Das MittelalterRatgeber
Schlachten des Mittelalters von Tours 732 bis Konstantinopel 1453
Zu den bekanntesten Schlachten des Mittelalters gehören Tours und Poitiers 732, das Lechfeld 955, Hastings 1066, Hattin 1187, Bouvines 1214, Crécy 1346, Azincourt 1415, Tannenberg 1410 und die Eroberung Konstantinopels 1453. Offene Feldschlachten waren im Hochmittelalter selten, die Zahlen der Chronisten sind oft stark übertrieben.

Die englische Wikipedia nennt Bouvines 1214 eine der seltenen offenen Feldschlachten des Hochmittelalters [1]. Hastings dauerte nach der World History Encyclopedia mehrere Stunden, was für eine mittelalterliche Schlacht ungewöhnlich lang war [2]. Auch Gelände und Wetter spielten mit: Bei Hattin litten die Kreuzfahrer unter Wassermangel, bei Azincourt behinderte Schlamm die Pferde [9, 13].
Was wir über mittelalterliche Schlachten wissen
Die schriftlichen Quellen sind oft ungenau. Zwei Chronisten des 14. Jahrhunderts, Johannes von Viktring und Johannes von Winterthur, wollten nach der deutschen Wikipedia eher belehren als genau berichten [3]. Zur Schlacht am Morgarten nennen Chroniken des 14. Jahrhunderts zwischen etwa 1.500 und fast 2.000 Tote [3]. Archäologische Spuren der Schlacht fehlen, was die deutsche Wikipedia für mittelalterliche Schlachten als üblich beschreibt [3]. Für Tannenberg 1410 nennen Quellen der Zeit 50.000 bis 100.000 Tote, Verwundete und Gefangene, die deutsche Wikipedia hält diese Zahlen für übertrieben [4]. Für Hastings schwanken die Schätzungen heutiger Historiker zwischen 7.000 und 12.000 Normannen [8].
Tours und Poitiers 732
Am 10. Oktober 732 trafen zwischen Tours und Poitiers im nördlichen Aquitanien ein fränkisches Heer unter Karl Martell und ein Heer der Umayyaden unter Abd ar-Rahman al-Ghafiqi aufeinander, dem Statthalter von al-Andalus [5]. Der genaue Ort ist unsicher [5]. Abd ar-Rahman fiel, sein Heer zog sich zurück [5].
Wie wichtig die Schlacht war, ist bis heute umstritten. Der Historiker Edward Gibbon sah in ihr die Ursache dafür, dass sich der Islam nicht weiter in Westeuropa ausbreitete, Leopold von Ranke nannte sie einen Wendepunkt der Weltgeschichte [5]. Andere Historiker halten ihre Bedeutung für überschätzt und deuten den Zug der Umayyaden eher als großen Beutezug denn als Eroberungsversuch [5].
Lechfeld 955
Im Sommer 955 belagerten ungarische Reiter Augsburg, das Bischof Ulrich verteidigte [6]. Vom 10. bis 12. August 955 schlug ein Heer aus mehreren deutschen Stammesgebieten unter König Otto I. die Ungarn [6, 7]. Nach dem Lexikon von wissen.de fanden wahrscheinlich zwei Gefechte westlich und südöstlich von Augsburg statt, das Lechfeld selbst war vermutlich kein Kampfplatz [6]. Herzog Konrad von Lothringen fiel durch einen Pfeil [7]. Starkregen und Hochwasser behinderten die fliehenden Ungarn, ihre Anführer Bulcsú, Lél und Súr wurden gefangen und gehängt [7]. Danach endeten die Ungarneinfälle nach Westeuropa [7]. 962 krönte Papst Johannes XII. Otto zum Kaiser [7].
Hastings 1066
Am 25. September 1066 besiegte der englische König Harold Godwinson bei Stamford Bridge ein norwegisches Heer unter Harald Hardrada, dann zog er nach Süden [2, 8]. Am 14. Oktober 1066 traf er am Senlac Hill, rund elf Kilometer nordwestlich von Hastings, auf Wilhelm von der Normandie [8]. Die Kämpfe dauerten von etwa 9 Uhr bis zur Dämmerung [8]. Wie groß die Heere waren, weiß niemand. Die englische Wikipedia nennt Schätzungen von 7.000 bis 12.000 Normannen und 5.000 bis 13.000 Engländern, die World History Encyclopedia 5.000 bis 8.000 Mann für Wilhelm [2, 8].

Wilhelm ließ zweimal Angriffe mit vorgetäuschtem Rückzug reiten und lockte so Engländer vom Hügel herunter [2]. Harold fiel. Ob ihn ein Pfeil ins Auge traf, wie es die Überlieferung will, ist unter Historikern umstritten, die Szene auf dem Teppich von Bayeux ist nicht eindeutig [8]. Stenton und Douglas waren von der Geschichte wenig überzeugt, Loyn und Barlow lehnten sie ganz ab [16]. Der Teppich entstand zwischen 1067 und 1079 und ist etwa 68 Meter lang [2]. Am 25. Dezember 1066 wurde Wilhelm in Westminster Abbey zum König gekrönt [2, 8]. Auf dem Schlachtfeld gründete er Battle Abbey [2, 8].
Hattin 1187
Am 3. Juli 1187 griff Sultan Saladin das Heer des Königreichs Jerusalem an, das durch die wasserlosen Hügel Galiläas zog [9]. Am 4. Juli kam es an den Hörnern von Hattin zur Entscheidung. Die Kreuzfahrer litten unter Durst, Hitze und dem Rauch von Feuern, die Saladins Leute gelegt hatten [9]. König Guido von Lusignan geriet in Gefangenschaft und wurde später freigelassen, Rainald von Châtillon wurde hingerichtet [9]. Die Reliquie des Wahren Kreuzes aus dem Zelt des Königs fiel in Saladins Hände [9]. Am 2. Oktober 1187 nahm Saladin Jerusalem ein [9]. Als Antwort folgte der Dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192, der Jerusalem nicht zurückgewann [9]. Mehr dazu steht im Artikel Die Kreuzzüge.
Bouvines 1214
Am 27. Juli 1214 schlug der französische König Philipp II. August bei Bouvines in Flandern ein Bündnisheer unter Kaiser Otto IV., dem auch Truppen des englischen Königs Johann unter William Longespée angehörten [1]. Die Grafen Ferrand von Flandern und Rainald von Boulogne gerieten in Gefangenschaft [1]. Papst Innozenz III. setzte Otto IV. ab, und Friedrich II. stieg zum Kaiser auf [1]. Johann musste Anjou abtreten [1]. Seine geschwächte Lage trug nach der englischen Wikipedia dazu bei, dass ihm die Barone 1215 die Magna Carta abrangen [1]. Darüber berichtet der Artikel Die Magna Carta.
Liegnitz und Mohi 1241
Am 9. April 1241 besiegten die Mongolen bei Liegnitz in Schlesien ein polnisch-mährisches Heer, Herzog Heinrich II. der Fromme wurde auf der Flucht getötet [10]. Zwei Tage später, am 11. April 1241, vernichteten Batu Khan und Subutai am Fluss Sajó bei Mohi das Heer des ungarischen Königs Béla IV. [11]. Béla floh an die Adria [11]. Die schweren Verluste trugen nach der englischen Wikipedia dazu bei, dass die Mongolen den Feldzug abbrachen [11]. Den Verlauf beschreibt der Artikel Der Mongolensturm in Europa.
Morgarten 1315
Am 15. November 1315 zog Herzog Leopold I. von Habsburg mit einem Heer aus überwiegend berittenen Rittern von Zug durch das Ägerital [3]. Am Ägerisee überfielen ihn die zahlenmäßig unterlegenen Schwyzer mit Verstärkung aus Uri und schlugen das Heer in die Flucht [3]. Danach erneuerten Uri, Schwyz und Unterwalden im Dezember 1315 ihren Bund [3]. Erzählungen von herabgerollten Baumstämmen und Felsen gelten nach der deutschen Wikipedia als Legenden, die sich nicht belegen lassen [3].

Crécy 1346 und Azincourt 1415
Im Hundertjährigen Krieg besiegten englische Heere mit Langbogenschützen mehrmals größere französische, so bei Crécy 1346 und Poitiers 1356 [13]. Am 26. August 1346 traf Eduard III. bei Crécy-en-Ponthieu auf Philipp VI. [12]. Die Genueser Armbrustschützen der Franzosen flohen früh vor den englischen und walisischen Bogenschützen [12]. Nach einer Zählung englischer Herolde wurden 1.542 gefallene adlige Waffenträger der Franzosen gefunden, auf englischer Seite verzeichnete ein Appell nach der Schlacht 40 Tote, manche heutigen Historiker rechnen eher mit etwa 300 [12]. Unter den Gefallenen war der blinde König Johann von Böhmen [12]. Danach belagerte Eduard Calais, das nach etwa elf Monaten fiel und bis 1558 englisch blieb [12].

Am 25. Oktober 1415 siegte Heinrich V. bei Azincourt mit etwa 6.000 bis 7.000 Mann über ein französisches Heer von etwa 20.000 [13]. Auf einen schwer Bewaffneten kamen mindestens drei Bogenschützen [13]. Frisch gepflügte Felder und Regen in der Nacht hatten das Schlachtfeld in Schlamm verwandelt, der vor allem die Pferde behinderte [13]. Die Franzosen verloren etwa 7.000 Mann, die Engländer vielleicht nur 500 [13]. Im Vertrag von Troyes 1420 wurde Heinrich Regent und Erbe des französischen Königs Karl VI. [13]. Den ganzen Krieg beschreibt der Artikel Der Hundertjährige Krieg.
Tannenberg 1410
Am 15. Juli 1410 traf bei den Dörfern Tannenberg und Grünfelde im Ordensland Preußen, dem heutigen Masuren, das Heer des Deutschen Ordens auf ein polnisch-litauisches Heer unter König Władysław II. Jagiełło und Großfürst Witold [4]. Die Schätzungen reichen für Polen-Litauen von 26.000 bis 39.000 Mann, für den Orden von 11.000 bis 27.000 [4]. Hochmeister Ulrich von Jungingen fiel mit fast der ganzen Ordensführung [4], nach der Deutschen Biographie starben mit ihm mehr als 200 Ordensbrüder [15]. Die Belagerung der Marienburg brachen die Sieger am 19. September 1410 ab [4]. Im Ersten Thorner Frieden vom 1. Februar 1411 musste der Orden umstrittene Gebiete abtreten und eine hohe Zahlung leisten [4]. In Polen heißt die Schlacht Grunwald, in Litauen Žalgiris [4]. Die deutsche Schlacht bei Tannenberg im August 1914 knüpfte bewusst an den Namen an [4].
Konstantinopel 1453
Am 6. April 1453 begann Sultan Mehmed II., der 1451 mit 19 Jahren an die Macht gekommen war, die Belagerung Konstantinopels [14]. Etwa 7.000 Verteidiger, davon rund 2.000 Ausländer, standen nach heutigen Schätzungen 50.000 bis 80.000 osmanischen Soldaten mit etwa 70 Kanonen gegenüber [14]. Eine riesige Kanone des ungarischen Gießers Orban konnte Steinkugeln über eine Meile weit schießen [14]. Eine Kette sperrte das Goldene Horn [14]. Am 22. April ließ Mehmed Schiffe auf gefetteten Holzstämmen über Land ziehen und umging sie [14].

Am 29. Mai 1453 fiel die Stadt nach 53 Tagen [14]. Kaiser Konstantin XI. soll in den Straßen gekämpft haben, sein Schicksal ist nicht sicher bekannt [14]. Mehmed machte Konstantinopel zur osmanischen Hauptstadt. Damit endete das Byzantinische Reich, viele Historiker lassen mit diesem Jahr das Mittelalter enden [14]. Die Geschichte des Reiches erzählt der Artikel Das Byzantinische Reich, den Aufstieg der Sieger Das Osmanische Reich.
Die Schlachten im Überblick
| Datum | Schlacht | Sieger |
|---|---|---|
| 10.10.732 | Tours und Poitiers [5] | Franken unter Karl Martell |
| 10. bis 12.08.955 | Lechfeld [6, 7] | Otto I. |
| 14.10.1066 | Hastings [8] | Wilhelm von der Normandie |
| 04.07.1187 | Hattin [9] | Saladin |
| 27.07.1214 | Bouvines [1] | Philipp II. August |
| 09.04.1241 | Liegnitz [10] | Mongolen |
| 11.04.1241 | Mohi [11] | Mongolen |
| 15.11.1315 | Morgarten [3] | Schwyzer und Urner |
| 26.08.1346 | Crécy [12] | Eduard III. |
| 15.07.1410 | Tannenberg [4] | Polen-Litauen |
| 25.10.1415 | Azincourt [13] | Heinrich V. |
| 29.05.1453 | Eroberung Konstantinopels [14] | Mehmed II. |
Wie Ritter ausgerüstet waren, zeigt der Artikel Ritter und Rüstungen, die Kriege davor Schlachten der Antike.
- Battle of Bouvines. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Battle of Hastings. World History Encyclopedia. Stand 11.01.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht am Morgarten. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht bei Tannenberg (1410). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Tours. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Lechfeld. wissen.de Lexikon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Lechfeld. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Hastings. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Battle of Hattin: Saladin's Greatest Victory. World History Encyclopedia. Stand 30.10.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Legnica. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Mohi. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Battle of Crécy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Battle of Agincourt. World History Encyclopedia. Stand 02.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Fall of Constantinople. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ulrich von Jungingen. Deutsche Biographie (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bayerische Staatsbibliothek). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The strange death of King Harold II: Propaganda and the problem of legitimacy in the aftermath of the Battle of Hastings. The Historical Association. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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