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Die Tang-Dynastie: Chinas Reich von 618 bis 907

Die Tang-Dynastie regierte China von 618 bis 907, unterbrochen von der Zhou-Herrschaft der Kaiserin Wu Zetian von 690 bis 705. Hauptstadt war Chang'an, das heutige Xi'an. Nach dem An-Lushan-Aufstand von 755 bis 763 verlor der Hof an Macht, 907 setzte der Heerführer Zhu Wen den letzten Kaiser ab.

Eine weite ummauerte Stadt mit geraden Straßen und geschwungenen Ziegeldächern im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Die Tang-Dynastie regierte China von 618 bis 907 [3, 4]. Die Columbia University und das Asian Art Museum in San Francisco setzen das Ende auf 906, das Museum fügt hinzu, dass die Strukturen des Staates bis 907 bestanden [1, 2]. Hauptstädte waren Chang'an, das heutige Xi'an, und Luoyang [1]. Die Columbia University beschreibt die Tang-Zeit in ihrer Zeittafel als Epoche der Weltoffenheit und kulturellen Blüte [1]. Das Asian Art Museum zählt Tang und Song zusammen als "mittelalterliche" Periode Chinas [2].

Gründung auf den Trümmern der Sui

Vor den Tang herrschte die kurze Sui-Dynastie von 581 bis 618 [1]. Der Heerführer Li Yuan nahm 617 Chang'an ein und wurde 618 der erste Tang-Kaiser, bekannt als Gaozu [4, 5]. Die englische Wikipedia nennt den 18. Juni 618 als Tag der Ausrufung, den Tag, an dem der Sui-Kaiser Yang ermordet wurde [4]. Die Herrscherfamilie trug den Namen Li. Nach dem Asian Art Museum stammte sie nicht von den Han ab und kam vielleicht aus einem türkischsprachigen Gebiet Zentralasiens [2].

Gaozu regierte bis 626. Dann setzte ihn sein Sohn Li Shimin ab, der zuvor beim Zwischenfall am Xuanwu-Tor am 2. Juli 626 zwei seiner Brüder getötet hatte [4]. Als Kaiser Taizong regierte er von 626 bis 649 [3, 4]. Die World History Encyclopedia sieht in ihm einen Mitbegründer der Dynastie, der verschiedene Religionen duldete [3]. Unter den Tang wuchs das Reich weit über das chinesische Kernland hinaus, nach dem Asian Art Museum bis nach Korea, Vietnam und in Teile Nordost-, Zentral- und Südostasiens [2].

Verwaltung und Prüfungen

Die Tang behielten das Ausgleichsfeldsystem der Nördlichen Wei mit einigen Änderungen bei, nach dem der Staat Land an Bauernfamilien verteilte [4]. Die Regierung gliederte sich in drei Ämter und sechs Ministerien: Personal, Finanzen, Riten, Militär, Justiz und öffentliche Arbeiten [4]. Beamte wählte der Staat über Prüfungen aus [4]. Die wichtigste war die Jinshi-Prüfung, in der Bewerber Aufsätze über Regierung und Politik schrieben und Gedichte verfassten. Im späten 7. Jahrhundert war sie der Hauptweg in hohe Ämter [4]. Zugelassen waren Männer, deren Väter keine Handwerker oder Kaufleute waren [4]. Nach der deutschen Wikipedia bestanden höchstens zehn Prozent der Bewerber, und in der Praxis entschieden Besitz und Herkunft weiter mit über die Besetzung der Ämter [5].

Wu Zetian, die einzige Kaiserin

Von 690 bis 705 unterbrach eine Frau die Herrschaft der Tang. Wu Zetian nahm 690 den Kaisertitel an und nannte ihre Dynastie Zhou [4, 5]. Sie war um 638 mit etwa 14 Jahren als Nebenfrau an den Hof gekommen [3]. Nach der World History Encyclopedia vergab sie Ämter stärker nach Leistung [3]. 705 musste sie abdanken und starb im selben Jahr [3]. Danach regierten wieder Tang-Kaiser [4].

Xuanzong und die Hauptstadt Chang'an

Die Tang erreichten ihren Höhepunkt unter Kaiser Xuanzong, der 44 Jahre lang regierte, von 712 bis 756 [4]. Er förderte den Daoismus [3]. Chang'an, übersetzt "Ewiger Friede", war eine ummauerte Stadt, deren Plan nach den Sternen ausgerichtet war [2]. Sie lag am östlichen Ende der Seidenstraße und war ein Zentrum für Bankwesen, Handel, Religion und Kunst [2]. Wie viele Menschen dort lebten, schätzen die Quellen verschieden: Die deutsche Wikipedia nennt etwa eine Million Einwohner, die englische Wikipedia etwa zwei Millionen in Stadtvierteln und Umland [4, 5]. Rund 25.000 Ausländer wohnten in der Stadt, darunter Perser, Zentralasiaten, Japaner, Koreaner, Tibeter und Inder [4].

Ein Marktplatz mit Holzständen unter Stoffdächern, Seidenballen, Tonkrügen und Gewürzen im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Für das ganze Reich ergaben zwei Volkszählungen des 7. und 8. Jahrhunderts etwa 50 Millionen Menschen [4]. Die Columbia University nennt für das Jahr 742 ebenfalls rund 50 Millionen [6]. Bis zum Ende der Dynastie wuchs die Bevölkerung nach Schätzungen auf etwa 80 Millionen [4].

Talas und der An-Lushan-Aufstand

751 schlug ein Heer der Abbasiden unter Ziyad ibn Salih die Tang-Truppen des Gao Xianzhi am Fluss Talas, nahe dem heutigen Taschkent [4]. Nach der Columbia University endete damit die Ausdehnung der Tang nach Westen [1]. Wie die Handelswege durch Zentralasien verliefen, erzählt der Artikel Die Seidenstraße.

Schwerer wog ein Aufstand im Inneren. Der General An Lushan erhob sich nach der World History Encyclopedia mit über 180.000 Mann, die englische Wikipedia nennt über 100.000. Die Kämpfe dauerten von 755 bis 763 [3, 4]. Das Asian Art Museum datiert den Beginn auf 756 [2]. An Lushan eroberte 755 und 756 Luoyang und Chang'an, der Kaiser musste fliehen [2, 5]. Auf der Flucht des Hofes wurde Yang Guifei getötet, die Geliebte Xuanzongs [3]. Nach der englischen Wikipedia zerstörte der Aufstand den Wohlstand der Tang [4]. Über die Zahl der Toten gibt es keine gesicherte Angabe. Die deutsche Wikipedia und die World History Encyclopedia nennen rund 36 Millionen, die Zeittafel der World History Encyclopedia mehr als 13 Millionen. Die deutsche Wikipedia weist darauf hin, dass das Zählsystem damals zusammengebrochen war und sich die Verluste deshalb nicht genau bestimmen lassen [3, 5].

Danach gewannen die Militärgouverneure, die Jiedushi, an Macht. Sie hatten sich seit 711 im Landesinneren ausgebreitet und übernahmen auch die zivile Verwaltung [5]. Das Asian Art Museum beschreibt, wie Heerführer ihre Macht festigten, Thronanwärter auftraten und Völker an den Nord- und Westgrenzen um Einfluss kämpften [2].

Religionen und Buddhismus

Der Buddhismus kam aus Indien und erreichte unter den Tang nach der Columbia University seinen größten Einfluss in China [1]. China wurde zu einem Zentrum buddhistischer Gelehrsamkeit, das Schüler und Pilger anzog, und die buddhistischen Schriften erschienen nun auf Chinesisch statt auf Sanskrit [2]. Neben dem Buddhismus gab es in Chang'an nestorianische Christen, Muslime und Anhänger Zarathustras [4].

Eine hohe gestufte Pagode aus Ziegeln in einem stillen Tempelhof zwischen alten Kiefern
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In den 840er Jahren ging Kaiser Wuzong gegen den Buddhismus vor [4]. 845 ließ er 4.600 Klöster und 40.000 Tempel und Schreine schließen, etwa 260.000 Mönche und Nonnen mussten ins weltliche Leben zurück [4, 5]. Die World History Encyclopedia datiert die Verfolgung auf 842 bis 845 und nennt auch Manichäer, Juden, Zarathustrier und nestorianische Christen als Betroffene [3]. Mehr zur Lehre Buddhas in Asien steht im Artikel Die Geschichte des Buddhismus.

Dichtung, Kunst und Druck

Die Lyrik der Tang-Zeit gilt nach dem Asian Art Museum als größte Leistung der chinesischen Literatur [2]. Zu den bekanntesten Dichtern gehören Li Bai, der von 701 bis 762 lebte, Du Fu, der von 712 bis 770 lebte, Wang Wei, der von 701 bis 761 lebte, und Bai Juyi, der von 772 bis 846 lebte [3, 4]. Bai Juyi schrieb um 806 das "Lied vom ewigen Leid" [3]. Maler schufen religiöse Wandbilder in Höhlen entlang der Seidenstraße, und die Töpfer entwickelten Keramik mit mehrfarbigen Glasuren, deren Formen auf indische, persische und griechische Vorbilder zurückgingen [2].

Eine glasierte Pferdefigur aus Keramik in Bernstein, Grün und Creme auf einem dunklen Sockel
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In der Tang-Zeit entwickelte sich der Holztafeldruck [4]. Das bekannteste Zeugnis ist eine Diamant-Sutra aus dem Jahr 868, die älteste bekannte Druckschrift mit Datum [7, 8]. Ein Mann namens Wang Jie ließ sie nach dem Schlussvermerk für seine Eltern zur freien Verteilung anfertigen [7, 8]. Die Rolle ist etwa fünf Meter lang [7, 8]. Ein Mönch fand sie 1900 in einer zugemauerten Bibliothekshöhle bei Dunhuang, 1907 brachte Aurel Stein sie nach England, heute liegt sie in der British Library [7, 8]. Ältere Drucke ohne Datum gibt es [8].

Wirkung auf die Nachbarn

Die Tang prägten nach der englischen Wikipedia die Kultur Japans und Koreas stark [4]. Die japanische Hauptstadt Heian-kyō, das heutige Kyōto, wurde nach dem Vorbild Chang'ans angelegt [4]. Händler aus Persien, Arabien, Indien und Südostasien lebten in Kanton, dem heutigen Guangzhou, und Tausende fremde Kaufleute in Yangzhou [4]. Mehr über das Japan dieser Zeit steht im Artikel Japan im Mittelalter.

Huang Chao und das Ende

Ein Aufstand unter Huang Chao verwüstete Nord- und Südchina. Die englische Wikipedia und die World History Encyclopedia datieren ihn auf 874 bis 884, die deutsche Wikipedia nennt als Beginn um 875 [3, 4, 5]. Huang Chao war nach der World History Encyclopedia ein früherer Salzschmuggler, der an den Staatsprüfungen gescheitert war [3]. 878 richteten seine Truppen in Guangzhou ein Massaker an [4]. Der Aufstand kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben und zerstörte Chang'an [3].

901 nahm der Heerführer Zhu Wen Chang'an ein [4]. 907 setzte er Kaiser Ai ab und bestieg selbst den Thron [4]. Die deutsche Wikipedia berichtet, dass er im selben Jahr alle Tang-Prinzen töten ließ [5]. China zerfiel danach in mindestens fünfzehn Staaten [2]. Die Zeit der Fünf Dynastien dauerte bis 960, dann einigten die Song das Reich neu [1, 2]. Wie es weiterging, beschreibt der Artikel Die Song-Dynastie.

Die wichtigsten Daten

ZeitEreignis
618Li Yuan wird als Gaozu erster Tang-Kaiser [4, 5]
626 bis 649Regierung Kaiser Taizongs [3, 4]
690 bis 705Zhou-Herrschaft der Kaiserin Wu Zetian [4]
712 bis 756Regierung Kaiser Xuanzongs [4]
751Niederlage am Talas gegen die Abbasiden [1, 4]
755 bis 763An-Lushan-Aufstand, nach dem Asian Art Museum ab 756 [2, 4]
845Verfolgung der Buddhisten unter Wuzong [4]
868Diamant-Sutra, älteste datierte Druckschrift [7, 8]
874 oder 875 bis 884Aufstand des Huang Chao [4, 5]
907Zhu Wen setzt Kaiser Ai ab, Ende der Tang (nach Columbia University und Asian Art Museum 906) [1, 2, 4]

Die Zeit vor den Tang behandelt der Artikel Die Han-Dynastie, den Überblick über alle Dynastien Die Geschichte Chinas.

  1. Organisation Timeline of Chinese History and Dynasties. Columbia University, Asia for Educators. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation An Introduction to the Tang Dynasty. Asian Art Museum San Francisco. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Emily Mark: Tang Dynasty. World History Encyclopedia. Stand 28.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
  4. Tang dynasty. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Tang-Dynastie. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation China in 1000 CE: Population Boom. Columbia University, Asia for Educators. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Jason Daley: Five Things to Know About the Diamond Sutra, the World's Oldest Dated Printed Book. Smithsonian Magazine. Stand 11.05.2016. abgerufen am 29.10.2026
  8. Diamond Sutra. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.