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Der Kommunismus: von Marx bis zum Ende der Sowjetunion

Kommunismus ist eine Lehre und politische Bewegung, die das Privateigentum abschaffen und durch Gemeineigentum ersetzen will. Karl Marx und Friedrich Engels gaben ihr 1848 mit dem Kommunistischen Manifest ein Programm. Im 20. Jahrhundert herrschten kommunistische Parteien unter anderem in der Sowjetunion, in Osteuropa und in China. In mehreren dieser Staaten kam es zu Hungersnöten, Massenverfolgung und Lagerhaft mit Millionen Toten, deren Zahlen je nach Quelle schwanken.

Ein leerer Fabrikhof aus rotem Backstein mit hohen Schornsteinen unter grauem Morgenhimmel und nassem Kopfsteinpflaster
Bild: KI-generiert

Das bpb-Politiklexikon beschreibt den Kommunismus auf vier Ebenen: als sozialphilosophische Utopie, als politisch-ökonomische Lehre, als politische Bewegung und als Herrschaftsform. Gemeinsam ist allen der Gedanke, das Privateigentum abzuschaffen und Gemeineigentum zu bilden [1]. Das Wort geht auf das lateinische "communis" zurück, das "gemeinsam" bedeutet, und kam um 1840 auf, als in der Industriellen Revolution die ersten Fabriken entstanden [2].

Wurzeln der Idee

Die Vorstellung einer Gemeinschaft ohne Privatbesitz ist viel älter als das Wort. Das Politiklexikon nennt als ideengeschichtliche Vorläufer die Gerechtigkeitsvorstellungen Platons und das Urchristentum, außerdem den Utopisten Thomas Morus und den utopischen Sozialisten Charles Fourier [1]. Ihr Leitbild war eine dörfliche Gemeinschaft, die Boden, Tiere und Häuser gemeinsam besitzt, das Nötige weitgehend selbst herstellt und gerecht verteilt [1].

Wie die Lage der Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert aussah und welche Antworten Staat, Kirchen und Arbeiter fanden, beschreibt der Artikel zur Sozialen Frage.

Marx, Engels und das Manifest

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und studierte Rechtswissenschaften und Philosophie in Bonn und Berlin [3]. Im Februar 1848 erschien in London das "Manifest der Kommunistischen Partei", das er gemeinsam mit Friedrich Engels verfasst hatte [3]. Die Erstausgabe umfasste 23 Seiten und war das Programm des "Bundes der Kommunisten" [4]. Der Text beginnt mit dem Satz "Ein Gespenst geht um in Europa" und schließt mit dem Aufruf "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" [3, 4].

Die Lehre in Kurzform

Nach der Lehre von Marx ist der Kapitalismus die letzte Stufe einer Reihe von Ausbeutungsverhältnissen. Wenige Kapitalisten eignen sich das Eigentum an, technischer Fortschritt und Arbeitsteilung verlangen immer mehr Kapital und verdrängen die Konkurrenz, der Staat schützt diese Eigentumsordnung [1]. Am Ende stehen nach dieser Lehre die Verelendung der Massen und eine Krise, aus der eine Revolution des Proletariats folgt. Danach sollen das Privateigentum abgeschafft und eine klassenlose Gesellschaft geschaffen werden [1].

1864 war Marx maßgeblich an der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation in London beteiligt, 1867 erschien der erste Band von "Das Kapital". Die Bände II und III gab Engels heraus, nachdem Marx am 14. März 1883 in London gestorben war [3]. Mehr zu Leben und Werk steht im Artikel über Karl Marx.

Die Pariser Kommune von 1871

Nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg übernahm in Paris das Zentralkomitee der Nationalgarde, eine überwiegend aus Arbeitern bestehende Truppe, die Macht [5]. Die Kommune bestand von März bis Mai 1871, insgesamt 72 Tage. Die Kommunarden enteigneten Banken und Fabriken und forderten die Gleichberechtigung der Frauen [5]. In der "Blutwoche" Ende Mai 1871 eroberten Regierungstruppen das Zentrum von Paris, Historiker schätzen die Zahl der Getöteten auf 15.000 bis 20.000 [5]. Anhängern der kommunistischen Ideologie gilt die Kommune bis heute als frühes Vorbild [5].

Eine enge Pariser Altstadtgasse im Morgenlicht mit umgestürzten Holzkarren und aufgeschichteten Pflastersteinen
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Die Russische Revolution und die Sowjetunion

In Russland spaltete sich die Sozialdemokratische Partei auf ihrem II. Parteitag 1903 in London. Die radikale Mehrheit unter Lenin hieß nach dem russischen Wort "bolsche" (mehr) Bolschewiki, die gemäßigte Minderheit nach "mensche" (weniger) Menschewiki [6]. Im zaristischen Russland galt der julianische Kalender, der damals 13 Tage hinter dem gregorianischen lag. Nach heutigem Kalender fand die Februarrevolution 1917 deshalb im März und die Oktoberrevolution im November statt [7]. Den Umsturz in Petrograd datiert LeMO auf die Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1917 [8], während Ernst Piper für die Revolution nach gregorianischem Kalender den 6./7. November nennt [7].

Die Bolschewiki stützten sich auf die Arbeiter- und Soldatenräte und nannten sich 1918 Kommunistische Partei Russlands, später Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) [6]. Den Bürgerkrieg, der bis 1922 dauerte, beschreibt Ernst Piper mit Hunderttausenden Toten [7]. 1919 entstand in Moskau die Kommunistische Internationale (Komintern) als Zusammenschluss kommunistischer Parteien unter sowjetrussischer Führung, Stalin löste sie 1943 auf [9]. Wie die Revolution ablief, erklärt der Artikel zur Oktoberrevolution.

Kommunisten in Deutschland

Die KPD wurde Ende Dezember 1918 in Berlin gegründet, unter anderem von Vertretern des Spartakusbunds [10]. Nach dem Zusammenschluss mit über 300.000 Linken der USPD im Dezember 1920 bekannte sie sich zur Komintern und erhielt ihre Weisungen aus Moskau [10]. Bei der Reichstagswahl am 4. Mai 1924 erreichte sie 12,6 Prozent und 62 Mandate. Ende 1932 hatte sie fast 300.000 Mitglieder, bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 bekam sie 12,3 Prozent. Am 8. März 1933 annullierten die Nationalsozialisten ihre Mandate auf Grundlage der Reichstagsbrandverordnung [10].

Stalinismus, Hunger und Terror

Unter Stalin ließ die Führung ab 1928 die Landwirtschaft zwangsweise kollektivieren. Das Politbüro plante, rund eine Million Höfe mit fünf bis sechs Millionen Menschen als "Kulaken" zu enteignen [11]. In der folgenden Hungersnot 1932/33 starben nach den Schätzungen, die das bpb-Heft "Sowjetunion I" nennt, 5 bis 10 Millionen Menschen, davon rund 5 Millionen in der Ukraine. In Kasachstan starb zwischen 1930 und 1934 mindestens ein Viertel der Bevölkerung, mehr als 1,5 Millionen Menschen [11]. In der Ukraine heißt die Hungersnot Holodomor. Der Deutsche Bundestag stellte am 30. November 2022 fest, aus heutiger Sicht liege eine historisch-politische Einordnung als Völkermord nahe. Der Antrag beziffert die Verhungerten in der Ukraine im Winter 1932/33 auf drei bis dreieinhalb Millionen [17]. Die Autorinnen des bpb-Hefts von 2014 halten die These eines gezielten Völkermords für nicht haltbar, weil sich die Gewalt gegen alle Bauern richtete [11].

Eine verschneite Taiga mit einer langen Reihe einfacher Holzbaracken hinter einem Zaun im fahlen Winterlicht
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Im Großen Terror der Jahre 1937 und 1938 verhaftete der Geheimdienst NKWD nach vorsichtigen Schätzungen mehr als 1,5 Millionen Menschen, etwa 700.000 wurden erschossen [11]. Im Lagersystem Gulag saßen 1934 etwa eine halbe Million Gefangene, nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl mit rund 2,5 Millionen ihren Höchststand [11]. Beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals mit rund 170.000 Häftlingen starben nach Schätzungen 50.000 bis 250.000 Menschen [11]. Mehr dazu steht im Artikel über Josef Stalin.

Kommunistische Staaten nach 1945

Im 20. Jahrhundert verfolgten die Sowjetunion, China, Kuba, Nordkorea und viele Länder Mittel- und Osteuropas das Ziel einer kommunistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Typisch waren Planwirtschaft mit Fünfjahresplänen, Fabriken in Staatshand und stark eingeschränkte Meinungs- und Reisefreiheit [2]. In der sowjetischen Besatzungszone gründete sich im April 1946 im Berliner Admiralspalast die SED, eine Zwangsvereinigung von KPD und SPD, auf die die sowjetische Besatzungsmacht gedrängt hatte [12]. Die SED wurde zur Staatspartei der DDR [12]. Wie das Bündnis der Staaten im sowjetischen Machtbereich funktionierte, zeigt der Artikel zum Ostblock.

Ein breiter Boulevard mit gleichförmigen Plattenbauten, kahlen Bäumen und einer einzelnen Straßenbahn in der Ferne
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China

Am 1. Oktober 1949 rief Mao Zedong die Volksrepublik China aus [13]. Das Politiklexikon beschreibt den Maoismus als chinesische Variante des Kommunismus, die Mao aus den Ideen von Marx und Lenin entwickelte [16]. Die Kampagne "Großer Sprung nach vorn" ab 1958 führte zu einer Hungerkatastrophe von etwa 1959 bis 1961 mit mindestens 30 Millionen Toten, nach Daniel Leese die opferreichste Hungerkatastrophe der Weltgeschichte [13]. Die Kulturrevolution dauerte offiziell von 1966 bis 1976 und forderte nach Leese mutmaßlich rund 1,5 Millionen Tote, die meisten durch staatliche Gewalt [13]. Ab Dezember 1978 leitete die Partei unter Deng Xiaoping eine Reformpolitik ein [13]. Die Kommunistische Partei Chinas beruft sich weiter auf den Marxismus-Leninismus und nennt ihr Modell "Sozialismus chinesischer Prägung" [13]. Mehr dazu im Artikel über Mao Zedong.

Kambodscha

Am 17. April 1975 nahmen die Roten Khmer die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh ein. Sie schafften religiöse Praktiken, Geld und Privatbesitz ab, ließen die Städte räumen und zwangen die Menschen zur Landarbeit [14]. Ihre Herrschaft endete am 7. Januar 1979 nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen. Nach den Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung wurden von fast acht Millionen Einwohnern mindestens 1,7 Millionen Menschen umgebracht oder starben an Hunger, Überarbeitung oder Krankheiten. Die vietnamesischen Truppen zogen erst 1989 wieder ab [14].

Das Ende der Sowjetunion

Am 25. Dezember 1991 trat Michail Gorbatschow als sowjetischer Präsident und Oberbefehlshaber zurück. Die 1922 gegründete UdSSR hörte offiziell zum 31. Dezember 1991 auf, als Subjekt des Völkerrechts zu bestehen [15]. Mit dem Ende der Sowjetunion als Schutzmacht kamen die kommunistischen Bewegungen weltweit zum Stillstand, als Lehrmeinung wird der Kommunismus seitdem nur noch selten vertreten [1].

Nur noch wenige Staaten bezeichnen sich offiziell als kommunistisch, der größte ist die Volksrepublik China. Dort hat sich eine Mischform aus staatlicher und kapitalistischer Wirtschaft entwickelt, die Kommunistische Partei behält aber die absolute Macht [2]. Auch Vietnam und Kuba führten unter kommunistischer Führung schrittweise kapitalistische Elemente ein. Nordkorea nennt sich offiziell nicht kommunistisch, folgt aber ähnlichen Prinzipien. Das Land ist weitgehend abgeschottet und gilt als eines der strengsten der Welt [2].

Wie sich der Liberalismus entwickelte, der die Freiheit des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt, erklärt der Artikel zum Liberalismus. Welche Rolle Parteien in einer Demokratie spielen, steht auf demokratie.domain-root.de.

  1. Behörde Klaus Schubert, Martina Klein: Kommunismus, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Carsten Günther: Kommunismus (Planet Wissen). WDR. Stand 16.07.2023. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Dorlis Blume, Anna-Sophie Schönfelder: Karl Marx (Biografie, LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 22.02.2022. abgerufen am 29.10.2026
  4. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei (Einleitung der Online-Ausgabe). Marxists Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Carsten Günther: Pariser Kommune (Planet Wissen). WDR. Stand 16.07.2023. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Klaus Schubert, Martina Klein: Bolschewismus, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Ernst Piper: Russische Revolution, in: Informationen zur politischen Bildung aktuell. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.08.2018. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Kristiane Janeke: Russische Revolution (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 03.11.2017. abgerufen am 29.10.2026
  9. Komintern (Lexikon). wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Arnulf Scriba: Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Susanne Schattenberg, Manuela Putz: Stalinismus, in: Informationen zur politischen Bildung, Sowjetunion I: 1917 bis 1953. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Sonja Hugi: Vereinigung von KPD und SPD zur SED (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Daniel Leese, Mareike Ohlberg, Hans van Ess: Geschichte, kulturelle Tradition, Ideologie, in: Informationen zur politischen Bildung, China. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.09.2018. abgerufen am 29.10.2026
  14. Behörde Vor 50 Jahren: Beginn der Terrorherrschaft der Roten Khmer (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 14.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
  15. Behörde 25. Dezember 1991 (Deutschland-Chronik bis 2000). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Behörde Klaus Schubert, Martina Klein: Maoismus, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  17. Behörde Bundestag stuft Holodomor in der Ukraine als Völkermord ein (Antrag Drucksache 20/4681). Deutscher Bundestag. Stand 30.11.2022. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.