Das 20. JahrhundertRatgeber

Die Vereinten Nationen: Geschichte und Aufbau der UNO seit 1945

Die Vereinten Nationen wurden 1945 gegründet: Am 26. Juni 1945 unterzeichneten 50 Staaten in San Francisco die UN-Charta, am 24. Oktober 1945 trat sie in Kraft. Die Organisation soll vor allem den Weltfrieden und die internationale Sicherheit wahren. Heute hat sie 193 Mitgliedstaaten und sechs Hauptorgane, darunter Generalversammlung und Sicherheitsrat.

Ein schlankes Hochhaus aus Glas und Stein an einem breiten Fluss mit einer Reihe leerer Fahnenmasten im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Die Vereinten Nationen, abgekürzt UN oder UNO, entstanden am Ende des Zweiten Weltkriegs. Ihre Charta trat am 24. Oktober 1945 in Kraft, heute gehören ihr 193 Staaten an [1, 2]. Der Vatikan und Palästina haben einen Beobachterstatus [1]. Wichtigstes Ziel ist nach Artikel 1 der Charta, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. Dazu kommen freundschaftliche Beziehungen zwischen den Nationen, die internationale Zusammenarbeit bei humanitären und anderen Problemen und die Achtung der Menschenrechte [2].

Vom Völkerbund zur UNO

Einen ersten Versuch gab es nach dem Ersten Weltkrieg. 1919 gründeten die westlichen Siegermächte den Völkerbund. Er konnte das Verbot von Gewalt zwischen Staaten kaum durchsetzen, und die USA gehörten ihm nicht an [1]. Wie es dennoch zum nächsten großen Krieg kam, zeigt der Artikel über den Zweiten Weltkrieg.

Schon 1941 entwickelten US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill die Idee einer neuen Weltorganisation. Erste Grundzüge stehen in der Atlantik-Charta [1]. Am 1. Januar 1942 unterzeichneten 26 Staaten die "Erklärung der Vereinten Nationen". Sie verpflichteten sich darin zum gemeinsamen Kampf gegen Deutschland, Italien und Japan [1]. Der Völkerbund löste sich 1946 auf [1].

Die Gründung 1945

Am 26. Juni 1945 unterzeichneten Vertreter von 50 Staaten in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen [2]. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt den 25. Juni 1945 als Datum der Unterzeichnung [1]. Polen unterschrieb später und gilt ebenfalls als Gründungsmitglied, so kamen 51 Gründungsstaaten zusammen [1, 2]. In Kraft trat die Charta am 24. Oktober 1945, nachdem die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und die Mehrheit der übrigen Unterzeichner sie ratifiziert hatten [2].

Ein Opernsaal aus den 1940er-Jahren mit langen Tischen auf der Bühne und leeren roten Sitzreihen
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Die Charta besteht aus einer Präambel, 19 Kapiteln und 111 Artikeln. Verbindlich ist sie in fünf Sprachen: Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch [2]. Geändert wurde sie bisher dreimal, 1963, 1965 und 1971. Für eine Änderung braucht es eine Zweidrittelmehrheit in der Generalversammlung und die Ratifikation durch zwei Drittel der Mitglieder, darunter alle ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats [2].

Ziele und Grundsätze der Charta

Die Organisation beruht auf der souveränen Gleichheit ihrer Mitglieder [2]. Den Kern bildet das Gewaltverbot in Artikel 2 Ziffer 4. Artikel 2 Ziffer 7 verbietet den Vereinten Nationen, sich in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzumischen. Ausgenommen sind Zwangsmaßnahmen nach Kapitel VII [2].

Kapitel VII regelt, was bei einer Bedrohung des Friedens geschieht. Zuerst stellt der Sicherheitsrat fest, ob eine Bedrohung, ein Friedensbruch oder eine Angriffshandlung vorliegt (Artikel 39). Er kann dann nichtmilitärische Maßnahmen beschließen, etwa die Unterbrechung von Wirtschafts- und Verkehrsverbindungen (Artikel 41). Reichen sie nicht aus, kann er militärische Maßnahmen anordnen (Artikel 42). Wird ein Staat angegriffen, darf er sich nach Artikel 51 allein oder gemeinsam mit anderen verteidigen, bis der Sicherheitsrat selbst Maßnahmen ergriffen hat [2].

Die sechs Hauptorgane

Artikel 7 der Charta nennt sechs Hauptorgane [1, 2]:

OrganZusammensetzung und Aufgabe
Generalversammlungalle Mitgliedstaaten mit je einer Stimme; ihre Resolutionen sind völkerrechtlich nicht bindend
Sicherheitsrat15 Mitglieder, davon 5 ständige; seine Beschlüsse binden alle Mitglieder
Wirtschafts- und SozialratRat für wirtschaftliche und soziale Fragen
Treuhandratseit 1994 ohne Tätigkeit
Internationaler Gerichtshofgerichtliches Hauptorgan
Sekretariatmit dem Generalsekretär an der Spitze

Der Sicherheitsrat und das Veto

Ständige Mitglieder sind heute die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich [1]. Die Charta nennt noch die Republik China und die Sowjetunion [2]. Die zehn nichtständigen Mitglieder werden für zwei Jahre gewählt, eine sofortige Wiederwahl ist ausgeschlossen [1, 2]. Beschlüsse zu Verfahrensfragen brauchen neun Stimmen. Alle anderen Beschlüsse brauchen neun Stimmen einschließlich der Stimmen aller ständigen Mitglieder [2]. Daraus ergibt sich das Vetorecht: Ein einziges ständiges Mitglied kann einen Beschluss verhindern [1].

Ein großer Konferenzsaal mit hufeisenförmigem Tisch, hohen Stuhllehnen und Tischmikrofonen in Blau und Gold
Bild: KI-generiert

Wie das in der Praxis wirkte, zeigt der Koreakrieg. Als Nordkorea im Juni 1950 den Süden angriff, boykottierte die Sowjetunion den Sicherheitsrat seit sechs Monaten und konnte deshalb kein Veto einlegen. Der Rat stufte den Angriff als Friedensbruch ein und beschloss wenige Tage später einen Militäreinsatz unter US-Führung. Bis 1953 dienten bis zu 930.000 Soldaten aus Südkorea, den USA und weiteren Staaten im UN-Kommando [7]. Mehr über solche Konflikte zwischen Ost und West steht im Artikel über die Stellvertreterkriege im Kalten Krieg.

Generalsekretäre seit 1946

Den Generalsekretär ernennt die Generalversammlung auf Empfehlung des Sicherheitsrats [4]. Bis Februar 1946 führte der Brite Gladwyn Jebb die Geschäfte kommissarisch [3]. Seitdem hatten neun Männer das Amt inne [3]:

GeneralsekretärLandAmtszeit
Trygve LieNorwegen1946 bis 1952
Dag HammarskjöldSchweden1953 bis 1961
U ThantBirma (heute Myanmar)1961 bis 1971
Kurt WaldheimÖsterreich1972 bis 1981
Javier Pérez de CuéllarPeru1982 bis 1991
Boutros Boutros-GhaliÄgypten1992 bis 1996
Kofi A. AnnanGhana1997 bis 2006
Ban Ki-moonRepublik Korea2007 bis 2016
António GuterresPortugalseit 2017

Die Amtszeit von António Guterres endet am 31.12.2026. Das Verfahren für seine Nachfolge begann am 25.11.2025 mit einem gemeinsamen Brief der Präsidenten von Generalversammlung und Sicherheitsrat. Von April bis August 2026 (21.04. bis 20.08.2026) stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten in öffentlichen Dialogen vor. Seit dem 30.07.2026 stimmt der Sicherheitsrat in nichtöffentlichen Probeabstimmungen ab. Bis zum 22.10.2026 waren sechs angesetzt, zuletzt am 16.10.2026, ihre Ergebnisse veröffentlicht der Rat nicht. Bis zum 22.10.2026 hatte er noch niemanden empfohlen. Zu diesem Zeitpunkt waren sechs Bewerbungen im Rennen: Ivonne A-Baki, María Fernanda Espinosa Garcés, Rafael Mariano Grossi, Rebeca Grynspan Mayufis, Olara Otunnu und Carolyn Rodrigues Birkett. Drei weitere Bewerbungen, darunter die von Michelle Bachelet, waren zurückgezogen worden [4].

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 nahm die Generalversammlung in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte an, als Resolution 217 A (III). Acht Staaten enthielten sich, keiner stimmte dagegen [6]. Ausgearbeitet hatte den Text die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen mit 18 Mitgliedern, die am 9. Juni 1947 in New York erstmals tagte. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem Australien, Kanada, Chile, China, Frankreich, Libanon, die Sowjetunion, Großbritannien und die USA. Ihre Vorsitzende war seit 1946 Eleanor Roosevelt, die auch den Redaktionsausschuss leitete [6]. Mehr als 50 Staaten beteiligten sich an den Entwürfen, insgesamt entstand der Text in weniger als zwei Jahren [6].

Wie die Idee der Menschenrechte entstand, erzählt der Artikel über die Geschichte der Menschenrechte. Welche Grundrechte das deutsche Grundgesetz heute schützt, erklärt die Seite Die Grundrechte im Überblick auf demokratie.domain-root.de.

Blauhelme und Friedenseinsätze

Die ersten Friedenseinsätze der Vereinten Nationen begannen 1948, als der Sicherheitsrat Militärbeobachter in den Nahen Osten schickte. Die erste bewaffnete Truppe wurde 1956 in der Suezkrise eingesetzt [5]. Seit 1948 haben die Vereinten Nationen mehr als 70 Friedensmissionen entsandt, Hunderttausende Soldaten und Zehntausende Polizisten und Zivilkräfte aus mehr als 120 Ländern haben darin gedient, mehr als 4.400 kamen ums Leben. 1988 erhielten die Friedenstruppen den Friedensnobelpreis [5].

Ein weißes Geländefahrzeug an einem staubigen Kontrollpunkt mit Schranke, auf der Motorhaube zwei hellblaue Helme
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Blauhelme sind Soldaten der Mitgliedstaaten. Sie setzen ihre Waffen nur im Notfall und zur Selbstverteidigung ein, seit den 1990er-Jahren oft mit einem "robusten Mandat". Eigene Soldaten hat der Sicherheitsrat bis heute nicht [1]. Mitte der 1990er-Jahre gerieten die Einsätze in Ruanda, im früheren Jugoslawien mit Srebrenica und in Somalia in die Kritik. Den Völkermord in Ruanda 1994 konnten die Vereinten Nationen trotz eigener Präsenz im Land nicht verhindern. Der Generalsekretär ließ die Vorgänge in Ruanda und Srebrenica untersuchen [1, 5].

Deutschland in den Vereinten Nationen

Die Bundesrepublik und die DDR wurden 1973 gleichzeitig aufgenommen. Möglich machte das der Grundlagenvertrag zwischen beiden deutschen Staaten [1]. Die Vorgeschichte schildert der Artikel DDR und Bundesrepublik. Heute setzt sich Deutschland für eine Reform des Sicherheitsrats und einen ständigen Sitz ein [1]. 2020 lag der Haushalt der Vereinten Nationen bei 3,07 Milliarden Euro. Die größten Beitragszahler waren die USA mit 22 Prozent, China mit 12 Prozent, Japan mit 8,6 Prozent und Deutschland mit 6,1 Prozent [1].

Kritik und Reformdebatte

Am häufigsten richtet sich die Kritik gegen das Veto. Die ständigen Mitglieder haben damit oft ein Eingreifen verhindert, nach der Darstellung der bpb etwa in Syrien oder in der Ostukraine [1]. Ein Vorschlag, die Zahl der ständigen Sitze zu erhöhen, ist gescheitert [1]. Auch die Friedenseinsätze stehen wegen Missbrauchsskandalen in der Kritik, die Weltgesundheitsorganisation wegen ihres Krisenmanagements bei Schweinegrippe, Ebola und Covid-19 [1]. Manche Staaten, darunter die USA, setzen stärker auf zweiseitige Abkommen. Kritiker sehen darin eine Schwächung der Vereinten Nationen [1].

  1. Behörde Vereinte Nationen: 75 Jahre Streben nach Weltfrieden. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 21.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Die Charta der Vereinten Nationen einfach erklärt. Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC). Stand 07.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Who is and has been Secretary-General of the United Nations? (Ask DAG). Dag Hammarskjöld Library, Vereinte Nationen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Selection and Appointment of the Next Secretary-General. Präsident der UN-Generalversammlung. Stand 22.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Our history (UN Peacekeeping). Vereinte Nationen. Stand 11.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Geschichte der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Deutsches Institut für Menschenrechte. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Vor 75 Jahren: Beginn des Koreakrieges. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 16.06.2025. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.