Das 20. JahrhundertRatgeber
Der Ostblock: die Staaten unter sowjetischer Vorherrschaft 1945 bis 1991
Als Ostblock bezeichnet man die kommunistisch regierten Staaten Mittel- und Osteuropas, die nach 1945 unter sowjetische Kontrolle gerieten: Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR, zeitweise Albanien und die Sowjetunion selbst. Zusammengehalten wurden sie durch den Warschauer Pakt von 1955 und den Wirtschaftsrat RGW von 1949. Der Ostblock zerfiel mit den Umbrüchen von 1989, Pakt und RGW lösten sich 1991 auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte sich Europa in zwei Lager. Im Osten gerieten bis 1948 mehrere Staaten unter die Kontrolle der Sowjetunion, die dort kommunistische Regierungen einsetzte und stützte [1]. Der britische Politiker Winston Churchill sprach schon im März 1946 in Fulton im US-Bundesstaat Missouri von einem "Eisernen Vorhang", der den Kontinent teile [1]. Militärisch hielt der Warschauer Pakt die Staaten zusammen, wirtschaftlich der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe [2, 3]. Mehrfach erhoben sich Menschen gegen die Regime, 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei und ab 1980 in Polen. Erst 1989 brach das System zusammen. Den größeren Rahmen beschreibt der Artikel über den Kalten Krieg.
Wie der Ostblock entstand
In den Jahren nach Kriegsende kamen Albanien, Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn vollständig unter sowjetische Kontrolle. Im Februar 1948 folgte nach einem kommunistischen Umsturz die Tschechoslowakei [1]. Im September 1947 gründeten die kommunistischen Parteien auf einer Tagung in Schreiberhau im Riesengebirge das Kominform, ein Informationsbüro als Nachfolger der 1943 aufgelösten Komintern. Über dieses Gremium konnte die Sowjetunion auch über die Parteien Außenpolitik betreiben [1].
Den amerikanischen Marshall-Plan für den Wiederaufbau Europas lehnte die Sowjetunion ab. Außenminister Molotow nannte ihn imperialistisch, und Moskau untersagte den verbündeten Staaten, die Hilfe anzunehmen. Polen und die Tschechoslowakei zogen ihre bereits gegebene Zusage unter sowjetischem Druck zurück [1]. Einen eigenen Weg ging Jugoslawien. Ministerpräsident Josip Broz Tito hielt den sowjetischen Einfluss klein, im Sommer 1948 wurde sein Land aus dem Kominform ausgeschlossen [1]. Die Rolle Stalins in dieser Zeit beschreibt der Artikel über Josef Stalin.
Welche Staaten dazugehörten
Zum Kern des Ostblocks zählen die Staaten, die 1955 den Warschauer Pakt gründeten [2]. Der Wirtschaftsrat RGW reichte weiter und nahm auch Staaten außerhalb Europas auf [3].
| Staat | Warschauer Pakt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sowjetunion | ab 1955 | Führungsmacht, Sitz des RGW in Moskau |
| Polen | ab 1955 | 1980 Gründung der freien Gewerkschaft Solidarność |
| Tschechoslowakei | ab 1955 | 1968 Einmarsch nach dem Prager Frühling |
| Ungarn | ab 1955 | 1956 Volksaufstand und Austrittserklärung |
| Rumänien | ab 1955 | verweigerte 1968 die Teilnahme am Einmarsch |
| Bulgarien | ab 1955 | Gründungsmitglied des RGW 1949 |
| DDR | ab 1955 | im RGW seit September 1950, Volksaufstand am 17. Juni 1953 |
| Albanien | 1955 bis 1968 | Austritt aus Protest gegen den Einmarsch in Prag, im RGW ab 1961 inaktiv |
| Jugoslawien | nie | 1948 aus dem Kominform ausgeschlossen |
Dem RGW gehörten außerdem die Mongolei, Kuba und Vietnam an [3]. Gegründet wurde der RGW am 25. Januar 1949 auf einer Wirtschaftskonferenz in Moskau von der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei. Albanien trat im Februar 1949 bei, die DDR im September 1950 [11]. Albanien arbeitete ab Dezember 1961 nicht mehr mit [11].
Warschauer Pakt und RGW
Am 14. Mai 1955 schlossen acht sozialistische Staaten in Warschau ein Militärbündnis, den Warschauer Pakt. Er war die Antwort auf den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO im selben Jahr [2]. Mitglieder waren die Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR und Albanien [2].
Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, kurz RGW oder im Westen Comecon, entstand 1949 mit Sitz in Moskau. Er war als Gegenmodell zu den westeuropäischen Zusammenschlüssen gedacht und koordinierte unter sowjetischer Führung die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Staaten mit zentraler Planwirtschaft [3]. Anders als die Europäische Gemeinschaft hatte der RGW keine gemeinsame Politik und keine Institutionen, die über den Mitgliedsstaaten standen. Im Kern blieb er auf den Handel zwischen jeweils zwei Staaten beschränkt [3].
Der Aufstand vom 17. Juni 1953
Die erste große Erhebung im Ostblock fand in der DDR statt. Am 28. Mai 1953 beschloss die SED, die Arbeitsnormen um 10 Prozent zu erhöhen, bei gleichem Lohn. Dass sie die Erhöhung am 16. Juni zurücknahm, beruhigte die Lage nicht mehr [4]. Rund eine Million Menschen demonstrierten oder streikten in mehr als 700 Städten und Gemeinden. Gegen 11.30 Uhr rollten in Ost-Berlin sowjetische Panzer in Richtung Stadtzentrum, am Nachmittag verhängte die Besatzungsmacht in 167 von 217 Kreisen den Ausnahmezustand [4]. Mindestens 55 Menschen kamen ums Leben. In weniger als drei Wochen wurden etwa 10.000 Menschen festgenommen, bis 1955 rund 1.800 verurteilt [4]. Die Geschichte der beiden deutschen Staaten erzählt der Artikel DDR und Bundesrepublik.
Der Volksaufstand in Ungarn 1956
Am 23. Oktober 1956 wurde aus einer Studentendemonstration in Budapest ein Aufstand im ganzen Land. Am Tag darauf kehrte der Reformpolitiker Imre Nagy als Ministerpräsident zurück [5]. Am 1. November erklärte er Ungarn für neutral und kündigte den Austritt aus dem Warschauer Pakt an [2, 5]. Ab dem 4. November schlugen sowjetische Truppen mit etwa 15 Divisionen, rund 2.000 Panzern und 200.000 Soldaten den Aufstand nieder [5].

Die ungarische Regierung nannte später offiziell 2.700 Tote für die Zeit vom 23. Oktober bis zum 11. November, andere Schätzungen liegen deutlich höher. Etwa 200.000 Menschen flohen aus dem Land [5]. Nagy wurde verurteilt und am 16. Juni 1958 hingerichtet. Unter dem neuen Regierungschef János Kádár folgten rund 35.000 Gerichtsverfahren und mehr als 200 Todesurteile [5].
Der Prager Frühling und die Breschnew-Doktrin
1968 versuchte die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei unter Alexander Dubček, das System zu reformieren. In der Nacht zum 21. August 1968 beendeten Truppen des Warschauer Pakts diesen "Prager Frühling" [2, 6]. Etwa 400.000 Soldaten und rund 6.300 Panzer rückten ein, der größte Teil aus der Sowjetunion, dazu Einheiten aus Polen, Ungarn und Bulgarien. Die DDR schickte Verbindungsoffiziere, Rumänien verweigerte die Teilnahme [6]. Die Bevölkerung leistete gewaltlosen Widerstand. Bis Ende 1968 starben 108 Menschen [6].

Dubček wurde nach Moskau gebracht und gedrängt, das Ende der Reformen zu unterschreiben. Im April 1969 löste ihn Gustáv Husák ab [6]. Etwa 50.000 Menschen flohen, bis 1970 wurde rund eine halbe Million Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen [6]. Am 12. November 1968 rechtfertigte der sowjetische Parteichef Leonid Breschnew den Einmarsch: Die Sowjetunion dürfe eingreifen, wenn der Sozialismus in einem Bruderstaat gefährdet sei [6]. Diese Breschnew-Doktrin schränkte die Souveränität der Mitglieder ein [2].
Polen und die Solidarność
Ende August 1980 streikten in Polen rund 700.000 Arbeiter. Am 31. August unterzeichneten der stellvertretende Ministerpräsident Mieczysław Jagielski und der Streikführer Lech Wałęsa in Danzig ein Abkommen, das unabhängige Gewerkschaften und das Streikrecht erlaubte [7]. Die Gewerkschaft Solidarność war die erste ihrer Art im sowjetischen Machtbereich und wuchs auf 9,5 Millionen Mitglieder bei 35,9 Millionen Einwohnern [7].
Am 13. Dezember 1981 verhängte General Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht. Rund 10.000 Mitglieder wurden verhaftet, Wałęsa saß über ein Jahr in Haft, und die Gewerkschaft arbeitete im Untergrund weiter [7]. Das Kriegsrecht endete am 22. Juli 1983 [7].
Das Jahr 1989
Die Reformpolitik von Glasnost und Perestroika unter Michail Gorbatschow öffnete Spielräume. Anders als seine Vorgänger schloss er militärische Gewalt gegen Oppositionsbewegungen aus [8]. In Polen begannen am 6. Februar 1989 Gespräche am Runden Tisch, im April wurde die Solidarność wieder zugelassen. Bei der teilweise freien Wahl am 4. Juni 1989 waren nur 161 von 460 Sitzen im Sejm frei wählbar, die Opposition gewann fast alle davon. Tadeusz Mazowiecki wurde Ministerpräsident [7].

Am 2. Mai 1989 begannen ungarische Soldaten bei Kőszeg, die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen [8]. Viele DDR-Bürger flohen über Ungarn und Österreich in den Westen, in der DDR wuchsen die Demonstrationen. Am 18. Oktober wurde Erich Honecker abgesetzt, am 9. November öffnete die DDR die Grenzen [8]. Wie es dazu kam, schildert der Artikel über den Mauerfall. In der Tschechoslowakei beendeten Demonstrationen im November 1989 die Herrschaft der Partei, Ende Dezember wurde Václav Havel Präsident [8]. In Bulgarien musste Todor Schiwkow im November 1989 abtreten. In Rumänien kam es zu Protesten, Teile der Armee liefen über, und Nicolae Ceaușescu wurde am 25. Dezember 1989 hingerichtet [8].
Das Ende von Warschauer Pakt, RGW und Sowjetunion
Am 25. Februar 1991 beschlossen die verbliebenen sechs Mitgliedsstaaten in Budapest, die militärischen Strukturen des Warschauer Pakts zum 31. März 1991 aufzulösen. Am 1. Juli 1991 endete das Bündnis ganz [2]. Der RGW löste sich im Juni 1991 auf [3]. Nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine und dem Abkommen von Minsk im Dezember 1991 entstand die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten [8]. Die Sowjetunion wurde am 26. Dezember 1991 aufgelöst [10].
Viele frühere Ostblockstaaten wandten sich danach der Europäischen Union zu. Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien bei, zusammen mit Malta und Zypern. Bulgarien und Rumänien folgten am 1. Januar 2007 [9]. Mehr dazu im Artikel über die Geschichte der Europäischen Union. Wie sich eine Demokratie von den sogenannten Volksdemokratien des Ostblocks unterscheidet, erklärt die Seite Was ist Demokratie? auf demokratie.domain-root.de.
- Behörde Manfred Görtemaker: Ursachen und Entstehung des Kalten Krieges, in: Informationen zur politischen Bildung, Internationale Beziehungen I. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.07.2004. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 25 Jahren: Ende des Warschauer Paktes. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.03.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde B. Lippert: Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW oder COMECON), in: Das Europalexikon, 3. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Der 17. Juni 1953 im Überblick. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.06.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 65 Jahren: Ungarischer Volksaufstand. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.07.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Holger Kulick: Der Einmarsch des Warschauer Pakts im Überblick. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 08.09.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 45 Jahren: Unterzeichnung des Danziger Abkommens und die Gründung der Solidarność. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 27.08.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Manfred Görtemaker: Die demokratische Revolution in Osteuropa, in: Informationen zur politischen Bildung, Internationale Beziehungen I. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.07.2004. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 15 Jahren: EU-Osterweiterung. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.04.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Glossar, in: Informationen zur politischen Bildung 358, Gemeinsame deutsche Nachkriegsgeschichte 1945 bis 1990. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 17.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Alexander Uschakow: Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (COMECON), in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2/1966. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
20. JahrhundertDas WettrüstenWie das Wettrüsten vom deutsch-britischen Flottenbau zum atomaren Patt im Kalten Krieg wurde und welche Verträge es seit …
20. JahrhundertStellvertreterkriege im Kalten KriegWas ein Stellvertreterkrieg ist und warum USA und Sowjetunion im Kalten Krieg in Korea, Vietnam, Angola und Afghanistan …
20. JahrhundertDie Kubakrise 1962Wie sowjetische Atomraketen 1962 nach Kuba kamen, was im Oktober Tag für Tag geschah und warum die Krise den heißen Draht …
Über diese SeiteWer geschichte.domain-root.de herausgibt, welche Epochen und Themen die Seite behandelt, auf welche Fachquellen sie sich …