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Die "Entdeckung" Amerikas: Kolumbus, die Wikinger und die Folgen von 1492
Am 12. Oktober 1492 landete Christoph Kolumbus auf einer Insel der Bahamas, die die Einheimischen Guanahani nannten. Er glaubte, Asien erreicht zu haben. Schon um das Jahr 1000 waren Wikinger in Nordamerika gewesen, dauerhafte Folgen hatte aber erst die Fahrt von 1492.

Als Christoph Kolumbus im Oktober 1492 auf den Bahamas an Land ging, lebten in Amerika längst Millionen Menschen. Allein im Gebiet des Aztekenreichs im heutigen Mexiko waren es nach Schätzungen 11 bis 25 Millionen, als die Spanier 1519 ankamen [10]. Für diese Menschen gab es nichts zu entdecken, "Entdeckung" beschreibt die europäische Sicht. Für Europa aber begann mit dieser Landung eine neue Zeit: Innerhalb weniger Jahrzehnte eroberte Spanien große Reiche, und Pflanzen, Tiere und Krankheiten wanderten zwischen den Kontinenten hin und her [10]. Wie andere Seefahrer zur gleichen Zeit Afrika umrundeten, beschreibt der Artikel zu den Entdeckungsfahrten.
Vor Kolumbus: die Wikinger in Vinland
Europäer waren schon fast fünf Jahrhunderte vor Kolumbus in Nordamerika [3]. Um das Jahr 1000 segelte Leif Eriksson mit 35 Mann von Grönland nach Westen. Die Sagas nennen drei Landstriche: Helluland, vermutlich die Baffininsel, Markland, vermutlich Labrador, und Vinland, wo die Mannschaft Häuser baute und überwinterte [3]. Was man über Leif weiß, stammt aus diesen Sagas, die lange mündlich weitergegeben und erst später aufgeschrieben wurden [3].

Einen archäologischen Beweis gibt es in L'Anse aux Meadows im Norden Neufundlands. Die Siedlung bestand aus drei Wohnhäusern und weiteren Bauten aus Holz und Torf [4]. 2021 veröffentlichten Forscher der Universität Groningen in der Fachzeitschrift Nature eine genaue Datierung. Holzstücke vom Fundort stammen von Bäumen, die 1021 mit Metallwerkzeugen gefällt wurden [4]. Möglich war das, weil ein Sonnensturm im Jahr 993 einen erkennbaren Ausschlag im Kohlenstoff der Jahresringe hinterlassen hatte [4]. Eine dauerhafte Siedlung gründeten die Wikinger in Nordamerika nicht [3]. Mehr über ihre Fahrten erzählt der Artikel zu den Wikingern.
Wie Kolumbus zu seinen Schiffen kam
Kolumbus wurde 1451 in Genua geboren. Nach einem Schiffbruch vor der portugiesischen Küste lebte er in Portugal und arbeitete dort als Kartenzeichner und Buchhändler [1]. König Johann II. von Portugal lehnte es ab, seine Fahrt nach Westen zu bezahlen [1]. Erst nach sieben Jahren Werbung gewann er die Unterstützung der spanischen Könige Ferdinand und Isabella [1].
Im Vertrag von Santa Fe von 1492 sagten sie ihm für den Fall des Erfolgs den Adelsstand zu. Er sollte den Titel "Admiral des Ozeanischen Meeres" erhalten, Vizekönig aller neuen Länder werden und zehn Prozent der dort gewonnenen Reichtümer bekommen [2].
Die erste Fahrt
Am 3. August 1492 verließ Kolumbus Spanien [10]. Er hatte drei Schiffe: die "Niña" unter Vicente Yáñez Pinzón, die "Pinta" unter Martín Pinzón und die "Santa María", die er selbst befehligte [1]. Die "Niña" und die "Pinta" waren Karavellen, kleine und für ihre Zeit schnelle Segelschiffe [11]. An Bord waren nach Angabe des Mariners' Museum 87 Männer [1].
Am 12. Oktober 1492 erreichte die Flotte eine Insel der Bahamas, die die Einheimischen Guanahani nannten. Kolumbus gab ihr den Namen San Salvador [1, 10]. Danach fuhr er weiter nach Kuba, das er für einen Teil Chinas hielt, und nach Hispaniola, der Insel, auf der heute Haiti und die Dominikanische Republik liegen [1]. Im Januar 1493 trat er die Rückreise an. Stürme zwangen ihn, zuerst in Portugal zu landen [1].
Drei weitere Reisen
Schon 1493 brach Kolumbus zur zweiten Reise auf, diesmal mit 17 Schiffen und dem Ziel, Land zu erobern und zu besiedeln [1, 10]. Die Siedlung La Navidad, die er auf der ersten Reise zurückgelassen hatte, fand er zerstört vor, die Siedler waren getötet worden [1]. Auf der dritten Reise erreichte er das Festland Südamerikas und wurde Gouverneur von Hispaniola. Er wurde aber durch Francisco de Bobadilla ersetzt und als Gefangener nach Spanien gebracht [1].
Vor der vierten und letzten Reise ließ er 1502 in Sevilla seine Verträge mit der spanischen Krone in einem "Buch der Privilegien" zusammenstellen [2]. Auf dieser Fahrt saß er nach Stürmen zwei Jahre auf Jamaika fest und kehrte erst 1504 zurück [1]. Am 20. Mai 1506 starb er in Valladolid [1]. Seinen Lebensweg beschreibt der Artikel über Christoph Kolumbus.
Warum der Kontinent Amerika heißt
Den Namen verdankt der Kontinent einem anderen Seefahrer. Der Florentiner Amerigo Vespucci arbeitete ab 1492 in Sevilla für die Medici und half Kolumbus, Schiffe und Vorräte zu beschaffen [7]. Im Mai 1499 verließ er Cádiz als Lotse in der Flotte von Alonso de Ojeda und erkundete die Küste des heutigen Brasilien. 1501 fuhr er im Auftrag Portugals an den Küsten Brasiliens und Argentiniens entlang [7]. In einem Brief an Lorenzo de' Medici beschrieb er das Land als eigenen Kontinent und nannte es "Mundus Novus", Neue Welt [7]. Martin Waldseemüller verwendete 1507 in einem Buch und auf einer Weltkarte für den südlichen Kontinent den Namen "America", nach Vespuccis Vornamen [7].
Die Aufteilung der Welt
Gleich nach der Rückkehr des Kolumbus sicherte sich Spanien seine Ansprüche. Die päpstliche Bulle "Inter caetera" vom 4. Mai 1493 legte eine Grenzlinie zwischen spanischem und portugiesischem Gebiet fest [2]. Sie verlief 100 Leguas westlich der Kapverdischen Inseln [6]. Im Vertrag von Tordesillas vom 7. Juni 1494 verschoben Spanien und Portugal die Linie auf 370 Leguas westlich der Kapverden [5, 6]. Dadurch kam der östliche Teil des späteren Brasilien in die portugiesische Zone [5]. Die Menschen, die in Amerika lebten, fragte niemand.
Azteken und Inka
Die Eroberung des Festlands begann 1519. Hernán Cortés brach mit etwa 600 Mann von Kuba nach Mexiko auf. In der Schlacht von Cintla am 25. März 1519 starben nach Angabe des Mariners' Museum 800 Einheimische und zwei Spanier. Danach übergab ein Anführer der Tabasco den Spaniern die versklavte Frau Malinche, die Nahuatl und Maya sprach und Cortés als Dolmetscherin diente [8]. Am 8. November 1519 erreichte er Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken [8]. Der Herrscher Moctezuma II. empfing die Spanier, Cortés nahm ihn gefangen [8]. 1520 vertrieb ein Aufstand die Spanier aus der Stadt. Im August 1521 brachten sie Tenochtitlan nach einer Belagerung wieder unter ihre Kontrolle [8]. Auf den Ruinen entstand Mexiko-Stadt [8].

Ähnlich verlief die Eroberung des Inkareichs. Francisco Pizarro brach im Januar 1531 mit 180 Mann und 37 Pferden nach Peru auf [9]. Er nahm den Inka-Herrscher Atahualpa gefangen und verlangte als Lösegeld Gold und Schätze. Obwohl die Inka zahlten, ließ Pizarro Atahualpa 1533 töten [9]. Danach plünderten die Spanier die Hauptstadt Cusco [9]. Wie diese Reiche vor der Ankunft der Europäer aufgebaut waren, zeigt der Artikel Maya, Azteken und Inka.
Der Kolumbianische Austausch
Der Historiker Alfred Crosby nannte die Wanderung von Pflanzen, Tieren und Krankheiten zwischen der sogenannten Alten und Neuen Welt 1972 den Kolumbianischen Austausch [10]. Viele Lebensmittel, die heute in Europa selbstverständlich sind, stammen aus Amerika.

| Richtung | Pflanzen und Tiere |
|---|---|
| Von Amerika nach Europa, Afrika und Asien | Mais, Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Erdnüsse, Tabak, Kakao, Paprika [10] |
| Von Europa nach Amerika | Weizen, Oliven, Weinreben, Zucker, Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner [10] |
| Von Afrika nach Amerika | Reis, Bananen, Kochbananen, Zitronen, Augenbohnen [10] |
Vor der Ankunft der Europäer hielten die Menschen in Amerika nur Hunde und Alpakas als Haustiere [10]. Cortés brachte 1528 Kakao nach Spanien, und in den 1530er-Jahren war Tabak bereits eine einträgliche Handelsware [10]. Hernando de Soto führte auf seinem Zug von 1539 bis 1542 Schweine in Nordamerika ein, und bis 1565 hatte sich die Rinderzucht von der Karibik nach Mexiko und Florida ausgebreitet [10]. In umgekehrter Richtung kam womöglich die Syphilis nach Europa. Der erste belegte Fall in Neapel stammt von 1495, ob die Krankheit dort vorher schon existierte, ist umstritten [10].
Die Folgen für die Bevölkerung Amerikas
Mit den Europäern kamen Pocken, Masern, Mumps, Keuchhusten, Windpocken, Typhus und Grippe nach Amerika. Über den Sklavenhandel folgten Hepatitis B, Malaria und Gelbfieber [10]. Die Pocken erreichten Mexiko 1519 [10]. Einer Schätzung zufolge starben etwa 90 Prozent der einheimischen Bevölkerung. Von den ungefähr 11 bis 25 Millionen Menschen im Gebiet des Aztekenreichs blieben etwa 2 Millionen übrig [10]. Die Inseln der Karibik waren in den 1560er-Jahren weitgehend entvölkert [10]. Cortés versklavte zudem einen großen Teil der einheimischen Bevölkerung [8]. Wie die Pocken später ausgerottet wurden, erzählt der Artikel Die Pocken und ihre Ausrottung.
Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert verschleppten Europäer schätzungsweise 12 bis 20 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika [10]. Darüber berichtet der Artikel zum atlantischen Sklavenhandel.
Wie an 1492 erinnert wird
In den USA ist der Columbus Day seit 1971 ein Feiertag des Bundes, er fällt auf den zweiten Montag im Oktober [1]. Seit 1964 gibt es dort außerdem am 9. Oktober einen Leif-Eriksson-Tag [3]. Das Original des Vertrags von Tordesillas liegt im portugiesischen Nationalarchiv in Lissabon und gehört seit 2007 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO [5].
- Organisation Christopher Columbus (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 1492: An Ongoing Voyage, Christopher Columbus: Man and Myth. Library of Congress. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Leif Eriksson (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Bruce Bower: Vikings lived in North America by at least the year 1021. Science News. Stand 20.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Treaty of Tordesillas (Memory of the World). UNESCO. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Treaty of Tordesillas. World History Encyclopedia. Stand 11.08.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Amerigo Vespucci (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hernando Cortés (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Francisco Pizarro (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- John Horgan: The Columbian Exchange. World History Encyclopedia. Stand 19.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Caravel (Ages of Exploration). The Mariners' Museum and Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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