Das lange 19. JahrhundertRatgeber
Die Meiji-Restauration: wie Japan sich ab 1868 neu erfand
Die Meiji-Restauration ist der Umbruch, mit dem 1867/68 die Herrschaft der Tokugawa-Shogune endete und der Kaiser formal die Regierung zurückerhielt. Die neue Führung schaffte die Fürstentümer ab, führte die Wehrpflicht ein, schickte Gesandtschaften in den Westen und gab Japan 1889 eine Verfassung nach europäischem Vorbild. Die Meiji-Zeit endete mit dem Tod des Kaisers 1912.

Mit Meiji-Restauration bezeichnet man den politischen Umbruch in Japan, der 1867 und 1868 die Herrschaft der Tokugawa-Shogune beendete. Formal erhielt der Kaiser die Regierungsgewalt zurück, daher das Wort Restauration. Zugleich begann eine Zeit großer Reformen, in der Japan Verwaltung, Heer, Recht und Verfassung nach westlichen Vorbildern umbaute. Hier liest du, was den Umbruch auslöste, welche Reformen folgten und wie Japan bis 1912 zu einer Großmacht in Ostasien wurde.
Die Öffnung Japans durch die USA
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lag die tatsächliche Macht in Japan beim Shogun aus dem Haus Tokugawa in Edo, dem heutigen Tokio. Der Kaiser in Kyoto hatte vor allem eine zeremonielle Rolle [1]. Den Anstoß zum Umbruch gab ein Besuch von außen. Am 08.07.1853 lief der amerikanische Kommodore Matthew Perry mit vier Schiffen in die Bucht von Edo ein. Er brachte einen Brief des US-Präsidenten mit, der an den Kaiser gerichtet war [1].

Im Frühjahr 1854 kam Perry mit einem größeren Geschwader zurück. Am 31.03.1854 unterzeichneten beide Seiten den Vertrag von Kanagawa. Japan öffnete die Häfen Shimoda und Hakodate für amerikanische Schiffe, versprach den Schutz gestrandeter Seeleute und ließ amerikanische Konsuln zu [1]. 1858 folgte ein Handelsvertrag mit den USA, danach schlossen auch europäische Mächte Verträge mit Japan [1]. Diese Verträge gaben Ausländern Sonderrechte, etwa eine eigene Gerichtsbarkeit, und galten in Japan später als ungleich. Ihre Revision wurde zu einem Ziel der Meiji-Regierung [3, 7].
Der erste amerikanische Konsul in Japan, Townsend Harris, kam 1856 nach Shimoda. Er handelte den Vertrag von 1858 aus. Die japanische Seite stimmte auch deshalb zu, weil sie gesehen hatte, wie Großbritannien China mit militärischer Gewalt zur Öffnung gezwungen hatte [1]. 1860 schickte Japan seine erste Gesandtschaft in den Westen, um den Vertrag zu ratifizieren [1].
Das Ende des Shogunats
Die erzwungene Öffnung schwächte das Shogunat, das sich gegen die fremden Mächte nicht durchsetzen konnte [1]. Gegen die Tokugawa verbündeten sich die großen Fürstentümer Satsuma und Choshu. Saigo Takamori aus Satsuma und Kido Takayoshi aus Choshu schlossen das Bündnis mit Hilfe von Sakamoto Ryoma [9].
1867 gab der letzte Shogun die politische Gewalt an den kaiserlichen Hof zurück. Die Japaner nennen diesen Schritt Taisei Hokan [2]. Der Hof sollte nun Mittelpunkt einer Regierung werden, die sich auf die öffentliche Meinung stützt [2]. Anhänger der Tokugawa wehrten sich, und es kam zum Boshin-Krieg. Im Januar 1868 kämpften die Parteien bei Toba-Fushimi nahe Kyoto [9]. Saigo erreichte später die kampflose Übergabe der Burg von Edo [9]. 1868 wurde Edo in Tokio umbenannt, im selben Jahr erhielt die Regierungszeit des jungen Kaisers den Namen Meiji [10].
Der Eid in fünf Artikeln
1868 verkündete der Kaiser den Eid in fünf Artikeln, das erste Programm der neuen Regierung [2]. Kido Takayoshi arbeitete am Entwurf mit [9]. Gleich zu Beginn heißt es, es sollten beratende Versammlungen gebildet und die Staatsangelegenheiten nach der öffentlichen Meinung entschieden werden [2]. Ein Parlament mit gewähltem Unterhaus trat allerdings erst 1890 zusammen [7].
Vom Fürstentum zur Präfektur
Zu Beginn der Meiji-Zeit war Japan noch in zahlreiche Fürstentümer aufgeteilt, die han. Die Regierung löste sie in zwei Schritten auf. Zunächst gaben die Fürsten ihr Land und die Register ihrer Untertanen an den Kaiser zurück, japanisch hanseki hokan. 1871 folgte die Abschaffung der Fürstentümer und die Einrichtung von Präfekturen, haihan chiken [4, 9]. Okubo Toshimichi und Kido Takayoshi trieben beide Schritte voran, Itagaki Taisuke setzte die Neuordnung 1871 mit durch [4, 9].
Damit verloren die Fürsten ihre eigenen Gebiete. An ihre Stelle traten Präfekturen, und die Macht ging immer mehr an die zentrale Regierung über [2].
Wehrpflicht und das Ende der Samurai
Für das Heer setzte die neue Regierung auf die Wehrpflicht. Treibende Kraft war Yamagata Aritomo, der in seiner Heimat Choshu die Freiwilligentruppe Kiheitai geführt hatte und 1873 Kriegsminister wurde [5]. Er baute das Militärwesen auf dieser Grundlage auf, wurde 1878 Chef des Generalstabs und bildete 1889 seine erste Regierung [5].
Gegen die neue Ordnung erhob sich 1877 Satsuma unter Saigo Takamori, der nach einem Streit über eine Gesandtschaft nach Korea aus der Regierung ausgeschieden war. Die Regierung schlug den Aufstand nieder, Saigo starb in Shiroyama [9]. Danach breitete sich die Bewegung für ein gewähltes Parlament weiter aus [2].
Die Iwakura-Gesandtschaft
Im Dezember 1871 brach eine große Gesandtschaft unter Iwakura Tomomi in den Westen auf. Zu den Vizebotschaftern gehörten Kido Takayoshi, Okubo Toshimichi und Ito Hirobumi [3]. Sie sollte die Revision der Verträge vorbereiten und die Einrichtungen und Kulturen anderer Länder studieren [3]. Die Reise dauerte etwa zwei Jahre und führte durch die USA, Großbritannien, Frankreich, Osteuropa und Russland. Im März 1873 hielt sich Ito in Preußen auf und notierte Einzelheiten über das Parlament und das Wahlrecht [3].

Während die Gesandtschaft unterwegs war, führte unter anderem Itagaki Taisuke die Regierungsgeschäfte [4]. Yamagata Isaburo, ein Mitglied der Gesandtschaft, blieb zum Studium in Deutschland [11].
Bürgerrechtsbewegung und Verfassung
1873 kam es zum Bruch in der Regierung. Itagaki Taisuke und andere traten zurück und forderten 1874 in einer Bittschrift ein gewähltes Parlament [4]. Daraus entstand die Bewegung für Freiheit und Volksrechte. Im April 1875 versprach ein kaiserliches Reskript eine Verfassung [2]. Nach der Satsuma-Rebellion breitete sich die Bewegung weiter aus [2].

Am 03.03.1882 erhielt Ito Hirobumi den Auftrag, die Verfassungen Europas zu studieren. Er verließ Yokohama am 14.03.1882 und blieb 14 Monate in Europa, unter anderem in Deutschland, Österreich, Großbritannien und Belgien. Er hörte Vorlesungen bei Rudolf von Gneist, Albert Mosse und Lorenz von Stein [6]. 1885 führte Japan ein Kabinettssystem ein [7].
Über eine Verfassung war seit Beginn der Meiji-Zeit gesprochen worden, die eigentliche Arbeit begann aber erst um 1886 [12]. Einen Vorentwurf schrieben Inoue Kowashi und der deutsche Jurist Hermann Roesler. Von Juni bis August 1887 überarbeiteten Ito Hirobumi, Ito Miyoji, Kaneko Kentaro und Inoue Kowashi den Text in Itos Sommerhaus in Natsushima, dem heutigen Yokohama. Danach beriet der Geheime Staatsrat die einzelnen Artikel [12].
Am 11.02.1889 wurde die Verfassung des Kaiserreichs Japan verkündet, die Meiji-Verfassung. 1890 trat der erste Reichstag zusammen [7]. Die Regierung versuchte, sich aus den Parteien herauszuhalten, was im ersten Parlament zu heftigem Streit führte [7].
| Jahr | Reform oder Ereignis |
|---|---|
| 1867 | Rückgabe der Regierungsgewalt an den Kaiser (Taisei Hokan) |
| 1868 | Eid in fünf Artikeln, Edo wird Tokio |
| 1871 | Fürstentümer werden Präfekturen, Iwakura-Gesandtschaft bricht auf |
| 1873 | Yamagata Kriegsminister, Aufbau der Wehrpflichtarmee |
| 1877 | Satsuma-Rebellion |
| 1885 | Kabinettssystem |
| 1889 | Meiji-Verfassung |
| 1890 | erster Reichstag |
Japan als Großmacht in Ostasien
Die Reformen veränderten auch Japans Stellung nach außen. 1894 und 1895 führte Japan Krieg gegen China [7]. 1894 wurden die Verträge über die Sondergerichtsbarkeit der Ausländer geändert, 1899 fiel diese Sondergerichtsbarkeit weg. 1911 erhielt Japan auch die volle Hoheit über seine Zölle zurück. Damit war die Revision der ungleichen Verträge abgeschlossen [7].
1904 griff Japan die russische Flotte in Port Arthur an, bevor die Kriegserklärung in Russland angekommen war. Eine aus der Ostsee entsandte russische Flotte wurde bei ihrer Ankunft in Ostasien zur Hälfte vernichtet [8]. Im Frieden von Portsmouth, ausgehandelt im August 1905 unter Vermittlung von US-Präsident Theodore Roosevelt und im September 1905 unterzeichnet, erhielt Japan die Kontrolle über Korea, über große Teile der südlichen Mandschurei mit Port Arthur und die Südhälfte der Insel Sachalin [8]. 1910 annektierte Japan Korea [7].
Kaiser Meiji starb am 29.07.1912 [10]. Mit seinem Tod endete die Meiji-Zeit. Wie Japan im 20. Jahrhundert weiter expandierte, beschreibt die Seite zum Pazifikkrieg 1937 bis 1945. Die europäische Seite dieser Zeit behandelt die Seite zum Imperialismus, die ältere Geschichte Japans die Seite über die Sengoku-Zeit. Einen Überblick über den Kontinent gibt die Geschichte Asiens.
- Behörde Milestones 1830 to 1860: The United States and the Opening to Japan, 1853. U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Birth of the Constitution of Japan: Chapter 1, Initial Steps toward a Constitutional State. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Birth of the Constitution of Japan: 1-7 Iwakura Mission. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Portraits of Modern Japanese Historical Figures: ITAGAKI Taisuke. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Portraits of Modern Japanese Historical Figures: YAMAGATA Aritomo. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Birth of the Constitution of Japan: 2-5 Ito Hirobumi's research on constitutions in Europe. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Birth of the Constitution of Japan: Chapter 2, Evolution of the Meiji State. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Milestones 1899 to 1913: The Treaty of Portsmouth and the Russo-Japanese War, 1904 to 1905. U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Letters and Diaries of Modern Japanese Figures: People of the Meiji Restoration. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Emperor Meiji (Japan Search Gallery). National Diet Library, Japan Search. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Portraits of Modern Japanese Historical Figures: YAMAGATA Isaburo. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Birth of the Constitution of Japan: 2-7 Drafting of the Constitution. National Diet Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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