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Die Republik als Staatsform: Geschichte und Bedeutung
Eine Republik ist eine Staatsform, in der das Staatsvolk die höchste Gewalt hat und das Staatsoberhaupt nicht durch Erbfolge bestimmt wird. Das Wort kommt vom lateinischen res publica. Ob eine Republik demokratisch ist, sagt der Name allein nicht: Auch die DDR war eine Republik.

Eine Republik ist nach dem Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung eine Staatsform, in der das Staatsvolk die höchste Gewalt im Staat hat und die oberste Quelle der Legitimität ist [1]. Das Wort geht auf das lateinische "res publica" zurück, das das Junge Politik-Lexikon der bpb mit "Gemeinwesen" übersetzt [3]. Heute nennt man jeden Staat eine Republik, der keine Monarchie ist, dessen Staatsoberhaupt also nicht durch Erbfolge bestimmt wird [2]. Über Freiheit und Wahlen sagt der Name allein wenig, denn auch die DDR war eine Republik [2, 3]. Das Gegenstück beschreibt der Beitrag Die Monarchie.
Begriff und Formen
Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse verbindet den Begriff vor allem mit der römischen res publica und mit Cicero [2]. Niccolò Machiavelli verkürzte die alte Dreiteilung der Herrschaftsformen nach Aristoteles auf zwei Formen: Republiken, in denen viele herrschen, und Monarchien, in denen einer herrscht [2]. Jesse hält die Staatsform heute für weniger wichtig als die Regierungsform, also die Frage, ob ein Staat demokratisch oder diktatorisch regiert wird [2]. Die meisten Monarchien sind nach seiner Darstellung demokratisch, viele Republiken dagegen Diktaturen oder defekte Demokratien [2].
Das Politiklexikon unterscheidet zwei Grundformen: die parlamentarische Republik, auch parlamentarisches Regierungssystem genannt, und die präsidentielle Republik mit einem präsidentiellen Regierungssystem [1]. Deutschland ist nach dem Jungen Politik-Lexikon eine parlamentarisch-demokratische Republik, was schon der Name "Bundesrepublik Deutschland" zeigt [3]. Wie die Gegenmodelle in der Geschichte aussahen, zeigen die Beiträge über die Diktatur und über Staatsformen in der Geschichte.
Daneben gibt es einen anspruchsvolleren Begriff. Eine Denkrichtung verlangt von Republiken, an den Bürgersinn zu appellieren, das Gemeinwohl zu verwirklichen und rechtsstaatlich verfasst zu sein [2]. Jesse sieht darin ein Problem: Wer die Republik nicht nur als Gegensatz zur Monarchie versteht, kann kaum noch sagen, worin sie sich von Demokratie oder Rechtsstaat unterscheidet [2].
Die römische Republik
Der Historiker Donald L. Wasson datiert den Sturz des letzten römischen Königs Tarquinius Superbus auf 510 v. Chr., die World History Encyclopedia gibt für die Republik den Zeitraum 509 bis 27 v. Chr. an [4]. Die Gründung der Stadt setzt die Überlieferung auf 753 v. Chr. [4]. Die World History Encyclopedia zitiert die Historikerin Mary Beard mit der Aussage, dass die Republik über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte entstand [4]. Tarquinius starb nach dieser Darstellung 495 v. Chr. im Exil in Cumae [4].

An der Spitze standen zwei Konsuln, die die Comitia Centuriata jeweils für ein Jahr wählte. Sie leiteten den Senat, schlugen Gesetze vor und führten die Heere, und jeder konnte die Entscheidung des anderen mit seinem Veto aufhalten [4]. Die Senatoren saßen ohne Bezahlung auf Lebenszeit, sofern ein Zensor sie nicht ausschloss. Der Senat beriet die Konsuln, steuerte Außenpolitik und Finanzen, hatte aber keine echte Gesetzgebungsgewalt [4]. In den Volksversammlungen stimmten nur männliche Bürger ab [4].
Die Plebejer erkämpften sich ihren Platz in den sogenannten Ständekämpfen. Im Jahr 494 v. Chr. zogen sie aus der Stadt aus und kehrten erst zurück, als sie eine eigene Vertretung erhielten, die Plebejerversammlung mit ihren Volkstribunen [4]. Um 450 v. Chr. folgte das Zwölftafelgesetz, und die Lex Hortensia machte 287 v. Chr. Beschlüsse der Plebejer für alle Bürger verbindlich [4].
Das Ende kam in den Bürgerkriegen. Caesar überschritt 49 v. Chr. den Rubikon, wurde nach seinem Sieg über Pompeius Diktator auf Lebenszeit und an den Iden des März 44 v. Chr. ermordet [4]. Im Jahr 27 v. Chr. verlieh der Senat Octavian den Namen Augustus. Damit beginnt die Kaiserzeit [4]. Mehr dazu steht in den Beiträgen über das Römische Reich und über Augustus.
Stadtrepubliken am Beispiel Venedig
In Venedig begann nach der Überlieferung der erste Doge sein Amt im Jahr 697 [5]. Der Doge wurde gewählt und blieb auf Lebenszeit im Amt, das Amt war aber nicht erblich [5]. Nach 1486 musste er im Dogenpalast wohnen, unter Aufsicht der Räte [5].

Die Macht verteilte sich auf mehrere Gremien: den Großen Rat, den Rat der Zehn, den Rat der Vierzig und den Senat [5]. Im Großen Rat saß nur der Adel [5]. Mit Napoleons Feldzug in Italien endete die Republik 1797, der letzte Doge Ludovico Manin wurde abgesetzt [5].
Revolutionen in Amerika und Frankreich
Die Verfassung der Vereinigten Staaten wurde am 17. September 1787 unterzeichnet [6]. Sie verpflichtet die Union, jedem Bundesstaat eine "republikanische Regierungsform" zu garantieren (Artikel IV, Abschnitt 4, eigene Übersetzung) [6]. Der Präsident wird für vier Jahre gewählt (Artikel II, Abschnitt 1) [6]. Wie sich das Land weiter entwickelte, erzählt der Beitrag über die Geschichte der USA.
In Frankreich schaffte der Nationalkonvent am 21. September 1792 einstimmig die Monarchie ab [7]. Am 22. September 1792 ordnete er an, alle öffentlichen Akten künftig auf das erste Jahr der Französischen Republik zu datieren [7]. Am 25. September 1792 erklärte er die Republik für einig und unteilbar [7]. Mit dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII nach dem Revolutionskalender, dem 9. und 10. November 1799 nach dem gregorianischen Kalender, übernahm ein vorläufiges Konsulat um Napoleon Bonaparte die Macht [8]. Die bpb beschreibt diesen Schritt als Ablösung der Republik durch Napoleons Alleinherrschaft [9]. Nach seiner Niederlage stellte der Wiener Kongress 1815 die Herrschaft der Bourbonen wieder her [9]. Die Jahre davor schildert der Beitrag über die Französische Revolution.
China, Türkei und Volksrepubliken
In China begann am 10. Oktober 1911 mit dem Aufstand von Wuchang die Revolution, die als Xinhai-Revolution bekannt ist [18]. Am 1. Januar 1912 rief Sun Yat-sen in Nanjing die Republik China aus [18]. Am 12. Februar 1912 dankte der letzte Qing-Kaiser Puyi ab. Damit endeten mehr als zwei Jahrhunderte Herrschaft der Mandschu-Dynastie und das Kaisertum [18].
In der Türkei änderte die Große Nationalversammlung am 29. Oktober 1923 mit dem Gesetz Nr. 364 die Verfassung und erklärte die Republik, türkisch "Cumhuriyet", zur Staatsform [17]. Am 20. April 1924 nahm sie eine neue Verfassung an, das Teşkilat-ı Esasiye Kanunu [17].
Kommunistische Staaten nannten sich selbst "Volksdemokratien" und "Volksrepubliken". Jesse hält beide Ausdrücke für eine Tautologie [2]. Heute tragen Algerien, China, Laos und Nordkorea "Volksrepublik" im Staatsnamen [2].
Deutschland wird Republik
Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann um 14 Uhr vom Reichstag aus die Republik aus. Er wollte Karl Liebknecht zuvorkommen, der eine "freie sozialistische Republik Deutschland" ausrufen wollte [10]. Kaiser Wilhelm II. war im belgischen Spa nicht bereit, auf den Thron zu verzichten, deshalb erklärte Reichskanzler Max von Baden den Thronverzicht eigenmächtig [10]. Am 19. Januar 1919 wurde die Nationalversammlung gewählt, die wegen der unruhigen Lage in Berlin in Weimar tagte [10]. Zuvor hatte der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte den Wunsch vieler Delegierter abgelehnt, das Rätesystem zur Grundlage der neuen Verfassung zu machen [10].
Im Juli 1919 nahm die Nationalversammlung die Verfassung mit 262 gegen 75 Stimmen an. Den Entwurf hatte vor allem der liberale Staatsrechtler Hugo Preuß verfasst [11]. Die Verfassung trägt das Datum vom 11. August 1919 und beginnt mit dem Satz: "Das Deutsche Reich ist eine Republik." [12]. Den Reichspräsidenten wählte das Volk direkt für sieben Jahre (Artikel 41 und 43) [12]. Mit Artikel 48 konnte er Notverordnungen erlassen, weshalb ihn LeMO als "Ersatzkaiser" bezeichnet [11]. Jesse beschreibt die Weimarer Jahre als Zeit, in der sich "Herzensmonarchisten" und "Vernunftrepublikaner" gegenüberstanden [2]. Wie die erste deutsche Republik scheiterte, erklärt der Beitrag über die Weimarer Republik.
Die Republik im Grundgesetz
Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 verkündet und trat am 24. Mai 1949 in Kraft [16]. Zunächst galt es in den elf Ländern der Westzonen und in West-Berlin, seit 1990 in allen 16 Ländern [16]. Artikel 20 legt fest: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." und "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." [13]. Artikel 28 verlangt, dass die Ordnung in den Ländern den Grundsätzen des "republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates" entspricht [14].

Nach Artikel 79 Absatz 3 ist eine Änderung des Grundgesetzes unzulässig, die die Grundsätze aus Artikel 1 und 20 berührt [15]. Nach Jesse ist damit auch die Republik jeder Verfassungsänderung entzogen [2, 15]. Jesse hält das für inkonsequent, weil die Republik nicht zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung gehöre und eine parlamentarische Monarchie diese Ordnung nicht verletzen würde [2]. Das Republikprinzip selbst ist in Deutschland nach seiner Darstellung unumstritten [2].
Von 1949 bis 1990 gab es zwei deutsche Republiken. Die DDR zeigt nach dem Jungen Politik-Lexikon, dass sich auch Diktaturen "Republik" nennen können [3]. Seit der Einheit und besonders seit dem Umzug der Regierung nach Berlin 1999 ist oft von der "Berliner Republik" die Rede. Jesse sieht darin keine im Kern neue Republik und hält auch die Rede von einer "dritten Republik" für irreführend, weil sie die Kontinuität zur alten Bundesrepublik herunterspiele [2]. Er selbst nennt Deutschland mit einem Begriff von Höreth eine "komplexe Republik", in der die Verfassungsorgane zusammenwirken [2]. Die Teilung beschreibt der Beitrag DDR und Bundesrepublik, die heutige Verfassung erklärt demokratie.domain-root.de unter Das Grundgesetz einfach erklärt.
- Studie Klaus Schubert, Martina Klein: Republik, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung (Lizenzausgabe). Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Eckhard Jesse: Republik, in: Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 8. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Republik (Das junge Politik-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Donald L. Wasson: Roman Republic. World History Encyclopedia. Stand 07.04.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Teresa Fava Thomas: Doge's Palace in Venice. World History Encyclopedia. Stand 28.08.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Constitution of the United States: A Transcription. National Archives (USA). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 21 septembre 1792 : La Convention nationale et la fin de la royauté. Assemblée nationale (Frankreich). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The coup d'État of 18 Brumaire An VIII (9 and 10 November 1799). Fondation Napoléon. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ernst Piper: Französische Revolution (Informationen zur politischen Bildung aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Die Revolution von 1918/19 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 15.08.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Die Verfassung der Weimarer Republik (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919. verfassungen.de. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 20. Bundesministerium der Justiz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 28. Bundesministerium der Justiz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 79. Bundesministerium der Justiz. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Seit wann gibt es das Grundgesetz?. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 1924 Teşkilat-ı Esasiye Kanunu: Genel Bilgiler. Türkiye Büyük Millet Meclisi (Große Nationalversammlung der Türkei). Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hsiao-ting Lin, Lisa Nguyen: The Revolutionary Republic (Hoover Digest 2011, Nr. 3). Hoover Institution, Stanford University. Stand 13.07.2011. abgerufen am 29.10.2026
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