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Staatsformen in der Geschichte: Monarchie, Republik, Demokratie und Diktatur
Die Staatsform beschreibt, wie die staatliche Herrschaftsordnung aufgebaut ist. Nach dem Staatsoberhaupt unterscheidet man Monarchie und Republik, nach der Art der Herrschaft Demokratie und Diktatur. Schon Aristoteles teilte Verfassungen nach der Zahl der Herrschenden und danach ein, ob sie dem Gemeinwohl dienen.

Das Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Staatsform als die Art, wie die staatliche Herrschaftsordnung aufgebaut ist [1]. Es nennt mehrere Einteilungen: nach der Zahl der Herrschenden, nach der rechtlichen Bindung des Herrschers, nach dem Staatsoberhaupt, nach der Art der Regierung und nach dem Aufbau als Einheits- oder Bundesstaat [1]. Nach dem Staatsoberhaupt stehen sich Monarchie und Republik gegenüber, nach der rechtlichen Bindung Absolutismus und Verfassungsstaat [1]. Demokratie und Diktatur sagen dagegen, wer tatsächlich herrscht und wie. Eine Republik kann deshalb auch eine Diktatur sein [2].
Die Einteilung des Aristoteles
Die älteste einflussreiche Ordnung der Verfassungen stammt von Aristoteles. In seiner "Politik" (Buch III, Kapitel 7) unterscheidet er sechs Formen, geordnet nach der Zahl der Herrschenden [3]. Bei einem Herrscher steht das Königtum der Tyrannis gegenüber, bei wenigen die Aristokratie der Oligarchie, bei vielen die Politie der Demokratie [3]. Entscheidend ist, wem die Herrschaft dient. Verfassungen, die den gemeinsamen Nutzen verfolgen, nennt Aristoteles richtig und gerecht, solche, die nur den Herrschenden dienen, gelten ihm als Fehlformen [3].

Das bpb-Lexikon gibt die schlechte Form der Herrschaft vieler mit Ochlokratie wieder, also Pöbelherrschaft [1]. In der Übersicht der Stanford Encyclopedia of Philosophy heißt diese Fehlform Demokratie [3]. Eine Schrift über die Verfassung Athens, die früher Aristoteles zugeschrieben wurde, stammt nach Ansicht der meisten Forscher von einem seiner Schüler [3].
Athen und Rom
Athen und Rom beteiligten ihre männlichen Bürger auf verschiedene Weise: Athen über die Volksversammlung und das Los, Rom über gewählte Jahresämter und Volksversammlungen [4, 5].
Die Demokratie in Athen
Die Reformen des Kleisthenes um 508 v. Chr. begründeten die athenische Demokratie, Solon hatte 594/593 v. Chr. Vorarbeit geleistet [4]. In der Volksversammlung durfte jeder männliche Bürger ab 18 Jahren sprechen und abstimmen [4]. Ein Rat aus 500 Bürgern, die das Los bestimmte, bereitete die Versammlungen vor [4]. Frauen, Versklavte und ansässige Fremde blieben ausgeschlossen [4]. Die Versammlung tagte auf dem Hügel Pnyx, der etwa 6.000 Bürgern Platz bot [4]. Die Ratsmitglieder vertraten die 139 attischen Gemeinden, und auch die Gerichte mit ihren 6.000 Geschworenen und viele Ämter wurden per Los besetzt, wofür eine Losmaschine diente [4]. Wer als zu mächtig galt, konnte durch eine geheime Abstimmung mit Tonscherben verbannt werden [4]. Zeitweise gab es Geld für die Teilnahme an der Volksversammlung, das nur die Auslagen decken sollte [4]. Aktiv beteiligt waren etwa 3.000 Bürger, das Geschehen bestimmten vielleicht nur etwa 100 [4]. Die männlichen Bürger zählten im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. etwa 30.000 bis 60.000 Personen, nach Schätzungen 10 bis 20 Prozent der Stadtbevölkerung [4]. 411 v. Chr. löste eine Oligarchie die Demokratie ab, 403 v. Chr. wurde sie wiederhergestellt; um 320 v. Chr. endete die direkte Bürgerdemokratie [4].
Die Römische Republik
In Rom wurde nach der World History Encyclopedia 510 v. Chr. der letzte König Tarquinius Superbus gestürzt, der Übergang zur Republik zog sich über Jahrzehnte hin [5]. Zwei Konsuln führten jeweils ein Jahr lang die Regierung und das Heer, und jeder konnte die Entscheidungen des anderen durch Einspruch blockieren [5]. Die Senatoren waren unbezahlt und saßen meist auf Lebenszeit im Senat, der beriet und Vorschläge machte; Gesetze beschlossen die Volksversammlungen, in denen nur männliche Bürger stimmten [5]. Die Zenturiatskomitien wählten die Konsuln und erklärten Krieg, im Concilium Plebis wählten die Plebejer ihre Volkstribune [5]. Für Notlagen gab es den Diktator mit umfassenden Befugnissen, meist für sechs Monate [5]. Die Republik endete mit dem Aufstieg Octavians, der 27 v. Chr. vom Senat den Namen Augustus erhielt [5]. Viele republikanische Einrichtungen, auch der Senat, bestanden im Kaiserreich mit geringerer Macht weiter [5]. Das lateinische Wort Republik bedeutet Gemeinwesen [2]. Mehr dazu steht in Die Republik als Staatsform.
Das Himmelsmandat in China
Eine eigene Begründung von Herrschaft entstand in China. Nach der Lehre vom Himmelsmandat setzt der Himmel einen Herrscher ein, der verpflichtet ist, seine Macht zum Wohl des Volkes zu gebrauchen [6]. Tut er das nicht, folgen Unglücke für den Staat, und er verliert das Recht zu regieren [6]. Als erster Herrscher, der das Mandat beanspruchte, gilt König Wen von Zhou; die World History Encyclopedia setzt das um 1050 v. Chr. an [6]. Als Bestätigung durch den Himmel galt eine Zusammenkunft der fünf großen Planeten am Himmel im Jahr 1059 v. Chr. [6]. Sein Nachfolger Wu stürzte die Shang-Dynastie [6]. Nach der Lehre hatten zuvor schon die Xia und die Shang ihr Mandat durch schlechte Herrschaft verloren [6].

Der Philosoph Mencius folgerte daraus, dass das Volk gegen einen schlechten Herrscher protestieren oder sich erheben darf, Überschwemmungen und Dürren galten als Zeichen [6]. Qin Shi Huangdi (Herrscher von 221 bis 210 v. Chr.) und der Han-Kaiser Gaozu betonten eher militärische Stärke und Schicksal als moralische Rechtfertigung [6]. Neokonfuzianer wie Zhu Xi (1130 bis 1200) sahen den Kaiser eher als Teil der natürlichen Ordnung [6]. Das Mandat blieb ein Argument für die Herrschaft der Kaiser, auch fremder Eroberer, bis es im 19. Jahrhundert seine Rolle verlor [6]. Wie die frühen Dynastien regierten, beschreibt Das antike China.
Monarchie und Absolutismus
Das Wort Monarchie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Alleinherrschaft [7]. Das Herrschaftsrecht wird oft innerhalb einer Familie vererbt, dann spricht man von Erbmonarchie [7]. Pharaonen, Kaiser, Könige, Fürsten oder Priester, die ohne Einschränkung allein herrschten, regierten in einer absoluten Monarchie [7]. In heutigen parlamentarischen oder konstitutionellen Monarchien legt eine Verfassung Stellung und Aufgaben des Monarchen fest, gewählte Parlamente und Regierungen machen die Gesetze [7]. Der Monarch unterzeichnet sie, ernennt Regierungschefs und Minister und repräsentiert den Staat [7]. Die Herrschaft absolutistischer Könige in Europa stellt der Beitrag Der Absolutismus vor, die Staatsform insgesamt Die Monarchie.
Gewaltenteilung und Verfassungsstaat
Charles de Montesquieu veröffentlichte 1748 "Vom Geist der Gesetze" [8]. Er unterschied Republik, Monarchie und Despotie und ordnete jeder ein Prinzip zu: der demokratischen Republik die politische Tugend, der Monarchie die Ehre, der Despotie die Furcht [8]. Nach zwei Jahren in England war er vom englischen politischen System stark beeindruckt [8].

Macht begrenzt Macht
Montesquieu forderte, dass Gesetzgebung, Ausführung und Rechtsprechung in verschiedenen Händen liegen, damit jede Gewalt die anderen beschränken kann [8]. In seinen Worten muss Macht "a check to power" sein, also der Macht Grenzen setzen (eigene Übersetzung der englischen Fassung) [8]. Dazu gehörten weitere Sicherungen: Nur die gesetzgebende Gewalt sollte Steuern erheben, die ausführende Gewalt ein Vetorecht haben, das Parlament aus zwei Kammern bestehen und die Rechtsprechung unabhängig sein [8]. Seine Lehre wirkte stark auf die Verfasser der Verfassung der Vereinigten Staaten [8]. Wie die Gewaltenteilung im Grundgesetz umgesetzt ist, erklärt Gewaltenteilung einfach erklärt auf demokratie.domain-root.de.
Legitime Herrschaft nach Max Weber
Der Soziologe Max Weber fragte, warum Menschen Herrschaft anerkennen, und beschrieb drei Idealtypen legitimer Herrschaft [9]. Charismatische Herrschaft beruht auf den außergewöhnlichen Eigenschaften einer Führungsperson, die ihr persönliche Hingabe einbringen [9]. Traditionale Herrschaft stützt sich auf lange bestehende Gebräuche und Sitten [9]. Legal-rationale Herrschaft gründet auf unpersönlichen Regeln und allgemeinen Grundsätzen [9]. Traditionale und legal-rationale Herrschaft stützen eher das Bestehende, charismatische Herrschaft ist nach dieser Deutung mit Umbrüchen verbunden [9].
Diktaturen im 20. Jahrhundert
Eine Diktatur ist nach dem Politiklexikon eine Herrschaftsform, in der die demokratischen Rechte abgeschafft sind und eine Person oder Gruppe uneingeschränkt herrscht [10]. Diktatoren berufen sich meist auf einen äußeren oder inneren Notstand [10]. Unterscheiden lassen sich Diktaturen nach Dauer, nach der Zahl der Herrschenden, etwa bei einer Parteidiktatur, nach ihrer politischen Richtung und nach dem Ausmaß der Gewalt bis hin zur totalitären Diktatur [10]. Als Beispiele nennt das Lexikon die nationalsozialistische Diktatur und den Stalinismus [10].
Dass Name und Wirklichkeit auseinandergehen können, zeigt die DDR. Sie nannte sich Deutsche Demokratische Republik, war aber keine Demokratie, weil nur eine ausgewählte Gruppe entschied [2]. Mehr zu Formen und Beispielen steht in Die Diktatur.
Demokratien und Autokratien heute
Das V-Dem-Institut der Universität Göteborg zählte für Ende 2025 weltweit 92 Autokratien und 87 Demokratien [11]. Nach diesem Bericht leben 74 Prozent der Weltbevölkerung, rund sechs Milliarden Menschen, in Autokratien [11]. In geschlossenen Autokratien leben 28 Prozent, mehr als in allen Demokratien zusammen mit 26 Prozent [11]. Nur 7 Prozent leben in liberalen Demokratien [11]. Die Zahl der geschlossenen Autokratien stieg von 22 im Jahr 2019 auf 35 im Jahr 2025, die der Autokratien insgesamt von einem Tiefstand von 82 im Jahr 2004 auf 92 [11]. Erstmals seit über 50 Jahren stuft der Bericht die USA nicht mehr als liberale Demokratie ein [11].
V-Dem unterscheidet vier Regimetypen: liberale und elektorale Demokratien, elektorale und geschlossene Autokratien [11]. Die elektorale Autokratie ist nach dem Bericht weiterhin der häufigste Regimetyp der Welt [11]. Die Entwicklung seit der Antike zeichnet Die Geschichte der Demokratie nach, die Merkmale einer Demokratie erklärt Was ist Demokratie?.
- Behörde Klaus Schubert, Martina Klein: Staatsform (Das Politiklexikon, 7. Aufl., Dietz 2020). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Dorothee Meyer, Wolfram Hilpert: Republik (einfach POLITIK: Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Fred Miller: Aristotle's Political Theory. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand 01.07.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Athenian Democracy. World History Encyclopedia. Stand 03.04.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Donald L. Wasson: Roman Republic. World History Encyclopedia. Stand 07.04.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Mandate of Heaven. World History Encyclopedia. Stand 25.07.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Gerd Schneider, Christiane Toyka-Seid: Monarchie (Das junge Politik-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hilary Bok: Baron de Montesquieu, Charles-Louis de Secondat. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand 02.04.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Sung Ho Kim: Max Weber, Abschnitt 6.1 Domination and Legitimacy. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand 21.09.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Klaus Schubert, Martina Klein: Diktatur (Das Politiklexikon, 7. Aufl., Dietz 2020). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Marina Nord, David Altman, Tiago Fernandes, Ana Good God, Staffan I. Lindberg: Democracy Report 2026. Unraveling The Democratic Era?. V-Dem Institute, Universität Göteborg. Stand 03.2026. abgerufen am 29.10.2026
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