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Die Sengoku-Zeit: Japans Zeit der streitenden Reiche

Die Sengoku-Zeit, die "Zeit der streitenden Reiche", ist eine Epoche ständiger Kriege zwischen japanischen Fürsten, den Daimyo. Sie begann mit dem Ōnin-Krieg ab 1467 und endete je nach Darstellung 1568 oder erst im frühen 17. Jahrhundert, als Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu Japan geeint hatten.

Eine japanische Burg mit weißen Wänden und geschwungenen Ziegeldächern über einem Steinsockel, davor blühende Kirschbäume
Bild: KI-generiert

Sengoku-jidai heißt übersetzt "Zeit der streitenden Reiche", wörtlich etwa "Zeit der kriegführenden Länder" [7]. Mit demselben Begriff bezeichnet man im Japanischen auch die Epoche der Streitenden Reiche in China [7]. Gemeint ist eine lange Zeit der Bürgerkriege, in der Regionalfürsten, die Daimyo, gegeneinander kämpften, während die Zentralgewalt in Kyōto kaum noch etwas galt [1]. Sie begann mit dem Ōnin-Krieg von 1467 bis 1477 [1, 7]. Wann sie endete, wird unterschiedlich angegeben [1, 7].

Wie Japan vor dieser Zeit regiert wurde, erzählt der Artikel Japan im Mittelalter.

Wie die Sengoku-Zeit begann

Seit 1338 stellte die Familie Ashikaga die Shogune, die militärischen Herrscher Japans [1]. Die Sengoku-Zeit fällt damit in die Muromachi-Zeit, die die World History Encyclopedia auf 1333 bis 1573 datiert [1]. Shogun Ashikaga Yoshimasa, der von 1449 bis 1473 regierte, zog sich in den Ginkakuji zurück, um sich den Künsten zu widmen, was die Zentralregierung schwächte [1]. Im Ōnin-Krieg kämpften ab 1467 die Familienverbände der Hosokawa und der Yamana gegeneinander [1]. Der Krieg endete 1477 ohne Sieger und zerstörte den größten Teil der Hauptstadt Heiankyō, des heutigen Kyōto [1]. Danach lag die Macht bei den Daimyo mit ihren eigenen Heeren [1].

Daimyo und Gekokujō

Daimyo bedeutet "große Namen". So hießen die Feudalherren, die eigene Heere unterhielten [1]. Die Sengoku-Daimyo schluckten schwächere Rivalen, sodass um 1600 nur noch etwa 250 Daimyo übrig waren [1]. Für den Aufstieg neuer Herren gibt es ein eigenes Wort: Gekokujō, "die Unteren stürzen die Oberen". Es beschreibt, wie neue Machthaber und Nebenlinien alteingesessenen Familien die Herrschaft abnahmen [1].

Terrassierte Reisfelder und ein kleines Holzdorf in einem japanischen Bergtal im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Auch von unten kam Widerstand. In der Provinz Yamashiro erhoben sich von 1485 bis 1493 die Bauern [1]. Trotz der Kriege wuchsen manche Städte auf mehr als 30.000 Einwohner [1].

Burgen und Burgstädte

In dieser Zeit entstanden weit mehr Burgen als zuvor: in Städten, an Gebirgspässen und auf größeren Gütern [1]. Befestigte Herrensitze hießen Yashiki, Beispiele sind Ichijōdani der Familie Asakura und Tsutsujigasaki der Familie Takeda [1]. Um manche Burgen wuchsen Städte, die sogenannten Jōkamachi; ein Beispiel ist Omi-Hachiman am Biwa-See [1]. Die Burgen dieser Zeit hatten Sockel aus Stein und Aufbauten aus Holz, die großen Steinburgen entstanden erst im 17. Jahrhundert [1].

Eine gewaltige geschwungene Burgmauer aus Granitblöcken über einem ruhigen Wassergraben mit Kiefern im Herbstlicht
Bild: KI-generiert

Einen neuen Typ setzte Oda Nobunaga 1579 mit der Burg Azuchi am Biwa-See: Sie war die erste mit dem großen, mehrstöckigen Hauptturm, der danach zur Regel wurde; erhalten ist nur der Steinsockel [2]. Die Burg Himeji zeigt die Entwicklung bis in die Zeit danach. Toyotomi Hideyoshi setzte dort 1581 einen ersten dreistöckigen Turm, Ikeda Terumasa baute die Anlage von 1601 bis 1609 um und erhöhte den Turm [6]. Seit 1993 gehört Himeji zum Welterbe der UNESCO [6].

Europäer, Feuerwaffen und Mission

Im frühen Herbst 1543 erschien vor der Insel Tanegashima ein fremdes Schiff. Zwei Portugiesen gingen an Land, beide mit einer Arkebuse, einem Luntenschlossgewehr [5]. Ob das Schiff chinesisch oder portugiesisch war, geht aus den frühen Aufzeichnungen nicht hervor [5]. Die World History Encyclopedia spricht von drei portugiesischen Händlern, deren Schiff an die Küste von Süd-Kyūshū getrieben wurde, und nennt dies den ersten belegten Kontakt zwischen Europäern und Japan [1].

Ein hölzernes Segelschiff mit drei Masten ankert in einer grünen subtropischen Bucht, Fischerboote am Strand
Bild: KI-generiert

Der Inselherr Tokitaka kaufte die Gewehre und ließ sie von einheimischen Schmieden nachbauen; im Jahr darauf kam ein portugiesisches Schiff mit Werkzeug für die Büchsenmacherei, das er ebenfalls erwarb [5]. In der Schlacht um die Burg Kajiki 1549 setzte der Daimyo Shimazu erstmals Truppen mit Arkebusen ein [5]. Zu den Portugiesen, die die Shimazu in Kagoshima empfingen, gehörte auch der Jesuitenmissionar Franz Xaver (1506 bis 1552) [5].

Nobunaga förderte die christlichen Missionare, weil ihm an Handel und Technik der Europäer lag, etwa an Feuerwaffen [2]. Der Jesuit Luís Fróis hat 1569 eine Beschreibung von ihm hinterlassen [2]. Hideyoshi wies sie 1587 per Edikt aus, setzte das aber nur halbherzig durch; ein zweites Edikt 1597 führte zur Kreuzigung von 26 Christen in Nagasaki [3]. 1635 wurden Fahrten von Japanern nach Übersee verboten, 1639 durften portugiesische Schiffe Japan nicht mehr anlaufen [5].

Die drei Reichseiniger

Am Ende der Kriegszeit stehen drei Feldherren, die nacheinander das Land unter ihre Kontrolle brachten. Sie waren zeitweise Verbündete, und jeder baute auf dem auf, was der Vorgänger erreicht hatte [3, 4].

Oda Nobunaga

Oda Nobunaga (1534 bis 1582) dehnte seine Macht in den 1550er und 1560er Jahren von der Burg Nagoya aus [1]. 1560 schlug er bei Okehazama mit einem unterlegenen Heer durch eine überraschende Umfassung den Kriegsherrn Imagawa Yoshimoto, der dabei fiel [2]. 1568 nahm er Kyōto ein und setzte Ashikaga Yoshiaki als Shogun von seinen Gnaden ein; 1573 verbannte er ihn, damit endete das Shogunat der Ashikaga [1, 2]. 1571 ließ er den Berg Hiei umstellen und den Wald in Brand setzen; die Zahl der Toten bei der Zerstörung der Tempelanlage Enryakuji ist umstritten: Die World History Encyclopedia nennt 25.000 Männer, Frauen und Kinder [2], zeitgenössische Quellen etwa 1.500 (Brief von Luís Fróis) und 3.000 bis 4.000 (Tagebuch des Yamashina Tokitsugu), und Ausgrabungen deuten darauf hin, dass die überlieferten Zahlen übertrieben sind [8]. Seine Schützentruppe, um 1549 mit 500 Mann gebildet, wuchs auf 3.000 Mann und gewann 1575 die Schlacht von Nagashino [2]. Am 21. Juni 1582 verriet ihn sein Gefolgsmann Akechi Mitsuhide im Tempel Honnōji in Kyōto; auch sein Erbe Nobutada kam dabei ums Leben [2].

Toyotomi Hideyoshi

Toyotomi Hideyoshi (1537 bis 1598) stammte aus einer Bauernfamilie und stieg in Nobunagas Heer zum wichtigsten Feldherrn auf [3]. Wegen seiner kleinen Gestalt gab Nobunaga ihm den Spitznamen "Saru", Affe [3]. Nach dessen Tod 1582 tötete er Akechi Mitsuhide und setzte sich mit Unterstützung von Nobunagas Verwandten und anderen Daimyo an die Spitze [3]. Ab 1585 führte er Feldzüge im Westen, auf Kyūshū und Shikoku; 1590 fiel nach hundert Tagen Belagerung Odawara, der Sitz der Familie Hōjō [3]. Damit beherrschte er den größten Teil Japans [3]. Einige Rivalen wie die Shimazu und die Mōri durften einen Teil ihrer Ländereien behalten [3]. Wie schon Nobunaga ließ er Land und Reisernte vermessen, um die Steuerlast genauer festzulegen [3].

1588 verbot er allen, die nicht zum Kriegerstand gehörten, das Tragen von Waffen; das eingezogene Metall ließ er unter anderem zu Tempelglocken einschmelzen [3]. 1591 folgte eine starre Ordnung aus vier Ständen: Krieger, Bauern, Handwerker und Kaufleute, zwischen denen kein Wechsel erlaubt war [3]. Seine Versuche, 1592 und 1597 Korea zu erobern, scheiterten. 1592 setzte er nach der World History Encyclopedia 158.000 Samurai ein, dazu 9.200 Seeleute und 100.000 Mann in Reserve [3]. Anfangs nahmen die Japaner Pjöngjang ein, dann brachten Versorgungsprobleme und die koreanische Flotte unter Yi Sun-sin die Wende [3]. Nach Hideyoshis Tod wurden die Truppen abgezogen [3]. Hideyoshi starb am 18. September 1598, sein Sohn war damals fünf Jahre alt [3]. Seinen Neffen Hidetsugu, den früheren Erben, hatte er zuvor zur Selbsttötung gezwungen [3]. Fünf hohe Fürsten sollten als Regenten für den Jungen regieren, gerieten aber untereinander in Streit [3].

Tokugawa Ieyasu

Tokugawa Ieyasu (1543 bis 1616) zog 1558 in seine erste Schlacht und festigte die Stellung seiner Familie danach durch ein Bündnis mit Nobunaga [4]. Nach dem Feldzug gegen die Hōjō 1590 tauschte er auf Hideyoshis Angebot seine fünf Provinzen in Zentraljapan gegen acht Provinzen in der Kantō-Region und richtete sich in Edo ein, damals ein kleines Fischerdorf [4]. Im Oktober 1600 siegte er bei Sekigahara über die Anhänger von Hideyoshis Sohn [3, 4]. 1603 ließ er sich vom Kaiser zum Shogun ernennen, 1605 gab er den Titel an seinen Sohn Hidetada weiter und zog nach Sunpu [4]. 1614 griff er die Burg Osaka an, wo Hideyoshis Sohn Hideyori saß; der erste Feldzug blieb unentschieden, Hideyori willigte ein, die äußeren Gräben zuschütten zu lassen [4]. Im folgenden Jahr griff Ieyasu erneut an, Hideyori kam 1615 ums Leben, die Burg wurde zerstört [4]. Ieyasu starb 1616 mit 75 Jahren [4].

Wann endete die Sengoku-Zeit?

Die Datierungen gehen auseinander. Die World History Encyclopedia lässt die Sengoku-Zeit 1568 enden, mit Nobunagas Einzug in Kyōto, und setzt danach die Azuchi-Momoyama-Zeit von 1568 oder 1573 bis 1600 an [1]. Die deutschsprachige Wikipedia legt das Ende gewöhnlich auf 1615 bis 1638 [7]. In der japanischen Forschung gilt der Sturz Ashikaga Yoshiakis 1573 als Übergang zur Azuchi-Momoyama-Zeit [7].

Unstrittig ist, was folgte: Von 1603 bis 1868 regierte das Shogunat der Tokugawa, die Epoche heißt nach ihrer Hauptstadt Edo-Zeit [4]. Edo hatte schon 1605 rund 150.000 Einwohner [4]. Die Daimyo durften unter den Tokugawa nur begrenzte Heere halten, nur eine Burg je Gebiet besitzen und Befestigungen nur mit Erlaubnis ausbessern [4]. Wie die Herrschaft der Tokugawa 1868 endete, erzählt der Artikel Die Meiji-Restauration. Die großen Schlachten in Europa zur gleichen Zeit stellt der Artikel Schlachten der Neuzeit vor.

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  1. Sengoku Period (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 28.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  2. Oda Nobunaga (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 09.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  3. Toyotomi Hideyoshi (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 05.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  4. Tokugawa Ieyasu (Graham Squires). World History Encyclopedia. Stand 01.09.2022. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Europeans Begin Trade with Japan (Michael McCaskey), Research Starters. EBSCO. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
  6. Himeji Castle (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 28.05.2019. abgerufen am 29.10.2026
  7. Sengoku-Zeit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Siege of Mount Hiei. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.