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Die Magna Carta: der Freiheitsbrief von Runnymede

Die Magna Carta ist eine Urkunde König Johanns von England, datiert auf den 15. Juni 1215 und auf der Wiese von Runnymede an der Themse ausgehandelt. In 63 Klauseln begrenzte sie die Macht des Königs bei Steuern, Lehnsrechten und Gerichten. Der Papst erklärte sie im August 1215 für nichtig, doch spätere Neuausgaben machten sie zum Teil des englischen Rechts, und drei Kapitel gelten bis heute.

Eine weite grüne Flusswiese an einem ruhigen Fluss in Südengland mit alten Eichen im Morgennebel
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Magna Carta heißt "große Urkunde". Gemeint ist eine Urkunde König Johanns von England, die auf den 15. Juni 1215 datiert ist und auf einer Wiese an der Themse ausgehandelt wurde [1]. Sie zählt 63 Klauseln, in denen der König zusagte, bei Steuern, Lehnsrechten und Gerichtsverfahren bestimmte Regeln einzuhalten [2]. Nach dem Antrag, mit dem die vier erhaltenen Exemplare in das UNESCO-Register "Memory of the World" kamen, setzte sie dem König zum ersten Mal ausführliche schriftliche Grenzen [2]. Als Friedensvertrag scheiterte sie nach wenigen Wochen. Ihre Wirkung entfaltete sie erst durch die Neuausgaben der folgenden Jahrzehnte.

König Johann und seine Barone

Johann, im Deutschen meist Johann Ohneland genannt, wurde 1199 König, nachdem sein Bruder Richard I. in Aquitanien gefallen war [5]. Seine Regierung brachte ihn mit fast allen Gruppen des Landes in Streit. Mit Papst Innozenz III. stritt er über die Besetzung des Erzbistums Canterbury, 1209 wurde er exkommuniziert, und erst 1213 nahm er den Kandidaten des Papstes an [5]. Gegen König Philipp II. von Frankreich verlor er Besitzungen auf dem Festland, die Niederlage bei Bouvines 1214 besiegelte den Verlust der Normandie [5].

Die Kriege kosteten Geld. Johann erhöhte die Abgaben bei der Heirat adliger Töchter und beim Erbe von Lehen, belastete Städte und Kaufleute und zog Güter erbenloser Adliger an die Krone [5]. Am 5. Mai 1215 sagten sich die Barone von ihm los und wählten Robert fitz Walter zu ihrem Anführer [1]. Am 17. Mai öffnete London den Aufständischen die Tore [1].

Runnymede im Juni 1215

Am 10. Juni 1215 traf Johann die Anführer der Rebellen auf der Wiese von Runnymede an der Themse bei Staines [1]. Die Urkunde selbst nennt den Ort "zwischen Windsor und Staines" und datiert sich auf den 15. Juni im 17. Regierungsjahr des Königs [3]. An diesem Tag setzte Johann nach der Darstellung der britischen National Archives sein Siegel unter einen Entwurf, am 19. Juni schlossen die Barone förmlich Frieden mit ihm [1].

Mittelalterliche Zelte aus Leinwand auf einer Flusswiese, einfarbige Banner und grasende Pferde unter bewölktem Himmel
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Ein einzelnes Original, das in Runnymede besiegelt wurde, gab es nicht. Nach dem UNESCO-Antrag wurde die Einigung mündlich getroffen, mit einem Eid bekräftigt und danach von den Schreibern des Königs als Urkunde ausgefertigt [2]. Im Juni 1215 gingen viele Abschriften ins ganze Land [2].

Was in der Urkunde steht

Die meisten Klauseln regeln Einzelfälle der Lehnsordnung. Einige Bestimmungen reichen über ihre Zeit hinaus:

Ein gerolltes Pergament, ein Klumpen dunkelroter Siegelwachs und ein Federkiel auf einem Eichentisch im Kerzenlicht
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KlauselInhalt
1Die englische Kirche soll frei sein und ihre Rechte ungeschmälert behalten [3].
2Der Erbe eines Grafen zahlt für die ganze Baronie 100 Pfund, der Erbe eines Ritters höchstens 100 Schilling [1].
12Schildgeld und Hilfsgelder nur mit gemeinsamem Rat des Königreichs, außer für Lösegeld, den Ritterschlag des ältesten Sohnes und die erste Heirat der ältesten Tochter [3].
13London behält seine alten Freiheiten und Gewohnheiten, ebenso andere Städte und Häfen [3].
39Kein freier Mann darf verhaftet, enteignet, verbannt oder sonst zugrunde gerichtet werden, außer durch das rechtmäßige Urteil seiner Standesgenossen oder durch das Gesetz des Landes [3].
40"Niemandem wollen wir Recht oder Gerechtigkeit verkaufen, verweigern oder verzögern" (eigene Übersetzung) [3].
61Die Barone wählen 25 Barone, die über die Einhaltung wachen [3].
62Allgemeine Begnadigung für alle Vergehen seit Beginn des Streits [1].
63Der König will, dass die gewährten Freiheiten für immer gelten [1].

Die Klauseln 39 und 40 werden heute am häufigsten zitiert. Sie galten allerdings nur für freie Männer, und die stellten nach der World History Encyclopedia weniger als ein Viertel der Bevölkerung [5]. Unfreie Bauern, die im Artikel über die Leibeigenschaft beschrieben sind, nahm die Urkunde nicht in ihren Schutz.

Der Ausschuss der 25 Barone

Klausel 61 sollte sicherstellen, dass der König sein Wort hält. Nach dem Wortlaut wählten die Barone 25 aus ihrer Mitte [3]. Die World History Encyclopedia spricht von einem Ausschuss aus 24 Baronen [5]. Die Sheriffs sollten die Bevölkerung auf die 25 Barone vereidigen [1].

Annullierung und Bürgerkrieg

Der Frieden hielt nur kurz. Am 7. Juli 1215 exkommunizierte der Papst die aufständischen Barone, am 24. und 25. August erklärten päpstliche Bullen die Magna Carta für null und nichtig [1]. Im September 1215 brach der Krieg wieder aus [1]. Ein Teil der Barone stellte sich hinter Prinz Ludwig, den späteren König Ludwig VIII. von Frankreich [5].

Johann starb am 16. Oktober 1216 in Newark [1]. Sein Sohn Heinrich III., geboren am 1. Oktober 1207, wurde am 28. Oktober 1216 in der Abtei von Gloucester eilig gekrönt [6]. Er war damals neun Jahre alt [6]. Die Anhänger Ludwigs verloren im Mai 1217 bei Lincoln, der Vertrag von Kingston im September 1217 beendete den Krieg [5].

Neuausgaben von 1216 bis 1297

Die Regierung des jungen Königs gab die Urkunde am 12. November 1216 neu heraus [1]. Am 6. November 1217 folgte eine dritte Fassung. Die Regeln über die königlichen Forste wanderten in eine eigene Charta des Waldes [1]. Die königlichen Forste bedeckten damals rund ein Drittel Englands [1]. Nach dem UNESCO-Antrag sicherte diese Waldcharta den einfachen Leuten das Recht, Wald und Gemeindeland zum Lebensunterhalt zu nutzen [2]. Aufgehoben wurde sie nach der World History Encyclopedia erst 1971 [5].

Ein alter Eichen- und Buchenwald in England im Herbst mit schmalem Pfad und tief stehender Sonne
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Am 11. Februar 1225 bestätigte Heinrich III. beide Urkunden. Die Fassung von 1225 gilt als die endgültige [1]. Weitere Neuausgaben folgten 1265 und 1297 unter Eduard I., und die Fassung von 1297 wurde in die Gesetzesrolle eingetragen [2]. Im März 1300 bestätigte Eduard I. die Urkunde noch einmal [1].

Die vier erhaltenen Exemplare

Von den Ausfertigungen des Jahres 1215 sind vier erhalten. Zwei besitzt die British Library in London, je eines die Kathedralen von Lincoln und Salisbury [2]. Die World History Encyclopedia verortet das Lincolner Exemplar in Lincoln Castle [5]. Alle vier sind in Eisengallustinte auf Latein geschrieben, eng und mit den üblichen Abkürzungen der Zeit [2].

Ein gotischer Kapitelsaal einer englischen Kathedrale mit Mittelsäule, Rippengewölbe und hohen Fenstern im Tageslicht
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Jedes Exemplar ist ein einzelnes Pergamentblatt, doch Größe und Schrift unterscheiden sich, und auch Schreibweise und Wortstellung weichen leicht voneinander ab [2]. Ein Londoner Stück wurde beim Brand der Cotton-Bibliothek 1731 schwer beschädigt. Es ist das einzige, an dem noch ein Rest des Siegels hängt, inzwischen ein formloser Wachsklumpen [2]. Das Exemplar in Salisbury ging vermutlich an die Grafschaft Wiltshire, das in Lincoln liegt seit kurz nach 1215 im Archiv der Kathedrale [2]. Die National Archives selbst besitzen kein Original von 1215, wohl aber eine Fassung von 1225 [1].

Wie die beiden Londoner Stücke in die Sammlung kamen, ist gut belegt. Das größere Blatt mit 514 mal 343 Millimetern und 52 Zeilen schenkte Humphrey Wyems dem Sammler Sir Robert Cotton am 1. Januar 1629, sein ursprünglicher Empfänger ist unbekannt [2]. Das zweite Blatt mit 86 Zeilen fand Sir Edward Dering unter den Akten von Dover Castle und schickte es 1630 an Cotton. Vermutlich war es für die Barone der Cinque Ports bestimmt [2]. Das Exemplar in Salisbury hat 76 Zeilen in einer Schrift, die einer Buchschrift näher steht als die Kanzleischrift der drei anderen [2].

Was heute noch gilt

In England blieb die Magna Carta Teil des Common Law. Ihr Inhalt wurde je nach den Bedürfnissen des Rechts verteidigt, beibehalten oder aufgehoben [2]. Nach dem UNESCO-Antrag sind von den ursprünglich 63 Klauseln drei noch gültig [2]. Die World History Encyclopedia zählt vier [5]. Die amtliche Gesetzessammlung des Vereinigten Königreichs zeigt für die Fassung von 1297 drei Kapitel ohne Aufhebungsvermerk: Kapitel I über die Freiheit der Kirche von England, Kapitel IX über die alten Freiheiten Londons und Kapitel XXIX [4]. Dieses letzte Kapitel verbindet die alten Klauseln 39 und 40 und verbietet Haft und Enteignung ohne Gesetz sowie den Verkauf, die Verweigerung und den Aufschub von Recht [4].

Nachwirkung bis 1948

Im 17. Jahrhundert beriefen sich Parlamentarier um den Juristen Sir Edward Coke auf die Magna Carta, um König Karl I. entgegenzutreten [2]. Englische Siedler brachten die Urkunde nach Nordamerika. Die Kolonisten führten sie im Kampf um die Unabhängigkeit an, sie floss in frühe Kolonialcharten, in die Verfassung und in die Bill of Rights der Vereinigten Staaten ein [2]. Gegner der Sklaverei in Großbritannien und Amerika beriefen sich ebenfalls auf sie [2].

Der UNESCO-Antrag zieht eine Linie von der Magna Carta über die Dokumente der Französischen Revolution und die Verfassung der USA bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 [2]. Wie aus diesen Ideen die Rechtsstaaten der Gegenwart wurden, zeigen die Artikel über die Geschichte der Menschenrechte und über den Rechtsstaat. Den größeren Rahmen beschreibt die Geschichte Großbritanniens, die Lehnsordnung hinter vielen Klauseln der Artikel über den Feudalismus.

  1. Behörde Magna Carta, 1214 to 1225 (Teaching resource). The National Archives, Vereinigtes Königreich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Memory of the World Register: Magna Carta, issued in 1215 (United Kingdom), Ref. 2008-29. UNESCO; Antrag der British Library, der Kathedrale von Lincoln und der Kathedrale von Salisbury. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Gesetz Magna Carta 1215 (englische Übersetzung). The Avalon Project, Lillian Goldman Law Library, Yale Law School. Stand 2008. abgerufen am 29.10.2026
  4. Gesetz Magna Carta (1297), 25 Edw. 1 cc. 1, 9, 29. legislation.gov.uk, The National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Magna Carta. World History Encyclopedia. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Henry III. Westminster Abbey. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.