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Die Diktatur: Begriff, Formen und Geschichte
Eine Diktatur ist eine Herrschaftsform, in der demokratische Rechte aufgehoben sind und eine Person oder eine Gruppe uneingeschränkt über Volk und Staat herrscht. Der Begriff stammt aus dem alten Rom, wo ein Diktator in Notlagen für höchstens sechs Monate außerordentliche Vollmachten erhielt. Die Forschung unterscheidet unter anderem autoritäre und totalitäre Diktaturen.

Das Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Diktatur als Herrschaftsform, in der demokratische Rechte aufgehoben sind und eine Person oder eine Gruppe uneingeschränkt über Volk und Staat herrscht [1]. Meist berufen sich Diktatoren auf einen äußeren oder inneren Notstand, um eine unrechtmäßige Machtübernahme zu rechtfertigen [1]. Das Jugendlexikon der Bundeszentrale nennt die Diktatur das Gegenteil der Demokratie, weil die Macht bei wenigen liegt, etwa bei einer Partei oder einer einzelnen Person [2]. Wie die Demokratie selbst entstand, erzählt der Beitrag Die Geschichte der Demokratie.
Ein Notstandsamt im alten Rom
Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bezeichnete ursprünglich jemanden, der Befehle gibt [3]. In der römischen Republik war der Diktator ein Amtsträger mit außerordentlichen Vollmachten, der in einer Notlage ernannt wurde [3]. Ernennen durfte ihn ein Konsul, in Notfällen auch ein Prätor, und gegen den Vorschlag gab es kein Veto [3]. Das Amt dauerte höchstens sechs Monate [3]. Dem Diktator stand ein Reiterführer, der magister equitum, zur Seite [3]. Der Geschichtsschreiber Livius soll gesagt haben, dass Sulla als Diktator von 24 Liktoren begleitet wurde [3].

Als erster Diktator Roms gilt Aulus Postumius Albinus im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts v. Chr., als die latinischen Verbündeten sich erhoben [3]. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. setzten die Römer das Amt auch bei inneren Problemen ein, etwa bei schwierigen Wahlen [3]. Nach 202 v. Chr. wurde es abgeschafft, in Notfällen erhielten stattdessen die Konsuln durch einen Senatsbeschluss besondere Vollmachten [3]. Im 1. Jahrhundert v. Chr. ließen sich Sulla und Caesar zu Diktatoren machen. Livius.org beschreibt das Amt bei ihnen als bloßes Werkzeug persönlicher Macht [3]. Wie Caesar die Republik veränderte, steht im Lebensbild Gaius Julius Caesar.
Merkmale einer Diktatur
Diktaturen lassen sich nach mehreren Gesichtspunkten unterscheiden. Das Politiklexikon nennt die Dauer, etwa bei einer Übergangsdiktatur, die Zahl der Herrschenden, etwa bei einer Parteidiktatur, die politische Richtung und das Ausmaß der Gewalt bis zur totalitären Diktatur [1]. Als Beispiele führt es die nationalsozialistische Diktatur und den Stalinismus an [1].
Das Jugendlexikon beschreibt typische Züge aus der Sicht der Betroffenen. Ein Diktator wird meistens nicht gewählt und reißt die Macht mit Gewalt an sich, häufig mit Hilfe des Militärs [2]. Die Menschen können ihre Meinung nicht frei sagen, und wer Kritik übt, kann festgenommen und in Gefängnisse oder Arbeitslager gebracht werden [2]. Gefangene werden gefoltert und getötet, Angehörige erfahren manchmal jahrelang nichts über ihren Verbleib [2]. Als Beispiel nennt das Lexikon die DDR, deren Unrecht die Bundesstiftung Aufarbeitung untersucht [2]. Wie der Staat der SED aufgebaut war, beschreibt der Beitrag DDR und Bundesrepublik.
Autoritär oder totalitär
Der Begriff "totalitär" kam in Italien als Kritik am Faschismus auf. Der liberale Politiker Giovanni Amendola nannte den Faschismus ein "sistema totalitario", das nach absoluter und unkontrollierter Herrschaft strebe [4]. Nach Mussolinis Machtübernahme im Januar 1925 bezeichnete er Kommunismus und Faschismus als totalitäre Reaktion auf Liberalismus und Demokratie [4]. Früh griffen auch der Sozialist Lelio Basso und der katholische Priester Luigi Sturzo den Begriff auf [4]. Hannah Arendts Buch "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" erschien 1951 in amerikanischen und englischen Ausgaben, die deutsche Ausgabe von 1955 enthielt zusätzlich den Aufsatz "Ideologie und Terror" [4].
1956 veröffentlichten Carl J. Friedrich und Zbigniew K. Brzezinski das Buch "Totalitarian Dictatorship and Autocracy" [4]. Darin nennen sie sechs Merkmale totalitärer Diktaturen [4]:
- eine offizielle Ideologie, die alle wichtigen Lebensbereiche umfasst und auf ein Endziel ausgerichtet ist
- eine einzige Massenpartei, meist hierarchisch von einem Führer geleitet und mit der staatlichen Verwaltung verflochten
- ein fast vollständiges Monopol über alle wichtigen Kampfmittel
- ein fast vollständiges Monopol über die Massenmedien
- eine terroristische Polizeikontrolle, die auch willkürlich ausgewählte Gruppen trifft
- die zentrale Lenkung der Wirtschaft
Autoritäre Diktaturen streben dagegen nach Clemens Vollnhals keine umfassende Kontrolle über alle Lebensbereiche an und lassen eine begrenzte Vielfalt in der Gesellschaft zu [4]. Das Politiklexikon versteht unter Totalitarismus eine Herrschaft, die die uneingeschränkte Verfügung über die Beherrschten verlangt, und nennt Faschismus, Nationalsozialismus und den Sowjetkommunismus Stalins als Beispiele [5]. Die Ideengeschichte dahinter behandelt der Beitrag Der Kommunismus.
Der Weg in die Diktatur 1933
Am 23. März 1933 stimmte der Reichstag über das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" ab [6]. Es erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Reichstag und Reichsrat und ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten zu erlassen [6]. Weil es die Verfassung änderte, brauchte es eine Zweidrittelmehrheit [6].
444 Abgeordnete von NSDAP, DNVP, Zentrum, BVP und Deutscher Staatspartei stimmten zu [6]. Die 94 Abgeordneten der SPD stimmten trotz der Einschüchterung durch die SA im Reichstag dagegen, ihr Vorsitzender Otto Wels verteidigte in einer Rede die parlamentarische Demokratie [6]. Die 81 Abgeordneten der KPD konnten nicht abstimmen, ihre Mandate waren am 8. März 1933 auf Grundlage der Reichstagsbrandverordnung aufgehoben worden [6]. Das Gesetz galt zunächst für vier Jahre, wurde 1937, 1939 und 1943 verlängert und blieb bis Mai 1945 die Grundlage der Gesetzgebung [6]. Mehr dazu steht in den Beiträgen Die Weimarer Republik und Der Nationalsozialismus.
Militärdiktaturen in Lateinamerika
In Chile bombardierte die Luftwaffe am 11. September 1973 den Präsidentenpalast La Moneda in Santiago [7]. Als die Armee den Palast stürmte, nahm sich Präsident Salvador Allende das Leben, was ein Obduktionsbericht nach der Exhumierung 2011 bestätigte [7]. Damit begann unter General Augusto Pinochet, dem kurz zuvor ernannten Oberbefehlshaber des Heeres, eine Militärdiktatur, die 17 Jahre dauerte [7]. Die 1990 eingesetzte Rettig-Kommission stufte nach der Nationalbibliothek Chiles 2.279 Menschen als Opfer politischer Gewalt ein [10]. Die Bundeszentrale nennt über 3.000 politische Morde, über 40.000 politische Häftlinge und knapp eine Viertelmillion Menschen, die ins Ausland fliehen mussten [7]. Nach den Berichten der späteren Kommissionen erkannte der chilenische Staat bis 2011 insgesamt 40.018 Menschen als Opfer an, darunter 3.065 Getötete und Verschwundene [11].

In Argentinien nahm eine Gruppe von Offizieren unter General Jorge Rafael Videla am 24. März 1976 Präsidentin Isabel Martínez de Perón fest [8]. Die Junta baute ein System der Überwachung auf und ging in einem sogenannten schmutzigen Krieg gegen Oppositionelle vor [8]. Wie viele Menschen verschwanden, die Desaparecidos auf Spanisch, ist umstritten. Die Kommission CONADEP dokumentierte in ihrem Abschlussbericht "Nunca Más" 8.963 Fälle [8]. Die Zeitung La Nación nennt für diesen Bericht 8.961 Fälle und weist darauf hin, dass er nur Anzeigen mit unbekanntem Aufenthaltsort erfasste [12]. Human Rights Watch und Amnesty International gehen von 15.000 Verschwundenen aus, andere Menschenrechtsorganisationen und Medien von bis zu 30.000 [8]. Nach Angaben der Bundeszentrale, die dafür keine Quelle nennt, floh etwa eine halbe Million Menschen ins Ausland [8].
Wie Diktaturen enden
Die argentinische Junta verlor nach der Niederlage im Krieg um die Falklandinseln, argentinisch Malvinas, im Jahr 1982 an Rückhalt [8]. Großbritannien hatte einen Verband mit rund 28.000 Einsatzkräften entsandt und den Krieg nach 72 Tagen gewonnen [8]. Am 30. Oktober 1983 fanden die ersten freien Wahlen seit mehr als zehn Jahren statt, Präsident wurde Raúl Alfonsín [8]. 1985 erhielten die Anführer der Junta lange Haftstrafen. Im Dezember 1986 begrenzte das Schlusspunktgesetz, die Ley de Punto Final, die Strafverfolgung auf eine Frist von 60 Tagen, und 1989/90 begnadigte Präsident Carlos Menem die verurteilten Offiziere, darunter Videla [8]. 2003 hob der Kongress die Amnestiegesetze auf, 2005 erklärte der Oberste Gerichtshof Menems Begnadigungsdekret von 1990 für verfassungswidrig [8]. 2010 verurteilte ein Gericht in Córdoba Videla wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft, am 17. Mai 2013 starb er im Gefängnis [8].
In Chile stimmte 1988 bei einer Volksabstimmung eine Mehrheit gegen eine weitere Amtszeit Pinochets, Ende 1989 wurde Patricio Aylwin zum Präsidenten gewählt [7]. Pinochet schied 1990 aus dem Amt und wurde Senator auf Lebenszeit [7]. In Deutschland endete die NS-Diktatur erst mit der militärischen Niederlage im Mai 1945 [6].
Diktaturen und Autokratien heute
Das V-Dem-Institut der Universität Göteborg misst jedes Jahr den Stand der Demokratie in der Welt. V-Dem verwendet in seiner Einteilung den Begriff Autokratie und unterscheidet vier Regimetypen. In einer geschlossenen Autokratie gibt es keine Mehrparteienwahlen für die Regierung und keine grundlegenden demokratischen Freiheiten. In einer Wahlautokratie gibt es Mehrparteienwahlen, aber Meinungs- und Vereinigungsfreiheit und faire Wahlen reichen nicht aus. Dazu kommen Wahldemokratien und liberale Demokratien [9]. Ende 2025 zählte es 92 Autokratien und 87 Demokratien [9]. 74 Prozent der Weltbevölkerung, rund sechs Milliarden Menschen, lebten danach in Autokratien, nur 7 Prozent in liberalen Demokratien [9]. Auf Wahlautokratien entfielen 46 Prozent der Weltbevölkerung, auf geschlossene Autokratien 28 Prozent [9]. 41 Prozent der Weltbevölkerung, 3,4 Milliarden Menschen, lebten in Ländern, die sich nach dem Bericht in Richtung Autokratie entwickeln [9]. 44 Länder befinden sich nach dem Bericht in einem Prozess der Autokratisierung, darunter sieben Mitgliedstaaten der Europäischen Union [9]. Wie Demokratie in Deutschland funktioniert, erklärt die Seite Was ist Demokratie? auf demokratie.domain-root.de.

| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| nach 202 v. Chr. | Rom schafft das reguläre Diktatorenamt ab |
| 23.03.1933 | Reichstag stimmt dem Ermächtigungsgesetz zu |
| 11.09.1973 | Militärputsch in Chile |
| 24.03.1976 | Militärputsch in Argentinien |
| 30.10.1983 | Erste freie Wahlen in Argentinien nach der Diktatur |
| 1988 | Volksabstimmung in Chile gegen Pinochet |
Die Daten der Tabelle stammen aus Livius.org, dem LeMO und den Beiträgen der Bundeszentrale für politische Bildung [3, 6, 7, 8].
- Klaus Schubert, Martina Klein: Diktatur, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage, Dietz 2020. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Gerd Schneider, Christiane Toyka-Seid: Diktatur / Diktator, in: Das junge Politik-Lexikon. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Jona Lendering: Dictator. Livius.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Clemens Vollnhals: Der Totalitarismusbegriff im Wandel, APuZ 39/2006. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 21.09.2006. abgerufen am 29.10.2026
- Klaus Schubert, Martina Klein: Totalitarismus, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage, Dietz 2020. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Arnulf Scriba: Das Ermächtigungsgesetz. LeMO, Deutsches Historisches Museum. Stand 22.06.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 11. September 1973: Militärputsch in Chile. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.09.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 40 Jahren: Beginn der Militärdiktatur in Argentinien. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 22.03.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Marina Nord, David Altman, Tiago Fernandes, Ana Good God, Staffan I. Lindberg: Democracy Report 2026. Unraveling The Democratic Era?. V-Dem Institute, Universität Göteborg. Stand 03.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Informe Rettig. Memoria Chilena, Biblioteca Nacional de Chile. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Chile recognizes 9,800 more Pinochet victims (AP). Bangor Daily News. Stand 18.08.2011. abgerufen am 29.10.2026
- El número de 30.000 desaparecidos está lejos de las víctimas registradas por la CONADEP. La Nación. Stand 25.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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