Das lange 19. JahrhundertRatgeber
Die Französische Revolution: von den Generalständen bis Napoleon
Die Französische Revolution begann 1789 mit der Versammlung der Generalstände in Versailles und dem Sturm auf die Bastille. Sie schaffte die Vorrechte von Adel und Kirche ab, verkündete die Menschen- und Bürgerrechte und machte Frankreich 1792 zur Republik. Nach der Terrorherrschaft 1793/94 und dem Direktorium endete sie 1799 mit dem Staatsstreich Napoleon Bonapartes.

Die Französische Revolution gilt als einer der wichtigsten politischen und sozialen Wendepunkte der europäischen Geschichte. Sie beseitigte die absolutistische Herrschaft und die Vorrechte von Adel und Kirche [2]. In zehn Jahren erlebte Frankreich eine konstitutionelle Monarchie, die Hinrichtung seines Königs, eine Republik, eine Phase staatlichen Terrors und schließlich die Machtübernahme eines Generals.
Warum es 1789 zur Revolution kam
Am Ende der 1780er-Jahre war der französische Staat zahlungsunfähig, und Hungersnöte erschütterten das Land [2]. König Ludwig XVI. regierte als absoluter Monarch. Klerus und Adel waren privilegiert, zum Dritten Stand gehörten das städtische Bürgertum und die Bauern [10]. Ein Reformplan von 1787, mit dem die Krone ihre Finanzen ordnen wollte, scheiterte. Daraufhin berief der König die Generalstände ein, die Versammlung der drei Stände Geistlichkeit, Adel und Dritter Stand. Sie hatten seit 1614 nicht mehr getagt [1]. Hinzu kamen die Ideen der Aufklärung, auf deren Grundwerten die Erklärung von 1789 beruht [4, 10]. Wie der König vorher regierte, beschreibt der Artikel über den Absolutismus.
Das Jahr 1789
Am 5. Mai 1789 traten die Generalstände in Versailles zusammen [3]. Rasch entstand Streit darüber, ob nach Ständen oder nach Köpfen abgestimmt werden sollte. Am 17. Juni erklärten sich die Abgeordneten des Dritten Standes, zusammen mit einigen Vertretern von Adel und Geistlichkeit, zur Nationalversammlung. Als der König ihren Sitzungssaal schließen ließ, zogen sie in das königliche Ballhaus um. Dort schworen sie am 20. Juni, nicht auseinanderzugehen, bevor Frankreich eine Verfassung habe [1, 3]. Am 9. Juli nannte sich die Versammlung Verfassunggebende Nationalversammlung [1].

In Paris spitzte sich die Lage zu. Am 14. Juli 1789 stürmten Pariserinnen und Pariser die Bastille, eine Festung, die als Staatsgefängnis diente. Fast 100 Aufständische starben bei der Belagerung, die letzten sieben Gefangenen kamen frei [1].
In der Nacht vom 4. auf den 5. August 1789 schaffte die Nationalversammlung die Vorrechte von Adel und Geistlichkeit sowie die Feudalrechte ab. Die bpb nennt diese Sitzung die "Opfernacht der Privilegierten" [1, 3]. Ein Bankett in der Oper des Schlosses am 1. Oktober sorgte in Paris für Wut [3]. Am 5. Oktober zogen Pariser Frauen, denen sich einige Männer anschlossen, nach Versailles und verlangten Brot [3, 9]. Am folgenden Tag verließ die königliche Familie Versailles für immer und zog nach Paris. Das Schloss war seitdem keine Residenz mehr [3].
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
Am 26. August 1789 verkündete die Nationalversammlung die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Den Entwurf hatte der Marquis de Lafayette vorgelegt, beraten vom amerikanischen Gesandten in Paris, Thomas Jefferson [4]. Die Erklärung hat 17 Artikel. Der erste lautet in deutscher Übersetzung: "Die Menschen sind und bleiben von Geburt an frei und gleich an Rechten." Artikel 2 nennt als natürliche Rechte Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung [1, 4]. Die Freiheit des Einzelnen sollte erst dort enden, wo die Freiheit des anderen beginnt, und das Eigentum galt als unverletzliches und heiliges Recht [4]. Die Souveränität ging auf das Volk über, der König behielt aber ein Vetorecht [1].

Die Rechte galten nach dem Verständnis der Zeit für Männer. Von wirtschaftlicher Gleichheit oder gleichen Rechten für Frauen war nicht die Rede [4]. Dagegen schrieb die Schriftstellerin Olympe de Gouges 1791 die "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" mit ebenfalls 17 Artikeln. In Artikel 10 heißt es, die Frau habe das Recht, das Schafott zu besteigen, und ebenso das Recht, die Rednertribüne zu besteigen [7]. Sie wurde am 3. November 1793 hingerichtet [4].
Wie die Grundrechte heute im Grundgesetz stehen, erklärt die Seite Die Grundrechte im Überblick. Die lange Entwicklung bis zur Allgemeinen Erklärung der Vereinten Nationen beschreibt der Artikel Die Geschichte der Menschenrechte.
Konstitutionelle Monarchie 1789 bis 1792
Am 3. September 1791 verabschiedete die Nationalversammlung die erste Verfassung Frankreichs. Sie machte das Land zur konstitutionellen Monarchie und trennte Kirche und Staat. Wählen durften nur Männer über 25 Jahre, die eine Steuer im Wert von etwa drei Arbeitstagen zahlten, und die Abgeordneten wurden über Wahlmänner bestimmt. Große Teile der Bevölkerung blieben damit ausgeschlossen [1]. Am 1. Oktober 1791 trat die neue Gesetzgebende Nationalversammlung in der Reithalle der Tuilerien zusammen [1].
Das Vertrauen in den König war zu diesem Zeitpunkt bereits erschüttert. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1791 hatte die Königsfamilie versucht, aus Paris zu fliehen. Der Versuch scheiterte, die Nationalgarde brachte den König zurück [1]. Wie die Machtverteilung zwischen Parlament, Regierung und Gerichten heute geregelt ist, zeigt die Seite Gewaltenteilung einfach erklärt.
Die Republik und das Ende des Königs
Am 10. August 1792 stürmten Aufständische das Tuilerienschloss in Paris. Der König wurde abgesetzt und gefangen genommen. Am 21. September 1792 schaffte der neu gewählte Nationalkonvent die Monarchie ab und rief die Erste Republik aus. Der Konvent übernahm auch die ausführende Gewalt, die Gewaltenteilung war damit aufgehoben [1]. Im Dezember 1792 begann der Prozess gegen Ludwig XVI. Am 21. Januar 1793 wurde er mit der Guillotine hingerichtet [1]. Eine neue republikanische Verfassung von 1793 erweiterte die Zahl der Menschenrechte von 17 auf 35, trat aber nie in Kraft [1, 4].
Die Terrorherrschaft 1793 und 1794
Nach der Hinrichtung des Königs riss der Wohlfahrtsausschuss unter der Führung des Rechtsanwalts Maximilien de Robespierre die Macht an sich [8]. Am 17. September 1793 erließ der Konvent das Gesetz über die Verdächtigen. Es erlaubte die Verhaftung von 300.000 bis einer halben Million Menschen. 16.594 Verdächtige wurden nach einem Prozess hingerichtet, die Gesamtzahl der Toten dieser zehn Monate wird auf 30.000 bis 50.000 geschätzt [5]. Ein Gesetz vom Juni 1794, nach dem Revolutionskalender vom 22. Prairial, beschleunigte die Verfahren noch einmal [5].

Am 9. Thermidor des Jahres II, dem 27. Juli 1794, wandte sich der Konvent gegen Robespierre. Er wurde verhaftet und am nächsten Tag mit Anhängern guillotiniert [5]. Damit endete die Phase, die als Terrorherrschaft in die Geschichte einging.
Direktorium und Staatsstreich 1799
Die Verfassung vom 22. August 1795 legte die Regierung in die Hände von fünf Direktoren und schuf zwei gesetzgebende Kammern [6]. Im Oktober 1795 schlug der junge General Napoleon Bonaparte einen royalistischen Aufstand in Paris nieder, 1796 ernannte ihn das Direktorium zum Befehlshaber der Italienarmee. Das Regime kam nicht zur Ruhe: Am 4. September 1797 kam es zum Staatsstreich des 18. Fructidor [6].
Am 9. und 10. November 1799, nach dem Revolutionskalender am 18. und 19. Brumaire des Jahres VIII, putschte Bonaparte mit Verbündeten gegen das Direktorium. Die Kammern wurden nach Saint-Cloud verlegt, dort sprach Bonaparte vor dem Rat der Fünfhundert. Ein Dekret richtete ein vorläufiges Konsulat ein [6]. 1804 krönte sich Napoleon zum Kaiser [8]. Seine Kriege, die viele Ideen der Revolution in andere Länder trugen, behandelt der Artikel über die Napoleonischen Kriege, sein Leben der Artikel über Napoleon Bonaparte.
Was von der Revolution blieb
Die Revolution schaffte die Ständegesellschaft mit ihren Vorrechten ab und stellte die Rechte des Einzelnen in den Mittelpunkt [2, 4]. 1793 fasste sie ihre Ziele in der Parole "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" zusammen, die weit über Frankreich hinaus wirkte [2]. Eine Spur davon findet sich sogar im rheinischen Karneval. Weil die Parole in den preußischen Rheinprovinzen verboten war, lesen manche die Narrenzahl Elf als Abkürzung für Égalité, Liberté, Fraternité, und die Session beginnt am 11.11. um 11:11 Uhr [2].

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte wurde zum Vorbild. Nach der Darstellung der bpb stehen spätere Verfassungen mehr oder weniger alle unter ihrem Einfluss [4]. Wie die Forderungen nach Verfassung und Grundrechten ein halbes Jahrhundert später Deutschland erreichten, zeigt der Artikel über die Revolution von 1848/49.
Zeittafel
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 05.05.1789 | Eröffnung der Generalstände in Versailles |
| 17.06.1789 | Der Dritte Stand erklärt sich zur Nationalversammlung |
| 20.06.1789 | Ballhausschwur |
| 14.07.1789 | Sturm auf die Bastille |
| 04./05.08.1789 | Abschaffung der Vorrechte und Feudalrechte |
| 26.08.1789 | Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte |
| 05./06.10.1789 | Marsch nach Versailles, der König zieht nach Paris |
| 20./21.06.1791 | Gescheiterte Flucht der Königsfamilie |
| 03.09.1791 | Erste Verfassung, konstitutionelle Monarchie |
| 21.09.1792 | Abschaffung der Monarchie, Erste Republik |
| 21.01.1793 | Hinrichtung Ludwigs XVI. |
| 17.09.1793 | Gesetz über die Verdächtigen |
| 27.07.1794 | Sturz Robespierres (9. Thermidor) |
| 22.08.1795 | Verfassung des Direktoriums |
| 09./10.11.1799 | Staatsstreich des 18. Brumaire |
- Behörde Vor 225 Jahren: Frankreichs erste Verfassung (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 25.08.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Klaus Schubert, Martina Klein: Französische Revolution, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung (Lizenzausgabe). Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Versailles at the heart of the French Revolution. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Axel Herrmann: Kampf um die Menschenrechte, in: Informationen zur politischen Bildung Nr. 297. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 11.03.2008. abgerufen am 29.10.2026
- Harrison W. Mark: Terrorherrschaft (übersetzt von Marina Wrackmeyer). World History Encyclopedia. Stand 27.12.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The coup d'État of 18 Brumaire An VIII (9 and 10 November 1799). Fondation Napoléon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hannelore Schröder: Zur politischen Theorie des Feminismus. Die Deklaration der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 48/1977. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 03.12.1977. abgerufen am 29.10.2026
- Kerstin Hilt: Französische Revolution: Terrorherrschaft in Frankreich 1793/94. Planet Wissen (WDR). Stand 12.03.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Les journées d'octobre 1789: les derniers jours de la famille royale à Versailles. Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ernst Piper: Französische Revolution (Informationen zur politischen Bildung aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.08.2018. abgerufen am 29.10.2026
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