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Die Geschichte des Islam: von Mohammed bis in die Gegenwart

Der Islam geht auf Mohammed zurück, der um 570 in Mekka geboren wurde und 609 oder 610 nach islamischer Überlieferung die erste Offenbarung empfing. Mit der Übersiedlung nach Medina 622 beginnt die islamische Zeitrechnung. Nach seinem Tod 632 führten Kalifen die Gemeinschaft, der Streit um die Nachfolge trennte Sunniten und Schiiten, und große Reiche von Spanien bis Indien prägten die folgenden Jahrhunderte.

Ein stiller Innenhof mit Spitzbögen, türkis und weiß gemusterten Fliesen und einem runden Brunnen in der Morgendämmerung
Bild: KI-generiert

Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel, in Mekka und Medina [1]. Nach dem Pew Research Center waren 2020 rund 25,6 Prozent der Weltbevölkerung Muslime, und zwischen 2010 und 2020 wuchs ihre Zahl um 347 Millionen Menschen, mehr als die aller anderen Religionen zusammen [6]. Um Inhalt, Aufbau und Entstehung der heiligen Schrift geht es auf koran.domain-root.de, etwa unter Wie der Koran entstand und überliefert wurde.

Mohammed in Mekka und Medina

Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren, im Stamm der Quraisch [2]. Mit 40 Jahren, im Jahr 609 oder 610, empfing er nach islamischer Überlieferung in einer Berghöhle nahe Mekka zum ersten Mal die Offenbarung Gottes [1]. In Mekka stieß die junge Gemeinde auf Ablehnung und Widerstand, und 622 siedelte Mohammed mit seinen Anhängern nach Medina über [1]. Mit dieser Auswanderung, der Hidschra, beginnt die islamische Zeitrechnung [2].

Eine Wüstenoase mit Dattelpalmen und niedrigen Lehmhäusern zwischen felsigen Hügeln im warmen Abendlicht
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624 siegten die Muslime bei Badr, 625 verloren sie bei Uhud, und 627 blieb die Belagerung Medinas im sogenannten Grabenkrieg ohne Erfolg [1]. 628 scheiterte ein Pilgerzug nach Mekka, bei al-Hudaibiya wurde aber eine Waffenruhe vereinbart [1]. Nach der vereinbarten Pilgerfahrt 629 nahmen die Muslime Mekka ein Jahr später fast kampflos ein [1]. 632 unternahm Mohammed seine letzte Pilgerfahrt, die Abschiedswallfahrt, und starb im selben Jahr in Medina [1]. Mehr zur Person steht im Lebensbild Mohammed.

Die ersten Kalifen und die Frage der Nachfolge

Um die legitime Nachfolge Mohammeds entstand nach seinem Tod ein Streit, der die Muslime bis heute trennt [7]. Uthman, der dritte Nachfolger Mohammeds, wurde 656 ermordet [2]. Im selben Jahr wurde Ali Ibn Abi Talib, Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, vierter Kalif [7]. Ein Bürgerkrieg folgte. Er endete, als Ali 661 einem Mordanschlag zum Opfer fiel, und seine Gegner übernahmen die Macht [2, 7]. In dieser Zeit eroberten arabische Heere weite Gebiete; 640 stand der Feldherr Amr Ibn al-As am Nil [2]. Den Verlauf der Eroberungen beschreibt der Artikel Die islamische Expansion.

Sunniten und Schiiten

Die Schia entstand aus der Partei Alis, die die Führung der Gemeinschaft bei der Familie des Propheten sehen wollte [7]. Alis Sohn Husain, für die Schiiten der dritte Imam, versuchte 680, die Macht zu erringen, und starb dabei im irakischen Kerbela [7]. Nach Guido Steinberg sind von den Muslimen weltweit schätzungsweise 85 bis 90 Prozent Sunniten [7]. Schiiten stellen die Mehrheit im Irak, in Iran, in Aserbaidschan und in Bahrain [7].

Umayyaden und Abbasiden

Die Umayyaden führten die islamische Gemeinschaft von 661 bis 750 von Damaskus aus [3]. Kalif Abd al-Malik, der von 685 bis 705 regierte, arabisierte sein ganzes Herrschaftsgebiet und führte eigene Münzen ein [9]. In seiner Regierungszeit entstand 691 bis 692 der Felsendom in Jerusalem [9]. Ein Zweig der Familie hielt sich in Spanien: Abd ar-Rahman I. entkam den Abbasiden und gründete 756 in al-Andalus das Emirat von Córdoba [9]. Die Umayyaden regierten dort als Kalifat bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts [3]. Später herrschten in Spanien und Nordafrika die Almoraviden im 11. und 12. Jahrhundert und die Almohaden von 1130 bis 1269 [3].

Ein mittelalterlicher Gelehrtensaal mit Regalen voller Pergamentrollen, einer Öllampe aus Messing und einem niedrigen Holzpult
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Von 750 bis 1258 bestand das sunnitische Kalifat der Abbasiden mit dem Zentrum Bagdad [3]. Der Kalif al-Mansur ließ die neue Hauptstadt nahe dem Tigris anlegen [4]. In der großen Bibliothek von Bagdad, dem Haus der Weisheit, wurden klassische griechische Werke ins Arabische übersetzt [4]. Diese Übersetzungen halfen nach der World History Encyclopedia später auch europäischen Denkern der Renaissance [4]. Mit der Regierung Harun ar-Raschids von 786 bis 809 setzt die World History Encyclopedia den Beginn eines goldenen Zeitalters der Gelehrsamkeit an [4]. 1258 zerstörten die Mongolen Bagdad, und der Kalif wurde getötet [4]. Die Mamluken setzten danach ab 1261 in Kairo Abbasiden als Schattenkalifen ohne Macht ein, bis der osmanische Sultan Selim I. 1517 den Kalifentitel auf seine Familie übertrug [4]. Wie die Mongolen nach Westen vordrangen, erzählt der Artikel Das Mongolische Reich.

Fatimiden, Seldschuken und Mamluken

In Ägypten regierte von 969 bis 1171 die ismailitische Dynastie der Fatimiden [3]. Die türkischen Seldschuken herrschten von 1055 bis 1157 in Bagdad, eine Nebenlinie von 1077 bis 1307 in Anatolien mit dem Zentrum Konya [3]. Von 1250 bis 1517 regierten in Ägypten, Syrien und auf der Arabischen Halbinsel die Mamluken, ehemalige Militärsklaven [3]. In diese Zeit fallen auch die Kreuzzüge, über die der Artikel Die Kreuzzüge berichtet.

Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts traten die Sufis in Erscheinung, Gruppen mit asketischer und gefühlsbetonter Frömmigkeit, benannt nach ihren Wollgewändern (arabisch suf) [2].

Der Islam in Westafrika

Nach Westafrika kam der Islam über arabische Kaufleute, die dort Handel trieben [10]. Das Reich Mali bestand ab 1240; gegründet hat es Sundiata Keita, der von 1230 bis 1255 regierte [10]. Sein bekanntester Herrscher, Mansa Musa, regierte von 1312 bis 1337 und unternahm eine Pilgerfahrt nach Mekka [10]. Als er 1324 Kairo besuchte, gab er dort nach der World History Encyclopedia sehr viel Gold aus oder verschenkte es [10]. In Timbuktu entstanden Moscheen wie die Große Moschee, auch Djinguereber genannt, und die Koranschulen und Lehrstätten der Stadt erwarben einen internationalen Ruf [10]. Die Sankore-Moschee in Timbuktu steht bis heute [10]. Weitere Reiche des Kontinents beschreibt der Artikel Afrika im Mittelalter.

Osmanen, Safawiden und Moguln

Ab dem späten 13. Jahrhundert gewannen die Osmanen an Einfluss, die Nachkommen des turkmenischen Stammesführers Osman, der 1324 starb [3]. Ihr Reich umfasste Anatolien, später auch den Balkan und die arabischen Länder, und endete nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der Republik Türkei [3]. Das Sultanat wurde 1922 abgeschafft; die Türkische Große Nationalversammlung beendete das Kalifat am 3. März 1924, und Abdülmecid II. war der letzte osmanische Kalif [5]. Ausführlich beschreibt das der Artikel Das Osmanische Reich.

Ein großer weißer Kuppelbau aus Marmor mit vier schlanken Türmen spiegelt sich bei Sonnenaufgang in einem langen Gartenbecken
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In Iran herrschte von 1502 bis 1722 die schiitische Dynastie der Safawiden [3]. Auf dem indischen Subkontinent gründete Babur das Reich der Moguln, das von 1526 bis 1857 bestand [3].

Begegnung mit Europa und Reformbewegungen

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gründete Muhammad Abd al-Wahhab im Zentralteil der Arabischen Halbinsel eine Bewegung, deren Anhänger Wahhabiten genannt werden [2]. 1798 marschierte Napoleon in Ägypten ein [2]. Muhammad Ali, seit 1805 Vertreter der osmanischen Regierung in Kairo, modernisierte danach das Land [2]. 1928 gründete Hassan al-Banna in Ägypten die Muslimbruderschaft [2]. 1970 wurde die Organisation Islamischer Staatskonferenzen gegründet [2]. In Iran gab die Revolution von 1979 Ruhollah Chomeini die Gelegenheit, die Lehre von der Herrschaft des Rechtsgelehrten umzusetzen; Guido Steinberg sieht in ihr den Auslöser des heutigen Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten [7].

Muslime in Deutschland

Die ersten Muslime kamen nach Angaben der Deutschen Islam Konferenz als Kriegsgefangene nach Deutschland, nach der zweiten Belagerung Wiens 1683 [11]. Grabsteine aus den Jahren 1689 in Brake und 1691 in Hannover erinnern an sie [11]. 1739 erhielt der preußische König 22 türkische Soldaten als Geschenk des Herzogs von Kurland, und 1763 richtete das Osmanische Reich in Berlin eine ständige Gesandtschaft ein [11]. Im Ersten Weltkrieg entstand im sogenannten Halbmondlager in Wünsdorf bei Berlin, einem Lager für muslimische Kriegsgefangene, die erste Moschee auf deutschem Boden [11]. 1924 gründete eine muslimische Gemeinschaft die Moschee in Berlin-Wilmersdorf [11]. 1961 schloss die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen mit der Türkei, es folgten Abkommen mit Marokko 1963, Tunesien 1965 und Jugoslawien 1968 [11]. Im selben Jahr 1961 gründeten iranische Kaufleute in Hamburg ein schiitisches Zentrum [11]. Während der Wirtschaftskrise 1973 verhängte die Bundesregierung einen Anwerbestopp [11]. Nach der Deutschen Islam Konferenz geht die heutige Präsenz von Muslimen in Deutschland vor allem auf die Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre zurück [11].

Eine Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz schätzte die Zahl der Musliminnen und Muslime mit Migrationshintergrund in Deutschland für 2019 auf 5,3 bis 5,6 Millionen [8]. Ihr Anteil an der Bevölkerung lag zwischen 6,4 und 6,7 Prozent [8]. Die größte Herkunftsgruppe bilden Menschen mit türkischen Wurzeln, die aber nicht mehr die absolute Mehrheit stellen; an zweiter Stelle folgen Menschen mit syrischem Migrationshintergrund [8].

Wichtige Daten

JahrEreignis
um 570Geburt Mohammeds in Mekka [2]
609 oder 610erste Offenbarung nach islamischer Überlieferung [1]
622Hidschra nach Medina [1]
632Tod Mohammeds in Medina [1]
656 bis 661Kalifat Alis und Bürgerkrieg [7]
680Tod Husains in Kerbela [7]
661 bis 750Umayyaden in Damaskus [3]
750 bis 1258Abbasiden mit Zentrum Bagdad [3]
756Emirat von Córdoba [9]
ab 1240Reich Mali in Westafrika [10]
1250 bis 1517Mamluken [3]
1502 bis 1722Safawiden in Iran [3]
1526 bis 1857Moguln in Indien [3]
03.03.1924Abschaffung des Kalifats [5]
1961Anwerbeabkommen mit der Türkei [11]
  1. Marco Schöller: Muḥammad (Kleines Islam-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung, nach Elger/Stolleis (Hg.), 6. Auflage 2018. Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  2. Cristina Erck: Ursprung und Entwicklung des Islam. Bundeszentrale für politische Bildung, Aus Politik und Zeitgeschichte 30-31/1991. Stand 19.07.1991. abgerufen am 29.10.2026
  3. Ralf Elger: Dynastien (Kleines Islam-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung, nach Elger/Stolleis (Hg.), 6. Auflage 2018. Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Syed Muhammad Khan: Abbasid Caliphate. World History Encyclopedia. Stand 25.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Martin Kramer: A century without a caliph. martinkramer.org. Stand 04.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Conrad Hackett u. a.: How the Global Religious Landscape Changed From 2010 to 2020. Pew Research Center. Stand 09.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
  7. Guido Steinberg: Schiiten und Sunniten. Ein politisch-religiöser Konflikt der Gegenwart. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Katrin Pfündel, Anja Stichs, Kerstin Tanis: Muslimisches Leben in Deutschland 2020 (Forschungsbericht 38). Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
  9. Syed Muhammad Khan: Umayyad Dynasty. World History Encyclopedia. Stand 28.01.2020. abgerufen am 29.10.2026
  10. Mark Cartwright: Mali Empire. World History Encyclopedia. Stand 01.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Geschichte der Muslime in Deutschland. Deutsche Islam Konferenz, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Stand 08.12.2008. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.