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Der Nahostkonflikt: vom Teilungsplan bis zur Waffenruhe

Der Nahostkonflikt ist im Kern ein Streit um das Gebiet des früheren britischen Mandats Palästina. Seit dem UN-Teilungsplan von 1947 und der Gründung Israels 1948 folgten Kriege, Besatzung, zwei Intifadas und gescheiterte Friedensgespräche. Nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg gilt seit Oktober 2025 eine brüchige Waffenruhe.

Terrassierter Hang mit alten knorrigen Olivenbäumen und Trockenmauern im Morgenlicht, dahinter dunstige Hügel
Bild: KI-generiert

Im Nahostkonflikt streiten Israelis und Palästinenser seit Jahrzehnten um dasselbe Land. Die Politikwissenschaftlerin Muriel Asseburg beschreibt ihn im Kern als Territorialkonflikt um das ehemalige britische Mandatsgebiet Palästina [1]. Israel kontrolliert danach 78 Prozent dieses Gebiets als Staatsgebiet und herrscht seit 1967 als Besatzungsmacht über die übrigen 22 Prozent [1]. Die Vorgeschichte reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, die jüngste Waffenruhe gilt seit Oktober 2025 [1, 5].

Wurzeln im 19. Jahrhundert und die Mandatszeit

Ein Teil der Vorgeschichte spielt in Europa. Antisemitismus und Pogrome im späten 19. Jahrhundert führten zur Entstehung des politischen Zionismus, der einen jüdischen Staat anstrebte [1]. Zwischen 1880 und 1933 wanderten nach Angaben der bpb rund 200.000 Jüdinnen und Juden in das damals überwiegend arabisch besiedelte Palästina ein [2]. Großbritannien besetzte die Region im Ersten Weltkrieg [2].

Von 1920 bis 1948 verwaltete Großbritannien Palästina als Mandatsgebiet. Es hatte zuvor Arabern und Zionisten widersprüchliche Zusagen gemacht [4]. Jüdische Landkäufe verdrängten landlose arabische Bauern, wodurch der Streit auch eine soziale Seite bekam [4]. Es kam zu Aufständen 1929 und von 1936 bis 1939, die Einwanderung stieg vor allem nach 1933 [4]. Die Verfolgung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland beschreibt der Artikel zum Holocaust. 1939/40 beschränkte Großbritannien die jüdische Einwanderung [2].

Teilungsplan und Staatsgründung 1947 bis 1949

Großbritannien übergab die Palästinafrage 1947 den Vereinten Nationen. Am 29. November 1947 nahm die UN-Generalversammlung den Teilungsplan an, mit 33 Ja-Stimmen, 13 Gegenstimmen und 10 Enthaltungen [2]. Er sah einen jüdischen und einen arabischen Staat vor, Jerusalem sollte international verwaltet werden [1]. Rund 600.000 Juden sollten 56 Prozent der Fläche erhalten, rund 1,3 Millionen Araber 43 Prozent [2]. Die jüdische Seite begrüßte den Plan, die arabischen Staaten lehnten ihn ab [2].

Ein leerer großer Versammlungssaal mit geschwungenen Reihen blauer Sitze und einem langen Podium im Tageslicht
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Schon vom 30. November 1947 bis zum 14. Mai 1948 herrschte im Mandatsgebiet Bürgerkrieg zwischen arabischen Milizen und jüdischen Militärorganisationen [3]. Am 14. Mai 1948 verlas David Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung Israels [1]. Vom 15. Mai 1948 bis zum 15. Januar 1949 führte eine arabische Allianz Krieg gegen den neuen Staat; die bpb-Karte nennt Ägypten, Syrien, Transjordanien, Libanon, Irak und Saudi-Arabien [3]. Israel behauptete sich und vergrößerte sein Gebiet über den Teilungsplan hinaus [4]. Rund 700.000 Palästinenser flohen oder wurden vertrieben, und Israel verweigerte ihnen nach dem Krieg die Rückkehr [1, 4]. Palästinenser nennen diese Erfahrung Nakba, "Katastrophe" [4].

Die Waffenstillstandslinie von 1949 heißt "Green Line" [3]. Das Westjordanland stand von 1948 bis 1967 unter jordanischer Herrschaft und wurde von Jordanien annektiert, den Gazastreifen verwaltete in dieser Zeit Ägypten [3].

Kriege von 1956 bis 1982

In der Suezkrise kämpften Frankreich, Großbritannien und Israel vom 29. Oktober bis 8. November 1956 gegen Ägypten [3]. Im Sechstagekrieg vom 5. bis 10. Juni 1967 stand Israel gegen Ägypten, Jordanien und Syrien [3]. Danach begann die Besatzung des Westjordanlands, Ost-Jerusalems und des Gazastreifens, rund 350.000 Palästinenser flohen oder wurden vertrieben [1]. Den Jom-Kippur-Krieg vom 6. bis 25. Oktober 1973 begannen Ägypten und Syrien gegen Israel [3].

Auf palästinensischer Seite wurde die 1964 gegründete PLO unter Jassir Arafat zur wichtigsten Kraft [4]. Den Siedlungsbau in den besetzten Gebieten weitete Israel besonders nach dem Regierungsantritt des Likud 1977 aus [4]. 1982 marschierte Israel in den Libanon ein, um die PLO zu zerschlagen [4]. Der Libanonkrieg dauerte laut bpb vom 6. Juni 1982 bis 5. Juni 1985 [3].

Intifada, Oslo und gescheiterte Endstatusgespräche

Im Dezember 1987 begann die Erste Intifada, ein Aufstand in den besetzten Gebieten [1]. Die bpb datiert sie vom 8. Dezember 1987 bis 13. September 1993 [3]. 1988 rief die PLO im Exil einen palästinensischen Staat aus und wandte sich einer Zweistaatenlösung zu [1, 4].

1993 folgte nach gegenseitiger Anerkennung das Oslo-Abkommen [1]. Es schuf die Palästinensische Autonomiebehörde und sah eine Übergangszeit von Mai 1994 bis Mai 1999 vor [1, 4]. Ausgeklammert blieben die Kernfragen: Souveränität, Flüchtlinge, Grenzen, Jerusalem, Siedlungen und Wasser [4]. Extremisten auf beiden Seiten griffen zur Gewalt. Im Februar 1994 ermordete der jüdische Siedler Baruch Goldstein in Hebron 29 betende Palästinenser, und am 4. November 1995 ermordete der jüdische Rechtsextremist Jigal Amir Israels Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin [1].

2000 scheiterten die Verhandlungen über einen Endstatus [1]. Im September 2000 löste der Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg die Zweite Intifada aus, die die bpb vom 28. September 2000 bis 8. Februar 2005 datiert [1, 3]. In dieser Zeit baute Israel eine Sperranlage, die in das Westjordanland hineinreicht [4].

Gaza unter der Hamas

2006 gewann die Hamas die palästinensischen Wahlen [4]. Nach Kämpfen mit der Fatah spalteten sich 2007 die palästinensischen Gebiete: Seitdem regiert die Hamas den Gazastreifen, der unter Blockade steht [4]. Es folgten mehrere Kriege, etwa vom 27. Dezember 2008 bis 18. Januar 2009, vom 8. Juli bis 26. August 2014 und vom 10. bis 21. Mai 2021 [3]. Aus dem Gazastreifen wurde Israel weiter mit Raketen beschossen; die israelischen Offensiven von 2008 und 2014 brachten der Zivilbevölkerung in Gaza schweres Leid, ohne die Hamas zu zerschlagen [4]. Hochrangige Friedensgespräche gab es seit 2014 nicht mehr [1].

Ein sandiger Mittelmeerstrand in der Abenddämmerung mit kleinen hölzernen Fischerbooten auf dem Sand
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Der 7. Oktober 2023 und der Gaza-Krieg

Am 7. Oktober 2023 griffen die Hamas und andere bewaffnete Gruppen Israel an. Rund 1.200 Menschen wurden ermordet, etwa 250 als Geiseln verschleppt [1]. Jüdische Israelis nehmen den Angriff ganz überwiegend als Pogrom wahr, andere verherrlichen ihn als legitimen Widerstandskampf [1]. Israel erklärte als Kriegsziele, die militärischen Fähigkeiten der Hamas zu zerstören und die Geiseln zu befreien [1].

Ende Mai 2024 meldete das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium in Gaza rund 36.000 Tote und über 80.000 Verletzte; eine Aufschlüsselung nach Zivilisten und Kämpfern gibt es dort nicht [1]. Rund 1,7 Millionen Menschen, etwa drei Viertel der Bevölkerung, waren im Mai 2024 Binnenflüchtlinge [1]. Die israelische Armee gab an, bis Mai 2024 rund 14.000 Kämpfer getötet zu haben, ohne deren Identität näher zu belegen [1]. Auf israelischer Seite wurden rund 60.000 Menschen aus dem Grenzgebiet zu Gaza evakuiert, bis Mitte März 2024 konnten etwa 30.000 zurückkehren [1]. Über 60.000 weitere mussten wegen Angriffen der Hisbollah den Norden verlassen [1]. Im Frühsommer 2024 befanden sich noch 120 Geiseln in der Gewalt der Hamas und anderer Gruppen, von denen israelische Medien viele für tot hielten [1].

Der Krieg weitete sich aus. Ab November 2023 griffen die Huthi die Schifffahrt im Roten Meer an, im April 2024 griff Iran Israel erstmals direkt mit Hunderten Drohnen und Raketen an [1]. Im Westjordanland kamen bis Mai 2024 über 500 Menschen ums Leben [1].

Waffenruhe seit Oktober 2025

Am 10. Oktober 2025 trat in Gaza eine Waffenruhe in Kraft, gestützt auf einen Friedensplan der USA [5]. Vermittelt hatten die USA zusammen mit Katar und Ägypten [8]. Die erste Phase sah das Ende der Kampfhandlungen, einen teilweisen Abzug israelischer Truppen und mehr humanitäre Hilfe vor [5]. Geplant waren täglich rund 600 Lastwagen mit Hilfsgütern, zwischen dem 10. und 21. Oktober kamen im Schnitt etwa 94 am Tag an [5]. Am 13. Oktober ließ die Hamas die 20 noch lebenden israelischen Geiseln frei, Israel entließ knapp 2.000 palästinensische Gefangene [5]. Zwischen dem 19. und 31. Oktober 2025 töteten israelische Angriffe nach Angaben von International IDEA mindestens 148 Palästinenser; Israel begründete sie mit Verzögerungen bei der Rückgabe toter Geiseln [5].

Eine staubige Straße durch flaches Ackerland, am Rand eine Reihe leerer weißer Lastwagen im Abendlicht
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Am 17. November 2025 billigte der UN-Sicherheitsrat mit Resolution 2803 den Plan [7]. 13 Mitglieder stimmten zu, Russland und China enthielten sich [6]. Ein Friedensrat ("Board of Peace") soll Verwaltung und Wiederaufbau bis Ende 2027 koordinieren, eine internationale Stabilisierungstruppe soll unter anderem bewaffnete Gruppen entwaffnen [6]. Eine palästinensische Expertenkommission, unterstützt von der Arabischen Liga, soll die örtliche Verwaltung übernehmen; einen eigenen Staat stellt die Resolution nur unter Bedingungen in Aussicht, etwa Reformen der Autonomiebehörde [6]. Hamas und Islamischer Dschihad lehnen die Resolution ab [6].

Im Januar 2026 erklärten die USA den Übergang in die zweite Phase des Plans, zu der die Entwaffnung der Hamas und ein schrittweiser israelischer Rückzug gehören [8]. Im Mai 2026 nannte der erste Bericht des Friedensrats an den Sicherheitsrat die Weigerung der Hamas, einer überprüfbaren Entwaffnung zuzustimmen, als größtes Hindernis [8]. Israel kontrollierte zu diesem Zeitpunkt noch mehr als die Hälfte des Gazastreifens, Verstöße gegen die Waffenruhe kamen laut dem Bericht fast täglich vor [8].

Ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe beschrieb die Nachrichtenagentur dpa die Lage am 10. Oktober 2026 so: Die Waffenruhe gilt formal, der US-Plan kommt aber nicht voran, die Hamas ist nicht entwaffnet, und die israelische Armee hat ihre Luftangriffe zuletzt wieder verstärkt; sie gibt an, dabei ranghohe Hamas-Mitglieder gezielt ins Visier zu nehmen [9]. Die israelische Armee kontrolliert etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens, im übrigen Gebiet hat die Hamas ihre Kontrolle gefestigt [9]. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn mehr als 74.000 Palästinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern [9]. Das UN-Menschenrechtsbüro OHCHR verifizierte zwischen der Ankündigung der Waffenruhe und Ende Juli 2026 in Gaza 1.076 konfliktbedingte Todesfälle, darunter 268 Kinder; das palästinensische Gesundheitsministerium nannte für die Zeit seit dem 10. Oktober 2025 über 1.400 Tote [10]. Die Hamas übergab in den Monaten nach Beginn der Waffenruhe auch die letzten Leichen von Geiseln [9].

Die offenen Streitfragen

Die Fragen, die Oslo vertagt hatte, sind bis heute ungelöst: Grenzen, Souveränität, Jerusalem, die Rückkehr der Flüchtlinge, die Siedlungen und das Wasser [4]. Diplomatische Bemühungen der USA, der EU und arabischer Staaten zielten 2024 auf bessere humanitäre Versorgung, die Freilassung der Geiseln und eine Zweistaatenregelung; ihre Erfolge blieben nach Asseburg begrenzt [1]. Wie sich die Region insgesamt entwickelt hat, erklärt der Artikel zur Geschichte des Nahen Ostens, religiöse Hintergründe stehen in der Geschichte des Judentums und der Geschichte des Islam. Die Umbrüche in den arabischen Staaten ab 2010 behandelt Der Arabische Frühling.

  1. Studie Muriel Asseburg: Nahost (Dossier Innerstaatliche Konflikte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.07.2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. UN-Teilungsplan für Palästina 1947 (Tägliche Dosis Politik). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
  3. Der Nahostkonflikt: Kriege und Aufstände von 1947 bis 2021 (Karte, mr-kartographie). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Maximilian Felsch: Die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern (Informationen zur politischen Bildung). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 28.05.2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Democracy Tracker: Palestine, October 2025. International IDEA. Stand Oktober 2025. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Simon Engelkes: Nachkriegsordnung für Gaza: Ein Neustart unter Aufsicht? (Länderbericht). Konrad-Adenauer-Stiftung. Stand 18.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Resolution 2803 (2025), adopted by the Security Council at its 10046th meeting, on 17 November 2025. Vereinte Nationen, Digital Library. Stand 17.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  8. Gavin Blackburn: Bericht des Board of Peace zur Waffenruhe in Gaza. Euronews. Stand 20.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Ein Jahr Waffenruhe: Wie steht es um das Gaza-Abkommen? (dpa-Meldung). Volksstimme. Stand 10.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde One year after ceasefire announcement, killings continue across Gaza (Pressemitteilung des UN-Menschenrechtsbüros OHCHR). Vereinte Nationen, Büro in den palästinensischen Gebieten. Stand 12.10.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.