Personen der GeschichteRatgeber
Josef Stalin: vom Priesterseminar in Tiflis zur Alleinherrschaft
Josef Stalin hieß eigentlich Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili und stammte aus Gori in Georgien. Ab 1922 baute er das Amt des Generalsekretärs zur Machtbasis aus und herrschte bis zu seinem Tod am 05.03.1953 über die Sowjetunion. In seine Zeit fallen die Zwangskollektivierung, die Hungersnot von 1932 und 1933, der Große Terror und der Krieg gegen das Deutsche Reich.

Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili kam nach der Biografie des Deutschen Historischen Museums am 18.12.1878 in Gori in Georgien zur Welt, nach anderen Angaben am 21.12.1879 [1]. Unter dem Namen Stalin stieg er nach Lenins Tod zum Alleinherrscher der Sowjetunion auf und blieb es bis 1953 [1]. Seine Herrschaft verbindet sich mit Zwangskollektivierung, Hungersnot, Massenterror und dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland [1, 2].
Kindheit in Georgien und das Priesterseminar
Der Vater war Schuhmacher, die Mutter Waschfrau [1]. Russisch lernte der Junge nach der LeMO-Biografie erst mit elf Jahren [1]. 1894 trat er in das orthodoxe Priesterseminar in Tiflis ein und las dort zum ersten Mal marxistische Schriften [1]. 1898 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, 1899 schloss ihn das Seminar wegen revolutionärer Tätigkeit aus [1].

Nach der Spaltung der Partei 1903 schloss er sich den Bolschewiki unter Lenin an [1]. Kurz darauf wurde er nach Sibirien verbannt [1]. In dieser Zeit heiratete er Jekaterina Swanidse, die 1907 starb [1]. Wie es zur Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki kam, beschreibt die Seite über Lenin.
Banküberfall in Tiflis und der Name Stalin
1904 floh er aus Sibirien und organisierte danach Raubüberfälle, die Geld für die Revolutionäre beschaffen sollten [1]. Am 25.06.1907 überfielen seine Leute die Filiale der Reichsbank in Tiflis und erbeuteten 250.000 Rubel [1]. Zwischen 1907 und 1913 wurde er mehrfach verhaftet und verurteilt, kam aber jedes Mal nach kurzer Zeit frei [1]. Ihm werden nach dem Deutschen Historischen Museum Kontakte zur zaristischen Geheimpolizei nachgesagt [1]. 1912 holte Lenin ihn ins Zentralkomitee der Bolschewiki [1]. Von da an nannte er sich Stalin, "der Stählerne" [1]. Von 1913 bis 1916 war er erneut in Sibirien verbannt [1].
Revolution, Bürgerkrieg und der Weg zur Macht
Nach dem Sturz des Zaren 1917 ging Stalin nach Petrograd, arbeitete in der Redaktionsleitung der "Prawda" und half, die Machtübernahme vorzubereiten [1]. In Lenins Regierung wurde er Volkskommissar für Nationalitätenfragen [1]. Mit Hilfe der Roten Armee holte er die kaukasischen Völker, die sich von Russland gelöst hatten, gewaltsam in den sowjetischen Machtbereich zurück [1]. Im Bürgerkrieg war er von 1918 bis 1920 Politischer Kommissar an mehreren Fronten [1]. Im Krieg gegen Polen kam es zum Bruch mit Leo Trotzki, der die Armee führte [1]. Den Ablauf des Jahres 1917 erklärt die Seite zur Oktoberrevolution.
Generalsekretär der Partei
1919 wurde Stalin Mitglied im Politbüro und im Organisationsbüro der Partei [1]. Als Einziger gehörte er beiden Leitungen an [1]. 1919 heiratete er Nadeschda Allilujewa, die 1932 starb [1]. Das 1922 geschaffene Amt des Generalsekretärs baute er zur Schlüsselstellung aus und nutzte es gegen seine Rivalen [1]. Lenin hatte vor seinem Ehrgeiz gewarnt [1]. Trotzdem behielt Stalin nach Lenins Tod 1924 alle Ämter und schaltete bis 1929 mit wechselnden Bündnissen einen Konkurrenten nach dem anderen aus [1]. Im Februar 1929 entmachtete er die "rechte Opposition" um Nikolai Bucharin [2].
Kollektivierung und Hungersnot
Ab 1928 setzte Stalin unter dem Schlagwort vom "Großen Umbruch" die Kollektivierung der Landwirtschaft und eine erzwungene Industrialisierung durch [2]. Der erste Fünfjahrplan wurde im April 1929 verkündet [2]. Im Dezember 1929 erklärte Stalin die "Liquidierung der Kulaken als Klasse" zum Programm [2]. Nach Markus Wehner waren allein 1930 rund eine Million Bauernhaushalte mit etwa sechs Millionen Menschen von der "Entkulakisierung" betroffen [3]. Bis 1933 wurden 2,5 Millionen Bauern deportiert, rund 600.000 starben auf dem Transport und in den Sondersiedlungen [3].

Die Folge war die Hungersnot von 1932 und 1933 [2]. Die Bundeszentrale für politische Bildung beziffert die Toten auf fünf bis zehn Millionen, davon rund fünf Millionen in der Ukraine [2]. Wehner nennt sechs bis sieben Millionen Tote, darunter 3,5 bis vier Millionen in der Ukraine und 1,8 Millionen in Kasachstan [3]. Die Städte wurden abgeriegelt, Hilfe aus dem Ausland ließ die Führung nicht zu [2]. Ein Gesetz vom 07.08.1932 bedrohte Menschen, die auf Kolchosfeldern Ähren aufsammelten, mit zehn Jahren Lager oder der Todesstrafe [3].
Fünfjahrplan und Industrie
Vorzeigeprojekte des ersten Plans waren der Dnjepr-Staudamm und das Stahlwerk von Magnitogorsk [2]. Im Februar 1931 erklärte Stalin, das Land müsse einen Rückstand von 300 Jahren in zehn Jahren aufholen [2]. Auf den Baustellen herrschten nach dem bpb-Heft Planungschaos und Pfusch; in Magnitogorsk musste der erste Hochofen kurz nach dem Anfahren wieder abgerissen werden [2]. Zwischen 1929 und 1935 zogen etwa 17 Millionen Bauern in die Städte [2]. Ein Passsystem, eingeführt im Dezember 1932, erschwerte ihnen den Zuzug und galt bis 1974 [2]. Alexei Stachanow erfüllte am 31.08.1935 seine Arbeitsnorm zu 1.457 Prozent [2]. Nach ihm hieß eine Bewegung, die bis 1938 Arbeiter zu Höchstleistungen antreiben sollte [2].
Holodomor: die ukrainische Erinnerung
In der Ukraine heißt die Hungersnot Holodomor [2, 4]. Für die Bewertung gibt es zwei Positionen. Die Autorinnen des bpb-Hefts von 2014, Susanne Schattenberg und Manuela Putz, halten die These eines gezielten Völkermords an den Ukrainern für nicht haltbar: Die Kampagne richtete sich gegen alle Bauern, auch gegen russische, und die Verluste unter den Kasachen waren prozentual noch größer. Sie beschreiben zugleich eine ausgeprägte Erinnerungskultur in der Ukraine und die politischen Bemühungen, den Holodomor international als Völkermord anerkennen zu lassen [2]. Der Deutsche Bundestag beschloss am 30.11.2022, der Holodomor sei eine von der sowjetischen Führung unter Stalin zu verantwortende massenhafte Tötung durch Hunger gewesen, ein Menschheitsverbrechen. Aus heutiger Sicht liege eine historisch-politische Einordnung als Völkermord nahe [4]. Nach dem Antrag verhungerten im Winter 1932/1933 in der Ukraine drei bis dreieinhalb Millionen Menschen [4].
Der Große Terror
Den Mord an dem Leningrader Parteichef Sergei Kirow im Dezember 1934 nahm die Führung zum Anlass für neue Verfolgungen [2]. In drei Moskauer Schauprozessen wurden alte Weggefährten Lenins verurteilt [2]. 1936 standen Grigori Sinowjew und Lew Kamenew vor Gericht, im März 1938 Bucharin und Alexei Rykow [2]. Die Geständnisse entstanden unter Folter oder durch Drohungen gegen die Familien [2]. Marschall Michail Tuchatschewski wurde am 12.06.1937 hingerichtet. Das bpb-Heft von 2014 schreibt, er sei ohne Schauprozess erschossen worden, und nennt die Erschießung von rund 10.000 weiteren Offizieren [2]. Markus Wehner schildert für Juni 1937 einen Prozess vor einem Sondermilitärgericht, in dem acht Generäle hingerichtet wurden; danach seien 35.000 bis 40.000 Offiziere verhaftet worden, ein großer Teil von ihnen sei erschossen worden [3]. Von 139 Mitgliedern des Zentralkomitees fielen nach Wehner 98 dem Terror zum Opfer [3].

Der NKWD-Befehl Nr. 00447 vom 30.07.1937 legte für vier Monate rund 260.000 Verhaftungen fest, darunter etwa 73.000 Erschießungen [2]. Stalin genehmigte nach dem bpb-Heft auch die Anträge der örtlichen Behörden, diese Zahlen zu erhöhen [2]. Eigene Operationen richteten sich gegen nationale Minderheiten [2]. Bei der "polnischen Operation" ab dem 09.08.1937 wurden etwa 140.000 Menschen verhaftet, die gesamte koreanische Bevölkerung des Fernen Ostens wurde nach Kasachstan und Usbekistan deportiert [2]. Die Pospelow-Kommission unter Chruschtschow ermittelte 1,5 Millionen Verhaftungen und 682.000 Erschießungen [2]. Die Forschung geht heute von mindestens 3,14 Millionen Verhaftungen aus [2]. Wehner nennt für 1937 und 1938 mindestens 1,4 Millionen Verhaftete und über 680.000 Erschossene [3]. Im November 1938 ersetzte Stalin den Geheimdienstchef Nikolai Jeschow durch Lawrenti Berija [2]. Damit endete der Massenterror [2].
Gulag und Zwangsarbeit
Am Weißmeer-Ostsee-Kanal, 227 Kilometer lang, arbeiteten von 1931 bis 1933 rund 170.000 Häftlinge [2]. Schätzungen zu den Toten reichen von 50.000 bis 250.000 [2]. 1934 waren nach dem bpb-Heft eine halbe Million Menschen in Lagern, nach dem Krieg rund 2,5 Millionen [2]. Eine Gesamtzahl der Menschen, die in den Lagern ums Leben kamen, nennen die beiden Hefte nicht. Beim Bau von Großprojekten wie dem Moskau-Wolga-Kanal starben nach Wehner Tausende Häftlinge an harter Arbeit bei unzureichender Ernährung, und im Winter 1942/43 kam es in der Arbeitsarmee zu einem Massensterben [3]. Wie ein Rechtsstaat Strafverfahren und Strafen an Gesetze bindet, erklärt die Seite Der Rechtsstaat.
Pakt mit Hitler und der Krieg
Am 23.08.1939 unterzeichneten die Außenminister Joachim von Ribbentrop und Wjatscheslaw Molotow in Stalins Anwesenheit in Moskau einen Nichtangriffspakt [2]. Ein geheimes Zusatzprotokoll teilte Polen auf und sprach der Sowjetunion die baltischen Staaten und einen Teil Rumäniens zu [2]. Am 17.09.1939 marschierte die Rote Armee von Osten in Polen ein [2]. Im April und Mai 1940 erschoss der NKWD bei Katyn etwa 20.000 polnische Offiziere und Angehörige der Intelligenz [2]. Die Sowjetunion stritt die Tat ab, bis Gorbatschow sie 1989 einräumte [2].
Nach dem deutschen Überfall 1941 übernahm Stalin den Vorsitz im Rat der Volkskommissare und die Führung des Krieges, den er zum "vaterländischen Krieg" erklärte [1]. Die Zahl der sowjetischen Kriegstoten schätzen Historiker auf 25 bis 30 Millionen [2]. Stalin selbst nannte 1945 sieben Millionen, Chruschtschow 1956 zwanzig Millionen [2]. Den Kriegsverlauf schildern die Seiten zum Zweiten Weltkrieg und zur Schlacht von Stalingrad.
Deportation ganzer Völker
1941 ließ Stalin nach dem bpb-Heft 450.000 Wolgadeutsche nach Kasachstan deportieren [2]. Im Februar und März 1944 folgten 496.460 Tschetschenen und Inguschen, von denen mindestens ein Drittel ums Leben kam, dazu 180.000 Krimtataren [2]. Wehner zählt für die Jahre 1941 bis 1948 etwa drei Millionen Deportierte und mindestens eine halbe Million Tote [3].
Nachkriegsordnung, Spätstalinismus und Tod
Auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam 1945 und durch die Förderung kommunistischer Regierungen in Osteuropa setzte Stalin seine Ziele durch [1]. Die so entstandene Ordnung hielt nach dem Deutschen Historischen Museum bis 1990 [1]. 1948 versuchte er mit der Blockade West-Berlins, die ganze Stadt unter Kontrolle zu bringen [1]. 1945 erhielt er den Titel "Generalissimus" [2]. In der Hungersnot von 1946 und 1947 starben etwa zwei Millionen Menschen [2]. Eine antisemitische Kampagne führte von 1949 an zu Verhaftungen von Schriftstellern und Schauspielern [2]. Die angebliche "Ärzteverschwörung" von 1953 endete erst mit Stalins Tod [2]. Wie sich daraus die Blockbildung entwickelte, zeigt die Seite zum Kalten Krieg.
Stalin starb am 05.03.1953 in seiner Datscha bei Moskau [1]. Im Gedränge bei der Aufbahrung kamen Hunderte, vielleicht mehrere Tausend Menschen ums Leben [2]. Mit der Entstalinisierung ab 1956 wurden Verbrechen seiner Zeit öffentlich gemacht [1]. 1961 wurde sein Leichnam aus dem Mausoleum am Roten Platz entfernt und an der Kremlmauer beigesetzt [1].
- Josef Stalin 1878 bis 1953 (LeMO Biografie). Manfred Wichmann, Deutsches Historisches Museum. Stand 20.01.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Stalinismus (Informationen zur politischen Bildung, Sowjetunion I: 1917 bis 1953). Susanne Schattenberg, Manuela Putz, Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Stalinistischer Terror. Genese und Praxis der kommunistischen Gewaltherrschaft in der Sowjetunion 1917 bis 1953 (APuZ 37-38/1996). Markus Wehner, Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 06.09.1996. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Bundestag stuft Holodomor in der Ukraine als Völkermord ein (Antrag Drucksache 20/4681). Deutscher Bundestag. Stand 30.11.2022. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
PersonenAlbert EinsteinAlbert Einstein von Ulm über Bern und Berlin bis Princeton: das Jahr 1905, die Relativitätstheorie, der Nobelpreis, die …
PersonenFranklin D. RooseveltFranklin D. Roosevelt von Hyde Park bis Warm Springs: Kinderlähmung, Weltwirtschaftskrise, New Deal, vier Wahlsiege, Pearl …
PersonenAdolf HitlerAdolf Hitler von Braunau über Wien und München bis zur Reichskanzlei: Eintritt in die DAP, Putsch 1923, Machtübernahme 1933 …