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Maya, Azteken und Inka: drei "Hochkulturen" bis zur Eroberung

Die Maya lebten im Süden Mexikos und in Mittelamerika und erreichten ihre Blüte etwa von 250 bis 900 n. Chr. Die Azteken herrschten im 15. und frühen 16. Jahrhundert von Tenochtitlan aus über Zentralmexiko, die Inka zur gleichen Zeit von Cusco aus über die Anden. Spanier eroberten Tenochtitlan 1521 und das Inkareich ab 1532; der letzte unabhängige Maya-Staat fiel 1697.

Eine hohe Stufenpyramide aus Stein ragt über dichten Regenwald, zwischen den Bäumen liegt Morgennebel
Bild: KI-generiert

Maya, Azteken und Inka werden oft in einem Atemzug genannt, lebten aber in verschiedenen Zeiten und Regionen. Die Maya bauten ihre großen Städte im Süden Mexikos und in Mittelamerika, lange bevor es ein Aztekenreich gab [1]. Azteken und Inka herrschten fast gleichzeitig, die einen im Hochland von Mexiko, die anderen in den Anden Südamerikas [2, 3]. Alle drei Kulturen trafen im 16. Jahrhundert auf spanische Eroberer [1, 2, 3].

Drei Kulturen im Überblick

Die drei Kulturen unterschieden sich stark im Aufbau. Die Maya lebten in vielen Stadtstaaten, in der Nachklassik zerfiel Yucatán in rund 16 unabhängige Fürstentümer [4]. Azteken und Inka beherrschten dagegen große Reiche, die von einer Hauptstadt aus regiert wurden [2, 3].

MayaAztekenInka
GebietYucatán, Chiapas, Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras [1]Zentralmexiko, rund 135.000 km² [2]Anden von Ecuador bis Chile und Argentinien, um 1530 rund 950.000 km² [9]
Zentrumviele Stadtstaaten, etwa Tikal, Palenque, Copán [1]Tenochtitlan [2]Cusco [3]
BlütezeitKlassik etwa 250 bis 900 n. Chr. [1]1428 bis 1521 [2]ab 1438 bis 1532 [3, 9]
EndeNojpetén 1697 [6]Fall Tenochtitlans 1521 [2, 8]Vilcabamba 1572 [9]

Die Maya

Das Siedlungsgebiet der Maya reichte von den mexikanischen Bundesstaaten Yucatán, Quintana Roo, Campeche, Tabasco und Chiapas bis nach Guatemala, Belize, El Salvador und Honduras [1]. Maya ist keine alte Selbstbezeichnung. Der Name taucht erst in kolonialen Schriftstücken auf und verweist möglicherweise auf Mayapán, die letzte Hauptstadt eines Maya-Reiches in der Nachklassik [1, 4]. Die Menschen nennen sich selbst meist nach Volk und Sprache, zum Beispiel Quiché im Süden oder Yukateken im Norden [1]. Die klassische Zeit setzt die World History Encyclopedia an einer Stelle auf 250 bis 900, an anderer auf 250 bis 950 n. Chr. [1]. Das älteste bekannte Datum steht auf der Stele 29 in Tikal und entspricht dem Jahr 292 n. Chr. [1]. Chichén Itzá blühte etwa von 750 bis 1200 [1].

Überwucherte Kalksteinruinen eines Palastes mit Kraggewölben auf einer Lichtung im Regenwald
Bild: KI-generiert

Schrift und Kalender

Die Maya schrieben in Glyphen und führten Faltbücher, die Codices. Der Franziskaner Diego de Landa, der 1571 Bischof von Yucatán wurde, ließ am 12. Juli 1562 in Maní über 40 Codices und über 20.000 Bilder und Stelen vernichten [1, 4]. Nach der World History Encyclopedia sind drei Codices erhalten, die in Madrid, Dresden und Paris liegen; die deutschsprachige Wikipedia spricht von Fragmenten von vier Handschriften [1, 4]. Der Dresdner Codex widmet sechs Seiten der Berechnung der Venusbahn [1].

Der Kalender verband mehrere Zählungen. Der Ritualkalender Tzolkin hatte 260 Tage aus den Zahlen 1 bis 13 und 20 Tagesnamen, der Haab 365 Tage aus 18 Monaten zu 20 Tagen und fünf weiteren Tagen [5]. Beide zusammen ergaben eine Kalenderrunde von 18.980 Tagen, rund 52 Jahren [5]. Für lange Zeiträume diente die Lange Zählung, die nach der üblichen Umrechnung am 11. August 3114 v. Chr. beginnt, an anderer Stelle derselben Quelle steht der 13. August [5]. Als sie im Dezember 2012 einen neuen Zyklus erreichte, sagten manche den Weltuntergang voraus. Maya-Forscher halten das für unbegründet, und ein Kalender aus Xultun aus dem 9. Jahrhundert zeigt, dass die Maya mit dem Weiterbestehen der Welt rechneten [5]. Wie andere Völker das Schreiben erfanden, erklärt der Beitrag über die Erfindung der Schrift.

Der Niedergang der Städte

Ab dem 9. Jahrhundert wurden viele Zentren im Tiefland verlassen [4]. Palenque wurde um 800 aufgegeben [1]. Tikal verlor nach dem Essay des Metropolitan Museum of Art zu Beginn des 10. Jahrhunderts seine Herrschaft, vielleicht durch Krieg, Hunger oder Krankheit, und wurde verlassen [10]. Die deutschsprachige Wikipedia nennt als Ursachen ein Zusammenspiel von Kriegen, Überbevölkerung und langen Dürren [4]. Die Maya verschwanden aber nicht: Heute sprechen mehr als sechs Millionen Menschen eine der rund 30 Maya-Sprachen [4].

Die Azteken

Die Azteken, die sich selbst Mexica nannten, gründeten ihre Hauptstadt Tenochtitlan auf Inseln im Westen des Texcoco-Sees, rund 2.240 Meter über dem Meer [7]. Als überliefertes Gründungsjahr nennt die World History Encyclopedia 1345, die deutschsprachige Wikipedia datiert die erste Siedlung auf etwa 1320 bis 1350 [2, 7]. Nach der Gründungslegende entstand die Stadt dort, wo ein Adler auf einem Kaktus mit einer Schlange kämpfte [7].

Schmale Kanäle zwischen grünen Beeten mit Mais und Blumen auf einem ruhigen Hochlandsee, dahinter Vulkane
Bild: KI-generiert

1428 schloss Tenochtitlan nach dem Krieg gegen die Tepaneken einen Dreibund mit Texcoco und Tlacopan [2]. Daraus wuchs ein Reich von etwa 135.000 Quadratkilometern, dessen unterworfene Gebiete regelmäßig Tribut zahlen mussten [2]. Höchste Götter waren der Kriegs- und Sonnengott Huitzilopochtli und der Regengott Tlaloc, denen die beiden Tempel auf der großen Pyramide, dem Templo Mayor, geweiht waren [2, 7]. Menschenopfer, meist an Kriegsgefangenen, gehörten zu einer religiösen Ordnung, in der die Götter sinnbildlich "ernährt" werden mussten, damit zum Beispiel die Sonne jeden Tag erscheint [2]. Zur Einweihung des erweiterten Templo Mayor 1487 nennt die World History Encyclopedia 20.000 geopferte Gefangene. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt vorsichtiger, vier Tage lang seien möglicherweise bis zu 20.000 Menschen geopfert worden [2, 7].

Tenochtitlan

Fünf Dämme mit beweglichen Holzbrücken verbanden die Inselstadt mit dem Festland, die Inseln von Tenochtitlan und Tlatelolco umfassten etwa 13 Quadratkilometer [7]. Ein Aquädukt brachte Trinkwasser, auf aufgeschütteten Beetinseln im Sumpf, den Chinampas, ließen sich mehrere Ernten im Jahr einbringen [7]. Wie viele Menschen in der Stadt lebten, ist umstritten. Die World History Encyclopedia nennt für das frühe 16. Jahrhundert mindestens 200.000 Einwohner, die deutschsprachige Wikipedia mehr als 100.000, möglicherweise über 150.000 [2, 7]. Die wenigen Reste im heutigen Zentrum von Mexiko-Stadt gehören seit 1987 zum Welterbe der UNESCO [7].

Die Inka

Die Inka nannten ihr Reich Tawantinsuyu, das "Land der vier Teile", dessen vier Viertel in Cusco zusammentrafen [9]. Cusco hatte zur Blütezeit bis zu 150.000 Einwohner [3]. Der Aufstieg begann mit Pachacútec, der 1438 die Chanca besiegte und im selben Jahr Herrscher wurde [3, 9]. Unter ihm und seinen Nachfolgern dehnte sich das Reich bis um 1530 auf rund 950.000 Quadratkilometer aus, von Ecuador bis Chile und Argentinien [9]. Etwa 40.000 Inka regierten rund zehn Millionen Untertanen, die mehr als 30 Sprachen sprachen [3]. Machu Picchu wurde nach der World History Encyclopedia um 1450 unter Pachacútec angelegt und um 1510 verlassen [3]. Die Inka verehrten den Sonnengott Inti und die Mondgöttin Mama Kilya; zu ihren Opfern gehörten Tiere und Menschen, auch Kinder [3].

Steile grüne Ackerterrassen mit Trockenmauern an einem Andenhang, über den Gipfeln ziehen Wolken
Bild: KI-generiert

Straßen und Knotenschnüre

Das Straßennetz der Inka war über 40.000 Kilometer lang. Läufer, die Chaski, trugen Nachrichten in Staffeln bis zu 240 Kilometer am Tag [3, 9]. Eine Buchstabenschrift wie in Europa kannten die Inka nicht. Sie hielten Zahlen mit Knotenschnüren fest, den Quipu [3]. Neuere Forschungen deuten an, dass es neben Zahlen-Quipu auch eine lautliche Form für Nachrichten gab [9]. Steuern zahlten die Untertanen zum Teil als Arbeitsdienst, die Mit'a [3].

Die spanische Eroberung

Die Eroberer kamen jeweils mit nur wenigen hundert Mann [8, 9]. Nach der deutschsprachigen Wikipedia waren Waffentechnik, eingeschleppte Krankheiten und die Ausnutzung innen- und außenpolitischer Schwächen des Aztekenreiches entscheidend; Cortés zog zuletzt mit etwa zehntausend Tlaxkalteken gegen Tenochtitlan [8]. Wie es zur ersten Landung in Amerika kam, steht im Beitrag über die "Entdeckung" Amerikas 1492.

Mexiko 1519 bis 1521

Hernán Cortés brach im Februar 1519 mit etwa 400 bis 600 Mann von Kuba auf [8]. Nach schweren Kämpfen verbündeten sich die Tlaxkalteken, Feinde der Azteken, mit den Spaniern [8]. Am 8. November 1519 zog Cortés in Tenochtitlan ein und stellte Moctezuma II. unter Hausarrest. Moctezuma starb 1520 [8]. In der "Noche Triste" am 30. Juni 1520 mussten die Spanier unter schweren Verlusten aus der Stadt fliehen [2, 8]. Eine Pockenepidemie tötete danach innerhalb eines Jahres etwa 40 Prozent der einheimischen Bevölkerung, darunter den Herrscher Cuitláhuac [8]. Mit 13 Brigantinen auf dem See belagerten Spanier und Verbündete die Stadt. Am 13. August 1521 brach der letzte Widerstand in Tlatelolco zusammen, der Herrscher Cuauhtémoc geriet in Gefangenschaft [7, 8]. Die Stadt wurde danach vier Tage geplündert, und nach der deutschsprachigen Wikipedia töteten die Eroberer Tausende ihrer Einwohner [8].

Peru 1532 bis 1572

Das Inkareich war durch einen Bürgerkrieg zwischen den Brüdern Atahualpa und Huáscar geschwächt, den die World History Encyclopedia auf 1526 bis 1532 datiert [3]. Die Pocken hatten schon 1528 den Herrscher Huayna Cápac getötet [3]. Francisco Pizarro zog im September 1532 nach dem Chronisten Francisco de Xerez mit 191 Mann ins Landesinnere [9]. Im November 1532 nahm er Atahualpa in Cajamarca gefangen, nach der World History Encyclopedia am 16., nach der deutschsprachigen Wikipedia am 15. November [3, 9]. Bei dem Überfall auf dem Platz töteten die Spanier nach unterschiedlichen Angaben mehrere tausend Inka [9]. Atahualpa bot einen Raum voll Gold und Silber als Lösegeld. Trotzdem wurde er am 26. Juli 1533 hingerichtet [3, 9]. Nach einem gescheiterten Aufstand 1536 zog sich Manco Cápac nach Vilcabamba zurück. Dort wurde der letzte Inka-Herrscher Túpac Amaru am 24. Juli 1572 gefangen genommen und zwei Monate später in Cusco enthauptet [9].

Das Ende der Maya-Staaten

Im Hochland Guatemalas unterlagen die Quiché-Maya 1524 bei Utatlán dem Konquistador Pedro de Alvarado [1]. In Yucatán gründeten die Spanier 1544 Mérida [4]. Am längsten hielt sich Nojpetén, auch Tayasal genannt, die Stadt der Itzá auf einer Insel im Petén-Itzá-See im Norden Guatemalas. Ein spanisches Heer eroberte sie am 13. März 1697 [6].

Seuchen und Folgen

Für das Inkareich gibt die World History Encyclopedia an, dass die Pocken 65 bis 90 Prozent der Bevölkerung töteten [3]. Für Mexiko schätzt die deutschsprachige Wikipedia, dass die einheimische Bevölkerung von etwa 25 Millionen im Jahr 1519 auf 2,5 Millionen im Jahr 1565 sank, vor allem durch Seuchen [8]. Mehr über die Krankheit steht im Beitrag über die Pocken und ihre Ausrottung, die Geschichte des Kontinents im Überblick zur Geschichte Amerikas.

Eine schlichte Kolonialkirche aus Stein an einem leeren Platz in den Anden unter bedecktem Himmel
Bild: KI-generiert
  1. Joshua J. Mark: Maya Civilization. World History Encyclopedia. Stand 06.07.2012. abgerufen am 29.10.2026
  2. Mark Cartwright: Aztec Civilization. World History Encyclopedia. Stand 26.02.2014. abgerufen am 29.10.2026
  3. Mark Cartwright: Inca Civilization. World History Encyclopedia. Stand 15.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
  4. Maya. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Maya-Kalender. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Nojpetén. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Tenochtitlan. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  8. Spanische Eroberung Mexikos. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Inka. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. Studie Tikal (Heilbrunn Timeline of Art History). The Metropolitan Museum of Art, Department of the Arts of Africa, Oceania, and the Americas. Stand Oktober 2001. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.