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Martin Luther: vom Augustinermönch zum Reformator

Martin Luther (10.11.1483 bis 18.02.1546) war Augustinermönch und Theologieprofessor in Wittenberg. Mit seinen Thesen gegen den Ablass von 1517 löste er die Reformation aus, wurde 1521 gebannt und geächtet und übersetzte die Bibel ins Deutsche; die vollständige Ausgabe erschien 1534.

Eine mittelalterliche Burg auf einem bewaldeten Berg in Thüringen über Morgennebel im Tal
Bild: KI-generiert

Martin Luther kam nach der Neuen Deutschen Biographie am 10.11.1483 in Eisleben zur Welt; das Geburtsdatum versieht sie mit einem Fragezeichen [1]. Er starb am 18.02.1546 ebenfalls in Eisleben und wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg begraben [1]. Dazwischen liegen der Eintritt ins Kloster, die Professur in Wittenberg, der Streit um den Ablass, Bann und Reichsacht, die Übersetzung der Bibel und der Aufbau evangelischer Kirchen. Die Bewegung, die daraus entstand, beschreibt die Seite zur Reformation.

Herkunft, Schule und Studium

Luthers Vater Hans Luder war in Eisleben ein selbst arbeitender Gewerke mit Anteilen an Kupferbergwerken, die Mutter hieß Margarethe, geborene Lindemann [1]. 1484 zog die Familie nach Mansfeld [1]. Der Sohn besuchte Schulen in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach [1].

Ab 1501 studierte Luther in Erfurt. 1502 wurde er Bakkalaureus, 1504 Magister [1].

Mönch in Erfurt, Professor in Wittenberg

Auf der Rückreise nach Erfurt geriet Luther am 02.07.1505 bei Stotternheim in ein Gewitter und gelobte, Mönch zu werden [1]. Am 17.07.1505 bat er die Augustinereremiten in Erfurt um Aufnahme, am 03.04.1507 empfing er die Priesterweihe [1].

Ein stiller spätgotischer Klosterkreuzgang mit Spitzbögen um einen kleinen Kräutergarten im Morgenlicht
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Im Orden gab es damals Streit: Der Erfurter Konvent gehörte zu den strengen Klöstern, die sich gegen den Plan des Generalvikars Johann von Staupitz wehrten, alle deutschen Klöster des Ordens zu vereinen [1]. Im November 1510 reiste Luther deshalb mit einem Ordensbruder nach Rom, um an der Kurie gegen ein Urteil Berufung einzulegen [1]. Die Berufung wurde abgewiesen. Nach etwa vier Wochen in Rom kehrte er Ende Januar oder Anfang Februar 1511 zurück [1]. Schon im Winter 1508 hatte er in Wittenberg Philosophie gelehrt; im September 1511 wurde er dorthin versetzt [1]. Am 18. und 19.10.1512 wurde er dort zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm die Professur für die Auslegung der Bibel [1].

Der Ablassstreit und die 95 Thesen

Am 31.10.1517 schickte Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass an Erzbischof Albrecht von Mainz und an Bischof Hieronymus Schulze von Brandenburg [1]. Albrecht hatte durch den Erwerb seiner Ämter Schulden und hoffte auf einen Anteil am Erlös des Ablasses [1]. Er unterrichtete Rom, worauf Luthers Ordensobere zur Mäßigung angehalten wurden [1]. Der Dominikaner Johann Tetzel, der den Ablass in Norddeutschland vertrieb, verteidigte ihn am 20.01.1518 in Frankfurt an der Oder [1].

Einige Wochen nach dem 31.10.1517 legte Luther die Thesen Briefen an Fachkollegen bei [2]. Humanisten trugen sie weiter, und ohne Luthers Wissen wurden sie an mehreren Orten im Reich gedruckt [2]. Wie schnell sich Flugschriften damals verbreiteten, zeigt die Seite zum Buchdruck.

Gab es den Thesenanschlag?

Das Bild vom Hammer an der Tür der Wittenberger Schlosskirche ist in der Forschung umstritten. Der Historiker Axel Gotthard hält den Anschlag für wahrscheinlich nie geschehen [2]. Nach seiner Darstellung taucht er zuerst einige Monate nach Luthers Tod 1546 in einer Vorrede Philipp Melanchthons auf, der erst seit August 1518 in Wittenberg lebte [2]. Eine Notiz von Luthers Mitarbeiter Georg Rörer, 2007 von Martin Treu entdeckt, stützt sich nach Gotthard wahrscheinlich auf die Universitätsstatuten und nicht auf eigene Erinnerung, denn Rörer war 1517 nicht in Wittenberg [2]. Die NDB nennt den Anschlag zweifelhaft und hält auch einen späteren Zeitpunkt Mitte November 1517 für möglich [1].

Vom Verhör zum Bann

Am 26.04.1518 verteidigte Luther seine Theologie bei der Heidelberger Disputation [1]. Vom 12. bis 14.10.1518 verhörte ihn Kardinal Cajetan in Augsburg [1]. Die Leipziger Disputation dauerte vom 27.06. bis 16.07.1519 [1]. Johannes Eck stritt dort zuerst mit Andreas Karlstadt und vom 04. bis 13.07.1519 mit Luther [1]. Eck brachte Luther zu dem Eingeständnis, dass auch Konzilien irren können. Damit fiel das Konzil als letzte Instanz weg, und Luther berief sich fortan allein auf die Bibel [1].

1520 erschienen drei Schriften, die sein Programm bündelten: Anfang August "An den christlichen Adel deutscher Nation", Anfang Oktober die lateinische Schrift über die "Babylonische Gefangenschaft der Kirche" und "Von der Freiheit eines Christenmenschen", die er an den Papst schickte [1]. Die Bulle "Exsurge Domine" vom 15.06.1520 drohte ihm den Bann an [1]. Johannes Eck ließ sie im September 1520 in Meißen, Merseburg und Brandenburg veröffentlichen, im Oktober gelangte sie nach Wittenberg. Luther verbrannte sie am 10.12.1520 dort [1]. Die Bulle "Decet Romanum Pontificem" vom 03.01.1521 bestätigte den Bann [1].

Reichstag zu Worms und Wartburg

Am 17. und 18.04.1521 stand Luther vor dem Reichstag in Worms [1]. Am zweiten Tag teilte er seine Bücher in drei Gruppen ein und erklärte, er könne nur widerrufen, wenn man ihn mit Zeugnissen der Schrift oder klaren Vernunftgründen widerlege [1]. In seiner Herberge rief er danach "Ich bin hindurch!" [1]. Am 08.05.1521 folgte das Wormser Edikt, das die Reichsacht über ihn verhängte und die Verbrennung seiner Bücher anordnete [1, 4]. Der Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" wurde nach Gotthard erst beim Druck der Rede hinzugefügt [4]. Den Kaiser jener Jahre stellt die Seite zu Karl V. vor.

Eine schlichte holzvertäfelte Burgstube mit Eichentisch, Gänsekiel und Tintenfass vor einem kleinen Bleiglasfenster
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Am 04.05.1521 wurde sein Wagen bei Altenstein überfallen [1]. Auf Umwegen erreichte er nachts die Wartburg, legte die Kutte ab und lebte dort als "Junker Jörg"; nur der Burghauptmann wusste, wer er war [1]. Auf der Burg blieb er von Mai 1521 bis März 1522, am 06.03.1522 kehrte er nach Wittenberg zurück [1]. Dort hatten unter dem Einfluss Karlstadts Unruhen begonnen. Ab dem Sonntag Invokavit, dem 09.03.1522, predigte Luther täglich und beendete sie [1].

Die Bibel auf Deutsch

Auf der Wartburg begann Luther, die Bibel ins Deutsche zu übertragen [1]. Das aus dem Griechischen übersetzte Neue Testament erschien im September 1522, die erste vollständige deutsche Bibelausgabe 1534 [1]. Die NDB nennt ihn "der erste deutsche Volksschriftsteller seiner Zeit" und verweist dafür auf seine Volkssprache, seine Kirchenlieder und die Bibelübersetzung [1].

Eine frühe hölzerne Handdruckpresse in einer dämmrigen Werkstatt mit Setzkästen und trocknenden Papierbögen
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Die überarbeitete Fassung dieser Übersetzung liegt der Ausgabe zugrunde, die auf bibel.domain-root.de vollständig zu lesen ist. Ihre Geschichte erklärt die Seite Die Lutherbibel 1912.

Bauernkrieg, Ehe und der Streit mit Erasmus

Im Bauernkrieg von 1525 schrieb Luther im April zunächst eine "Ermahnung zum Frieden" [1]. Es folgte die Schrift "Wider die mörderischen Rotten der Bauern" und danach ein Sendbrief, in dem er seine harten Worte gegen Kritiker verteidigte [1].

Am 13.06.1525 heiratete er Katharina von Bora [1]. Sie war eine Tochter des Hans von Bora auf Lippendorf bei Leipzig und hatte von 1509 bis 1523 als Nonne im Kloster Nimbschen bei Grimma gelebt [1]. Das Paar bekam drei Söhne und drei Töchter, von denen zwei Töchter jung starben; zu den Söhnen gehörten Johannes (1526) und Paul (1533) [1].

Im selben Jahr brach der Streit mit Erasmus von Rotterdam offen aus. Erasmus hatte 1524 "De libero arbitrio" über den freien Willen veröffentlicht, Luther antwortete 1525 mit "De servo arbitrio" [1]. Auf die spätere Gegenschrift des Erasmus ging er nicht mehr ein [1].

Katechismus, Marburg und Augsburg

Ab 1527 ließ der sächsische Kurfürst die Gemeinden visitieren, weil sich die Bischöfe der Aufgabe entzogen [1]. Aus diesen Erfahrungen entstanden 1529 Luthers Katechismen [1]. Den Kleinen Katechismus schrieb er für den Unterricht und als Hausbuch für Familienväter, den Großen vor allem für Pfarrer [1]. Vom 01. bis 03.10.1529 nahm er am Marburger Religionsgespräch teil [1]. Während des Augsburger Reichstags 1530 blieb er auf der Veste Coburg [1]. Philipp Melanchthon verfasste das Augsburger Bekenntnis weitgehend auf Grundlage der Schwabacher Artikel, Luther billigte es [1]. 1537 entstanden die Schmalkaldischen Artikel [1]. Wie die katholische Kirche auf die Reformation antwortete, beschreibt die Seite zur Gegenreformation.

Luther und die Juden

Zu Luthers Werk gehören Schriften gegen Juden, mit denen sich die evangelische Kirche erst spät auseinandergesetzt hat. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland beschloss dazu am 11.11.2015 in Bremen die Kundgebung "Martin Luther und die Juden" [3]. Darin heißt es, Luther habe zentrale Einsichten seiner Theologie mit judenfeindlichen Denkmustern verknüpft; seine Empfehlungen hätten von einem freundlich werbenden Umgang bis zu Forderungen nach vollständiger Entrechtung und Vertreibung gereicht [3].

1523 hoffte Luther in der Schrift "Dass unser Herr Jesus ein geborener Jude sei", ein freundlicher Umgang werde viele Juden zum Christentum führen [3]. Die Synode sieht in seinen Schriften ab 1538 einen "unverhüllten Judenhass" [3]. 1543 erschien "Von den Juden und ihren Lügen". Am Ende empfahl er der Obrigkeit unter anderem, Synagogen zu verbrennen, jüdische Häuser zu zerstören, Talmud und Gebetbücher zu beschlagnahmen, Handel zu verbieten und Zwangsarbeit aufzuerlegen [3]. Nach der Kundgebung beriefen sich im 19. und 20. Jahrhundert Vertreter des Antijudaismus und des Antisemitismus auf diese Spätschriften, auch in der Zeit des Nationalsozialismus [3]. Einfache Linien von Luther bis dorthin lassen sich nach demselben Text nicht ziehen [3]. Die Geschichte jüdischen Lebens in Europa erzählt die Seite zur Geschichte des Judentums.

Letzte Reise und Tod

Am 23.01.1546 brach Luther ein letztes Mal nach Eisleben auf, am 26.01. predigte er unterwegs in Halle [1]. In Eisleben sollte er ab dem 29.01. Streitigkeiten zwischen den Grafen von Mansfeld schlichten. Die Verhandlungen endeten am 16.02. mit Erfolg, zwei Tage später, am 18.02.1546, starb er [1]. Begraben wurde er in der Schlosskirche zu Wittenberg [1]. Die Stadt, in der er seit 1511 lehrte [1], lässt sich heute auch auf dem Elberadweg besuchen; die Seite Lutherstadt Wittenberg mit dem Rad beschreibt die Stationen.

  1. Studie Gerhard Müller: Luther, Martin, in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1987. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Axel Gotthard: Schlaglicht 1517: Der sogenannte Thesenanschlag. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Kundgebung "Martin Luther und die Juden: Notwendige Erinnerung zum Reformationsjubiläum" der 12. Synode der EKD. Evangelische Kirche in Deutschland. Stand 11.11.2015. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Axel Gotthard: Schlaglicht 1521: Luther und Karl V. in Worms. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.