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Die Geschichte des Judentums: von der Antike bis zur Gegenwart
Die Geschichte des Judentums reicht von der Erwähnung Israels in einer ägyptischen Quelle um 1200 v. Chr. über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70 und das Leben in der Diaspora bis zur Gegenwart. In Europa wechselten Zeiten der Blüte mit Verfolgung und Vertreibung, im 19. Jahrhundert folgte die rechtliche Gleichstellung, im 20. Jahrhundert die Shoah und 1948 die Gründung des Staates Israel.

Weltweit gehören knapp 15 Millionen Menschen dem jüdischen Glauben an [9]. Das Pew Research Center nennt für 2020 eine Zahl von 14,8 Millionen, etwa 0,2 Prozent der Weltbevölkerung [10]. Die wichtigste Schrift ist die Hebräische Bibel mit der Tora, den Propheten (hebräisch Newi'im) und den Schriften (Ketuwim); die Tora enthält die fünf Bücher Mose [9]. Neben ihr ist der Talmud mit den rabbinischen Schriften das wichtigste Werk [9]. Wie die Bibel aus christlicher Sicht aufgebaut ist, zeigt die Seite Das Alte Testament: alle 39 Bücher.
Israel und Juda in der Antike
Der Name Israel taucht um 1200 v. Chr. in einer ägyptischen Quelle auf [1]. Die Überlieferung verbindet Mose mit dem 13. Jahrhundert v. Chr. [1]. Um 1000 v. Chr. entstand ein Königreich; David eroberte Jerusalem, und Salomo baute dort den Ersten Tempel [1]. Nach Salomos Tod um 928 v. Chr. zerfiel das Reich in das Nordreich Israel und das Südreich Juda [1]. Das Nordreich unterlag 721 v. Chr. den Assyrern [1]. Nach Arno Herzig wurde der Pentateuch, die fünf Bücher Mose, im 7. Jahrhundert v. Chr. schriftlich zusammengestellt [1].

Der babylonische König Nebukadnezar eroberte das Königreich Juda und zerstörte den Ersten Tempel. Arno Herzig datiert das auf 587 v. Chr., Gil Yaron auf 586 v. Chr. [1, 4]. Die Babylonier verschleppten die Elite ins Exil [4]. 539 v. Chr. eroberten die Perser unter Kyros II. Babylon, und die Verbannten durften zurückkehren [1]. Um 500 v. Chr. entstand der Zweite Tempel [1]. Mehr über diese Zeit steht im Artikel Israel und Juda in der Antike.
Römische Herrschaft und Diaspora
Von 167 bis 142 v. Chr. dauerte der Aufstand der Makkabäer [1]. 63 v. Chr. eroberte der Römer Pompejus das Seleukidenreich, und Rom setzte in Judäa eine neue Dynastie ein [1]. Nach einem Aufstand zerstörten die Römer im Jahr 70 n. Chr. den Zweiten Tempel; der Titusbogen in Rom zeigt den Triumphzug [1, 4]. Nach den Aufständen von 70 und 135 n. Chr. machten die Römer Jerusalem zur Stadt Aelia Capitolina, die Juden bei Todesstrafe nicht betreten durften [1]. Um 200 n. Chr. erreichte die Mischna, die Sammlung der zuvor mündlich überlieferten Lehre, einen ersten Höhepunkt [1].
Kaiser Konstantin hob 321 und noch einmal 331 ein Privileg auf, das Juden von städtischen Ehrenämtern befreit hatte [1]. Diese Urkunde ist die erste Erwähnung jüdischer Bürger in Köln, eine Gemeinde dort ist nach Herzig seit dem 3. Jahrhundert anzunehmen [1]. Gregor von Tours, der von etwa 538 bis 594 lebte, berichtet von jüdischen Gemeinden im Frankenreich [1]. Das Konzil von Reims verbot Juden 624 öffentliche Ämter, sofern sie sich nicht taufen ließen, und für das 7. Jahrhundert sind Zwangstaufen und Austreibungen bezeugt [1]. Jerusalem eroberte 637 der Kalif Umar ibn al-Khattab, 1099 nahmen es die Kreuzfahrer ein [4].
SchUM und die Kreuzzüge
Im Hochmittelalter wurden Mainz, Worms und Speyer zu Zentren jüdischer Gelehrsamkeit, nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte SchUM genannt [2]. In Mainz lehrte etwa von 960 bis 1028 Rabbi Gerschom ben Jehuda, das "Licht des Exils" [2]. Am 13. September 1084 gab Bischof Rüdiger von Speyer den Juden ein Privileg; sie sollten außerhalb des Wohnbezirks der übrigen Bürger angesiedelt und mit einer Mauer geschützt werden [2].

Nach dem Aufruf Papst Urbans II. zum Kreuzzug 1095 in Clermont griffen Kreuzfahrer 1096 die jüdischen Gemeinden an [2]. Viele Menschen wurden ermordet oder zwangsgetauft, andere nahmen sich das Leben [2]. Das IV. Laterankonzil verlangte 1215, dass Juden an ihrer Kleidung erkennbar sein sollten [2]. 1236 sprach eine Kommission Kaiser Friedrichs II. die Juden vom Vorwurf des Ritualmords frei [2]. Friedrich II. bezeichnete die Juden als seine Kammerknechte, lateinisch servi camere nostre [2]. Den Verlauf der Feldzüge beschreibt der Artikel Die Kreuzzüge.
Pest, Vertreibung und der Weg nach Osten
In den Pestpogromen von 1348 bis 1350 wurden nach Arno Herzig zwei Drittel der jüdischen Gemeinden vernichtet, an die 300 Gemeinden im Reich wurden zerstört, nur 58 Orte blieben verschont [2]. Die Seuche selbst beschreibt der Artikel Der Schwarze Tod. Im 15. Jahrhundert folgten Vertreibungen, etwa 1418 aus Innerösterreich, 1424 aus Köln und 1438 aus Augsburg [3]. In Breslau, Schweidnitz und Liegnitz wurden 1453 etwa 70 Juden getötet, die übrigen mussten die Städte verlassen [3]. In Frankfurt am Main mussten die Juden 1462 ihre Wohnungen nahe dem Dom räumen und an einen Ort außerhalb der Stadtmauer ziehen [3].
Viele Jüdinnen und Juden zogen nach Polen, wo die Könige ihnen Niederlassungs- und Handelsrechte gaben [3]. Von 1580 bis 1764 vertrat dort die Vierländersynode die jüdischen Gemeinden Polen-Litauens [3]. Im Reich lebten um 1600 nur noch etwa 10.000 Juden, vor allem im Westen und Südwesten [3]. Nachdem 1603 in Frankfurt der Versuch einer reichsweiten jüdischen Organisation gescheitert war, bildeten sich unter Aufsicht der Landesherren Landjudenschaften mit eigenen Landesrabbinern [3]. Martin Luther fügte 1542 seiner Schrift "Von den Jüden und ihren Lügen" die Warnung hinzu, Obrigkeiten, die Juden duldeten, machten sich vor Gott schuldig [3].
Sephardim zwischen Spanien und dem Osmanischen Reich
Die Juden Spaniens heißen auch Sepharden oder Sephardim [6]. 1492 ordnete das Alhambra-Edikt die Vertreibung der Juden aus dem Königreich Spanien an [6]. Nach Predrag Bukovec zog die Hälfte der Flüchtlinge sofort nach Italien oder ins Osmanische Reich, die andere Hälfte nach Portugal, wo einige Jahre später ebenfalls ein Vertreibungsedikt erlassen wurde [6]. Später wurden die protestantischen Handelsstädte Amsterdam und Hamburg anziehend, weil Juden dort ihre Religion zumindest teilweise ausüben konnten [6]. Ladino, das Judenspanisch, wurde die Alltagssprache der meisten Juden im Osmanischen Reich [6].

Emanzipation im 19. Jahrhundert
1782 erlaubte Kaiser Joseph II. den Juden in der Habsburgermonarchie mit einem Toleranzedikt, freie Berufe und Handwerke auszuüben und sich frei niederzulassen [5]. Am 11. März 1812 machte ein preußisches Edikt die Juden zu "Einländern und preußischen Staatsbürgern" [5]. 1815 lebten etwa 260.000 Juden in Deutschland, um 1848 etwa 400.000, und ihr Anteil an der Bevölkerung lag selten über einem Prozent [5].
1810 führte Israel Jacobson an einer jüdischen Schule in Seesen eine Reform des Gottesdienstes ein, und 1817 entstand in Hamburg mit dem Neuen Israelitischen Tempelverein eine Einrichtung des Reformjudentums [5]. 1819 richteten sich die sogenannten Hep-Hep-Unruhen in Würzburg, Frankfurt am Main, Hamburg und anderen Orten gegen Juden [5].
Die bürgerliche Gleichstellung erklärte 1869 der Reichstag des Norddeutschen Bundes zum Gesetz, 1871 folgte der Reichstag des neuen Deutschen Reiches [13]. Stellen als Hochschullehrer, Staatsanwälte, Richter oder Offiziere waren für Juden nach Arno Herzig dennoch schwer zugänglich [13]. Zwischen 1871 und 1912 wuchs die jüdische Bevölkerung von 512.000 auf 615.000 Menschen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sank dabei von 1,25 auf 0,95 Prozent [13]. 1879 vertrat der Publizist Wilhelm Marr die These, die sogenannte Judenfrage sei eine Rassenfrage [13]. Im Juni 1933 lebten in Deutschland noch 499.682 Menschen jüdischen Glaubens [13].
Die Shoah
Unter dem Nationalsozialismus wurden nach der Bundeszentrale für politische Bildung etwa sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden ermordet [7]. Dieser Völkermord heißt Holocaust; Jüdinnen und Juden verwenden oft das hebräische Wort Shoah, das Verderben, Untergang oder Katastrophe bedeutet [7]. Den Weg dorthin und die Verbrechen beschreibt der Artikel Der Holocaust.
Der Staat Israel
Am 29. November 1947 beschloss die UN-Generalversammlung einen Teilungsplan für Palästina [8]. Am 14. Mai 1948 legte Großbritannien sein Mandat nieder, und David Ben-Gurion rief am Nachmittag in Tel Aviv den Staat Israel aus [8]. In der folgenden Nacht rückten die Armeen Ägyptens, Transjordaniens, des Libanons, des Iraks und Syriens vor [8]. Ein Großteil der dort lebenden palästinensischen Bevölkerung wurde nach der Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung von den arabischen Armeen zum Verlassen ihrer Heimat aufgefordert oder von der israelischen Armee vertrieben [8]. Auf israelischer Seite heißt der Krieg Unabhängigkeitskrieg, auf arabischer Seite ging er als Nakba, die Katastrophe, in das Geschichtsbewusstsein ein [11]. Die weitere Entwicklung beschreibt der Artikel Der Nahostkonflikt.
Jüdisches Leben in Deutschland heute
Anfang 1991 beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz des wiedervereinten Deutschlands, Jüdinnen und Juden aus der Sowjetunion aufzunehmen [14]. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland zählt die Mitglieder der jüdischen Gemeinden [12]. 1990 waren es 29.089; die höchste Zahl in ihrer Aufstellung seit 1990 erreichten die Gemeinden 2006 mit 107.794 Mitgliedern [12]. Am 31.12.2025 hatten die Gemeinden und Landesverbände 87.934 Mitglieder [12]. Die größten Landesverbände und Gemeinden waren Nordrhein mit 14.934 und München mit 9.129 Mitgliedern [12].
Wichtige Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| um 1200 v. Chr. | Name Israel in einer ägyptischen Quelle [1] |
| 587 oder 586 v. Chr. | Zerstörung des Ersten Tempels [1, 4] |
| 70 n. Chr. | Zerstörung des Zweiten Tempels [1] |
| 321 | erste Erwähnung von Juden in Köln [1] |
| 1096 | Kreuzzugspogrome am Rhein [2] |
| 1348 bis 1350 | Pestpogrome [2] |
| 1492 | Alhambra-Edikt [6] |
| 11.03.1812 | preußisches Emanzipationsedikt [5] |
| 1869/1871 | bürgerliche Gleichstellung im Norddeutschen Bund und im Reich [13] |
| 14.05.1948 | Gründung des Staates Israel [8] |
- Arno Herzig: Judentum in Antike und Frühmittelalter. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 304. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Arno Herzig: 10. bis 14. Jahrhundert: bedrohte Blütezeit. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 304. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Arno Herzig: 1350-1630: Periode einer langen Krise. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 304. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Gil Yaron: Irdische Geschichte einer heiligen Stadt. Bundeszentrale für politische Bildung, Aus Politik und Zeitgeschichte. Stand 06.04.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Miriam Rürup: 19. Jahrhundert. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung. Stand 02.02.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Predrag Bukovec: Sephardische Juden in der Frühen Neuzeit. Europäische Geschichte Online (EGO), Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz. Stand 08.04.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Holocaust / Shoah (Glossar Antisemitismus). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 14. Mai 1948: Staatsgründung Israels. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Yael Kupferberg: Was ist Judentum?. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 28.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Conrad Hackett u. a.: How the Global Religious Landscape Changed From 2010 to 2020. Pew Research Center. Stand 09.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Angelika Timm: Die Gründung des Staates Israel. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 28.03.2008. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Mitgliederstatistik 2025 der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland (Kurzversion). Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.. Stand 07/2026. abgerufen am 29.10.2026
- Arno Herzig: 1815-1933: Emanzipation und Akkulturation. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 304. Stand 05.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 30 Jahre jüdische Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion (Deutschland Archiv). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 03.01.2022. abgerufen am 29.10.2026
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