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Das Byzantinische Reich: Ostrom von Konstantin bis 1453

Das Byzantinische Reich war die östliche Hälfte des Römischen Reiches, die nach dem Ende Westroms weiterbestand. Hauptstadt war Konstantinopel, das Konstantin der Große 324 gründete und 330 zur Hauptstadt machte. Das Reich endete am 29. Mai 1453, als Sultan Mehmed II. die Stadt eroberte.

Lange mittelalterliche Stadtmauern mit eckigen Türmen an einem Graben, dahinter ein Kuppelbau über dem Meer
Bild: KI-generiert

Das Byzantinische Reich war der griechisch geprägte Osten des Römischen Reiches. Ein klares Anfangsdatum gibt es nicht. Das Schülerlexikon Geschichte verweist auf die Teilung von 395, als Kaiser Theodosius I. das Reich unter seine Söhne aufteilte und sich beide Hälften auseinanderentwickelten [1]. Die Gliederung einer Vorlesung von Christian Vogel an der Universität des Saarlandes ordnet die Reichsteilung von 395 der spätantiken Vorgeschichte zu und setzt hinter das Wort Teilung ein Fragezeichen [5]. Die World History Encyclopedia setzt den Beginn auf 330 und nennt als Alternativen der Forschung die Jahre 476, 565 und um 650 [2]. Das Ende steht dagegen fest: Am 29. Mai 1453 eroberte der osmanische Sultan Mehmed II. Konstantinopel [1, 2].

Woher der Name Byzanz kommt

Die Byzantiner selbst nannten sich Römer. Ihr Kaiser trug den Titel "basileus ton Rhomaion", Kaiser der Römer, und die Hauptstadt hieß Neues Rom [2]. Den Namen "byzantinisch" prägten erst Historiker im 16. Jahrhundert. Sie griffen dafür auf den alten Namen der Stadt zurück, Byzantion [2]. An dieser Stelle hatte eine griechische Kolonie gelegen, als Kaiser Konstantin dort 324 seine neue Stadt gründete [1]. Wie Konstantin zum Christentum stand und warum er die Hauptstadt verlegte, erzählt das Lebensbild Konstantin der Große.

Nach dem Schülerlexikon passt die Bezeichnung "Byzantinisches Reich" etwa ab dem Jahr 600, als das Reich nach den Kriegen des 6. Jahrhunderts eine eigene Gestalt annahm [1].

Justinian und das 6. Jahrhundert

Justinian I. regierte von 527 bis 565 [2, 5]. Er wollte den westlichen Mittelmeerraum zurückgewinnen. Teile Nordafrikas, Italiens und Spaniens fielen tatsächlich wieder an das Reich, gingen aber noch im 6. Jahrhundert großenteils verloren [1]. Sein Feldherr Belisar landete 533 in Afrika, im Winter 534 ergab sich der Vandalenkönig Gelimer. 535 fiel Sizilien, bis 540 war Italien weitgehend gesichert [3]. Wie die Vandalen und Ostgoten zuvor in den Westen gekommen waren, beschreibt der Artikel Die Völkerwanderung.

Ein weiter leerer Kuppelraum aus Stein, durch kleine Bogenfenster fallen Lichtstrahlen auf einen Marmorboden
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In der Hauptstadt brach 532 der Nika-Aufstand aus [5]. Die Unruhen dauerten etwa eine Woche und kosteten Tausende das Leben. Die Zeittafel der World History Encyclopedia schätzt rund 30.000 Tote und gibt an, dass die halbe Stadt brannte [3]. Kaiserin Theodora soll ihren Mann zum harten Eingreifen gedrängt haben [3]. Noch im selben Jahr begann der Neubau der Hagia Sophia, der 537 fertig war. Der Bau misst 74,6 mal 69,7 Meter, die Kuppel ist 55 Meter hoch und hat 31,8 Meter Durchmesser. Bis ins 16. Jahrhundert war sie die größte Kirche der Welt [2].

Unter Justinian entstand auch die große Sammlung des römischen Rechts, später Corpus Iuris Civilis genannt. Der Codex erschien 529, Digesten und Institutionen folgten im Dezember 533, eine überarbeitete Fassung des Codex 534 [2, 3, 5]. 542 traf eine Seuche das Reich, die später Justinianische Pest genannt wurde. Sie schwächte die Abwehr so sehr, dass der Ostgotenkönig Totila erste römische Gegenangriffe zurückschlug und 543 Neapel einnahm [3].

Kriege an vielen Fronten

Zwischen etwa 570 und 670 kämpfte das Reich zugleich im Osten gegen die Perser und im Norden gegen Awaren und Slawen [1]. Kaiser Herakleios, der von 610 bis 641 regierte, siegte 627 bei Ninive. Damit war das Sassanidenreich der Perser praktisch am Ende [2]. Kurz darauf griffen die Araber an. 636 unterlag das byzantinische Heer am Jarmuk, 637 fiel Jerusalem [2]. Die Ostprovinzen gingen verloren, Konstantinopel selbst wurde von 674 bis 678 belagert, aber nicht eingenommen [1, 2, 5]. Bei dieser Belagerung setzten die Verteidiger 678 zum ersten Mal das sogenannte Griechische Feuer ein, eine Brandwaffe für den Seekrieg [2]. Eine zweite arabische Belagerung folgte 717 bis 718 [2]. Den Gang der arabischen Eroberungen schildert der Artikel Die islamische Expansion.

Auf diese Lage reagierte das Reich mit einer Militärreform. Seit dem 7. Jahrhundert gliederte es seine Verteidigung in Militärbezirke, die Themen. Die Siege über die Araber im 8. Jahrhundert beruhten nach dem Schülerlexikon auf dieser Ordnung [1].

Der Bilderstreit

Kaiser Leon III., der von 717 bis 741 regierte, wandte sich gegen die Verehrung religiöser Bilder. Damit begann ein langer Streit mit Kirche und Mönchtum [1]. Die World History Encyclopedia teilt ihn in zwei Phasen, von 726 bis 787 und von 814 bis 843. Ein Erlass Leons gegen die Bilder stammt von 730, das Konzil von Nikaia stellte die Bilderverehrung im September 787 vorläufig wieder her [2]. Endgültig beigelegt war der Streit 843 [1]. Die Orthodoxie feiert diesen Tag, den 11. März 843, als "Triumph der Orthodoxie" [2].

Blütezeit und Beziehungen zum Westen

Zwischen 850 und 1000 waren Literatur und Kunst in Byzanz besonders schöpferisch. Ihr Einfluss reichte in die islamische, die slawische und die lateinische Welt [1]. Mit dem Westen gab es seit dem Jahr 800 Spannungen, als Papst Leo III. Karl den Großen zum Kaiser krönte und es damit zwei Kaiser gab [1]. Byzanz suchte den Ausgleich auch über Heiraten. 972 heiratete die Byzantinerin Theophanu den späteren Kaiser Otto II. [1]. Wie das westliche Kaisertum entstand, erklärt der Artikel Das Fränkische Reich.

Unter Basileios II., der von 976 bis 1025 herrschte, erreichte das Reich mit russischer Hilfe die größte Ausdehnung seit Justinian [1]. Er erhielt den Beinamen "Bulgarentöter" [2]. Fürst Wladimir von Kiew bekam eine byzantinische Prinzessin zur Frau, und um 988/989 kam das Christentum in die Rus [1]. Im Jahr 1054 trennten sich die Kirchen von Ost und West im sogenannten Schisma. Gestritten wurde unter anderem über die Autorität des Papstes und über Fragen der Lehre [2].

Manzikert, Kreuzzüge und das Jahr 1204

1071 unterlagen die Byzantiner den Seldschuken in der Schlacht bei Manzikert. Danach gründeten die Seldschuken in Anatolien einen eigenen Staat [1, 2]. 1095 begannen die Kreuzzüge, deren Durchzug das Reich mit Versorgung und Logistik schwer belastete [1]. Im Westen nahmen die Normannen die byzantinischen Gebiete in Süditalien. 1082 verbündete sich Byzanz mit Venedig und gab der Stadt Handelsvorrechte, die später auch Pisa und Genua erhielten [1]. Manuel I., Kaiser von 1143 bis 1180, galt als Höhepunkt dieser Zeit, seine Niederlage bei Myriokephalon 1176 als Wendepunkt [1].

Am 12. April 1204 eroberten und plünderten die Teilnehmer des Vierten Kreuzzugs Konstantinopel [1, 2]. Das Reich zerfiel in Nachfolgestaaten in Epirus, Trapezunt und Nikaia. Nikaia setzte sich als rechtmäßiger Nachfolger durch, und 1261 nahm ein nikänischer Feldherr Konstantinopel zurück [1]. Kaiser Michael VIII. Palaiologos machte die Stadt wieder zur Hauptstadt [2]. Die Hintergründe der Kriegszüge erklärt der Artikel Die Kreuzzüge.

Der Fall Konstantinopels 1453

Im 14. Jahrhundert eroberten die Osmanen den größten Teil Anatoliens und setzten ab 1354 nach Europa über. Byzanz schrumpfte zu einem kleinen Staat rund um seine Hauptstadt [1]. Am 2. April 1453 stand das osmanische Heer vor den Mauern, am 6. April begann der Beschuss. Die Belagerung dauerte etwa sechs Wochen [4].

Alte, teils verfallene doppelte Stadtmauern mit Turmruinen in trockenem Sommergras unter bewölktem Himmel
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Über die Stärke der Heere gibt es nur Schätzungen. Der Zeitgenosse Georgios Sphrantzes sprach von 200.000 Angreifern, heutige Historiker rechnen mit 60.000 bis 80.000. Verteidigt wurde die Stadt nach Sphrantzes von weniger als 5.000 Mann, dazu kamen 26 Schiffe, die meisten im Besitz italienischer Kaufleute [4]. Die Landmauern aus der Zeit Theodosius' II. waren 439 fertig geworden und rund 6,5 Kilometer lang [4]. Gegen sie setzte Mehmed II. große Kanonen ein, für die ihm der ungarische Ingenieur Urban sein Fachwissen verkauft hatte. Das größte Geschütz war 9 Meter lang und konnte nur siebenmal am Tag feuern [4].

Am Dienstag, dem 29. Mai 1453, fiel die Stadt. Der letzte Kaiser Konstantin XI. kam bei den Kämpfen ums Leben, sein Leichnam wurde nie sicher identifiziert [4]. Etwa 4.000 Menschen wurden getötet, mehr als 50.000 versklavt [4]. Mehmed II. ließ die Hagia Sophia in eine Moschee umwandeln und machte die Stadt zur neuen Hauptstadt seines Reiches. Mit Mistra 1460 und Trapezunt 1461 fielen die letzten byzantinischen Gebiete [4]. Wie es mit den Osmanen weiterging, zeigt der Artikel Das Osmanische Reich.

Die wichtigsten Daten

JahrEreignis
324Konstantin gründet Konstantinopel [1]
330Konstantinopel wird Hauptstadt [2]
395Teilung des Reiches unter den Söhnen Theodosius' I. [1]
527 bis 565Herrschaft Justinians I. [2]
532 bis 537Neubau der Hagia Sophia [2]
636Niederlage gegen die Araber am Jarmuk [2]
726 bis 843Bilderstreit in zwei Phasen [2]
1054Schisma zwischen Ost- und Westkirche [2]
1071Niederlage gegen die Seldschuken bei Manzikert [1, 2]
12.04.1204Kreuzfahrer erobern Konstantinopel [1, 2]
1261Rückeroberung der Hauptstadt [1, 2]
29.05.1453Mehmed II. erobert Konstantinopel [1, 4]

Was von Byzanz blieb

Religion, Kunst, Architektur und Recht aus Byzanz wirkten auf viele Staaten im Westen, auf Ost- und Mitteleuropa und auf Russland [2]. Die byzantinische Kuppelkirche prägte die Baukunst der orthodoxen Christen [2]. Das Rechtsbuch Justinians umfasste nach der World History Encyclopedia mehr als eine Million Wörter und galt rund 900 Jahre [2]. Mit dem Christentum, das um 988/989 von Byzanz aus in die Rus kam, wirkte die byzantinische Kirche auch in Osteuropa weiter [1].

Nahaufnahme eines goldenen Glasmosaiks mit geometrischen Mustern und Rankenornamenten an einer gewölbten Wand
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  1. Byzantinisches Reich: Der griechische Osten (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Mark Cartwright: Byzantine Empire. World History Encyclopedia. Stand 19.09.2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Will Wyeth: Justinian I. World History Encyclopedia. Stand 28.09.2012. abgerufen am 29.10.2026
  4. Mark Cartwright: 1453: The Fall of Constantinople. World History Encyclopedia. Stand 23.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Christian Vogel: Vorlesung Mittelalter, Grundzüge der mittelalterlichen Geschichte, VL 02A Byzanz (Gliederung und Daten). Universität des Saarlandes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.