Die Frühe NeuzeitRatgeber
Der Kolonialhandel: wie Europas Handel mit Asien und Amerika wuchs
Kolonialhandel meint den Handel europäischer Staaten und Handelskompanien mit ihren Kolonien und Stützpunkten in Asien, Afrika und Amerika ab etwa 1500. Wichtige Waren waren Gewürze, Silber, Zucker, Baumwolle und Tee. Getragen wurde er zuerst von Portugal und Spanien, ab dem 17. Jahrhundert von Kompanien wie der niederländischen VOC und der englischen East India Company, und er beruhte zu einem großen Teil auf Zwangsarbeit und Sklaverei.

Mit dem Seeweg nach Indien und der Eroberung Amerikas begann um 1500 ein Handel, der zum ersten Mal alle Kontinente verband. Silber aus Lateinamerika, Gewürze aus Südostasien, Zucker aus der Karibik und Tee aus China kamen in großen Mengen nach Europa [3]. Fast jede Form der Kolonisierung hatte eine wirtschaftliche Seite, und viele dieser Waren wurden mit Zwangsarbeit erzeugt [3]. Zuerst trugen Portugal und Spanien diesen Handel, im 17. Jahrhundert kamen die Niederlande und England dazu [1].
Der Seeweg nach Asien
Gewürze aus Asien erreichten Europa im späten Mittelalter über Zwischenhändler im östlichen Mittelmeer. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 kontrollierten die Osmanen die Dardanellen. Nach Darstellung der World History Encyclopedia trieb ihre Herrschaft über den Handel im Mittelmeer und im Indischen Ozean die europäischen Mächte dazu, neue Wege zu suchen [9]. Mehr dazu steht im Artikel über das Osmanische Reich.

Portugal tastete sich an der Küste Afrikas nach Süden vor. 1488 umsegelte Bartolomeu Dias als Erster das Kap der Guten Hoffnung [2]. Vasco da Gama verließ am 8. Juli 1497 die Mündung des Tejo bei Lissabon und erreichte am 18. Mai 1498 die Malabarküste bei Calicut in Indien. Im Juli und August 1499 kehrten seine Schiffe getrennt nach Portugal zurück, mit einer Probe kostbarer Gewürze an Bord [2]. Damit hatte Portugal einen direkten Zugang zum Handel im Osten und brauchte keine Zwischenhändler mehr [2]. Die Küstenbewohner bekamen die Folgen zu spüren: Nach der World History Encyclopedia zerstörten die Portugiesen in Ostafrika viele Siedlungen und versenkten Schiffe, sodass sich afrikanische Händler nach Norden zurückzogen, und Calicut in Indien ließ Vasco da Gama 1502 und 1503 mit Kanonen beschießen [2]. Goa an der Westküste Indiens war von 1510 bis 1961 portugiesisch [2]. Wie die Fahrten verliefen, beschreibt der Artikel über die Entdeckungsfahrten.
Teilung der Welt und Silber aus Amerika
1494 teilten Spanien und Portugal im Vertrag von Tordesillas die Welt auf, vermittelt von Papst Alexander VI. Die Grenzlinie verlief ungefähr entlang des 46. westlichen Längengrads. Was östlich davon lag, also Afrika und Asien, sollte Portugal gehören, der Westen mit dem größten Teil Südamerikas Spanien [1]. Brasilien lag auf der portugiesischen Seite, deshalb wird dort bis heute Portugiesisch gesprochen [1]. Wie Spanien nach Amerika kam, erzählt der Artikel über die Entdeckung Amerikas 1492.
Für Spanien wurde Silber die wichtigste Ware. Zwischen etwa 1530 und 1750 entstanden Münzstätten unter anderem in Mexiko, Lima, Potosí, Bogotá und Santiago de Chile [3]. Die silbernen Pesos, die seit der Mitte des 16. Jahrhunderts im spanischen Kolonialreich geprägt wurden, blieben bis Ende des 18. Jahrhunderts Welthandelswährung [3]. Zwischen 1500 und 1800 förderte Lateinamerika nach einer konservativen Schätzung rund 150.000 Tonnen Silber, mehr als 80 Prozent der Weltproduktion [3]. Oft war die Hälfte der Bergleute zur Arbeit gezwungen [3]. Ein großer Teil des Silbers floss weiter nach Asien, vor allem nach China, das dafür Seide, Tee und Porzellan lieferte [3].
Die Handelskompanien
Im 17. Jahrhundert übernahmen private Kompanien mit staatlichen Vorrechten einen großen Teil des Asienhandels. Am 31. Dezember 1600 entstand durch eine königliche Urkunde die englische East India Company als Aktiengesellschaft, an deren Gewinnen die Anleger beteiligt waren [5]. Am 20. März 1602 gaben die niederländischen Generalstaaten der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) ihre Urkunde. Sie vereinte sechs kleinere Gesellschaften und erhielt für 21 Jahre das alleinige Recht zum Handel mit Asien [4].

Im August 1602 brachten 1.143 Anleger 6,4 Millionen Gulden für die VOC auf, 57 Prozent davon aus Amsterdam [4]. Die World History Encyclopedia nennt sie das erste börsennotierte Unternehmen der Welt [4]. Ihr Hauptsitz in Asien wurde Batavia, das heutige Jakarta, das Jan Pieterszoon Coen 1619 gründete [4]. Die VOC beendete das portugiesische Monopol auf Gewürze wie Muskat, Macis und Nelken [4]. Um Muskat allein zu kontrollieren, ließ Coen 1621 die Insel Lontor im Banda-Archipel angreifen. Nach der World History Encyclopedia töteten die Niederländer dabei mehr als 10.000 Bandanesen, das waren über 90 Prozent der Bevölkerung, wobei die Angaben schwanken. Die 44 Anführer der Insel wurden getötet, gefangene oder geflohene Bandanesen als Sklaven verkauft [4]. Mitte des 17. Jahrhunderts hatte die VOC rund 50.000 Beschäftigte. Zwischen 1602 und 1799 fuhren ihre Schiffe fast 5.000 Mal von den Niederlanden nach Asien [4]. Ihre Flotte umfasste rund 150 Schiffe, und insgesamt brachte sie mehr als eine Million Menschen nach Asien [4]. Ab 1641 durften Niederländer in Japan nur auf der künstlichen Insel Dejima im Hafen von Nagasaki handeln [4]. Am 31. Dezember 1799 löste der Staat die bankrotte Kompanie auf [4].
Die East India Company handelte vor allem mit feinen indischen Textilien [5]. Zwischen 1612 und 1619 erhielt Thomas Roe die Erlaubnis für eine Niederlassung in Surat, 1639 bis 1640 folgte Madras. Bombay erwarb die englische Krone 1661 von Portugal und übergab es 1668 der Kompanie, ab 1690 wurde Kalkutta wichtig [5]. Am 23. Juni 1757 siegte Robert Clive für die Kompanie bei Plassey über die Truppen des Nawabs von Bengalen. 1858 übernahm die Krone ihre indischen Gebiete, am 1. Juni 1874 löste das Parlament die Kompanie auf [5]. Die Folgen trugen vor allem die Menschen in den beherrschten Gebieten. Die Kompanie setzte bei Pachtforderungen Drohungen und Gewalt gegen Widerspenstige ein, und die Bengal Permanent Settlement von 1793 stürzte nach der World History Encyclopedia Zehntausende in dauerhafte Schulden. Indische Soldaten, die Sepoys, wurden schlechter bezahlt als britische, und der Aufstand von 1857 entzündete sich auch an der Diskriminierung indischer Kulturpraktiken [5].
Zucker und der Dreieckshandel
Im 16. Jahrhundert eroberten Europäer die Inseln der Karibik und vertrieben oder töteten die einheimische Bevölkerung, viele starben auch an eingeschleppten Krankheiten [1]. Die Historikerin Gabriele Metzler nennt eine Schätzung von zwei Millionen Arawak und Kariben, die dabei ums Leben kamen [1]. An ihre Stelle traten Plantagen, auf denen versklavte Menschen aus Afrika Zuckerrohr anbauten. In französischen und englischen Kolonien entstanden sie ab dem frühen 17. Jahrhundert [3]. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts brachten britische und niederländische Kaufleute Tausende Afrikaner nach Barbados, das zu einer einzigen Zuckerplantage wurde [1]. Nach Saint-Domingue, der französischen Kolonie auf Hispaniola, wurden nach Sven Beckert und Mindi Schneider später bis zu 40.000 Versklavte im Jahr verschleppt [1]. Nach der Haitianischen Revolution rief Jean-Jacques Dessalines 1804 die unabhängige Republik Haiti aus. Gabriele Metzler sieht darin einen Wendepunkt, an dem die Kolonisierten selbst universelle Rechte einforderten [1].

Der Handel folgte einem Dreieck, das im frühen 16. Jahrhundert entstand. Europäische Fertigwaren, Feuerwaffen und Rum gingen nach Westafrika, versklavte Menschen in die Karibik und nach Amerika, Zucker und Baumwolle zurück nach Europa [1, 3]. Der Zuckerverbrauch in England stieg zwischen 1650 und 1800 nach Schätzungen um etwa 2.500 Prozent [3]. Auch andere Pflanzen wanderten mit dem Handel um die Welt. Die VOC brachte den Kaffee von der Arabischen Halbinsel nach Java und nach Mittel- und Südamerika, und Kakao aus Amerika wurde in Westafrika angebaut [3]. Wie der Handel mit Menschen ablief und wie viele Opfer er forderte, beschreibt der Artikel über den atlantischen Sklavenhandel.
Deutsche Kaufleute im Kolonialhandel
Auch Kaufleute aus dem Reich verdienten mit. Das Augsburger Handelshaus der Welser schloss 1528 einen Vertrag mit der spanischen Krone, um binnen vier Jahren 4.000 versklavte Afrikaner nach Südamerika zu liefern. Bis 1536 führte es 45 solcher Transporte durch [6]. Etwa von 1530 bis 1556 versuchten die Welser in Venezuela Plantagen zu betreiben, und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts finanzierten die Fugger den portugiesischen Sklavenhandel mit [6].
Im März 1682 gründete Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg in Berlin die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie. Von 1683 bis 1717 war ihr Fort Groß Friedrichsburg an der Küste des heutigen Ghana ein Umschlagplatz für versklavte Menschen, 1685 pachtete sie zusätzlich Land auf der dänischen Karibikinsel St. Thomas [6]. Die Zahl ihrer Opfer wird unterschiedlich geschätzt: Die Amerikanistin Heike Raphael-Hernandez nennt etwa 17.000 Menschen, die in die Karibik verschleppt wurden, das Deutsche Historische Museum rund 19.000 [6, 7]. Dabei setzte die Kompanie ab 1683 die Fregatte "Friedrich Wilhelm zu Pferde" ein, gebaut 1680/81 [7].
Merkantilismus: Handel als Staatsaufgabe
Hinter vielen Kompanien stand eine Wirtschaftslehre, die das Zeitalter des Absolutismus prägte. Stehende Heere, eine wachsende Beamtenschaft und prächtige Schlösser kosteten viel Geld, und die Herrscher wollten über die Wirtschaft mehr einnehmen [8]. Ein Land sollte möglichst viel ins Ausland verkaufen und möglichst wenig einkaufen. Dafür erhob man hohe Zölle auf Einfuhren und ließ in Manufakturen billige Rohstoffe zu teuren Waren verarbeiten [8]. Der französische Finanzminister Jean-Baptiste Colbert gilt als einer der bekanntesten Vertreter dieser Politik, die deutsche Form heißt Kameralismus [8]. Wie sich daraus und aus dem Fernhandel neue Formen des Wirtschaftens entwickelten, erklärt der Artikel Wie der Kapitalismus entstand.

Folgen bis ins 19. Jahrhundert
Rohbaumwolle aus Plantagen in den USA und Westindien wurde zur Grundlage der Textilindustrie in Lancashire, die am Anfang der Industrialisierung stand [3]. In Kolonien wie Britisch-Indien halfen Kolonialzölle und der Zugang zu den Märkten dagegen, die regionale Textilherstellung zu zerstören [3].
Großbritannien verbot am 25. März 1807 den Sklavenhandel und 1833 auch die Sklaverei selbst, auf Kuba blieb sie bis 1886 erlaubt [1]. Portugal verlor 1822 Brasilien, Spanien in den 1820er-Jahren seine Besitzungen in Südamerika [1]. Die Eroberung großer Gebiete in Afrika und Asien im 19. Jahrhundert beschreibt der Artikel über den Kolonialismus.
- Studie Gabriele Metzler: Die "Eroberung der Welt" und der Konflikt um universelle Rechte, in: Informationen zur politischen Bildung Nr. 338. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Vasco da Gama. World History Encyclopedia. Stand 03.06.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Nikolay Kamenov: Globale Geld- und Warenströme (Dossier Postkolonialismus und Globalgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 01.08.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Kim Martins: Dutch East India Company. World History Encyclopedia. Stand 31.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: East India Company. World History Encyclopedia. Stand 27.09.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Heike Raphael-Hernandez: Deutsche Verwicklungen in den transatlantischen Sklavenhandel, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.12.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Modell der kurbrandenburgischen Fregatte Friedrich Wilhelm zu Pferde (Ausstellung "Was ist Aufklärung?"). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Merkantilismus (Gerd Schneider, Christiane Toyka-Seid: Das junge Politik-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Syed Muhammad Khan: Ottoman Empire. World History Encyclopedia. Stand 24.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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