Die Frühe NeuzeitRatgeber
Schlachten der Neuzeit: von Pavia 1525 bis Leuthen 1757
Zu den bekanntesten Schlachten der Frühen Neuzeit zählen Pavia 1525, Mohács 1526, die Seeschlacht von Lepanto 1571, der Kampf gegen die spanische Armada 1588, Breitenfeld 1631, der Entsatz von Wien 1683, Blenheim 1704, Poltawa 1709 und Leuthen 1757. Sie zeigen, wie Feuerwaffen, Artillerie und bewegliche Taktik die Kriegführung zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert veränderten.

Zwischen dem frühen 16. und dem späten 18. Jahrhundert kämpften in Europa immer größere Heere mit immer mehr Feuerwaffen. Bei Pavia 1525 standen sich zusammen rund 49.000 Mann gegenüber [1], bei Blenheim 1704 waren es mindestens 116.000 [9]. Die Schlachten Napoleons erzählt der Artikel Die Napoleonischen Kriege, die Zeit davor der Artikel Schlachten des Mittelalters.
| Jahr | Schlacht | Gegner | Ausgang |
|---|---|---|---|
| 1515 | Marignano | Frankreich gegen Eidgenossen | Sieg Frankreichs [12] |
| 1525 | Pavia | Karl V. gegen Franz I. | Sieg der Kaiserlichen [1] |
| 1526 | Mohács | Osmanen gegen Ungarn | Sieg der Osmanen [2] |
| 1571 | Lepanto | Heilige Liga gegen Osmanen | Sieg der Liga [3] |
| 1588 | Gravelines | England gegen die spanische Armada | Armada zerstreut [4] |
| 1631 | Breitenfeld | Schweden und Sachsen gegen die Liga | Sieg der Schweden [5] |
| 1683 | Kahlenberg (Wien) | Entsatzheer gegen Osmanen | Belagerung aufgehoben [8] |
| 1704 | Blenheim (Höchstädt) | Große Allianz gegen Frankreich und Bayern | Sieg der Alliierten [9] |
| 1709 | Poltawa | Russland gegen Schweden | Sieg Russlands [10] |
| 1757 | Leuthen | Preußen gegen Österreich | Sieg Preußens [11] |
Italien: Marignano 1515 und Pavia 1525
Um das reiche Herzogtum Mailand kämpften ab 1499 Frankreich, Habsburg, Venedig, der Papst und die Eidgenossen [12]. Bei Marignano trafen am 13. und 14. September 1515 nach dem Historiker Volker Reinhardt zwei Heere von jeweils 30.000 Mann aufeinander [12]. Die Franzosen hatten starke Befestigungen und eine gut aufgestellte Artillerie, nach zwei Tagen siegten sie [12]. Über 10.000 Menschen starben, die meisten davon Eidgenossen [12].
Zehn Jahre später, am 24. Februar 1525, wendete sich das Blatt bei Pavia. Nach der Wikipedia standen etwa 26.000 Söldner Franz' I. 23.000 Mann Karls V. gegenüber, überwiegend Deutsche und Spanier [1]; die EBSCO-Übersicht nennt 30.000 Soldaten auf französischer Seite [14]. Rund 1.500 baskische Arkebusiere griffen überraschend das Zentrum der französischen Linie an, wo der König stand, und setzten auch der französischen Reiterei zu [1, 14]. Franz I. ergab sich, nachdem sein Pferd getroffen worden war, und musste 1526 den Frieden von Madrid schließen [1]. Die Verlustzahlen schwanken: Die deutsche Wikipedia nennt unter Berufung auf die Encyclopaedia Britannica 8.000 Tote auf französischer und 1.000 auf kaiserlicher Seite [1], die EBSCO-Übersicht spricht von Tausenden Toten und Verwundeten ohne genaue Zahl [14]. Wer in diesen Heeren kämpfte, zeigt der Artikel Söldner und Landsknechte.
Gegen die Osmanen: Mohács, Lepanto und Wien
Im 16. und 17. Jahrhundert stieß das Osmanische Reich zu Land und zur See nach Europa vor [2, 3, 8]. Wie es aufgebaut war und regiert wurde, erklärt der Artikel Das Osmanische Reich.

Mohács 1526
Am 29. August 1526 schlug Sultan Süleyman I. bei Mohács in Südungarn das Heer König Ludwigs II. [2]. Die Osmanen hatten nach der Wikipedia etwa 60.000 bis 70.000 Mann, darunter 10.000 Sipahi-Reiter und 12.000 Janitscharen, nach der EBSCO-Übersicht fast 100.000 [2, 15]. Für die Ungarn unter Ludwig II. und Pál Tomori schwanken die Angaben zwischen 25.000 und 40.000 (Wikipedia) und rund 25.000 (EBSCO) [2, 15]. Die ungarischen Verluste beziffert die Wikipedia auf 24.000 Tote, darunter 4.000 Panzerreiter [2]; die EBSCO-Übersicht nennt 24.000 Verluste ohne Trennung nach Toten und Verwundeten [15]. Ludwig II. ertrank auf der Flucht im Bach Csele, seine Leiche wurde erst zwei Monate später gefunden [2]. Böhmen und Ungarn fielen danach an Ferdinand I., das Königreich Ungarn zerfiel bis 1541 in drei Teile [2]. 1529 rückte Süleyman bis vor Wien [2].
Lepanto 1571
Am 7. Oktober 1571 trafen vor dem Golf von Patras die Flotten der Heiligen Liga und der Osmanen aufeinander [3]. Zur Liga gehörten unter Papst Pius V. Spanien, Venedig, der Kirchenstaat und die Malteser, ihr Befehlshaber war Don Juan de Austria [3]. Die Liga hatte nach der Wikipedia 206 Galeeren und 6 Galeassen mit rund 28.000 Soldaten und 40.000 Seeleuten und Ruderern, die Osmanen unter Ali Pascha 255 Galeeren mit rund 34.000 Soldaten und 46.000 Seeleuten und Ruderern [3]. Die Fachlexika weichen bei den Osmanen ab: Heffernan nennt 220 bis 230 Galeeren und 50 bis 60 Galeoten, die EBSCO-Übersicht fast 300 Galeeren; die Liga zählt dort mehr als 200 Galeeren und 6 Galeassen [16, 17]. Ali Pascha fiel in der Schlacht [3]. Die schweren Geschütze der venezianischen Galeassen trugen viel zum Sieg bei [3]. Die Verluste der Liga liegen je nach Quelle zwischen 7.000 und 9.000 Toten: Die Wikipedia und die EBSCO-Übersicht nennen etwa 8.000, Heffernan 9.000 [3, 16, 17]. Die Liga verlor 13 Schiffe (Wikipedia) oder 17 (EBSCO) [3, 16]. Bei den Osmanen reichen die Angaben von 15.000 Toten oder Gefangenen (Gale) über 25.000 Tote und 5.000 Gefangene (EBSCO) bis zu 30.000 Toten oder Gefangenen (Tucker, Heffernan) [16, 17]. Die Wikipedia nennt etwa 30.000 Tote und mehr als 90 Schiffe, 117 Galeeren wurden erbeutet [3]. Rund 12.000 (Heffernan) bis 15.000 (EBSCO) christliche Ruderer wurden befreit [16, 17]. Innerhalb eines Jahres bauten die Osmanen ihre Flotte wieder auf [3]. Nach dem Tod Pius V. 1572 zerfiel die Liga, Venedig schloss 1573 einen Separatfrieden, und Zypern blieb osmanisch [3].
Wien 1683
1683 belagerte ein osmanisches Heer erneut Wien. Ein Bericht aus dieser Zeit spricht von 60 Tagen Belagerung, die Angriffe begannen am 15. Juli [8]; die Enzyklopädie der Frühen Neuzeit zählt 59 Tage [22]. Am 12. September 1683 schlug ein Entsatzheer unter dem polnischen König Jan III. Sobieski und Herzog Karl von Lothringen die Belagerer am Kahlenberg, die Osmanen flohen Richtung Ungarn [8, 22]. Nach Ágoston standen rund 75.000 Mann des Entsatzheeres etwa 150.000 Osmanen gegenüber, von denen nur 40.000 zu den Zentraltruppen gehörten [22].
Die Armada 1588
Philipp II. von Spanien wollte England erobern, unter anderem um Elisabeths Hilfe für die niederländischen Aufständischen zu beenden [4]. Er sah sich als Vorkämpfer des Katholizismus, der Papst gab seinen Segen und Geld [4]. Am 30. Mai 1588 lief die Armada nach der World History Encyclopedia mit 132 Schiffen, 17.000 Soldaten und 7.000 Seeleuten aus Lissabon aus, Befehlshaber war der Herzog von Medina Sidonia [4]. Die englische Wikipedia nennt für das Auslaufen 141 Schiffe, 19.315 Soldaten und 10.138 Seeleute [23]. Vor Calais schickten die Engländer in der Nacht zum 29. Juli nach englischem, julianischem Kalender (7. auf 8. August gregorianisch) sechs bis acht Brander gegen die vor Anker liegende Flotte: Die World History Encyclopedia nennt sechs, die englische Wikipedia acht [4, 19, 23]. In der Seeschlacht vor Gravelines am 29. Juli (julianisch, gregorianisch 8. August) verloren die Spanier ihre Ordnung und vier Schiffe, rund 120 Anker waren zuvor gekappt worden; Stürme trieben die Schiffe danach um Schottland und Irland [4]. Nur die Hälfte der Armada kehrte im Oktober 1588 nach Spanien zurück. Die World History Encyclopedia nennt 11.000 bis 15.000 tote Spanier und etwa 100 Engländer [4], die englische Wikipedia 11.000 bis 20.000 Tote auf spanischer Seite [23]. Mehr über die Königin steht im Artikel Elisabeth I. von England.

Schlachten des Dreißigjährigen Krieges
Bei Breitenfeld nördlich von Leipzig siegte am 17. September 1631 (gregorianisch, julianisch 7. September) Gustav II. Adolf von Schweden zusammen mit Sachsen über das Heer der Liga unter Tilly [5]. Die deutsche Wikipedia nennt für die Liga etwa 12.000 Tote und 7.000 Gefangene, für die Sieger rund 4.000 Tote [5]. Tilly wurde zweimal verwundet und erreichte Halle mit nur noch 600 Mann [5]. Für die Liga war es die erste große Niederlage des Krieges, Schweden galt seitdem als militärische Großmacht [5]. Der Kaiser musste nun Wallenstein für ein neues Heer gewinnen [5]. Im selben Jahr hatte Tilly Magdeburg zerstört [7]. 1632 fiel Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen [6, 7]. Entschieden wurde der Krieg nach Axel Gotthard erst 1645 in den Schlachten von Alerheim und Jankau, die Frankreich und Schweden gewannen [6]. Den ganzen Krieg beschreibt der Artikel Der Dreißigjährige Krieg.
Blenheim 1704 und Poltawa 1709
Im Spanischen Erbfolgekrieg trafen am 13. August 1704 bei Blenheim an der Donau, auf Deutsch Höchstädt, der Herzog von Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen auf das französisch-bayerische Heer unter Marschall Tallard [9]. An Tallards Seite standen Marschall Marsin und der bayerische Kurfürst Maximilian II. [9]. Den mindestens 60.000 Franzosen und Bayern mit rund 90 Geschützen standen 56.000 Alliierte mit 66 Geschützen gegenüber, etwa zwei Drittel davon Briten [9]. Die Alliierten verloren 12.000 Tote und Verwundete, ihre Gegner mindestens 20.000 und dazu 14.000 Gefangene, unter ihnen Tallard [9]. Mehr als 3.000 ertranken in der Donau [9]. Nach dem National Army Museum rettete der Sieg Wien und zerstörte den Mythos der französischen Unbesiegbarkeit [9].
Im Großen Nordischen Krieg schlug Zar Peter I. bei Poltawa das Heer Karls XII. von Schweden [10]. Die Schlacht fand nach julianischem Kalender am 27. Juni, nach dem schwedischen Kalender am 28. Juni und nach gregorianischem am 8. Juli 1709 statt [10]. Rund 20.000 Schweden standen 37.000 bis 45.000 Russen gegenüber, das Kommando auf russischer Seite führte Marschall Scheremetew [10]. Die Schweden verloren nach Drygalski (1879) 9.234 Tote und Verwundete sowie 2.795 Gefangene, nach Massie (1987) 6.901 Tote und Verwundete sowie 2.760 Gefangene; Wennerholm (2000) zählt auf dem Schlachtfeld 8.145 Gefallene und 2.587 Gefangene [10, 20]. Die Russen verloren etwa 1.345 Tote und 3.290 Verwundete [10]. Am 11. Juli 1709 (30. Juni julianisch) kapitulierten bei Perewolotschna nach der Wikipedia rund 14.000 schwedische Soldaten, nach Wennerholm 13.138 [10, 20]. Karl XII. entkam ins Osmanische Reich und blieb dort bis Oktober 1714 [21]. Russland galt danach als aufstrebende Großmacht [10].
Leuthen 1757
Im Siebenjährigen Krieg stellte sich Friedrich II. von Preußen am 5. Dezember 1757 bei Leuthen in Schlesien einem österreichischen Heer unter Karl Alexander von Lothringen [11]. Nach der Wikipedia trafen etwa 35.000 Preußen auf etwa 66.000 Österreicher, nach der EBSCO-Übersicht 33.000 auf 65.000 [11, 18]. Friedrich ließ den Großteil seines Heeres verdeckt nach Süden marschieren und griff gegen Mittag den österreichischen Südflügel an, diese Angriffsform heißt schiefe Schlachtordnung [11]. Gegen 17 Uhr griff die preußische Kavallerie unter Driesen die ungedeckte Flanke der österreichischen Reiterei an, danach brach die österreichische Aufstellung zusammen [11]. Preußen verlor etwa 6.400 Mann, Österreich rund 22.000, davon etwa 12.000 Gefangene [11, 18]. Mehr über den König steht im Artikel Friedrich der Große, über die Kriege seiner Zeit im Artikel Die Kabinettskriege.

Wie sich die Kampfweise veränderte
Anfang des 16. Jahrhunderts prägten große Haufen mit Langspießen das Schlachtfeld; bei den Landsknechten war der Spieß bis zu sechs Meter lang [13]. Schon bei Pavia entschieden Schützen mit Feuerwaffen mit [1]. Bei Breitenfeld zeigte das schwedische Heer eine neue Ordnung: kleine Blöcke aus Musketieren und Pikenieren, schachbrettartig aufgestellt, der Anteil der Pikeniere auf ein Drittel gesenkt [5]. Die Musketiere feuerten in wechselnden Reihen, leichte Geschütze begleiteten die Infanterie [5]. Auf See gaben bei Lepanto die schwer bewaffneten Galeassen den Ausschlag, deren hohe Bordwände das Entern erschwerten [3]. Leuthen zeigt, wie ein kleineres Heer durch Bewegung und Überraschung einen größeren Gegner schlagen konnte [11].
- Schlacht bei Pavia (1525). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht bei Mohács (1526). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Seeschlacht von Lepanto. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Spanish Armada (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 28.05.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht bei Breitenfeld (1631). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Deutschlands großer Konfessionskrieg (Axel Gotthard). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Deutungen des Dreißigjährigen Krieges. Mythos, Legenden und Einsichten (Georg Schmidt), Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die türkische Niederlage von Wien (12. September 1683). Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Battle of Blenheim. National Army Museum, London. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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- Organisation 1515 Marignano. Unterlagen für Schulen (mit Beitrag von Volker Reinhardt). Schweizerisches Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
- Landsknecht. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Battle of Pavia (Robert F. Erickson), Research Starters. EBSCO. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Battle of Mohács (Ralph L. Langenheim), Research Starters. EBSCO. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Battle of Lepanto (Paul A. Whelan, Douglas Clark Baxter), Research Starters. EBSCO. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Lepanto, Battle of (Ernest Tucker; J. B. Heffernan, New Catholic Encyclopedia; The Renaissance, Gale). Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Battle of Leuthen (Hermann H. Beck), Research Starters. EBSCO. Stand 2019. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Did God help the English defeat the Spanish Armada? (Lehrmaterial mit Brief des Lord Howard vom 21. Juli 1588). The National Archives, Kew. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Swedish Strength and Casualties in the Battle of Poltava (nach Bertil Wennerholm, 2000). tacitus.nu. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Karl XII. (Schweden). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Vienna, Sieges of (Gábor Ágoston), Europe, 1450 to 1789: Encyclopedia of the Early Modern World. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Spanish Armada. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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