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Michail Gorbatschow: der letzte Staatschef der Sowjetunion
Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje geboren und starb am 30. August 2022 in Moskau. Am 11. März 1985 wurde er Generalsekretär der KPdSU und leitete mit Perestroika (Umbau) und Glasnost (Offenheit) Reformen ein. 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis, am 25. Dezember 1991 trat er als Präsident der Sowjetunion zurück, die sich kurz darauf auflöste.

Michail Sergejewitsch Gorbatschow war von 1985 bis 1991 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und von 1990 bis 1991 der erste gewählte Staatspräsident der Sowjetunion [1]. Mit seinen Reformen wollte er das sowjetische System erneuern. Am Ende stand die Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 [1, 3]. Er wurde am 2. März 1931 geboren und starb am 30. August 2022 in Moskau im Alter von 91 Jahren [1].
Herkunft und Aufstieg in der Partei
Gorbatschow stammte aus einer Bauernfamilie in Priwolnoje im Gebiet Stawropol im Nordkaukasus [1]. Von 1950 bis 1955 studierte er in Moskau Rechtswissenschaft, 1952 trat er in die KPdSU ein [1]. 1953 heiratete er Raissa Maximowna Titorenko, das Paar bekam eine Tochter [1].

Nach dem Studium kehrte er nach Stawropol zurück und arbeitete von 1955 bis 1962 im Jugendverband Komsomol [1]. Von 1966 bis 1968 war er Erster Sekretär der Partei in der Stadt Stawropol, von 1970 bis 1978 Erster Sekretär für die ganze Region [1]. 1971 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU, 1978 dessen Sekretär für Landwirtschaft und 1980 Vollmitglied des Politbüros [1]. Nach Moskau war er 1978 auf Betreiben des früheren KGB-Chefs Juri Andropow gekommen [7].
Generalsekretär ab 1985
Leonid Breschnew war am 10. November 1982 im Amt gestorben [7]. Seine Nachfolger regierten nur kurz: Juri Andropow, der an einem Nierenleiden litt, starb am 9. Februar 1984, Konstantin Tschernenko am 10. März 1985 [7]. Am Tag darauf, dem 11. März 1985, wählte die Partei den 54-jährigen Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU [1, 4, 7]. Er übernahm ein Land, dessen Wirtschaft seit Mitte der 1970er-Jahre deutlich langsamer wuchs und dessen Landwirtschaft kaum noch mehr erzeugte [2]. Der Krieg in Afghanistan, den die Sowjetunion von 1979 bis 1989 führte, kostete über 13.000 sowjetische Soldaten das Leben [2].
Sein Ziel war, die "Zeit der Stagnation" zu beenden und Verkrustungen, Machtmissbrauch und Korruption zu beseitigen. Den Sozialismus wollte er dabei erhalten [4]. An der Einparteienherrschaft der KPdSU hielt er fest, eine Abkehr von der Planwirtschaft war nicht geplant [4]. Als Missstände, die er angehen wollte, nennt Sonja Hugi in einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung die zentrale Planwirtschaft, die politische Selbstisolierung, den mangelnden Informationsfluss und die teure militärische Ausdehnung [4].
Perestroika und Glasnost
Nach Hugi und Schattenberg verkündete Gorbatschow im April 1985 das Programm "Perestrojka", den Umbau [4, 7]. Die LeMO-Biografie verzeichnet die Vorstellung seines Programms eines grundlegenden Umbaus für Oktober 1985 [1]. Auf dem Plenum des Zentralkomitees im Januar 1987 kündigte er an, dass die Umgestaltung alle Bereiche erfassen sollte [2]. Auf dem XXVII. Parteitag 1986 kritisierte er offen die Breschnew-Zeit [7]. Der zweite Begriff, Glasnost, steht für Offenheit und Transparenz [1]. Auf dem Plenum des Zentralkomitees am 27. und 28. Januar 1987 sagte Gorbatschow: "Wir brauchen Demokratie wie die Luft zum Atmen." [7] Hugi sieht die wichtigste Errungenschaft von Glasnost darin, dass Missstände nun offen benannt werden konnten [4]. Die Hoffnung, damit neues Vertrauen in die Partei zu gewinnen, erfüllte sich nicht [4]. Was Pressefreiheit in einer Demokratie bedeutet, erklärt die Seite Pressefreiheit in Deutschland.
Im Mai 1985 beschloss der Ministerrat eine Kampagne gegen den Alkoholismus [7]. Sie zerstörte Weinbaugebiete in Georgien, verursachte wirtschaftliche Verluste und trieb die Menschen zu illegal gebranntem Schnaps und zu Ersatzstoffen. Im Oktober 1988 hob der Ministerrat das Verbot wieder auf [7]. Ab dem 1. Januar 1988 durften Belegschaften ihre Betriebsleitung selbst wählen, worauf die Löhne stark stiegen [7]. Im Herbst 1988 gab es Grundnahrungsmittel in acht der 15 Sowjetrepubliken nur noch auf Lebensmittelkarten [7]. 500.000 Bergarbeiter traten in den Streik und forderten unter anderem Seife [7].
Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl [6]. Die Moskauer Regierung verhängte eine Informationssperre, die Bevölkerung erfuhr erst Mitte Mai, wie groß das Unglück war. Bis zu 350.000 Menschen wurden evakuiert und umgesiedelt [6].
Im Sommer 1988 setzte sich auf der 19. Parteikonferenz ein Programm durch, das parlamentarische Elemente stärkte und das Machtmonopol der KPdSU infrage stellte [2]. Im Frühjahr 1989 wurde der Kongress der Volksdeputierten gewählt [2]. Hans-Henning Schröder sieht darin einen Durchbruch zur Demokratie, auch wenn das Wahlverfahren nicht wirklich demokratisch war [2]. Im März 1990 verlor die KPdSU offiziell ihr Machtmonopol [2]. Nach der LeMO-Biografie wurde Gorbatschow am 14. März 1990 zum Staatspräsidenten der Sowjetunion gewählt, nach Schattenberg wählte ihn der Sonderkongress der Volksdeputierten am 15. März 1990 [1, 7].
Abrüstung und neue Außenpolitik
Am 11. und 12. Oktober 1986 traf Gorbatschow den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan in Reykjavik [1]. Das Treffen blieb ohne Ergebnis [1]. 1987 unterzeichneten beide den INF-Vertrag über die Beseitigung der atomaren Mittelstreckenraketen, der 1988 ratifiziert wurde [1]. Zwischen 1986 und 1988 kündigte Gorbatschow den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan an, der bis 1989 abgeschlossen werden sollte [1]. Am 7. Dezember 1988 sprach er vor der UN-Vollversammlung und kündigte einseitige Abrüstungsschritte an [1]. Wie das Wettrüsten der Supermächte bis dahin verlaufen war, beschreibt der Artikel Das Wettrüsten.

Gorbatschow, die DDR und die deutsche Einheit
Die SED-Führung in Ost-Berlin wandte sich von Gorbatschows Kurs ab. Bis dahin hatte die Parole gegolten, von der Sowjetunion lernen heiße siegen lernen [4]. 1987 sagte der SED-Chefideologe Kurt Hager in einem Interview mit dem "Stern", man müsse nicht die eigene Wohnung neu tapezieren, nur weil der Nachbar es tue [4].
Vom 12. bis 15. Juni 1989 war Gorbatschow zum Staatsbesuch in Bonn [1]. Am 7. Oktober 1989 nahm er in Ost-Berlin an der Feier zum 40. Jahrestag der DDR teil [1]. Was danach in Berlin geschah, beschreibt der Artikel Der Mauerfall am 9. November 1989.
In den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen über die äußeren Fragen der deutschen Einheit stimmte Gorbatschow am 31. Mai 1990 zu, dass Deutschland sein Bündnis frei wählen dürfe [5]. Damit war der Weg für eine Mitgliedschaft in der NATO frei [5]. Die Sowjetunion erhielt dafür wirtschaftliche Hilfen, und auf dem Gebiet der früheren DDR durften keine NATO-Truppen stationiert werden. Am 12. September 1990 wurde der Vertrag in Moskau unterzeichnet [5]. Den weiteren Weg beschreibt der Artikel Die Wiedervereinigung 1990.
Der Augustputsch 1991
In mehreren Teilrepubliken, vor allem im Kaukasus und im Baltikum, setzten sich Gruppen durch, die mehr Eigenständigkeit bis hin zur Loslösung von der Sowjetunion wollten [2]. Im Februar 1988 brach der Konflikt um Bergkarabach zwischen Armeniern und Aserbaidschanern offen aus, mit Pogromen und Vertreibungen auf beiden Seiten [7]. Schon 1986 hatte es in Kasachstan Unruhen gegeben, nachdem Gorbatschow den dortigen Parteichef Dinmuchamed Kunajew durch einen Russen ersetzt hatte [7]. Estland erklärte am 16. November 1988 seine Souveränität und am 30. März 1990 seine Unabhängigkeit [7]. Nach Susanne Schattenberg räumte Gorbatschow im Dezember 1989 die Existenz des Molotow-Ribbentrop-Pakts offiziell ein [7]. Am 12. Juni 1991 wählten die Bürger Russlands Boris Jelzin direkt zu ihrem Präsidenten [3].

Am 18. August 1991 wurde Gorbatschow in seinem Feriendomizil unter Hausarrest gestellt [3]. Ein "Staatskomitee für den Ausnahmezustand" um Verteidigungsminister Dmitri Jasow, Innenminister Boris Pugo und KGB-Chef Wladimir Krjutschkow versuchte vom 19. bis 21. August 1991, die Macht zu übernehmen [3]. Vizepräsident Gennadij Janajew erklärte, Gorbatschow könne seine Pflichten nicht mehr wahrnehmen [3]. Jelzin rief am 19. August vor dem Weißen Haus in Moskau von einem Panzer aus zum Generalstreik auf [3]. Am 21. August scheiterte der Putsch, vor allem am Widerstand des russischen Parlaments und der russischen Regierung [2, 3].
Am 23. August 1991 verbot Jelzin per Dekret die KPdSU in Russland [3]. Am 24. August trat Gorbatschow als Generalsekretär zurück und forderte die Auflösung des Zentralkomitees [1, 3]. Am 29. August wurde die KPdSU in der ganzen Sowjetunion vorläufig verboten [3].
Das Ende der Sowjetunion
Nach dem Putsch erklärten die Teilrepubliken nacheinander ihre Unabhängigkeit [3]:
| Zeitpunkt | Republiken |
|---|---|
| 20. und 21.08.1991 | Estland, Lettland |
| 24.08.1991 | Ukraine |
| Ende August 1991 | Belarus, Moldau, Kirgisistan, Usbekistan |
| September und Oktober 1991 | Tadschikistan, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan |
| 16.12.1991 | Kasachstan |
Am 8. Dezember 1991 beschlossen Russland, Belarus und die Ukraine formal das Ende der Sowjetunion und gründeten die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) [3]. Am 21. Dezember traten acht weitere Republiken der GUS bei [3]. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident und Oberbefehlshaber zurück und übergab die Kontrolle über die Atomwaffen an Russland [1, 3]. Zum 31. Dezember 1991 löste sich die Sowjetunion formell auf [3]. Wie es in Russland danach weiterging, beschreibt der Artikel Die Geschichte Russlands.
Nach 1991
Am 1. Januar 1992 übernahm Gorbatschow die Leitung einer Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung [1]. Bei der russischen Präsidentschaftswahl am 16. Juni 1996 trat er an und erhielt knapp 0,5 Prozent der Stimmen [1]. Er starb am 30. August 2022 in Moskau [1].
Ein einheitliches Bild von Gorbatschow und der Perestroika-Zeit gibt es nicht. Nach der LeMO-Biografie ist die Wertschätzung für Gorbatschows Leistungen außerhalb Russlands hoch [1]. Den größeren Rahmen dieser Jahrzehnte beschreibt der Artikel Der Kalte Krieg.
- Organisation Irmgard Zündorf: Michail Gorbatschow (LeMO-Biografie). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 31.08.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Hans-Henning Schröder: Stagnation, Entspannung, Perestroika und Zerfall. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 14.06.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 30 Jahren: Gorbatschow tritt als Generalsekretär der KPdSU zurück (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 23.08.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sonja Hugi: Wandlungen in der Sowjetunion unter Gorbatschow (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Annabelle Petschow: Zwei-plus-Vier-Vertrag (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 29.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 1986: Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Susanne Schattenberg: Perestrojka und Glasnost (Informationen zur politischen Bildung, Sowjetunion II). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.10.2014. abgerufen am 29.10.2026
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