Das 20. JahrhundertRatgeber

Der Zweite Weltkrieg 1939 bis 1945: Verlauf, Opfer, Folgen

Der Zweite Weltkrieg begann in Europa am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. In Europa endete er mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945, in Asien mit der Unterzeichnung der japanischen Kapitulation am 2. September 1945. Nach Schätzungen starben 55 bis 70 Millionen Menschen, die meisten davon Zivilisten, darunter rund 6 Millionen ermordete europäische Juden.

Ein weiter Strand in der Normandie bei Ebbe mit verwitterten Betonresten von Bunkern in den Dünen
Bild: KI-generiert

Der Zweite Weltkrieg dauerte knapp sechs Jahre. In Europa begann er am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen und endete am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der Wehrmacht [1, 3]. In Ostasien kämpfte Japan schon seit 1937 gegen China, dort endete der Krieg erst am 2. September 1945 [5, 7]. Weltweit standen rund 110 Millionen Männer und Frauen unter Waffen. Nach Schätzungen kamen 55 bis 70 Millionen Menschen durch Kämpfe, Kriegsverbrechen, Völkermord und Vertreibung ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten [6].

Der Weg in den Krieg

Nach 1933 baute die nationalsozialistische Regierung die Beschränkungen des Versailler Vertrags Schritt für Schritt ab. Im Oktober 1933 trat Deutschland aus dem Völkerbund aus, am 16. März 1935 führte es die Wehrpflicht wieder ein, und im März 1936 marschierte die Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland ein [8]. Am 12. März 1938 rückten deutsche Truppen in Österreich ein. Im Münchner Abkommen vom 30. September 1938 stimmten Großbritannien, Frankreich und Italien zu, dass die Tschechoslowakei die sudetendeutschen Gebiete räumen musste. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht Prag [8].

Am 23. August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffsvertrag. Ein geheimes Zusatzprotokoll teilte Polen zwischen beiden Staaten auf [8]. Wie es nach dem Ersten Weltkrieg so weit kommen konnte, beschreibt der Artikel über die Zwischenkriegszeit 1918 bis 1939.

1939 bis 1941: die deutschen Blitzkriege

Nach fingierten Grenzzwischenfällen griff die Wehrmacht am 1. September 1939 Polen an. Die NS-Propaganda sprach anfangs von einer "Strafaktion" und vermied das Wort Krieg [1]. Am 17. September marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein, wie es das Zusatzprotokoll vorsah. Bis zum 6. Oktober war Polen besiegt und wurde geteilt. Frankreich und Großbritannien hatten Deutschland zwei Tage nach dem Angriff den Krieg erklärt, griffen im Westen aber nicht an. Dieser "Sitzkrieg" dauerte bis Mai 1940 [2].

DatumEreignis
09.04.1940Deutsche Truppen besetzen Dänemark und Norwegen
10.05.1940Beginn der Westoffensive gegen Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg
15.05.1940Die Niederlande kapitulieren, Belgien folgt am 28.05.1940
22.06.1940Frankreich unterzeichnet in Compiègne den Waffenstillstand
13.08.1940Beginn der Luftschlacht um England, die Invasionspläne werden Ende des Jahres aufgegeben
06.04.1941Angriff auf Jugoslawien und Griechenland, Jugoslawien kapituliert am 17.04.1941

Im Februar 1941 landete außerdem das Deutsche Afrikakorps in Tripolis und griff in die Kämpfe in Nordafrika ein [2].

Vernichtungskrieg im Osten

Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion. Die Führung plante diesen Feldzug von Anfang an als Vernichtungskrieg. Hinter der Front ermordeten Einsatzgruppen Juden, Sinti und Roma sowie kommunistische Funktionäre [1]. Sowjetische Kriegsgefangene starben in deutschem Gewahrsam massenhaft, und Leningrad blieb 900 Tage lang belagert [2]. Der Angriff auf Moskau, den Hitler am 2. Oktober 1941 befahl, blieb im Winter stecken [2].

Nach der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 organisierte der NS-Staat den Völkermord an den Juden in ganz Europa [1]. Rund 6 Millionen europäische Juden wurden ermordet [6]. Die Historiker Jörg Echternkamp und Peter Lieb halten fest, dass dieser Massenmord ohne den Krieg nicht möglich gewesen wäre [3]. Mehr dazu steht im Artikel über den Holocaust. Im Deutschen Reich mussten 7,8 Millionen Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft arbeiten [3].

Der Krieg wird global

Die Bundeszentrale für politische Bildung datiert den Beginn des Weltkriegs im globalen Sinn auf den 7. Juli 1937. An diesem Tag kam es an der Marco-Polo-Brücke bei Peking zum Gefecht zwischen japanischen und chinesischen Truppen, aus dem der Krieg zwischen Japan und China wurde [5]. Am 7. Dezember 1941 griffen rund 350 japanische Flugzeuge von sechs Flugzeugträgern aus den US-Stützpunkt Pearl Harbor an [5]. Vier Tage später erklärte Hitler den USA den Krieg [2].

Japan eroberte danach große Teile Südostasiens. In Singapur ergab sich am 15. Februar 1942 der britische Befehlshaber Percival mit 80.000 Mann [5]. In der Seeschlacht bei Midway im Juni 1942 verlor Japan seine vier stärksten verfügbaren Flugzeugträger [5]. Den Krieg in Asien und im Pazifik schildert der Artikel Der Pazifikkrieg 1937 bis 1945.

Die Wende 1942 und 1943

Ende Oktober 1942 schlug die britische 8. Armee unter Montgomery bei El Alamein die deutsch-italienische Panzerarmee Rommels. Am 8. November landeten alliierte Truppen in Marokko und Algerien [4]. Mitte Mai 1943 kapitulierte die Heeresgruppe Afrika in Tunesien, 270.000 Deutsche und Italiener gerieten in Gefangenschaft [4].

Im Osten hatte die Heeresgruppe Süd Ende Juni 1942 eine Sommeroffensive in Richtung Kaukasus begonnen [2]. Am 19. November 1942 begann die sowjetische Gegenoffensive, wenige Tage später war die 6. Armee bei Stalingrad eingeschlossen. Ende Januar und Anfang Februar 1943 kapitulierten ihre Reste. Von über 200.000 eingeschlossenen Soldaten gingen etwa 100.000 in Gefangenschaft, nur wenige Tausend überlebten sie [4]. Am 18. Februar 1943 rief Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast den "totalen Krieg" aus [4]. Den Verlauf der Schlacht erzählt der Artikel Die Schlacht von Stalingrad.

Der deutsche Angriff bei Kursk begann am 5. Juli 1943 und wurde am 13. Juli abgebrochen. Er gilt als größte Panzerschlacht des Krieges [4]. Im selben Monat landeten die Alliierten auf Sizilien, Ende Juli wurde Mussolini abgesetzt [2]. Bei Luftangriffen auf Hamburg starben im Juli 1943 über 30.000 Menschen [2].

1944: Landung in der Normandie

Im Januar 1943 hatten Roosevelt und Churchill in Casablanca die bedingungslose Kapitulation Deutschlands, Italiens und Japans zum Kriegsziel erklärt. Ende November 1943 beschlossen sie in Teheran gemeinsam mit Stalin die Landung in Frankreich [4]. Sie begann am 6. Juni 1944 in der Normandie, rund 1,5 Millionen alliierte Soldaten rückten danach in Frankreich vor [2, 4].

Im Osten verlor die Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944 innerhalb von vier Wochen 28 ihrer 40 Divisionen. Rumänien, Bulgarien und Finnland sagten sich von Deutschland los [2]. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte. Am 21. Oktober fiel Aachen als erste deutsche Großstadt an die Amerikaner, und die Ardennenoffensive ab Mitte Dezember war der letzte große deutsche Angriff im Westen [2].

Kriegsende in Europa

Bis zum 5. März 1945 besetzten die Alliierten das linksrheinische Gebiet. Im Ruhrkessel ergaben sich am 18. April 325.000 deutsche Soldaten. Am 16. April begann die Schlacht um Berlin, am 25. April trafen sich amerikanische und sowjetische Soldaten bei Torgau an der Elbe [2]. Hitler nahm sich am 30. April das Leben, sein Nachfolger wurde Großadmiral Karl Dönitz [2].

Die breite Elbe bei Torgau an einem ruhigen Frühlingsmorgen mit alten Brückenpfeilern und grünen Wiesen
Bild: KI-generiert

Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai wiederholte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel die Unterzeichnung in Berlin-Karlshorst [2].

Kriegsende in Asien

Japan kämpfte weiter, obwohl die USA 1945 Iwo Jima und Okinawa erobert hatten [7]. In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 kostete ein Luftangriff auf Tokio rund 100.000 Menschen das Leben [5]. Die Potsdamer Erklärung vom 26. Juli 1945 forderte Japan zur bedingungslosen Kapitulation auf [5]. Am 6. August warfen die USA eine Atombombe auf Hiroshima, am 8. August erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg, und am 9. August folgte die zweite Atombombe auf Nagasaki [7]. Bis Ende 1945 starben an den Folgen der beiden Bomben nach Schätzungen 150.000 bis 200.000 Menschen [5].

Bunte Ketten aus gefalteten Papierkranichen hängen unter einem Holzdach an einer Gedenkstätte in einem japanischen Park
Bild: KI-generiert

Am 2. September 1945 unterzeichneten Außenminister Shigemitsu Mamoru und Generalstabschef Umezu Yoshijirō an Bord des US-Schlachtschiffs "Missouri" die Kapitulation [7].

Die Opfer

Die genaue Zahl der Toten kennt niemand. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt in ihrem Dossier je nach Beitrag 55 bis 70 Millionen, die Mehrheit davon Zivilisten [6]. Einzelne Länder verloren einen sehr großen Teil ihrer Bevölkerung:

Land oder GruppeTote (Schätzung)
Sowjetunionrund 27 Millionen nach neueren Studien, ältere nennen 20 Millionen
China (1937 bis 1945)rund 13,5 Millionen
Deutschland6,35 Millionen, überwiegend Soldaten
Polen6 Millionen, etwa jeder sechste Einwohner
Ermordete europäische Judenrund 6 Millionen
Japan3,76 Millionen
Indien2 Millionen Hungertote durch kriegsbedingte Nahrungsknappheit

Quelle der Tabelle ist der Beitrag "Kriegsfolgen" von Thomas Vogel und Peter Lieb [6]. Andere Darstellungen nennen abweichende Werte, für China etwa 15 bis 20 Millionen Tote [5].

Folgen für Deutschland und die Welt

Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 legten die Siegermächte die Grundsätze für Deutschland fest: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Demokratisierung, Dezentralisierung und Demontage. Deutschland verlor etwa ein Viertel seines Gebiets östlich von Oder und Neiße [6]. Von 1944 bis 1950 waren 12 bis 14 Millionen Deutsche von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung betroffen. Dazu kamen etwa 11 Millionen Displaced Persons, vor allem befreite Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene [6].

Eine zerstörte Straße im Jahr 1945, zwei Frauen mit Kopftüchern stapeln Ziegel aus den Trümmern
Bild: KI-generiert

Ende Juni 1945 unterzeichneten 51 Staaten in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen [6]. Aus dem Gegensatz zwischen den USA und der Sowjetunion wurde der Kalte Krieg. 1949 entstanden die Bundesrepublik und die DDR, im selben Jahr die NATO, 1955 folgte der Warschauer Pakt [3, 6]. Auf welcher Verfassung die Bundesrepublik seit 1949 steht, erklärt demokratie.domain-root.de im Beitrag Das Grundgesetz einfach erklärt.

  1. Organisation Arnulf Scriba: Der Zweite Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 20.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Arnulf Scriba: Kriegsverlauf (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 15.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Jörg Echternkamp, Peter Lieb: Der Zweite Weltkrieg, eine historische Zäsur. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Thomas Vogel, Peter Lieb: Kriegswende. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 12.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Peter Lieb: Die globale Dimension. Der Krieg im asiatisch-pazifischen Raum 1937 bis 1945. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Thomas Vogel, Peter Lieb: Kriegsfolgen. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 17.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Claudia Prinz: Außenpolitik (LeMO, NS-Regime). Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026

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