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Karl Marx: von Trier nach London

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London. Mit Friedrich Engels schrieb er das "Manifest der Kommunistischen Partei" von 1848, 1867 erschien der erste Band seines Hauptwerks "Das Kapital".

Eine ruhige gepflasterte Altstadtgasse an der Mosel mit einem weißen Barockhaus und grünen Fensterläden im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Karl Marx war Philosoph, Journalist und Ökonom [1, 4]. Er wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London [1]. Im Februar 1848 erschien das "Manifest der Kommunistischen Partei", das er mit Friedrich Engels verfasst hatte, 1867 der erste Band von "Das Kapital" [1]. Den größten Teil seines Lebens nach 1849 verbrachte er im Londoner Exil [1]. Was aus seinen Ideen in Politik und Staat wurde, erklärt der Artikel über den Kommunismus.

Kindheit in Trier

Marx war das dritte von neun Kindern. Sein Vater, der Rechtsanwalt Heinrich Marx, war kurz vor Karls Geburt zum Protestantismus übergetreten, 1824 wurden auch die Kinder getauft [1]. Von 1830 bis 1835 besuchte Karl das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier [1]. Sein Geburtshaus steht in Trier. Die Familie zog schon im Herbst 1819 wieder aus, und dass Marx dort geboren wurde, entdeckte erst 1904 der Sozialdemokrat Friedrich Schnetter [3]. Danach wechselte das Haus mehrmals die Hand [3]:

JahrGeburtshaus in Trier
1928Die SPD kauft das Haus.
1933Die Nationalsozialisten besetzen das Haus.
1947Die SPD eröffnet dort ein Museum.
seit 1968Die Friedrich-Ebert-Stiftung betreibt das Museum.

Studium und erste Zeitung

1835 begann Marx in Bonn ein Studium der Rechtswissenschaft. Von 1836 bis 1841 studierte er in Berlin Rechtswissenschaft und Philosophie und näherte sich den Junghegelianern an [1]. 1841 wurde er in Abwesenheit an der Universität Jena promoviert. Seine Doktorarbeit behandelte die "Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie" [1].

1842 und 1843 arbeitete er als Redakteur der "Rheinischen Zeitung" in Köln, ab Oktober 1842 als Chefredakteur [1]. Dort begegnete ihm 1842 zum ersten Mal Friedrich Engels [2]. Die Zeitung wurde 1843 verboten, ihre letzte Ausgabe erschien am 31. März 1843 [1].

Paris, Brüssel und das Manifest

Am 19. Juni 1843 heiratete Marx in Bad Kreuznach Jenny von Westphalen, im Oktober zogen beide nach Paris [1]. 1843 entstanden die Schriften "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung" und "Zur Judenfrage", 1844 die Pariser Manuskripte, in denen Marx die entfremdete Arbeit untersucht [4]. 1844 gab Marx gemeinsam mit Arnold Ruge die "Deutsch-Französischen Jahrbücher" heraus [1]. Ein Besuch von Engels in Paris 1844 gilt als Beginn ihrer lebenslangen Freundschaft und Zusammenarbeit [2]. Engels hatte von 1842 bis 1844 in der Baumwollspinnerei seines Vaters in Manchester gearbeitet und veröffentlichte 1845 "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" [2].

1845 wurde Marx aus Paris ausgewiesen und zog nach Brüssel. Im selben Jahr reiste er mit Engels nach England [1]. Im selben Jahr schrieb er die "Thesen über Feuerbach", 1845 und 1846 mit Engels die Manuskripte der "Deutschen Ideologie" [4]. 1847 erhielten Marx und Engels vom "Bund der Kommunisten", der zuvor "Bund der Gerechten" geheißen hatte, den Auftrag für ein Programm. In Brüssel gründete Marx im selben Jahr den "Deutschen Arbeiterverein" [1]. Im Februar 1848 erschien in London das "Manifest der Kommunistischen Partei". Es beginnt mit dem Satz "Ein Gespenst geht um in Europa" [1]. Die einzige erhaltene handschriftliche Seite des Manifests liegt heute im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, wo sie seit 1938 aufbewahrt wird [6].

Familie

Jenny und Karl Marx hatten sieben Kinder, vier von ihnen starben vor dem zehnten Lebensjahr [1]. Mit Helena Demuth hatte Marx ab 1850 eine Beziehung und einen gemeinsamen Sohn [1]. Nach dem Tod seiner Mutter erbte er 1863. Ab 1868 übernahm Engels die Finanzierung des Haushalts [1]. Jenny Marx starb am 2. Dezember 1881 [1].

Revolution und Ausweisung

In der Revolution von 1848/49 gab Marx in Köln die "Neue Rheinische Zeitung" heraus [1]. Am 16. Mai 1849 wurde er aus Deutschland ausgewiesen, am 24. August 1849 kam er in London an. Dort lebte er bis zu seinem Tod [1]. Wie die Revolution in den deutschen Staaten verlief, beschreibt der Artikel zur Revolution von 1848/49.

Exil in London

Engels kehrte 1850 in die Firma seines Vaters in Manchester zurück. Mit seinen Einkünften unterstützte er den fast mittellosen Marx in London [2]. Marx beobachtete weiter die Politik auf dem Kontinent: Ab 1851 schrieb er für internationale Zeitungen, darunter die "New York Daily Tribune" [1]. Über den Staatsstreich Napoleons III. vom Dezember 1851 schrieb er 1852 "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" [4]. 1859 erschien "Zur Kritik der politischen Ökonomie", im selben Jahr leitete Marx die Zeitung "Das Volk" [1]. 1861 reiste er nach Deutschland und führte Gespräche mit Ferdinand Lassalle [1]. Zum Buch von 1859 gehört ein Vorwort, das in der Forschung oft einfach "Vorwort von 1859" heißt [4].

Eine neblige viktorianische Straße in London mit Backsteinreihenhäusern und Gaslaternen in der Abenddämmerung
Bild: KI-generiert

1864 war Marx maßgeblich an der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation in London beteiligt, 1866 wählte man ihn in ihren Generalrat [1]. Mit dem "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" Ferdinand Lassalles brach er 1865 [1]. Nach 1871 verteidigte er die Pariser Commune, 1875 kritisierte er in den "Randglossen" das Gothaer Programm der deutschen Sozialdemokraten [1]. Ab 1876 trieb er ethnologische Studien [1], und 1881 stand er im Briefwechsel mit der russischen Revolutionärin Vera Sassulitsch [4].

Das Kapital

1867 erschien der erste Band von "Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie" [1]. 1872 erschien die erste russische Übersetzung des ersten Bandes [1]. Ein Exemplar der Erstausgabe von 1867 mit handschriftlichen Korrekturen von Marx am Rand gehört wie die Manuskriptseite des Manifests zum Weltdokumentenerbe der UNESCO [6]. Den zweiten und dritten Band gab Engels nach Marx' Tod heraus [1]. Der zweite Band erschien 1885, die Arbeiten am dritten schloss Engels 1894 ab [2].

Eine leere Halle einer Baumwollspinnerei des 19. Jahrhunderts mit langen Reihen eiserner Spinnmaschinen im Sonnenlicht
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Die Stanford Encyclopedia of Philosophy fasst die wichtigsten Begriffe der Theorie von Marx so zusammen [4]:

BegriffBedeutung
Historischer MaterialismusGesellschaftsformen entstehen und vergehen je nachdem, ob sie die Entwicklung der Produktivkräfte fördern oder hemmen.
EntfremdungEine Trennung zwischen Dingen, die eigentlich zusammengehören, gemessen am Maßstab eines gelingenden menschlichen Lebens.
ArbeitswerttheorieDer Wert einer Ware richtet sich nach der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit für ihre Herstellung.
AusbeutungEin ungleicher Tausch: Mit seinem Lohn kann der Arbeiter weniger Arbeit kaufen, als er selbst geleistet hat.
MehrwertDer Wert, den Arbeiter über ihren Lohn hinaus schaffen. Marx sah darin die Quelle allen Profits.

Seine Analyse entstand vor dem Hintergrund der Industrialisierung, deren Folgen für Arbeiterinnen und Arbeiter der Artikel zur Sozialen Frage beschreibt. Wie der Sozialstaat in Deutschland heute rechtlich verankert ist, erklärt die Seite zum Sozialstaatsprinzip.

Religion, Geschichte und Zukunft

Zu seinen bekanntesten Sätzen gehört die Bezeichnung der Religion als "Opium des Volkes" aus der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie von 1843 [4]. Marx übernahm dabei von Ludwig Feuerbach die Ansicht, dass Menschen ihre eigenen Kräfte auf Gott übertragen. Anders als Feuerbach hielt er Religion aber für eine Antwort auf materielle Entfremdung, die verschwinden werde, sobald das materielle Leben befreit sei [4]. In "Zur Judenfrage" unterschied er die politische Emanzipation, also bürgerliche Freiheitsrechte, von einer weitergehenden menschlichen Emanzipation, die er allerdings nie genau beschrieb [4].

In seiner Geschichtstheorie wachsen die Produktivkräfte mit der Zeit, und die wirtschaftliche Struktur einer Gesellschaft erklärt ihre politischen und rechtlichen Einrichtungen. Hemmt eine wirtschaftliche Ordnung die Entwicklung, wird sie in einer Revolution ersetzt [4]. Ob Marx den Kapitalismus für ungerecht hielt, ist in der Forschung umstritten: Er nannte ihn nie direkt ungerecht, die Stanford Encyclopedia sieht seine Kritik aber dem Gehalt nach als moralisch an [4]. In der "Kritik des Gothaer Programms" beschrieb er den Kommunismus als Gesellschaft, in der jeder nach seinen Fähigkeiten beiträgt und nach seinen Bedürfnissen erhält. Genaue "Rezepte" für die Zukunft lehnte er ab [4].

Tod und Grab in Highgate

1882 reiste Marx in die Schweiz, nach Frankreich und nach Algier [1]. Er starb am 14. März 1883 in London [1]. Er wurde im Grab seiner Frau auf dem Friedhof Highgate beigesetzt, an der Beerdigung nahmen nach Angabe des Victorian Web elf Menschen teil [5]. Eine Gesamtzahl nennt der zeitgenössische Bericht von Engels im "Sozialdemokrat" vom 22. März 1883 nicht, er führt aber mehrere Anwesende namentlich auf, darunter Wilhelm Liebknecht, Paul Lafargue, Friedrich Lessner, den Zoologen Ray Lankester und den Chemiker Schorlemmer [7]. Als immer mehr Besucher kamen, wurde das Grab an eine leichter zugängliche Stelle verlegt. 1956 enthüllte die Kommunistische Partei Großbritanniens dort ein Denkmal des Bildhauers Laurence Bradshaw [5]. Auf dem Sockel steht der Name seiner Frau an erster Stelle, gefolgt von weiteren Familienmitgliedern [5]. Engels überlebte ihn um zwölf Jahre und starb am 5. August 1895 in London an Kehlkopfkrebs [1, 2].

Ein verwilderter viktorianischer Friedhof am Hang mit efeubewachsenen Steinen und hohen Bäumen
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Nachwirkung

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy führt Marx als akademisch ausgebildeten Philosophen mit einer Doktorarbeit über antike Philosophie [4]. Ihr Beitrag ordnet seine Schriften nach Themen wie Entfremdung, Geschichtstheorie und Ökonomie [4]. Wie Lenin sie in Russland deutete, zeigt der Artikel über Lenin. Das Museum in seinem Geburtshaus in Trier betreibt seit 1968 die Friedrich-Ebert-Stiftung [3].

  1. Organisation Dorlis Blume, Anna-Sophie Schönfelder: Karl Marx (Biografie, LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 22.02.2022. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Dorlis Blume: Friedrich Engels (Biografie, LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Museum Karl-Marx-Haus: Geschichte des Hauses. Friedrich-Ebert-Stiftung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Jonathan Wolff, David Leopold: Karl Marx. Stanford Encyclopedia of Philosophy, Stanford University. Stand 27.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Jacqueline Banerjee: Karl Marx's Grave, Highgate Cemetery, London. The Victorian Web. Stand 01.08.2013. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Marx documents inscribed on UNESCO Register. International Institute of Social History, Social History Portal. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Karl Marx's Funeral (Bericht von Friedrich Engels im Sozialdemokrat vom 22.03.1883). Marxists Internet Archive. Stand 22.03.1883. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.