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Karl V.: der Habsburger zwischen Reformation, Frankreich und Amerika

Karl V. wurde am 24. Februar 1500 in Gent geboren und starb am 21. September 1558 im spanischen Kloster San Jerónimo de Yuste. Er herrschte über Burgund, Spanien mit den Gebieten in Amerika und ab 1519 als gewählter römisch-deutscher König und Kaiser über das Reich, bevor er 1555 und 1556 abdankte.

Eine Reihe hoher Giebelhäuser an einem ruhigen Kanal in einer flämischen Stadt im Morgenlicht mit Spiegelungen im Wasser
Bild: KI-generiert

Karl V. wurde am 24. Februar 1500 in Gent geboren und starb am 21. September 1558 in San Jerónimo de Yuste in Spanien [1]. Er erbte Burgund mit den Niederlanden und die spanischen Königreiche, die Kurfürsten wählten ihn 1519 zum römisch-deutschen König [1, 2]. Seine Regierungszeit fiel mit der Reformation, den Kriegen gegen Frankreich und die Osmanen und der spanischen Eroberung großer Teile Amerikas zusammen [1, 5]. Wie das Reich aufgebaut war, das er regierte, erklärt der Artikel über das Heilige Römische Reich.

Herkunft und Erbe

Karls Vater war Philipp I. "der Schöne" (1478 bis 1506), seine Mutter Johanna (1479 bis 1555), die als "die Wahnsinnige" in die Geschichtsschreibung einging [1]. Nach dem frühen Tod des Vaters 1506 erklärte man Karl 1515 auf Drängen des burgundischen Adels für mündig [1]. Nach dem Tod seines Großvaters Ferdinand 1516 reiste er 1517 nach Spanien. Die Huldigung der Stände folgte am 5. Februar 1518 in Valladolid und am 16. April 1519 in Barcelona [1].

In Kastilien kam es 1520 zum Aufstand der Comuneros. Am 23. April 1521 wurden die Aufständischen unter Juan de Padilla bei Villalar geschlagen [1]. Nach Alfred Kohler legte dieser Sieg die Grundlage dafür, dass Spanien zur Machtbasis der kaiserlichen Politik wurde [1].

Die Kaiserwahl von 1519

Die Fugger hatten die Habsburger schon vorher finanziert, 1518 etwa mit 400.000 Gulden für Maximilians Reichstag in Augsburg [2]. Als Karls Großvater Kaiser Maximilian I. 1519 starb, schuldete er dem Augsburger Kaufmann Jakob Fugger noch rund 350.000 Gulden [2]. Für die Stimmen der Kurfürsten mussten 851.585 Gulden aufgebracht werden. Gut 300.000 Gulden kamen von einem Konsortium aus den Augsburger Welsern und drei italienischen Firmen, die übrigen 543.385 Gulden allein von Jakob Fugger [2]. Einen Teil dieser Schulden tilgte Karl, indem er Fugger die Quecksilberminen von Almadén in Kastilien überließ. Dort mussten Sträflinge und Kriegsgefangene das giftige Erz abbauen. Quecksilber und der Farbstoff Zinnober blieben für die Fugger lange ein einträgliches Geschäft [2].

Eine stille Gasse mit gleichförmigen ockergelben Reihenhäusern und steilen Ziegeldächern in Augsburg im Nachmittagslicht
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Die Kurfürstenversammlung zur Königswahl tagte in Frankfurt vom 16.06.1519 bis zum 28.06.1519 [8]. Vor der Wahl musste Karl den Kurfürsten eine Wahlkapitulation beschwören, eine Liste von Zusagen. Der Historiker Heinz Duchhardt nennt sie die erste im strengeren Sinn. Bis zum Ende des Alten Reiches wurden insgesamt siebzehn solcher Wahlkapitulationen ausgearbeitet, die frühen tragen die eigenhändige Unterschrift des Gewählten [3]. Duchhardt hält fest, dass das Reich praktisch seit dieser ersten Wahlkapitulation mit zwei Konfessionen leben musste [3]. Am 23. Oktober 1520 wurde Karl in Aachen gekrönt [1]. Sein Großkanzler Mercurino Gattinara verfolgte ein Programm, das auf eine Herrschaft über die Christenheit, das "Dominium mundi", zielte. Als größtes Hindernis galt dabei Frankreich. Gattinara starb 1530 [1].

Luther in Worms

Der erste Reichstag Karls tagte vom 27. Januar bis zum 26. Mai 1521 in Worms. Eines seiner Themen war Martin Luther [1]. Am 19. April 1521 nahm Karl gegen Luther Stellung, das Wormser Edikt ist auf den 8. und 26. Mai 1521 datiert [1]. Nach der Neuen Deutschen Biographie wurde das Edikt im Reich größtenteils nicht durchgesetzt [1]. Wie die Reformation sich ausbreitete, schildern die Artikel über Martin Luther und die Reformation.

Kriege gegen Frankreich und die Osmanen

Den Kampf um Italien führte Karl vor allem gegen König Franz I. von Frankreich. Die wichtigsten Stationen nach der Neuen Deutschen Biographie [1]:

Eine stürmische Mittelmeerküste unter dunklen Herbstwolken mit hohen Wellen und alten Segelschiffen weit draußen
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DatumEreignis
24.02.1525Sieg bei Pavia, Franz I. gerät in Gefangenschaft
14.01.1526Friede von Madrid, den Franz I. später nicht anerkennt
06.05.1527Kaiserliche Truppen stürmen Rom, der "Sacco di Roma"
03.08.1529Friede von Cambrai
24.02.1530Kaiserkrönung durch Papst Clemens VII. in Bologna
Juli 1535Feldzug gegen Tunis
24./25.10.1541Die Flotte vor Algier geht in Herbststürmen verloren

Nach dem Abzug der Osmanen von Wien im Herbst 1529 hielt Karl die Gefahr aus dem Osten vorläufig für gebannt [1]. Mehr über diese Großmacht steht im Artikel zum Osmanischen Reich.

Ehe und Kinder

Karl heiratete in Sevilla seine portugiesische Cousine Isabella, nach der Neuen Deutschen Biographie am 10. März 1526, nach der Allgemeinen Deutschen Biographie am 11. März 1526 [1, 6]. Am 21. Mai 1527 kam ihr Sohn Philipp zur Welt [6]. Nach der Allgemeinen Deutschen Biographie hatte das Paar sieben Kinder, drei überlebten den Vater: Philipp, Maria, geboren 1528 und später mit Maximilian verheiratet, und Johanna, geboren nach der Allgemeinen Deutschen Biographie 1535, nach der Neuen Deutschen Biographie 1537, die von 1554 bis 1559 Spanien regierte [1, 6]. Bekannt wurden auch zwei Kinder aus Verbindungen außerhalb der Ehe, Margarethe, geboren 1522, und Johann, geboren 1547 [6].

Spanien in Amerika

Nach der Allgemeinen Deutschen Biographie gewannen auch die Reichtümer, die aus Amerika zuflossen, dem Kaiser die Zuneigung der Spanier [6]. Für die einheimische Bevölkerung der Karibik und des Festlands bedeutete die spanische Herrschaft Zwangsarbeit: Im System der Encomienda verfügten spanische Siedler über die Arbeit der Einheimischen [7]. Menschen wurden versklavt, und eingeschleppte Krankheiten forderten viele Tote [7]. Wie die Eroberung verlief, beschreibt der Artikel zur "Entdeckung" Amerikas.

Bartolomé de Las Casas setzte sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein. 1537 erlaubte Karl ihm, seine Vorstellungen im heutigen Guatemala zu erproben [5]. Die Neuen Gesetze von 1542 sollten die Encomienda abschaffen oder wenigstens ihre schlimmsten Auswüchse eindämmen. Konquistadoren und Siedler erhoben sich gewaltsam, das System blieb etwa 150 weitere Jahre bestehen [5]. Im August 1550 stritten im Kloster San Gregorio in Valladolid Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda öffentlich. Sepúlveda hielt die Menschen Amerikas für "natürliche Sklaven" und die Encomienda für einen Teil der "Zivilisierung", Las Casas forderte, sie als künftige Christen zu behandeln und nicht als Lasttiere [5].

Der Schmalkaldische Krieg

Auf dem Reichstag in Augsburg überreichten die evangelischen Stände Karl am 25. Juni 1530 die Confessio Augustana [1]. 1546 begann der Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund, als Karl den Kurfürsten von Sachsen und den Landgrafen von Hessen ächtete [1]. Die Wende brachte Anfang November 1546 der Einfall Moritz' von Sachsen in das Kurfürstentum Sachsen [1]. Am 24. April 1547 siegte er bei Mühlberg an der Elbe und nahm Kurfürst Johann Friedrich gefangen [1]. In der Wittenberger Kapitulation vom 19. Mai 1547 verlor Johann Friedrich die Kurwürde an Moritz von Sachsen, einige ernestinische Gebiete blieben seinen Söhnen [1]. Die Stadt Wittenberg lässt sich heute auf dem Elberadweg besuchen, mehr dazu auf der Seite Lutherstadt Wittenberg mit dem Rad. Nach dem Reichstag von 1547/48 zwang Karl den Protestanten das Interim auf, eine vorläufige Regelung der Glaubensfragen. Für die katholische Seite folgte am 9. Juli 1548 die Formula reformationis, schon am 26. Juni 1548 war der Burgundische Vertrag geschlossen worden [1].

Fürstenaufstand und Religionsfriede

1552 wandten sich protestantische Fürsten gegen den Kaiser. Am 19. Mai 1552 floh Karl aus Innsbruck nach Villach, und im Winter 1552/53 scheiterte seine Belagerung von Metz [1].

Den Religionsfrieden handelten König Ferdinand und die mächtigsten Fürsten aus, beschlossen wurde er am 25. September 1555 auf dem Reichstag in Augsburg [4]. Die Urkunde ist im Namen Ferdinands ausgestellt, der sich auf eine Vollmacht des Kaisers berief. Einberufen hatte den Reichstag ursprünglich Karl selbst [4]. Sie schützte die Anhänger der Augsburger Konfession und die Katholiken, die Landesherren bestimmten die Religion in ihrem Gebiet, und Untertanen durften mit Familie und Besitz auswandern [4]. Ein Geistlicher, der zum neuen Glauben übertrat, verlor sein Amt, und bereits eingezogenes Kirchengut behielt seinen Stand [4]. Kein Reichsstand durfte die Untertanen eines anderen zum Glaubenswechsel drängen [4]. Andere Bekenntnisse blieben ausgeschlossen, die Calvinisten wurden erst 1648 einbezogen. Gedacht war er als Regelung bis zu einer endgültigen Einigung in der Religionsfrage, Paragraf 25 bestimmte aber, dass er dauerhaft gelten sollte [4]. Bis 1803 blieb der Friede die rechtliche Grundlage für das Nebeneinander der Konfessionen [4].

Abdankung und Tod

Karl gab seine Herrschaften schrittweise ab [1]:

Ein abgelegenes Steinkloster zwischen Eichen und Kastanien in den Hügeln der Extremadura in der Abenddämmerung
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  • 25. Oktober 1555: Abdankung vor den Ständen der Niederlande in Brüssel
  • 16. Januar 1556: Übergabe der spanischen Königreiche und Siziliens an Philipp
  • 5. und 7. September 1556: Übergabe der Reichsverwaltung an Ferdinand
  • Februar 1558: In Frankfurt übertrugen die Kurfürsten den Kaisertitel förmlich auf Ferdinand

Die letzten anderthalb Jahre verbrachte Karl in einem Landhaus, das er an das Kloster San Jerónimo de Yuste hatte anbauen lassen [1]. Er litt unter Gicht und Asthma [6]. Am 19. September 1558 empfing er die Sterbesakramente, am 21. September starb er. Zunächst wurde er unter dem Hochaltar von Yuste beigesetzt, 1574 ließ Philipp die Gebeine in den Escorial bringen [6].

  1. Studie Alfred Kohler: Karl V., in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977). Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1977. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Einen Kaiser "kauft" man nicht: der 500. Todestag Jakob Fuggers (Pressemeldung). Regio Augsburg Tourismus. Stand 12.02.2025. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Heinz Duchhardt: Die Wahlkapitulationen der römisch-deutschen Könige und Kaiser 1519 bis 1792. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Jahresbericht 2015, S. 33 bis 46. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Der Augsburger Religionsfriede (25. September 1555). Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Bartolomé de las Casas. World History Encyclopedia. Stand 17.06.2022. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Wilhelm Maurenbrecher: Karl V., in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 169 bis 206. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1882. abgerufen am 29.10.2026
  7. Joshua J. Mark: Christopher Columbus. World History Encyclopedia. Stand 12.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Reichstage und Reichsversammlungen unter Kaiser Karl V. (1519 bis 1555), Übersicht der Reichstagsakten Jüngere Reihe. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 23.02.2016. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.