Das lange 19. Jahrhundert

Das lange 19. Jahrhundert reicht von der Französischen Revolution 1789 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914. Eric Hobsbawm machte den Begriff durch seine dreibändige Darstellung bekannt. Er teilte die Zeit in drei Abschnitte: Revolutionen bis 1848, Blüte des Kapitals bis 1875 und das imperiale Zeitalter bis 1914.

Eine Dampflokomotive des 19. Jahrhunderts steht in einer alten Bahnhofshalle aus Backstein im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Wer vom 19. Jahrhundert spricht, meint selten nur die Jahre 1801 bis 1900. Historiker fassen die Epoche meist weiter und lassen sie mit der Französischen Revolution 1789 beginnen und mit dem Ersten Weltkrieg 1914 enden. Der britische Historiker Eric Hobsbawm hat dafür den Ausdruck "das lange 19. Jahrhundert" bekannt gemacht und die Zeit in einer dreibändigen Darstellung beschrieben [1]. In diesem Bereich findest du Artikel zu den großen Ereignissen und Entwicklungen dieser 125 Jahre, von den Revolutionen in Europa über die Industrialisierung bis zum Wettlauf der Großmächte um Kolonien.

Warum "lang"?

Die Grenzen des Kalenderjahrhunderts sagen wenig über die Geschichte aus. 1789 begann in Frankreich die Revolution gegen die alte Ständeordnung. 1914 begann der Erste Weltkrieg, mit dem die Epoche nach Hobsbawm endet [1]. Was dazwischen liegt, hat einen gemeinsamen Zusammenhang: den Aufstieg von Kapitalismus und Bürgertum, die Kämpfe der Arbeiterschaft um Rechte, den Imperialismus und die Säkularisierung [1].

Die drei Abschnitte nach Hobsbawm

Hobsbawm gliederte die Epoche in drei Teile. Der erste Band über die europäischen Revolutionen reicht bis 1848, der zweite beschreibt die Blütezeit des Kapitals von 1848 bis 1875, der dritte das imperiale Zeitalter von 1875 bis 1914 [1]. Diese Einteilung ist eine Deutung, die hilft, die vielen Ereignisse zu ordnen.

Ausstellungshallen aus Eisen und Glas in einem Park bei Dämmerung, Gaslaternen leuchten am Weg
Bild: KI-generiert

Zum ersten Abschnitt gehören die Französische Revolution, die Napoleonischen Kriege und der Wiener Kongress, der 1815 Europa neu ordnete. In Deutschland entstand danach der Deutsche Bund mit 41 Mitgliedsstaaten [2]. Es folgten Jahre der Zensur und des Rückzugs ins Private, die man heute als Biedermeier und Vormärz kennt, bis zur Revolution von 1848/49. Parallel lösten die Staaten die alten Abhängigkeiten der Landbevölkerung auf, ein langer Vorgang, den der Artikel zur Bauernbefreiung beschreibt.

Im zweiten Abschnitt breitete sich die Industrialisierung aus. In Deutschland wuchs das Eisenbahnnetz bis 1850 auf rund 6.000 Kilometer [2]. In dieselbe Zeit fallen die Einigung Italiens, der Amerikanische Bürgerkrieg und die Reichsgründung 1871.

Der dritte Abschnitt ist die Zeit des Imperialismus und des Kolonialismus. In Europa erinnert man sich an diese Jahrzehnte oft als Belle Époque, als Zeit des Friedens zwischen den Großmächten, der Weltausstellungen und des technischen Fortschritts. Die Schattenseiten gehören dazu: Kolonialkriege, Antisemitismus und ein Wettrüsten, das 1914 in den Ersten Weltkrieg mündete.

Themen in diesem Bereich

Neben den Ereignissen findest du hier Artikel zu den großen Veränderungen der Lebenswelt: zur Dampfmaschine, zur Elektrizität und zur Sozialen Frage, die mit dem Elend der Fabrikarbeiter entstand. Der Blick reicht über Europa hinaus, etwa zur Meiji-Restauration in Japan und zu Russland im 19. Jahrhundert. Personen der Epoche wie Napoleon Bonaparte, Otto von Bismarck und Abraham Lincoln stellen wir im Bereich Personen vor.

  1. Eric Hobsbawm: Das lange 19. Jahrhundert (Buchnotiz zur dreibändigen Gesamtausgabe, Theiss 2017). Perlentaucher. Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Wilhelm Bleek: Der deutsche Vormärz. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.03.2023. abgerufen am 29.10.2026

Alle Artikel im Bereich Das lange 19. Jahrhundert