Das 20. JahrhundertRatgeber
Der Nationalsozialismus: Aufstieg, Herrschaft und Verbrechen
Der Nationalsozialismus war eine rassistische und antisemitische Bewegung, die Deutschland von 1933 bis 1945 als Diktatur beherrschte. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 schaltete die NSDAP binnen anderthalb Jahren Parlament, Länder, Parteien und Gewerkschaften aus. Das Regime entfesselte den Zweiten Weltkrieg und ermordete rund 5,6 Millionen europäische Juden.

Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland die Nationalsozialisten. Ihre Partei, die NSDAP, war aus einer Münchner Splittergruppe hervorgegangen und wurde in der Krise der Weimarer Republik zur stärksten Partei. Innerhalb von anderthalb Jahren nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler hatte sie die Demokratie beseitigt [1, 2]. Das Regime verfolgte politische Gegner, entrechtete und ermordete die Juden Europas und begann den Zweiten Weltkrieg, der über 50 Millionen Menschen das Leben kostete [4, 6].
Der Aufstieg der NSDAP bis 1932
Am 5. Januar 1919 gründeten Anton Drexler und Karl Harrer in München die Deutsche Arbeiterpartei. Im Februar 1920 benannte sie sich in NSDAP um, Hitler stellte vor etwa 2.000 Zuhörern im Hofbräuhaus ihr 25-Punkte-Programm vor. Im Juli 1921 übernahm er den Parteivorsitz [1]. Am 8. und 9. November 1923 versuchte er zusammen mit Erich Ludendorff in München einen Putsch. Vier Polizisten und 14 Putschisten starben. Hitler wurde zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, kam aber schon am 20. Dezember 1924 frei [1]. 1925 und 1926 erschien sein Buch "Mein Kampf" in zwei Bänden [1].
Nach der Neugründung im Februar 1925 blieb die Partei zunächst klein. Das änderte sich mit der Weltwirtschaftskrise. Im Februar 1932 waren über 6 Millionen Menschen arbeitslos, Reichskanzler Heinrich Brüning regierte mit Notverordnungen des Reichspräsidenten [1]. Die Wahlergebnisse der NSDAP bei Reichstagswahlen zeigen den Sprung [1]:
| Reichstagswahl | Stimmenanteil der NSDAP |
|---|---|
| 20.05.1928 | 2,6 Prozent, 12 Sitze |
| 14.09.1930 | 18,3 Prozent, 107 Sitze |
| 31.07.1932 | 37,3 Prozent, 230 Sitze, stärkste Partei |
| 06.11.1932 | 33,1 Prozent, rund 2 Millionen Stimmen weniger |
In evangelischen Gegenden fand die NSDAP deutlich mehr Zuspruch als in katholischen, 1930 wählten sie doppelt so viele Protestanten wie Katholiken. Stark war sie auf dem Land und unter Beamten. Arbeitslose wählten sie seltener als Arbeiter mit Stelle [1]. Bei der Reichspräsidentenwahl im April 1932 unterlag Hitler im zweiten Wahlgang mit 36,8 Prozent gegen Paul von Hindenburg [1].
Die Machtübernahme 1933
Ende Januar 1933 trat Reichskanzler Kurt von Schleicher zurück, Hindenburg war nun bereit, ein Kabinett unter Hitler zu ernennen [1]. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler. Franz von Papen wurde Vizekanzler, Alfred Hugenberg übernahm zwei Ministerien, und nur wenige Nationalsozialisten saßen im Kabinett [2]. Wie dieser Tag ablief, beschreibt politische-news.de im Beitrag 30. Januar 1933: die Machtübertragung.

Die Diktatur entstand in wenigen Monaten [2]:
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 27.02.1933 | Der Reichstag brennt. Am nächsten Tag setzt eine Notverordnung "zum Schutz von Volk und Staat" zentrale Grundrechte außer Kraft, in Preußen werden rund 5.000 Menschen verhaftet. |
| 05.03.1933 | Reichstagswahl: NSDAP 43,9 Prozent, die absolute Mehrheit verfehlt sie |
| 23.03.1933 | Der Reichstag beschließt das Ermächtigungsgesetz mit 444 zu 94 Stimmen, nur die SPD stimmt dagegen |
| 31.03.1933 | Das Gleichschaltungsgesetz löst Landtage und Gemeindeparlamente auf |
| 01.04.1933 | Reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte, am 7. April folgt das Berufsbeamtengesetz |
| 02.05.1933 | Die SA zerschlägt die Gewerkschaften, die Deutsche Arbeitsfront entsteht |
| 14.07.1933 | Die NSDAP wird per Gesetz einzige Partei, die SPD war am 22. Juni zur volks- und staatsfeindlichen Organisation erklärt worden |
| 30.06.1934 | Die SA-Führung um Ernst Röhm wird ermordet, insgesamt sterben etwa 300 Menschen |
| 02.08.1934 | Hindenburg stirbt, Hitler vereint die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers |
Die Zustimmung von Zentrum und Bayerischer Volkspartei verschaffte der Regierung die nötige Zweidrittelmehrheit für das Ermächtigungsgesetz. Damit konnte die Regierung Gesetze ohne den Reichstag erlassen [2]. Am 19. August 1934 stimmten in einer nicht mehr freien Volksabstimmung knapp 90 Prozent für die Vereinigung der Ämter in Hitlers Person [2]. Welche Lehren das Grundgesetz von 1949 aus diesem Weg zog, erklärt die Seite Das Grundgesetz einfach erklärt.
"Volksgemeinschaft" und Alltag
Ziel der Nationalsozialisten war eine "Volksgemeinschaft", die auf Rasse und Erbbiologie beruhen sollte. Wer dazugehörte, wurde mit Propaganda, Freizeitangeboten und sozialen Versprechen umworben. Wer nicht dazugehören sollte, wurde ausgegrenzt: Juden, Sinti und Roma, als "asozial" Bezeichnete, Kranke und Menschen mit Behinderung [3]. Einbeziehung und Ausschluss hingen untrennbar zusammen [3].
Die Arbeitslosigkeit sank von fünf Millionen im September 1932 auf unter eine Million 1937. Hauptursache war die Aufrüstung. Bis 1939 gab der Staat dafür 62 Milliarden Reichsmark aus, zuletzt rund 23 Prozent des Bruttosozialprodukts [3]. Die Deutsche Arbeitsfront unter Robert Ley ersetzte die Gewerkschaften, Löhne bestimmten nun staatliche Treuhänder. Ihre Unterorganisation "Kraft durch Freude" schickte 1935 über 5,7 Millionen Menschen auf Kurzreisen. Für den versprochenen KdF-Wagen zahlten 336.000 Sparer ein, ausgeliefert wurde kein einziges Auto [3]. 1936 wurde die Hitlerjugend zur Staatsjugend erklärt, 1939 erfasste sie 8,7 Millionen Jugendliche [3].
Im September 1939 hatte die NSDAP 5,3 Millionen Mitglieder, rund zwei Drittel der Bevölkerung waren in einer ihrer Organisationen erfasst. Der Historiker Michael Wildt betont, dass die Begeisterung vieler Deutscher nicht allein auf Propaganda beruhte [3].
Verfolgung und Novemberpogrom
Der Terror richtete sich zuerst gegen Kommunisten und Sozialdemokraten. Im Juni 1933 nahm die SA in Berlin-Köpenick über 500 Männer fest, 91 von ihnen starben an der Folter [4]. Heinrich Himmler übernahm im März 1933 die politische Polizei in Bayern und das Konzentrationslager Dachau, 1936 wurde er Chef der gesamten deutschen Polizei [4]. Ein Gesetz vom 14. Juli 1933 erlaubte Zwangssterilisationen, bis 1939 wurden nach amtlichen NS-Angaben etwa 300.000 Menschen sterilisiert, die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen [4].
Am 15. September 1935 beschloss der Reichstag auf dem Parteitag in Nürnberg die "Nürnberger Gesetze". Sie verboten Ehen zwischen Juden und Nichtjuden [4]. Rund 100.000 Betriebe in jüdischem Besitz wechselten im Zuge der "Arisierung" den Eigentümer. Wie viele Menschen davon profitierten, zeigt Hamburg: Dort wurde 1941 der Besitz von rund 30.000 jüdischen Familien versteigert, etwa 100.000 Hamburger kauften mit [3]. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im ganzen Reich Synagogen. 1.406 Synagogen und Betstuben wurden zerstört, 191 davon in Brand gesteckt, über 7.500 jüdische Geschäfte zertrümmert und geplündert [11]. Nach der Bilanz des Regimes starben 91 Menschen. Die Forschung geht von über 1.500 Todesopfern während des Pogroms und an seinen Folgen aus, mindestens hundert Menschen wurden unmittelbar ermordet [4, 11]. Rund 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen gebracht [11]. Insgesamt konnten sich rund 270.000 deutsche Juden durch Auswanderung retten [4].
Krieg, Völkermord und Ende
Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen, am 22. Juni 1941 die Sowjetunion [6]. Den Verlauf beschreibt der Artikel über den Zweiten Weltkrieg. Mit dem Krieg ging die Judenverfolgung in Massenmord über [4]. Mehr als 30 Polizeibataillone ermordeten in der Sowjetunion 1941 und 1942 über eine Million Menschen, die Wehrmacht unterstützte an vielen Orten die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei, allein in der Schlucht von Babyn Jar bei Kiew Ende September 1941 rund 34.000 Juden. Seit September 1941 mussten alle Juden in Deutschland ab sechs Jahren den gelben Stern tragen [4, 5]. Ab Oktober 1941 wurden die deutschen Juden deportiert, am 20. Januar 1942 stimmten Vertreter der beteiligten Behörden auf der Wannsee-Konferenz den Völkermord ab [5]. In Vernichtungslagern wie Treblinka, Belzec, Sobibor und Auschwitz wurden Menschen aus ganz Europa ermordet [5].

Rund 5,6 Millionen europäische Juden wurden ermordet, dazu mehr als 250.000 Sinti und Roma [5]. Mehr darüber steht im Artikel über den Holocaust.
In München verteilte die Gruppe "Weiße Rose" ab dem Sommer 1942 Flugblätter. Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst wurden im Februar 1943 verhaftet und am 22. Februar hingerichtet [7]. Am 20. Juli 1944 zündete Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Hauptquartier "Wolfsschanze" eine Bombe, Hitler überlebte leicht verletzt. Stauffenberg und weitere Verschwörer wurden noch in der Nacht erschossen, Hunderte später hingerichtet [8].
Hitler nahm sich am 30. April 1945 in Berlin das Leben. Am 8. und 9. Mai 1945 wurde die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst unterzeichnet [6]. Der Krieg hatte über 50 Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben gekostet, darunter über 25 Millionen Menschen aus der Sowjetunion und etwa 6 Millionen aus Polen [6]. Die Hauptverantwortlichen, die noch lebten, standen ab November 1945 in Nürnberg vor Gericht, wie der Artikel über die Nürnberger Prozesse zeigt.
- Studie Michael Wildt: Aufstieg (Informationen zur politischen Bildung, Heft 314). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.05.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Michael Wildt: Machteroberung 1933 (Informationen zur politischen Bildung, Heft 314). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.05.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Michael Wildt: "Volksgemeinschaft" (Informationen zur politischen Bildung, Heft 314). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.05.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Michael Wildt: Verfolgung (Informationen zur politischen Bildung, Heft 314). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.05.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Der NS-Völkermord (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 04.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Kriegsverlauf (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 15.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 80 Jahren: Ermordung von Hans und Sophie Scholl (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 21.02.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 20. Juli 1944: Attentat auf Adolf Hitler (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 15.07.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 86a StGB: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 86 StGB: Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Novemberpogrom 1938 (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 31.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
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