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Die Gegenreformation: wie die katholische Kirche auf die Reformation antwortete

Gegenreformation nennt man die Versuche der katholischen Kirche und katholischer Fürsten, nach der Reformation Gebiete zum alten Glauben zurückzuführen. Ihre Grundlage schuf das Konzil von Trient von 1545 bis 1563, wichtige Träger waren die Jesuiten. Heute sprechen Historiker oft von katholischer Reform oder von Konfessionalisierung.

Das leere Kirchenschiff einer Barockkirche in Süddeutschland mit weißen Wänden, Goldstuck und Sonnenlicht auf Holzbänken
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Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers und dem Aufbau evangelischer Landeskirchen stand die katholische Kirche vor der Frage, wie sie auf den Verlust ganzer Regionen reagieren sollte. Sie tat es auf zwei Wegen. Ein Konzil legte die katholische Lehre fest und reformierte Klerus und Seelsorge [3]. Katholische Landesherren setzten mit staatlichen Machtmitteln und mit Hilfe neuer Orden durch, dass ihre Untertanen wieder katholisch wurden [1]. Wie es zur Kirchenspaltung kam, erzählt der Artikel zur Reformation.

Gegenreformation oder katholische Reform

Der Begriff hat eine eigene Geschichte. Der Göttinger Jurist Johann Stephan Pütter verwendete ihn 1776 erstmals für die gewaltsame Rückkehr protestantisch gewordener Gebiete zum katholischen Glauben [12, 13]. Leopold von Ranke sprach 1843 vom "Zeitalter der Gegenreformation", Moriz Ritter verwendete den Begriff seit 1889 als Epochenbezeichnung, die nach üblicher Einteilung von 1555 bis 1648 reicht [12, 13].

Wilhelm Maurenbrecher nannte die Erneuerung innerhalb der Kirche "katholische Reformation". Hermann Baumgarten und vor allem Hubert Jedin kritisierten das Wort Gegenreformation, weil es nur die Abwehr beschreibt. Weitgehend durchgesetzt hat sich danach der Begriff "Katholische Reform" [6]. Die heutige Forschung spricht meist von Konfessionalisierung. Den Begriff prägten Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling. Er betont, dass katholische, lutherische und reformierte Obrigkeiten auf ähnliche Weise versuchten, ihre Untertanen auf ein Bekenntnis festzulegen [6].

Die Lage nach dem Augsburger Religionsfrieden

Der Augsburger Religionsfriede von 1555 übertrug dem jeweiligen Landesherrn die Entscheidung über das Bekenntnis seiner Untertanen [1]. Der Grundsatz wurde später mit der Formel "cuius regio, eius religio" zusammengefasst, wessen Land, dessen Religion [6]. Für die katholische Seite hieß das: Wo ein katholischer Fürst regierte, durfte er den evangelischen Glauben zurückdrängen. 1579 beschlossen Karl von Innerösterreich, Ferdinand von Tirol und Wilhelm von Bayern in München, den Protestantismus in ihren Ländern schrittweise zurückzudrängen [1].

Das Konzil von Trient

Papst Paul III. berief das Konzil ein, das von 1545 bis 1563 in Trient tagte [2, 3]. Kaiser Karl V. hoffte, den Streit mit den Protestanten zu entschärfen. Dem Papst ging es nach einer Darstellung des Evangelischen Pressedienstes vor allem darum, das eigene Profil zu schärfen [2]. Trient war ein Kompromissort zwischen Kaiser und Papst, zeitweise wich das Konzil nach Bologna im Kirchenstaat aus [2]. Mehr über den Kaiser steht im Artikel zu Karl V.

Ein romanischer Dom aus hellem Stein in einer italienischen Alpenstadt am Morgen, dahinter grüne Berge
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Die Arbeit zog sich mit langen Pausen über fast zwei Jahrzehnte. In Trient tagte das Konzil in drei Abschnitten, ab Dezember 1545, ab Mai 1551 und ab Januar 1562, dazwischen verlegte es 1547 kurz nach Bologna. Zusammen hielt es 25 Sitzungen [8]. Drei Päpste, Paul III., Julius III. und Marcellus II., erlebten das Ende nicht mehr [2]. Die Protestanten blieben fern, obwohl Paul III. ihnen Redefreiheit zugesichert hatte. Am 4. Dezember 1563 endete das Konzil in der Kathedrale von Trient. Papst Pius IV. bestätigte die Beschlüsse am 26. Januar 1564 mit der Bulle "Benedictus Deus" [2, 8].

Was beschlossen wurde

In der Lehre gingen die Konzilsväter nicht auf die Protestanten zu. Den Grundsatz "allein aus Gnade" lehnten sie ab, gute Werke tragen nach katholischer Lehre zum Heil bei. Gott spreche nicht allein durch die Bibel, auch Konzilsbeschlüsse und päpstliche Lehrentscheidungen hätten bindende Kraft [2]. Für das kirchliche Leben brachte das Konzil Reformen: Geistliche sollten besser ausgebildet werden, Priesterseminare die Vorbereitung auf das Amt übernehmen, und Bischöfe und Pfarrer mussten an ihrem Dienstort wohnen [2]. Dieses Programm bestimmte die Reform der katholischen Kirche für etwa 150 Jahre [3].

Der Kirchenhistoriker Hubert Jedin urteilte, das Konzil sei gerade noch rechtzeitig gekommen, um in den romanischen Ländern eine ähnliche Spaltung wie in Deutschland zu verhindern [2]. Welche Bücher die katholische und die evangelische Bibel jeweils enthalten, erklärt der Artikel Kanon und Apokryphen auf bibel.domain-root.de.

Die Jesuiten

Der wichtigste neue Orden entstand fast gleichzeitig mit dem Konzil. 1534 legten Ignatius von Loyola und sechs Gefährten in einer Kapelle auf dem Pariser Montmartre ein Gelübde ab, 1540 erkannte Papst Paul III. die Gesellschaft Jesu an [5]. Zu den üblichen Gelübden kam ein viertes hinzu, der unbedingte Gehorsam gegenüber dem Papst. Die Jesuiten trugen kein Ordensgewand und beteten nicht gemeinsam im Chor [5]. Ihr Werkzeug waren Schulen, Kollegien und Universitäten, an denen sie kostenlos unterrichteten [5].

Ein langer gewölbter Gang eines Kollegs aus dem 16. Jahrhundert mit Bogenfenstern und abgetretenem Steinboden
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Wie das in der Praxis aussah, zeigt Ingolstadt. Herzog Wilhelm IV. von Bayern wollte die Universität reformieren und verhandelte mit dem Orden. Am 13. November 1549 kamen Petrus Canisius, Claudius Jajus und Alfons Salmeron als erste Jesuiten an. Zum ersten Mal besetzten damit Jesuiten Lehrstühle an einer deutschen Universität [4]. Weil sich der Bau ihres Kollegs verzögerte, verließen sie Ingolstadt 1552 vorübergehend, bis Herzog Albrecht V. sie zurückholte [4]. Ab 1558 lehrten sie auch an der Artistenfakultät, 1585 gehörten ihnen dort alle Professuren [4]. In den habsburgischen Ländern gründeten die Jesuiten Kollegien in Wien 1551, Innsbruck 1562, Graz 1573 und Linz 1602. Die Grazer Jesuitenuniversität von 1585 wurde zum geistigen Mittelpunkt Innerösterreichs [1].

Auch außerhalb Europas warben die Jesuiten für den katholischen Glauben. In Südamerika gründeten sie Reduktionen, Siedlungen für sesshaft gemachte Indigene, in denen zeitweise etwa 100.000 Menschen in 30 Orten lebten [5]. Matteo Ricci gelangte 1601 als erster Europäer in die Verbotene Stadt in Peking und wurde Hofastronom [5]. Papst Clemens XIV. hob den Orden 1773 auf, Pius VII. stellte ihn am 7. August 1814 wieder her [5].

Inquisition und Bücherverbote

Zur Abwehr gehörte auch die Kontrolle von Lehre und Schrifttum. 1542 gründete Paul III. mit der Bulle "Licet ab initio" die Römische Inquisition und ernannte sechs Kardinäle zu Generalinquisitoren für die ganze Kirche [7, 11]. Paul IV. veröffentlichte 1559 den ersten römischen Index der verbotenen Bücher. Pius IV. erließ 1564 eine überarbeitete Fassung, die nach dem Konzil "Tridentinischer Index" heißt, und 1571 richtete Pius V. eine eigene Indexkongregation ein [7, 9].

Die Liste bestand fast vier Jahrhunderte. Die letzte Ausgabe erschien 1948, 1966 setzte Papst Paul VI. die kirchliche Buchzensur offiziell außer Kraft [10].

Die Habsburger und die Rekatholisierung

In Österreich lässt sich die Gegenreformation als Machtfrage besonders gut verfolgen. Die Habsburger lehnten den Protestantismus ab, mussten aber den meist protestantischen Landständen wegen der Bedrohung durch die Osmanen immer wieder entgegenkommen [1]. Ferdinand I. erließ 1548 eine Reformationsordnung auf katholischer Grundlage und holte die Jesuiten ins Land. Kaiser Rudolf II. ließ 1576 die ersten Maßnahmen in Wien und Niederösterreich einleiten [1].

JahrEreignis
1580Verbot evangelischer Gottesdienste in den Städten und Märkten Innerösterreichs [1]
1599Ferdinand II., damals Erzherzog, weist Protestanten aus Innerösterreich aus [1]
1620Schlacht am Weißen Berg bei Prag, Ende der Religionszugeständnisse an die evangelischen Stände [1]
1625/26Bauernkrieg in Oberösterreich nach dem Frankenburger Würfelspiel [1]
1627Ausweisung evangelischer Prediger und Schulmeister aus Niederösterreich [1]
1628Evangelischer Adel Innerösterreichs muss konvertieren oder auswandern [1]

Nach Schätzungen verließen rund 100.000 Protestanten Österreich [1]. Aus Salzburg zogen ab 1731 Ausgewiesene nach Ost- und Westpreußen [6]. In Böhmen besiegte Ferdinand II. 1620 die aufständischen Stände, evangelische Adlige und Geistliche mussten danach konvertieren oder gehen [6]. Wie aus dem böhmischen Konflikt ein europäischer Krieg wurde, beschreibt der Artikel zum Dreißigjährigen Krieg.

Konfessionelle Konflikte in Europa

Außerhalb der habsburgischen Länder wurde der Streit oft mit Waffen ausgetragen. Im Truchsessischen oder Kölner Krieg von 1583 bis 1588 setzte sich im Kurfürstentum Köln der katholische Glaube wieder durch [6]. In Frankreich begann die Verfolgung der Hugenotten mit der Bartholomäusnacht am 24. August 1572. Das Edikt von Nantes beendete 1598 die Religionskriege, Ludwig XIV. hob es am 23. Oktober 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau wieder auf. Brandenburg bot den Flüchtlingen daraufhin mit dem Edikt von Potsdam Zuflucht [6]. Einen Überblick gibt der Artikel zu den Religionskriegen der Frühen Neuzeit.

Barock und Frömmigkeit

Die Gegenreformation wollte die Menschen auch über die Sinne erreichen. Barocke Kirchenbauten, Malerei, Musik und Theater dienten dazu, für den katholischen Glauben zu werben, ebenso die Marienverehrung [6]. Das Theater spielte im Unterricht der Jesuiten eine große Rolle. Der Forscher Jean-Marie Valentin zählte 7.650 Titel von Jesuitendramen [6]. In Bayern holte Herzog Wilhelm V. 1593 den Publizisten Aegidius Albertinus aus Spanien nach München, damit er für die katholische Sache schrieb [6]. In Österreich folgte auf die Rekatholisierung die Blüte des Barock [1]. Wie diese Kunst aussah, zeigt der Artikel zum Barock.

Eine weiße Wallfahrtskirche mit Zwiebelturm auf einem grünen Hügel in einem Alpental im Abendlicht
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Wann die Gegenreformation endete

Ein festes Enddatum gibt es nicht. Wer der Einteilung von Moriz Ritter folgt, lässt das Zeitalter mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 auslaufen [6]. In Österreich erlaubte erst das Toleranzpatent Josephs II. von 1781 den evangelischen Glauben wieder, viele sehen darin das Ende der Gegenreformation [1, 6]. Zuvor hatte es im 18. Jahrhundert noch Zwangsumsiedlungen evangelischer Österreicher nach Ungarn und Siebenbürgen gegeben [1]. Was der Friedensschluss von 1648 für die Konfessionen regelte, steht im Artikel zum Westfälischen Frieden.

  1. Organisation Gegenreformation (AEIOU Österreich-Lexikon). Austria-Forum, Technische Universität Graz. Stand 26.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. Nils Sandrisser: Das Konzil von Trient: Kompromisslos gegen Protestanten. evangelisch.de (Evangelischer Pressedienst). Stand 04.12.2013. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Konzil von Trient (Bildquelle mit Erläuterung). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation 1549 bis 1773: Die Jesuiten an der Universität. Ludwig-Maximilians-Universität München. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Horst Basting: Ordensleute: Die Jesuiten (Planet Wissen). WDR. Stand 22.09.2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Gegenreformation. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Index Librorum Prohibitorum. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Council of Trent (Catholic Encyclopedia, Bd. 15). The Encyclopedia Press, New Advent. Stand 1912. abgerufen am 29.10.2026
  9. Index of Prohibited Books. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Christoph Arens, Markus Brauer: Buchzensur in den USA, warum die Kirche seit 60 Jahren keine Bücher mehr verbietet. Stuttgarter Zeitung (KNA). Stand 15.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Supreme Sacred Congregation of the Roman and Universal Inquisition. Catholic Archives Ireland. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Gegenreformation (Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft). Duden. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Gegenreformation (Preußen-Chronik). rbb. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.