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Wirtschaft und Handel in der Geschichte: von Metallbarren bis zur WTO

Lange vor den ersten Münzen dienten Güter und Metall in Barren als Tausch- und Zahlungsmittel. Die ersten Münzen entstanden um 600 v. Chr. in Lydien, das erste staatliche Papiergeld in den 1020er Jahren in China. Um das Jahr 1000 lag Europa wirtschaftlich hinter China und den islamischen Reichen, erst ab etwa 1870 dominierte es die erste Globalisierung.

Ein historischer Hafenkai mit hölzernen Segelschiffen, Fässern, Säcken und Stoffballen im Morgendunst
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Wirtschaftsgeschichte fragt, wie Menschen Güter herstellten, tauschten und bezahlten und wer davon profitierte. Um das Jahr 1000 war Europa nach Nikolaus Wolf "ein rückständiger Teil Asiens", verglichen mit den islamischen Reichen im Nahen und Mittleren Osten oder mit China [1]. Großzügig geschätzt lag Europas Anteil an der Weltbevölkerung damals bei etwa 15 Prozent, und sein Anteil an der Weltwirtschaft mag vergleichbar gewesen sein [1].

Fernhandel vor dem Geld

Lange bevor es Münzen gab, kannten die Menschen Geld in seinen verschiedenen Aufgaben. Verschiedenste Güter, auch Metall in Barren oder Brocken, dienten als Tausch-, Zahlungs- und Hortungsmittel [2]. In der frühen Bronzezeit lag Mitteldeutschland an Handelswegen zwischen Nord und Süd und zwischen Ost und West [9]. Das Kupfer kam überwiegend aus dem Ostalpengebiet, Einzelne Metallgegenstände aus Mitteldeutschland sind in Skandinavien, Oberitalien und Ungarn überliefert [9]. Am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. waren Bernstein, Kupfer, Zinn und Gold in ganz Europa begehrt, was europaweite Netzwerke des Austauschs entstehen ließ [9]. In Halle wurde schon in der frühen Bronzezeit Salz gewonnen. Die Macht der reich bestatteten Toten jener Zeit beruhte nach dem Landesmuseum in Halle vermutlich auch auf der Kontrolle über den Metallaustausch und die Salzvorkommen an der Saale [9]. Wie dieser Handel die Gesellschaft prägte, beschreibt der Beitrag über die Bronzezeit.

Die ersten Münzen

Die ersten Münzen prägten um 600 v. Chr. die Könige von Lydien im Westen der heutigen Türkei [2]. Es waren kleine Metallklümpchen mit einem Bild, aus Elektron, einer Legierung aus Gold und Silber [2]. Im 6. Jahrhundert v. Chr. verbreiteten sich Münzen im Reich des persischen Großkönigs und in der griechischen Welt [2]. Viele Städte erlaubten in ihrem Gebiet nur die eigenen Münzen. Die Münzen Athens und Korinths wurden dagegen zu internationalen Währungen [2].

Wer Münzen prägte, tat das nach Hans-Markus von Kaenel vor allem, um eigene Verpflichtungen zu bezahlen [2]. Als sich 482 v. Chr. in Athen viel Silber aus den Minen von Laureion angesammelt hatte, soll Themistokles die Bürger überzeugt haben, damit Schiffe zu bauen, statt jedem zehn Drachmen auszuzahlen [2]. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde die athenische Tetradrachme mit 17,2 Gramm Silber zur Leitwährung in weiten Teilen des Mittelmeerraums [2]. Die Gold- und Silbervorkommen Nordgriechenlands bezahlten nach der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. die makedonischen Heere unter Philipp II. und Alexander dem Großen [2]. Später brachten die römischen Kaiser wichtige Bergbaugebiete in ihren Besitz, darunter solche im Westen der Iberischen Halbinsel, um über Gold, Silber, Blei und Kupfer zu verfügen [2]. Söldnerheere im Hellenismus und die Berufsarmee der Kaiserzeit banden dauerhaft große Geldsummen [2]. Wie es mit dem Geld weiterging, erklärt der Beitrag Die Geschichte des Geldes.

China: Kupfermünzen und Papiergeld

In China wuchs der Handel unter der Song-Dynastie stark. Schnüre aus Kupfermünzen waren schwer und über weite Strecken mühsam zu tragen [3]. Schon in der späten Tang-Zeit, um 900, handelten Kaufleute mit Quittungen von Depositenhäusern [3]. Die frühe Song-Regierung gab wenigen Häusern das alleinige Recht, solche Scheine auszugeben [3]. In den 1020er Jahren übernahm der Staat das System [3]. Die Asia-for-Educators-Reihe der Columbia University nennt das Ergebnis "the world's first government-issued paper money", also das erste staatlich ausgegebene Papiergeld der Welt (eigene Übersetzung) [3]. Daneben stieg die Münzprägung: Um 1085 entstanden jährlich mehr als 6 Milliarden Münzen, etwa zehnmal so viele wie unter den Tang [3].

Gold und Salz: der Handel durch die Sahara

In Westafrika lebte das Reich Mali von den Karawanenwegen durch die Sahara. Aus dem Norden kam Salz, aus dem Süden Gold und Elfenbein [4]. Mansa Musa I. herrschte von 1312 bis 1337 über Mali [4]. Auf seiner Pilgerreise nach Mekka machte er im Juli 1324 in Kairo Station [4]. Nach der World History Encyclopedia senkten seine Geschenke und Ausgaben dort den Wert des Golddinars gegenüber dem Silberdirham um etwa 20 Prozent [4]. Es dauerte rund 12 Jahre, bis der Kurs sich erholte [4]. Timbuktu war ein wichtiger Handelsplatz und wurde unter Musa ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit [4]. Mehr dazu steht im Beitrag über Afrika im Mittelalter.

Eine Kamelkarawane zieht bei Sonnenaufgang durch goldene Sanddünen, die Reiter sind aus der Ferne zu sehen
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Europa holt auf: Messen und Städtebünde

Etwa seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert entstanden in Europa die Grundlagen für einen Aufschwung des Fernhandels [1]. Im 12. Jahrhundert begann unter dem Schutz der Grafen der Champagne im Nordosten Frankreichs der Aufstieg der Champagne-Messen [1]. Seit etwa 1150 fanden dort sechs Messen zu festen Terminen statt, die jeweils mehrere Monate dauerten [1]. Städte schlossen sich zu Bünden zusammen, etwa zum Lombardenbund in Oberitalien, und Handelsstädte wie Genua oder Venedig wurden reich und zeitweise mächtig [1]. Im Norden Europas organisierten Kaufleute ihren Handel in der Hanse.

Ein mittelalterlicher Marktplatz mit Fachwerkhäusern und überdachten Ständen voller Gewürze und Stoffe am Morgen
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Seewege, Kompanien und Versklavung

Bartolomeu Dias umrundete 1488 das Kap der Guten Hoffnung, Kolumbus erreichte 1492 die Karibik und Vasco da Gama 1498 auf dem Seeweg Indien [1]. Im frühen 16. Jahrhundert waren europäische Mächte zu Herrschern der Weltmeere aufgestiegen [1].

Im Jahr 1602 vereinigten die niederländischen Generalstaaten sechs kleinere Handelsgesellschaften zur Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) [6]. Sie erhielt am 20.03.1602 ein Privileg für 21 Jahre und startete mit 6,4 Millionen Gulden Kapital, davon 57 Prozent aus Amsterdam [6]. Mit der Zeit erlangte sie ein Monopol auf Gewürze [6]. Ihre Anteile konnte jeder kaufen; bei der Ausgabe im August 1602 zeichneten 1.143 Anleger [6]. Jan Pieterszoon Coen ließ 1619 die Stadt Jayakarta niederbrennen und auf ihren Ruinen Batavia errichten, das heutige Jakarta [6]. Auf den Banda-Inseln töteten seine Truppen 1621 nach der World History Encyclopedia mehr als 10.000 Bandanesen, über 90 Prozent der Bevölkerung, die Zahlen schwanken [6]. Gefangene und Geflohene unter den Bandanesen wurden in die Sklaverei verkauft [6]. Die bankrotte Kompanie wurde am 31.12.1799 aufgelöst [6].

Über den Atlantik wurden über Jahrhunderte Millionen Menschen aus Afrika versklavt und in die Amerikas verschleppt. Nach dem Historiker Michael Zeuske erreichten von 1520 bis 1867 elf bis zwölf Millionen verschleppte Menschen die Amerikas lebend [5]. Das 18. Jahrhundert nennt er mit rund sechs Millionen Fällen "das schreckliche Jahrhundert der Verschleppungen" [5]. Auch nach den Verboten des Sklavenhandels wurden im 19. Jahrhundert nach Zeuske noch einmal zwei bis drei Millionen Menschen aus Afrika in die Amerikas verschleppt [5]. Die größte sozialwissenschaftliche Datenbank zu diesem Thema weist nach seiner Darstellung über 35.000 Fahrten nach [5]. Ausführlich behandelt das der Beitrag über den atlantischen Sklavenhandel.

Industrialisierung und erste Globalisierung

Adam Smith veröffentlichte 1776 sein Buch "An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations" [7]. Nach der Darstellung von Samuel Fleischacker in der Stanford Encyclopedia of Philosophy zeigt das Werk, dass freie Märkte ihren Teilnehmern im Allgemeinen nützen, und soll Politiker zur Bescheidenheit bei der Steuerung der Wirtschaft anhalten. Einen völlig untätigen Staat wollte Smith nach dem Eintrag nicht [7].

In England führten Erfindungen wie die mechanische Spinnmaschine und die Dampfmaschine zur Industriellen Revolution. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege 1815 verbreiteten sich die neuen Techniken rasch in Europa, in Nordamerika und später weltweit [1]. Um 1870 begann nach Wolf die "Erste Globalisierung" [1]. Die erste Eisenbahnlinie quer durch die USA und der Suezkanal wurden 1869 fertig, und der Goldstandard breitete sich seit etwa 1870 aus [1]. Auch Maße und Zeiten wurden vereinheitlicht: Die Meterkonvention schlossen 1875 17 Staaten, an der Meridiankonferenz in Washington nahmen 1884 26 Staaten teil [1]. Um 1913 erwirtschaftete Europa rund 45 Prozent der Weltwirtschaft, bei knapp unter 30 Prozent der Weltbevölkerung [1].

Krisen und neue Ordnung im 20. Jahrhundert

Nach 1914 folgte eine Zeit der Deglobalisierung [1]. 1920 entstand der Völkerbund, die Konferenz von Genua 1922 sollte die alte Ordnung wiederherstellen und scheiterte [1]. In den 1920er Jahren belebte amerikanisches Kapital den Welthandel kurz wieder [1]. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 war in Dauer und Stärke ohne Vorbild [1]. Der Goldstandard zerfiel, es entstanden Währungsblöcke, und zweiseitige Handelsabkommen ersetzten mehrseitige [1]. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Der US-Dollar war an Gold gebunden, dieses System von Bretton Woods löste sich Anfang der 1970er Jahre auf [1]. Im Osten gründeten die sozialistischen Staaten 1949 den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe [1].

Ein großer Containerhafen in der Abenddämmerung mit gestapelten Containern, Kränen und einem Frachtschiff
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Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT unterzeichneten am 30.10.1947 zunächst 23 Staaten [8]. Die geplante Internationale Handelsorganisation, deren Charta 1948 in Havanna vereinbart wurde, scheiterte an der Ratifizierung, vor allem im US-Kongress [8]. So blieb das GATT bis zur Gründung der WTO das einzige weltweite Handelsabkommen [8]. An seinen Verhandlungsrunden nahmen immer mehr Staaten teil: an der Kennedy-Runde von 1964 bis 1967 waren es 62, an der Tokio-Runde von 1973 bis 1979 schon 102 [8]. Von 1950 bis in die 1970er Jahre wuchs die Wirtschaft real um vier bis fünf Prozent im Jahr, allerdings sehr ungleich verteilt [1]. Ende der 1970er Jahre hatte China beim Einkommen pro Kopf Indien überholt [1]. Ab Mitte der 1980er Jahre setzt Wolf eine "Zweite Globalisierung" an [1]. Die letzte GATT-Runde, die Uruguay-Runde von 1986 bis 1994 mit 123 Staaten, führte zur Gründung der Welthandelsorganisation WTO am 01.01.1995 [8]. Wie die Weltwirtschaft seither zusammenwuchs, beschreibt der Beitrag über die Globalisierung.

  1. Studie Nikolaus Wolf: Kurze Geschichte der Weltwirtschaft (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 19.12.2013. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Hans-Markus von Kaenel: Münze und Geld in der antiken Welt (Forschung Frankfurt 1/2007, S. 10 bis 18). Goethe-Universität Frankfurt. Stand 2007. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation China in 1000 CE: Paper Money. Columbia University, Asia for Educators. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Mark Cartwright: Mansa Musa I. World History Encyclopedia. Stand 26.02.2019. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Michael Zeuske: Globale Sklavereien. Geschichte und Gegenwart (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
  6. Kim Martins: Dutch East India Company. World History Encyclopedia. Stand 31.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
  7. Fachgesellschaft Samuel Fleischacker: Adam Smith's Moral and Political Philosophy. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand 29.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation The GATT years: from Havana to Marrakesh. Welthandelsorganisation (WTO). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Die Zeit der Himmelsscheibe. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.