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Der atlantische Sklavenhandel: Verschleppung von Afrika nach Amerika

Beim atlantischen Sklavenhandel verschleppten europäische und amerikanische Händler vom 16. bis ins 19. Jahrhundert Menschen aus Afrika nach Amerika. Nach der Datenbank Voyages wurden rund 12,5 Millionen Menschen in Afrika auf Schiffe gebracht, rund 10,7 Millionen erreichten Amerika lebend. Großbritannien und die USA verboten den Handel 1807 und 1808, die Sklaverei selbst endete zuletzt 1888 in Brasilien.

Der offene Atlantik in der Abenddämmerung von einer felsigen westafrikanischen Küste aus, dunkle Wolken über dem Horizont
Bild: KI-generiert

Über mehr als drei Jahrhunderte brachten Händler Menschen aus Afrika gewaltsam über den Atlantik, um sie in Amerika zu verkaufen und dort zur Zwangsarbeit zu zwingen. Die Datenbank Voyages, die nach einer Besprechung von 2010 mehr als 35.000 Fahrten von Sklavenschiffen erfasst, schätzt, dass rund 12,5 Millionen Menschen in Afrika an Bord gebracht wurden und rund 10,7 Millionen in Amerika ankamen. Mehr als 8.000 dieser Fahrten kamen erst mit der Neufassung der Datenbank hinzu [5]. Henry Louis Gates bezieht diese Zahlen auf die Jahre 1525 bis 1866 und betont, dass es Schätzungen sind [4]. Der Historiker Michael Zeuske nennt für die Zeit von 1520 bis 1867 elf bis zwölf Millionen Menschen, die Amerika lebend erreichten [1]. Andere Schätzungen liegen höher. Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt eine Schätzung der UNESCO von 17 Millionen Versklavten wieder [8]. Das Wissensportal Planet Wissen nennt Schätzungen von etwa 40 Millionen verschleppten und versklavten Afrikanern, von denen nur jeder Vierte Gefangennahme, Verschleppung und Überfahrt überlebte [7]. Die Zahlen sind nicht unmittelbar vergleichbar. Voyages zählt die Menschen, die in Afrika auf Schiffe gebracht wurden. Planet Wissen rechnet auch Gefangennahme und Verschleppung bis zur Küste ein [5, 7]. Wie die Schätzung der UNESCO zustande kommt, nennt die Bundeszentrale für politische Bildung nicht [8]. Wie die europäische Expansion nach Amerika begann, steht im Artikel zur Entdeckung Amerikas 1492.

Anfänge unter spanischer und portugiesischer Kontrolle

Bereits 1441 und 1444 verschleppten Menschenhändler mit portugiesischen Schiffen zum ersten Mal als "Berber" bezeichnete Menschen und andere Afrikaner. 1501 erlaubten die spanischen Könige Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien den Siedlern in Amerika, versklavte Afrikaner einzuführen [7]. Nach Zeuske stand der Kern des Handels von 1520 bis 1650 unter iberischer Kontrolle [1]. Schon vorher hatten Portugiesen auf den Atlantikinseln Plantagen mit versklavten Arbeitskräften betrieben. Im engen Sinn gab es Plantagen nach Zeuske aber erst im 17. Jahrhundert, als Engländer das Wort "plantation" in die Karibik übertrugen [1].

Auch süddeutsche Handelshäuser waren früh beteiligt. Die Fugger finanzierten im 16. Jahrhundert den portugiesischen Sklavenhandel. Die Welser schlossen im Februar 1528 einen Vertrag mit dem spanischen Hof über die Lieferung von 4.000 Versklavten innerhalb von vier Jahren und führten bis 1536 insgesamt 45 Sklaventransporte durch. Von etwa 1530 bis 1556 betrieben sie Plantagen in Venezuela. Auch das Konstanzer Handelshaus Ehinger war am Geschäft beteiligt [2].

Der Dreieckshandel

Zwischen Europa, Afrika und Amerika entstand ein Kreislauf, den die Forschung Dreieckshandel nennt. Schiffe europäischer Mächte fuhren beladen mit Waffen, Pulver, Textilien, Pferden, Alkohol, Silber, Tabak, Zucker und Manufakturwaren an die westafrikanische Küste und tauschten die Waren gegen Menschen. Auf der zweiten Strecke brachten sie die Versklavten nach Amerika und verkauften sie dort. Zurück nach Europa ging es mit Rohstoffen aus den Kolonien wie Tee, Kaffee, Zucker, Baumwolle, Tabak, Gewürzen und Edelmetallen [7]. Zucker, Kaffee und Baumwolle entstanden dabei durch Sklavenarbeit [8]. Von etwa 1650 bis 1808/20 beherrschten nach Zeuske Nordwesteuropäer, darunter Niederländer, Briten, Franzosen, Dänen und Schweden, den Handel zwischen Afrika, der Karibik und Nordamerika. Im Südatlantik dominierten Portugiesen und Brasilianer [1, 3]. Mehr über die Warenströme dieser Zeit steht im Artikel zum Kolonialhandel.

Ein großes hölzernes Segelschiff des 18. Jahrhunderts liegt in einer ruhigen Bucht vor einem leeren Palmenstrand vor Anker
Bild: KI-generiert

Die meisten Menschen verschleppte der Handel im 18. Jahrhundert. Zeuske spricht von rund sechs Millionen Fällen und nennt es das "schreckliche Jahrhundert der Verschleppungen" [1].

Die Überfahrt

Die Fahrt über den Atlantik, die Mittelpassage, dauerte mehrere Wochen. Die Menschen waren meist unter Deck angekettet, viele starben an Krankheiten oder nahmen sich das Leben [8]. Die Versklavten leisteten Widerstand. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung gab es auf den Sklavenschiffen zahlreiche Rebellionen, dazu Arbeitsverweigerung und Ungehorsam, und auch Flucht und Selbstmord können als Akte des Sich-Auflehnens verstanden werden [8]. Zwischen den rund 12,5 Millionen an Bord gebrachten und den rund 10,7 Millionen angekommenen Menschen liegt rechnerisch eine Differenz von etwa 1,8 Millionen Menschen, die die Überfahrt nach diesen Schätzungen nicht überlebten [4, 5]. Die Überlebenden kamen nach Nordamerika, in die Karibik und nach Südamerika [4], die meisten nach Brasilien [8]. Direkt in das Gebiet der heutigen USA gelangten nach Gates nur etwa 388.000 von ihnen [4]. Was die Sklaverei dort bis zum Bürgerkrieg bedeutete, beschreibt der Artikel über den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Brandenburg und deutsche Kaufleute

Im März 1682 gründete Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der "Große Kurfürst", in Berlin die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie. Ihr Stützpunkt war die Festung Groß Friedrichsburg an der Küste des heutigen Ghana, die ihr von 1683 bis 1717 als Umschlagplatz für Versklavte diente [2, 3]. 1685 mietete die Compagnie einen zweiten Stützpunkt auf der dänischen Karibikinsel St. Thomas [2]. Wie viele Menschen sie verschleppte, wird unterschiedlich geschätzt: Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt etwa 17.000 [2], der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages rund 19.000 Afrikaner [3].

Verwitterte weiße Mauern und eine Bastion einer alten Küstenfestung auf einem grünen Hügel über dem Meer
Bild: KI-generiert

Deutsche profitierten auch ohne eigene Kolonien. Der Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann, 1724 in Demmin geboren, besaß auf den dänischen Jungferninseln Zuckerplantagen mit über 1.000 Versklavten. Eine 2006 in Hamburg aufgestellte Büste wurde nach Protesten zwei Jahre später wieder entfernt [2]. Nach dem Historiker Klaus Weber lieferten Textilregionen in Westfalen, im Bergischen Land, in Sachsen, Schwaben und Schlesien Waren für den Handel mit Afrika, dazu kamen Eisenwaren, Kupfer aus dem Harz, Glas aus Böhmen und Gewehre aus Thüringen [2]. Lange galt Sklavenhandel in Deutschland als Sache anderer Länder, auch weil es zur fraglichen Zeit noch keinen deutschen Staat gab. Die neuere Forschung zeigt, dass deutsche Kaufleute, Handelsgesellschaften und Geldgeber an den Gewinnen beteiligt waren [3]. Die Historikerin Margrit Schulte Beerbühl fand im London des 18. und 19. Jahrhunderts rund 500 deutschstämmige Kaufleute, von denen nur wenige selbst mit Menschen handelten [2].

Der Aufstand auf Saint-Domingue

In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 begann auf der französischen Karibikkolonie Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, ein Aufstand der Versklavten. Die UNESCO schreibt ihm eine entscheidende Rolle für die Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels zu [6]. Zeuske nennt ihn die einzige erfolgreiche Sklavenrevolution. Sie beendete den französischen Sklavenhandel, und 1794 erklärte Frankreich die Sklaverei für aufgehoben [1]. 1804 entstand aus der Kolonie die unabhängige Republik Haiti [8]. Die Vorgeschichte in Frankreich erzählt der Artikel zur Französischen Revolution.

Das Verbot des Handels

Unter dem Einfluss der Abolitionisten, der Gegner der Sklaverei, verboten Großbritannien 1807 und die USA 1808 den Sklavenhandel. So datiert es der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages [3]. Zeuske nennt 1808 für beide Staaten und betont, dass das Verbot nur den Handel über den Atlantik betraf, nicht den Handel innerhalb der Länder [1]. Der Wiener Kongress bestätigte das britische Verbot 1815 [7]. Großbritannien nutzte seine starke Stellung, um das Verbot bis etwa 1840 auch bei anderen europäischen Staaten durchzusetzen [1, 3].

Beendet war der Handel damit nicht. Im 19. Jahrhundert wurden nach Zeuske noch einmal zwei bis drei Millionen Menschen aus Afrika verschleppt, meist von Brasilianern bis etwa 1850 und von spanischen Händlern aus Kuba bis etwa 1880. Von diesem verdeckten Handel profitierten nach Zeuske auch Banken im Vereinigten Königreich [1]. Der Historiker Justin Roberts hebt hervor, dass die jährliche Zahl der Verschleppten Ende der 1820er Jahre fast wieder die höchsten Werte aus der Zeit vor den Verboten erreichte [5]. Wann der Handel endgültig aufhörte, geben die Quellen unterschiedlich an: Planet Wissen nennt etwa 1870 [7], Zeuske für Kuba etwa 1880 [1].

Das Ende der Sklaverei

Nach dem Handel wurde nach und nach auch die Sklaverei selbst abgeschafft. Die Tabelle nennt die Jahre nach Zeuske und dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages [1, 3]. Für Großbritannien nennt die Bundeszentrale für politische Bildung das Verbot der Sklaverei von 1833 [8], in den Kolonien endete sie nach den beiden anderen Quellen 1838 [1, 3].

Ein verlassener steinerner Turm einer alten Zuckermühle, von tropischen Pflanzen überwachsen, in karibischer Landschaft
Bild: KI-generiert
JahrAbschaffung der Sklaverei
1838britische Kolonien
1848französische Kolonien
1863niederländische Kolonien
1865USA
1886spanische Kolonie Kuba
1888Brasilien

Völkerrechtlich festgeschrieben wurde das Verbot der Sklaverei durch ein Abkommen des Völkerbunds von 1926 und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 [8]. Nach dem britischen Verbot verlagerte sich der Sklavenhandel zunehmend nach Ostafrika. In Deutsch-Ostafrika duldete die deutsche Verwaltung die Sklaverei zunächst weiter. Um 1900 lebten dort noch rund 400.000 versklavte Menschen, etwa zehn Prozent der Bevölkerung, im Besitz arabischer und afrikanischer Eliten [3]. Wie die europäischen Mächte Afrika danach unter sich aufteilten, beschreibt der Artikel zum Kolonialismus, einen Überblick über den Kontinent gibt Die Geschichte Afrikas.

Erinnerung an die Opfer

Die UNESCO erinnert jedes Jahr am 23. August, dem Jahrestag des Aufstands auf Saint-Domingue, an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. Zuerst begangen wurde der Tag 1998 in Haiti und 1999 auf der Insel Gorée im Senegal [6, 8]. Für Zeuske ist Sklaverei kein abgeschlossenes Kapitel. Er sieht in ihr eine Kraft, die die Weltgeschichte oft vorangetrieben hat, und weist auf heutige Formen hin, die zu den ältesten der Welt gehören [1]. Wie sich die Idee gleicher Rechte für alle Menschen durchsetzte, zeigt der Artikel Die Geschichte der Menschenrechte.

  1. Studie Michael Zeuske: Globale Sklavereien. Geschichte und Gegenwart (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Heike Raphael-Hernandez: Deutsche Verwicklungen in den transatlantischen Sklavenhandel (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Einzelfragen zur deutschen Beteiligung am Sklavenhandel, zum "Gouvernement" des deutschen Kaiserreiches und anderer Kolonialmächte in Westafrika sowie zu den deutsch-togoischen Beziehungen (WD 1 - 3000 - 007/21). Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste. Stand 05.05.2021. abgerufen am 29.10.2026
  4. Henry Louis Gates Jr.: How Many Slaves Landed in the U.S.? (African Americans: Many Rivers to Cross). PBS, WNET. Stand 2013. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Justin Roberts: Voyages: The Trans-Atlantic Slave Trade Database (Rezension Nr. 964). Reviews in History, Institute of Historical Research, University of London. Stand 01.09.2010. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation International Day for the Remembrance of the Slave Trade and its Abolition. UNESCO. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Gregor Delvaux de Fenffe: Sklaverei: Sklaven für Amerika (Planet Wissen). WDR. Stand 23.03.2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 16.08.2023. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.