreich-Lexikon von E. Bruckmüller). Austria-Forum. Stand 26.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Tortur durch Feuer (1769). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Hubertusburg, Frieden von (AEIOU, nach dem Österreich-Lexikon von E. Bruckmüller). Austria-Forum. Stand 26.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation 1763: Das Ende des Siebenjährigen Krieges (LeMO Rückblick, Arnulf Scriba). Deutsches Historisches Museum, LeMO. Stand Februar 2013. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.