Das 20. JahrhundertRatgeber

Die Schlacht von Stalingrad: Kessel, Kapitulation und Kriegswende

Die Schlacht von Stalingrad begann im August 1942 und endete am 2. Februar 1943 mit der Kapitulation der eingeschlossenen deutschen 6. Armee. Am 22. November 1942 hatte die Rote Armee die Truppen in einem Kessel an der Wolga eingeschlossen. Rund 150.000 deutsche Soldaten starben, etwa 91.000 bis über 100.000 gingen in Gefangenschaft, auf sowjetischer Seite fielen vermutlich mehr als 400.000 Soldaten.

Eine zerstörte Industriestadt am Ufer eines breiten Flusses im Winter mit Schnee auf Trümmern und Rauch
Bild: KI-generiert

Von August 1942 bis Anfang Februar 1943 kämpften die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten gegen die Rote Armee um Stalingrad, das heutige Wolgograd. Die Schlacht endete mit dem Untergang der 6. Armee unter Friedrich Paulus. Am 31. Januar und 2. Februar 1943 stellten die eingeschlossenen Truppen die Kämpfe ein [1, 6]. Das Bundesarchiv nennt Stalingrad die erste derartige Niederlage der Wehrmacht und sieht gute Gründe, darin die Kriegswende zu erkennen [6]. Den Rahmen beschreibt der Artikel über den Zweiten Weltkrieg.

Der Weg nach Stalingrad

Nach der verlustreichen Winterschlacht 1941/42 konnte die Wehrmacht im Osten nicht mehr auf breiter Front angreifen. Am 28. Juni 1942 begann bei Charkow die deutsche Sommeroffensive. Sie beschränkte sich auf einen 800 Kilometer breiten Abschnitt zwischen Kursk und Taganrog am Asowschen Meer [2, 3]. Die Heeresgruppe Süd unter Fedor von Bock sollte die Ölfelder im Kaukasus erobern [2].

Die Heeresgruppe B unter Maximilian von Weichs rückte entlang des Don nach Südosten auf Stalingrad vor, die Heeresgruppe A unter Wilhelm List stieß von Süden vor. Die geplante Einkesselung sowjetischer Armeen misslang, weil sich die Rote Armee hinter Don und Wolga und in den Kaukasus zurückzog [2]. Am 23. Juli 1942 änderte Hitler den Plan: Beide Flügel sollten gleichzeitig vorgehen, die Heeresgruppe A bis zum Kaspischen Meer und zu den Ölfeldern von Grosny und Baku [2]. Im Spätsommer 1942 eroberte die Wehrmacht die ganze Krim, die deutsche Herrschaft in Europa reichte so weit wie nie zuvor [2]. Die Historiker Thomas Vogel und Peter Lieb nennen diese größte Ausdehnung einen trügerischen Erfolg, weil die Achsenmächte ihre Kräfte überdehnt hatten [5]. Die Front war über 2.000 Kilometer lang. Anfang September kam der Vormarsch wegen fehlender Reserven und fehlenden Nachschubs zum Stehen [2]. Hitler entließ List, ersetzte Generalstabschef Franz Halder durch Kurt Zeitzler und übernahm selbst den Befehl über die Truppen im Kaukasus [2, 3].

Der Kampf um die Stadt

Stalingrad war für Hitler ein Symbol. Die Eroberung der Stadt, die Stalins Namen trug, sollte auch ein persönlicher Prestigeerfolg über den sowjetischen Diktator sein [1]. Ende August 1942 erreichte die 6. Armee die Stadt an der Wolga [1, 6]. Am 23. August griff in der Nähe eine italienische Kavallerieeinheit sowjetische Soldaten an. Die Jahreschronik des Deutschen Historischen Museums nennt diesen Angriff den letzten Reitereinsatz der Kriegsgeschichte [3].

Eine Straße mit ausgebombten Backsteinhäusern, leeren Fensterhöhlen und Schutt im staubigen Herbstdunst
Bild: KI-generiert

Bis Mitte November eroberte die 6. Armee rund 90 Prozent der Stadt. In den Häuser- und Straßenkämpfen verlor sie dabei ihre Kraft [1]. Die sowjetischen Verbände ließen sich nicht ganz vom westlichen Wolgaufer vertreiben [2]. Die Jahreschronik des Deutschen Historischen Museums verzeichnet im November die Einnahme Stalingrads durch die 6. Armee [3].

Eingeschlossen im Kessel

Am 19. November 1942 begann die Rote Armee die Gegenoffensive "Uranus". Sie griff gezielt die Abschnitte der schlecht ausgerüsteten rumänischen Truppen an den Flanken an und durchbrach sie [5]. Zangenförmig stießen sowjetische Verbände von Nordwesten und Süden vor [1]. Am 22. November war die 6. Armee eingeschlossen [3]. Im Kessel saßen außerdem Teile der 4. Panzerarmee und Reste der rumänischen 3. und 4. Armee [1].

Wie viele Soldaten eingeschlossen waren, geben die Quellen unterschiedlich an. Das Deutsche Historische Museum nennt an einer Stelle rund 250.000 Deutsche und über 30.000 rumänische und russische Hilfssoldaten, in seiner Jahreschronik 284.000 Soldaten [1, 3]. Der Kessel maß etwa 40 mal 50 Kilometer [1].

Die Luftbrücke, die nicht reichte

Paulus schlug einen Ausbruch vor, Hitler lehnte strikt ab. Hermann Göring hatte zugesagt, die Armee aus der Luft zu versorgen [1]. Die 6. Armee brauchte täglich 300 bis 400 Tonnen Nachschub. Diese Menge kam nie an, weil der Wehrmacht im Winter 1942/43 die nötigen Kapazitäten fehlten [1].

Am 12. Dezember 1942 begann die Heeresgruppe Don unter Erich von Manstein einen Entsatzangriff. Panzerverbände unter Hermann Hoth kamen bis auf knapp 50 Kilometer an Stalingrad heran [1, 3]. Nach neun Tagen brach der Angriff zusammen [1, 3]. Am 23. Dezember erneuerte Hitler den Durchhaltebefehl [1]. Wenige Tage später zog die deutsche Führung die Heeresgruppe aus dem Kaukasus zurück, um eine weitere Einkreisung zu verhindern. Sie entkam nach der Darstellung von Vogel und Lieb nur knapp [3, 5].

Hunger und Kälte im Kessel

Im Kessel bekamen die Soldaten am Tag oft nur zwei Scheiben Brot und etwas Tee, gelegentlich eine dünne Suppe. Ab Mitte Dezember starben die ersten Männer an Erschöpfung und Unterernährung. Temperaturen unter minus 40 Grad kosteten Tausende das Leben [1]. Ein Gefreiter schrieb kurz nach Neujahr 1943 in einem Feldpostbrief von einer Tagesration aus 200 Gramm Brot, 50 Gramm Fleisch und 50 Gramm Butter [5]. Solche Briefe aus Stalingrad sammelt heute unter anderem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in seinem Projekt "Kriegsbiographien" [7].

Eine gefrorene Steppe in der Dämmerung mit dem verschneiten Eingang eines Erdunterstands und kleinem Feuer
Bild: KI-generiert

Das Ende im Januar und Februar 1943

Die letzten Wochen verliefen so [1, 4]:

DatumEreignis
10.01.1943Paulus lehnt die Kapitulation ab, die Rote Armee beginnt den Angriff auf den Kessel
18.01.1943Die Truppen müssen ihre Linien aufgeben und sich in das Stadtgebiet zurückziehen, der Kessel zerfällt in zwei Teile
30.01.1943Hitler ernennt Paulus zum Generalfeldmarschall
31.01.1943Paulus kapituliert im südlichen Kessel gegen Hitlers ausdrücklichen Befehl
02.02.1943Die Truppen im Nordkessel ergeben sich

Bis dahin hatte kein deutscher Feldmarschall kapituliert. Das Deutsche Historische Museum deutet die Beförderung deshalb als Versuch, Paulus zum Weiterkämpfen bis zum "Heldentod" zu bewegen [1]. Das Bundesarchiv unterscheidet für die letzten Tage einen Süd-, einen Mittel- und einen Nordkessel, in denen die Truppen zwischen dem 31. Januar und dem 2. Februar die Kämpfe einstellten [6].

Opfer und Gefangene

Etwa 150.000 deutsche Soldaten starben in den Kämpfen, an Kälte oder Hunger [1]. Auch Zehntausende Österreicher, Rumänen, Italiener und Ungarn kamen ums Leben [7]. Die Zahl der Gefangenen geben die Quellen unterschiedlich an: rund 91.000 im Kapitel des Deutschen Historischen Museums [1], über 100.000 in dessen Jahreschronik [4] und etwa 100.000 bei der Bundeszentrale für politische Bildung [5]. Nur wenige Tausend überlebten die sowjetischen Lager [5, 7]. Von den Gefangenen kehrten vielleicht 6.000 bis 1956 nach Deutschland zurück [1].

Die Verluste der Roten Armee waren nach Darstellung von Vogel und Lieb sehr viel höher als die deutschen, auch die Stadtbevölkerung zahlte einen hohen Preis [5]. Das Deutsche Historische Museum schätzt mehr als 400.000 tote sowjetische Soldaten [1]. Der Volksbund nimmt an, dass auf sowjetischer Seite weit über zwei Millionen Menschen in der Schlacht und an ihren Folgen starben. Alle Namen vorzulesen, würde nach seiner Rechnung zwei Monate dauern [7].

Propaganda und Stimmung in Deutschland

Die NS-Führung stellte den Untergang der 6. Armee als heroischen Opfergang dar und lenkte so von den Ursachen ab [1, 5]. Verbergen ließ sich das Ausmaß der Niederlage nicht. Viele Deutsche sahen in Stalingrad einen Wendepunkt, nicht wenige rechneten nun mit einer Niederlage [5]. Am 18. Februar 1943 rief Propagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast den "totalen Krieg" aus [1, 4, 5]. Die Zweifel am deutschen Sieg beseitigte die Rede nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums nicht. Kurz nach dem Ende in Stalingrad stand in deutschen Großstädten die Jahreszahl "1918" an Hauswänden [1]. Sie erinnerte an die Niederlage im Ersten Weltkrieg. Wie das Regime die Bevölkerung lenkte, beschreibt der Artikel über den Nationalsozialismus.

Wendepunkt des Krieges

Stalingrad stand nicht allein. Nach El Alamein im Oktober 1942 und der Landung alliierter Truppen in Nordafrika kapitulierte im Mai 1943 auch die Heeresgruppe Afrika bei Tunis. 270.000 Deutsche und Italiener gerieten dort in Gefangenschaft, Vogel und Lieb sprechen von einem "zweiten Stalingrad" [5]. Danach war die Wehrmacht an allen Fronten auf dem Rückzug. Schon im Januar 1943 hatten die Alliierten auf der Konferenz von Casablanca beschlossen, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands, Italiens und Japans zu verlangen [5].

Im Osten brach im Januar 1943 die Front am mittleren Don ein, ungarische und italienische Armeen wurden zerschlagen. Bis Ende März eroberte die Rote Armee das gesamte 1942 verlorene Gebiet zurück, bevor Manstein sie bei Charkow vorerst stoppte [5]. Die Wehrmacht verlor in dieser Zeit jeden Monat über 100.000 Mann an Toten, Verwundeten und Vermissten. Die Rote Armee verlor noch mehr, konnte die Verluste aber mit größeren Reserven und mehr Rüstungsgütern ausgleichen [5]. Nach Stalingrad dauerte der Krieg in Europa noch 27 Monate [6].

Gedenken heute

Bei Wolgograd liegen heute zwei Soldatenfriedhöfe nebeneinander, getrennt durch eine schmale Landstraße. Der Volksbund finanzierte zunächst einen russischen Friedhof, der 1997 als Projekt der Versöhnung eröffnet wurde. 1999 folgte die deutsche Kriegsgräberstätte Rossoschka [7]. 2019 legte Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan dort bei einer Einbettung von Toten einen Kranz nieder [7]. Wer die Rolle der beiden Diktatoren nachlesen will, findet die Lebensbilder von Adolf Hitler und Josef Stalin.

Ein stiller Soldatenfriedhof in der Steppe mit Reihen grauer Steinblöcke, Birken und hohem trockenem Gras
Bild: KI-generiert
  1. Organisation Arnulf Scriba: Die Schlacht um Stalingrad 1942/43 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 19.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Arnulf Scriba: Die deutsche Sommeroffensive 1942 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 19.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Dorlis Blume, Manfred Wichmann: Jahreschronik 1942 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 23.03.2022. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Dorlis Blume, Manfred Wichmann: Jahreschronik 1943 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 26.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Thomas Vogel, Peter Lieb: Kriegswende. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 12.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Ende der Schlacht von Stalingrad. Bundesarchiv. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Wolfgang Schneiderhan: Stalingrad, eine Tragödie der Welt. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Stand 31.01.2023. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.