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Japan im Mittelalter: vom Kaiserhof zur Herrschaft der Krieger

Zwischen 794 und 1600 ging die Macht in Japan schrittweise vom Kaiserhof in Heian-kyō, dem heutigen Kyōto, auf die Krieger über. Ab 1192 führte Minamoto no Yoritomo den Titel Shogun, danach regierten neben dem Kaiserhof Militärregierungen in Kamakura und Kyōto. Nach rund hundert Jahren Bürgerkrieg einten Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu das Land, Ieyasu siegte im Oktober 1600 bei Sekigahara.

Eine japanische Tempelhalle aus Holz mit geschwungenen Dächern an einem bewaldeten Hang mit rotem Herbstlaub im Nebel
Bild: KI-generiert

Zwischen 794 und 1600 wechselte die Macht in Japan vom Kaiserhof zu den Kriegern. Am Anfang steht die Verlegung der Hauptstadt nach Heian-kyō, dem heutigen Kyōto, am Ende der Sieg Tokugawa Ieyasus bei Sekigahara im Oktober 1600 [1, 6]. Dazwischen liegen drei große Abschnitte. In der Heian-Zeit regierten Hofadel und Regenten, ab 1185 Militärregierungen unter einem Shogun, und nach 1467 zerfiel das Land für ein Jahrhundert in Fürstentümer, die gegeneinander Krieg führten [1, 2, 3].

ZeitJahreMachtzentrum
Heian-Zeit794 bis 1185Kaiserhof und Fujiwara-Regenten in Heian-kyō [1]
Kamakura-Zeit1185 bis 1333Shogunat der Minamoto, später Regenten der Hōjō, in Kamakura [2]
Muromachi-Zeit1338 bis 1573Shogunat der Ashikaga in Kyōto [3]
Sengoku-Zeit1467 bis 1568Kriege der Daimyō, danach bis 1600 Einigung des Landes [3, 4, 6]

Die Heian-Zeit und der Kaiserhof

794 verlegte Kaiser Kammu die Hauptstadt nach Heian-kyō, was "Hauptstadt des Friedens und der Ruhe" bedeutet [1]. Die Regierung beherrschte bald die Familie Fujiwara. Für minderjährige Kaiser führte ein Regent, der Sesshō, die Geschäfte, erwachsene Kaiser beriet ein Kampaku. So blieb die Macht in der Familie [1]. 858 setzte Fujiwara no Yoshifusa seinen siebenjährigen Enkel auf den Thron und wurde dessen Regent [1].

Die Holzveranda eines Palastes über einem stillen Gartenteich mit Bogenbrücke und Kiefern im Frühlingslicht
Bild: KI-generiert

Am Hof entstand eine eigene Literatur. Die Silbenschrift Kana, die chinesische Zeichen vor allem nach ihrem Klang nutzte, erlaubte es, Texte in japanischer Sprache aufzuschreiben [1]. Sei Shōnagon vollendete um 1002 ihr "Kopfkissenbuch" mit Beobachtungen vom Hof [1]. Murasaki Shikibu schrieb nach der World History Encyclopedia um 1020 die "Geschichte vom Prinzen Genji", die oft als erster Roman der Welt bezeichnet wird [1]. Auch der Buddhismus erhielt neue Richtungen: Saichō gründete die Tendai-Schule, Kūkai die Shingon-Schule [1].

Der Aufstieg der Samurai

Während der Hof in der Hauptstadt lebte, wuchs in den Provinzen eine Kriegerschicht heran. Seit dem 10. Jahrhundert stellten Adlige private Truppen auf, um ihre Landgüter, die Shōen, zu schützen [7]. Das Wort Samurai bedeutet "Diener" und leitet sich vom Verb samurau, "dienen", ab. Zunächst bezeichnete es einen Stand [7]. Die frühen Samurai kämpften zu Pferd, vor allem mit dem Bogen, dazu mit einem gebogenen Langschwert [7].

Zwei Familien mit eigenen Heeren mischten sich in die Machtkämpfe am Hof ein, die Minamoto und die Taira, etwa in den Hōgen-Unruhen von 1156 und den Heiji-Unruhen von 1160 [1]. Im Genpei-Krieg von 1180 bis 1185 setzten sich die Minamoto durch. In der Seeschlacht von Dan-no-ura 1185 besiegten sie die Taira, und der junge Kaiser Antoku kam ums Leben [1]. Wer sich für die Krieger im europäischen Mittelalter interessiert, findet einen Vergleich im Artikel über Ritter und Rüstungen.

Das Shogunat von Kamakura

Minamoto no Yoritomo, der von 1147 bis 1199 lebte, wurde der erste Shogun der Kamakura-Zeit und führte den Titel ab 1192 [2, 9]. Sitz seiner Regierung war Kamakura, eine Küstenstadt etwa 48 Kilometer südwestlich des heutigen Tokio [2]. Neben den Hof trat damit eine zweite Macht, die der World History Encyclopedia als erste Alternative zur Macht des Kaisers gilt [2]. Die Regierung setzte Verwalter ein, die Jitō, die Güter betreuten und Steuern einzogen, und Militärgouverneure, die Shugo, die in den Provinzen für Ordnung sorgten [2]. Aus den Nachkommen der Jitō konnten später Daimyō werden [2].

Yoritomo starb 1199 nach einem Reitunfall [2]. Danach lag die tatsächliche Macht bei den Regenten der Familie Hōjō, der Shogun wurde zur Marionette [2]. Hōjō Tokimasa war ab 1203 der erste von 16 Regenten, an seiner Seite stand seine Tochter Hōjō Masako [2]. Ein Versuch des abgedankten Kaisers Go-Toba, die Hōjō 1221 zu stürzen, scheiterte, und er wurde auf die Oki-Inseln verbannt [2].

Die Mongolen vor Japan

Kublai Khan schickte 1274 und 1281 Flotten gegen Japan [2]. Beide Male gerieten die Schiffe in Taifune. Die Japaner nannten diese Stürme Kamikaze, "göttliche Winde" [2, 9]. Wie das Reich entstand, das Japan bedrohte, beschreibt der Artikel über das Mongolische Reich.

Dunkle Sturmwolken und hohe Wellen an einer felsigen japanischen Küste mit windgebeugten Kiefern
Bild: KI-generiert

1333 endete das Shogunat von Kamakura, als Nitta Yoshisada die Stadt angriff [2]. Kaiser Go-Daigo, der von 1318 bis 1339 regierte und schon 1324 und 1331 vergeblich nach der Macht gegriffen hatte und verbannt worden war, kehrte zurück. Seine Kemmu-Restauration von 1333 bis 1336 endete damit, dass Ashikaga Takauji die Macht übernahm [2].

Die Muromachi-Zeit

1338 wurde Ashikaga Takauji Shogun. Seine Familie regierte bis 1573 vom Stadtteil Muromachi in Kyōto aus, nach dem die Zeit benannt ist [3, 9]. Bis 1392 standen sich zwei Kaiserhöfe gegenüber, ein nördlicher und ein südlicher, dann endete der südliche [3].

Ein Zen-Steingarten aus geharktem weißem Kies mit moosbewachsenen Steinen am Rand einer Tempelveranda
Bild: KI-generiert

Die Ashikaga förderten Kunst und Religion. Unter Ashikaga Yoshimitsu entstand 1397 der Goldene Pavillon Kinkaku-ji, unter Ashikaga Yoshimasa wurde 1483 der Silberne Pavillon Ginkaku-ji vollendet [3]. Ein Mönch und Shogun Yoshimasa trugen dazu bei, die Teezeremonie in die Form zu bringen, die später Chanoyu hieß [3]. Das Nō-Theater entwickelte sich aus religiösen Zeremonien und Tempelbräuchen [3]. Der Zen-Buddhismus hatte schon in der Kamakura-Zeit Fuß gefasst und prägte nun die Malerei, etwa die Werke des Priesters Sesshū [3].

Die Zeit der streitenden Reiche

Der Ōnin-Krieg von 1467 bis 1477 begann als Streit um die Nachfolge des Shoguns zwischen den Familien Hosokawa und Yamana [3, 4]. Er endete ohne Sieger, zerstörte große Teile Kyōtos und eröffnete ein Jahrhundert der Kriege zwischen regionalen Herren [3, 4, 9]. Diese Daimyō, wörtlich "große Namen", unterhielten eigene Heere. Um 1600 gab es nach der World History Encyclopedia etwa 250 von ihnen [4]. Ausführlich schildert diese Jahrzehnte der Artikel über die Sengoku-Zeit.

In diese Zeit fiel die erste Begegnung mit Europäern. 1543 trieb ein Sturm ein Schiff mit drei portugiesischen Händlern an die Küste im Süden Kyūshūs [4]. Nach der deutschsprachigen Wikipedia strandeten sie auf der Insel Tanegashima und brachten die ersten Feuerwaffen nach Japan [8]. 1549 erreichte der Jesuit Franz Xaver Kagoshima auf Kyūshū [11].

Drei Feldherren einigen das Land

Oda Nobunaga besetzte 1568 Kyōto und vertrieb 1573 den letzten Ashikaga-Shogun, Ashikaga Yoshiaki [3, 4]. Er begann die Einigung des Landes, bis ihn 1582 sein Gefolgsmann Akechi Mitsuhide verriet und Nobunaga sich das Leben nehmen musste [5].

Ein hoher japanischer Burgturm mit weißen Mauern auf mächtigem Steinsockel, umgeben von blühenden Kirschbäumen
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Sein Nachfolger Toyotomi Hideyoshi, der 1598 starb, setzte das Werk fort. Sein Geburtsjahr nennt die World History Encyclopedia mit 1537, die Japan Society mit 1536 [5, 10]. 1587 ordnete er die Ausweisung der christlichen Missionare an, setzte den Befehl aber nur halbherzig durch [5]. 1588 nahm er den Bauern und anderen einfachen Leuten die Waffen ab. Die eingesammelten Waffen ließ er für einen großen Buddha und Tempelglocken einschmelzen [5]. Mit dem Fall der Burg Odawara 1590 beherrschte er den größten Teil Japans [5]. 1591 legte er eine feste Ordnung der Stände fest: Krieger, Bauern, Handwerker, Kaufleute [5]. Seine Feldzüge gegen Korea 1592 und 1597 scheiterten. Hideyoshi starb am 18. September 1598. Sein Sohn war noch zu jung, um ihm nachzufolgen [5].

Die Jahre von 1568 oder 1573 bis 1600 heißen auch Azuchi-Momoyama-Zeit [4]. Tokugawa Ieyasu, der von 1543 bis 1616 lebte, hatte seinen Sitz seit 1590 in Edo und baute dort eine Burg. Um 1605 zählte die Stadt etwa 150.000 Einwohner [6]. Am 21. Oktober 1600 siegte er in der Schlacht von Sekigahara nahe dem Biwa-See und war damit der tatsächliche Herrscher Japans. 1603 ernannte ihn der Kaiser zum Shogun [6, 10]. 1614 griff er die Burg Osaka an, 1615 ein zweites Mal. Dabei kam Toyotomi Hideyori ums Leben, und die Burg wurde zerstört [6]. Das Shogunat der Tokugawa hielt bis 1868, dann wurde Edo in Tokio umbenannt [6]. Wie es endete, erklärt der Artikel über die Meiji-Restauration.

Bushidō, Schwerter und Seppuku

Viele Bilder vom Samurai stammen aus späterer Zeit. Den Begriff Bushidō, "Weg des Kriegers", fasste nach der World History Encyclopedia erst im späten 17. Jahrhundert der Gelehrte Yamaga Sokō zusammen, der von 1622 bis 1685 lebte [7]. Damals kämpften die Samurai längst nicht mehr regelmäßig. Im Krieg handelten sie oft nüchtern und verstießen dabei auch gegen die Ideale, die man später mit Bushidō verband [7].

Zwei Schwerter zu tragen kam um 1580 in Mode. 1588 bestimmte Hideyoshi, dass nur Samurai vollen Ranges beide tragen durften: das lange Katana, etwa 60 Zentimeter, und das kurze Wakizashi, etwa 30 Zentimeter [7]. Von ranghohen Samurai erwartete man, im Kampf zu sterben, statt in Gefangenschaft zu geraten. Als ehrenhafter Tod galt Seppuku, auch Harakiri genannt, das Aufschlitzen des eigenen Bauches. Ein Helfer, der Kaishakunin, beendete die Qual in der Regel mit einem Schwerthieb [7]. Die Lehnsordnung im Europa derselben Zeit beschreibt der Artikel über den Feudalismus.

  1. Mark Cartwright: Heian Period. World History Encyclopedia. Stand 05.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
  2. Mark Cartwright: Kamakura Period. World History Encyclopedia. Stand 18.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  3. Mark Cartwright: Muromachi Period. World History Encyclopedia. Stand 21.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  4. Mark Cartwright: Sengoku Period. World History Encyclopedia. Stand 28.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Toyotomi Hideyoshi. World History Encyclopedia. Stand 05.06.2019. abgerufen am 29.10.2026
  6. Graham Squires: Tokugawa Ieyasu. World History Encyclopedia. Stand 01.09.2022. abgerufen am 29.10.2026
  7. Mark Cartwright: Samurai. World History Encyclopedia. Stand 05.07.2019. abgerufen am 29.10.2026
  8. Epoche des Namban-Handels. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Japan's Medieval Age: The Kamakura and Muromachi Periods. Japan Society, New York. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Shelton Woods: The Three Unifiers of Sengoku Era Japan. Japan Society, New York. Stand 07.06.2021. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Saint Francis Xavier and the Roots of Christianity in Japan. Nippon.com, Nippon Communications Foundation. Stand 27.08.2015. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.