Das MittelalterRatgeber
Die Seidenstraße: Handelswege zwischen China und dem Westen
Die Seidenstraße war ein Netz aus Land- und Seewegen, das China über Zentralasien mit Indien, Persien und dem Mittelmeerraum verband. Sie entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. unter der Han-Dynastie und wurde bis ins 15. Jahrhundert genutzt. Den Namen prägte erst 1877 der deutsche Geologe Ferdinand von Richthofen.

Die Seidenstraße war ein Netz aus Handelswegen, überwiegend über Land, zum Teil über See. Es reichte von China bis Korea und Japan im Osten und verband China über Zentralasien mit Indien im Süden und mit der Türkei und Italien im Westen [1]. Die englische Wikipedia gibt die Länge der Landwege mit mehr als 6.400 Kilometern an und datiert das Netz vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts [3]. Die einzelnen Routen änderten sich in dieser Zeit immer wieder [1].
Woher der Name kommt
Die Händler selbst kannten keinen gemeinsamen Namen für diese Wege. Den Begriff "Seidenstraßen" prägte 1877 der deutsche Geologe und Forschungsreisende Ferdinand von Richthofen [1, 2]. Richthofen sah Zentralasien als Landbrücke zwischen weit entfernten Kulturen und als umkämpftes Gebiet, in dem sich politische und militärische Interessen kreuzten [1]. Seitdem steht der Name nach Richard Kurin vom Smithsonian für den Austausch zwischen Europa und Asien [1].
Routen durch Wüsten und Gebirge
Die Han wollten einen Weg durch das Tarimbecken und den Hexi-Korridor ins chinesische Kernland öffnen [3]. Die nördliche Route führte von dort durch die heutige Provinz Gansu nach Nordwesten. Sie teilte sich in Zweige nördlich und südlich der Taklamakan-Wüste, die sich in Kaschgar wieder trafen [3]. Weiter westlich führten Wege über den Pamir [3]. Die südliche Route verlief über Karakorum und Hindukusch [3].

Die Wege waren meist in schlechtem Zustand. Karawanen zogen durch Wüsten und Hochgebirge, bei großer Hitze und Kälte, und mussten mit Räubern, Gefangenschaft und Hunger rechnen [1]. Auf See drohten Unwetter, schlecht gebaute Schiffe und Piraten [1]. Die Seewege bestanden nach der englischen Wikipedia seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. und wurden vor allem von austronesischen Seefahrern betrieben [3].
Die Anfänge unter den Han
Nach der World History Encyclopedia schickte Kaiser Wu der Han-Dynastie 138 v. Chr. den Gesandten Zhang Qian nach Westen, um Verbündete gegen die Xiongnu zu finden [2]. Zhang Qian berichtete von kräftigen Pferden im Land Dayuan, die China für seine Reiterei haben wollte [2]. Um 130 v. Chr. wurde die Route nach Westen geöffnet, und der Handel kam in Gang [2, 3].
Chinesische Seide fand sich bei Ausgrabungen in Baktrien, der Gegend um Balch und Masar-i-Scharif im heutigen Afghanistan, schon in Schichten von etwa 500 v. Chr. [1]. Unter den Han wurde Seide zu einem wichtigen Handelsgut und zu einem allgemeinen Zahlungsmittel: Bauern zahlten ihre Steuern in Seide, Beamte erhielten ihr Gehalt in Seide [1]. Schon 198 v. Chr. hatten die Han den Xiongnu jährliche Geschenke in Gold und Seide versprochen [1]. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte Seide Rom [1]. Plinius glaubte, sie werde aus dem Flaum von Bäumen im Land der "Serer" gewonnen [1]. Die Römer gaben so viel Gold und Silber für Seide aus, dass Edelmetall knapp wurde [1]. Zwischen China und Rom lag das Partherreich, das nach der Eroberung Mesopotamiens 129 v. Chr. zum wichtigsten Zwischenhändler wurde [2]. Als der Westgote Alarich 408 n. Chr. Rom belagerte, verlangte er als Lösegeld neben 5.000 Pfund Gold auch 4.000 Tuniken aus Seide [1]. Wie die Han ihr Reich organisierten, beschreibt der Artikel Die Han-Dynastie.
Drei Blütezeiten
Richard Kurin vom Smithsonian unterscheidet drei Zeiten mit besonders regem Handel [1]. Die erste reichte von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. und verband das Han-Reich mit Zentralasien und Rom. Die zweite fiel in die Tang-Zeit von etwa 618 bis 907, als China mit Zentralasien, Byzanz, den Reichen der Umayyaden und Abbasiden, dem Perserreich der Sassaniden und Indien handelte. Die dritte lag im 13. und 14. Jahrhundert, als die Mongolen den größten Teil der Wege beherrschten [1].
Was gehandelt wurde
Über die Seidenstraße reisten Seide, Baumwolle, Wolle, Glas, Jade, Lapislazuli, Gold, Silber, Salz, Gewürze, Tee, Heilkräuter, Pferde und Musikinstrumente [1]. Nach Osten gingen nach der World History Encyclopedia unter anderem Pferde, Sättel, Trauben, Pelze, Glaswaren und Wollstoffe, nach Westen Seide, Tee, Farbstoffe, Edelsteine, Porzellan, Gewürze, Papier und Schießpulver [2]. Aus dem Mittelmeerraum kamen geblasenes Glas, Bernstein und rote Koralle nach Osten [1].

Die Tang brauchten Pferde für ihr Heer. Die besten hielten die Uiguren und die Völker des Ferghanatals. Im 8. Jahrhundert tauschten die Tang 40 Ballen Seide gegen ein Pferd [1]. In der Mongolenzeit war Seide noch begehrt, aber nicht mehr die wichtigste Ware. Europäer suchten nun Perlen, Edelsteine, Gewürze, Arzneien, Keramik, Teppiche und Lackwaren [1].
Wie die Seide nach Westen kam
China hütete das Geheimnis der Seidenherstellung über Jahrhunderte [1]. Nach einer Legende lernten 552 zwei christliche Mönche aus Syrien in China die Seidenraupenzucht und schmuggelten Raupen und Maulbeersamen in ihren Wanderstäben nach Konstantinopel [1]. Die World History Encyclopedia schreibt die Aktion Kaiser Justinian zu, der zwei als Mönche verkleidete Gesandte geschickt habe [2]. Damit begann die Seidenweberei in Byzanz [1, 2]. Später lernten auch Perser und Araber die Herstellung, Damaskus wurde unter arabischer Herrschaft ein Zentrum der Seide [1].
Sogdier, Mönche und Religionen
Die wichtigsten Zwischenhändler waren die Sogdier aus der Gegend um Samarkand [4]. Ihre Sprache diente schon im 4. Jahrhundert als Verkehrssprache des Handels in Asien [3, 4]. Ein sogdischer Brief aus dem Jahr 313, gefunden in einer Wachturmruine in Gansu, sollte Kaufleute in Samarkand warnen, dass sich Geschäfte in Luoyang für indische und sogdische Händler nach der Plünderung der Stadt nicht mehr lohnten [4]. Bis ins 10. Jahrhundert vermittelten Sogdier den Handel zwischen China und Zentralasien [3].
Mit den Waren reisten Glaubenslehren. Der Buddhismus gelangte über diese Wege von Indien durch Zentralasien nach Tibet, China und Japan [1]. Der Mönch Xuanzang verließ Chang'an um 629, zog über Dunhuang, die Taklamakan, Buchara und Samarkand nach Indien und kehrte um 645 mit übersetzten Schriften zurück [1]. Den Islam trugen Sufi-Lehrer und Heere von Westasien bis nach China und Indien [1]. Wie sich die Lehre Buddhas ausbreitete, erzählt der Artikel Die Geschichte des Buddhismus.
751 verloren die Tang am Talas gegen die Abbasiden, danach endete ihre Ausdehnung nach Westen [5]. Kurin berichtet, dass nach dieser Schlacht chinesische Weber als Kriegsgefangene nach Iran und Mesopotamien gebracht wurden [1]. Die Tang-Hauptstadt Chang'an war in dieser Zeit eine Weltstadt voller Händler, Mönche und Gesandter [1]. Mehr dazu steht im Artikel Die Tang-Dynastie.
Die Mongolenzeit
Zur Zeit der Kreuzzüge, von 1096 bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, ging der Austausch über den ganzen Kontinent nach Kurin zurück. Heimkehrende Kreuzfahrer brachten aber byzantinische Seide mit und weckten in Europa neues Interesse am Handel mit Asien [1]. Im 13. und 14. Jahrhundert beherrschten die Nachfahren Dschingis Khans Asien vom Schwarzen Meer bis zum Pazifik [1]. Kurin beschreibt, wie die Mongolen in ihrem Reich mit Macht und Gewalt einen gewissen Frieden durchsetzten, die "Pax Mongolica" [1]. Sie bauten Post- und Rasthaussysteme auf [1]. In ihrer Hauptstadt Karakorum standen nach Kurin zwölf buddhistische Tempel, zwei Moscheen und eine Kirche [1]. 1253 besuchte Wilhelm von Rubruk als Gesandter König Ludwigs IX. von Frankreich den Hof des Großkhans [1]. 1335 schlug eine mongolische Gesandtschaft dem Papst in Avignon mehr Handel und Austausch vor [1].
Der Venezianer Marco Polo, der von 1254 bis 1324 lebte, brach 1271 mit seinen Onkeln auf und war 24 Jahre lang unterwegs [1]. Seinen Bericht erzählte er als Gefangener in Genua [1]. Ibn Battuta verließ Marokko ein Jahr nach Polos Tod und kehrte 1349 zurück [1]. Das Weltreich behandelt der Artikel Das Mongolische Reich, den Reisenden aus Venedig Marco Polo.
Auf denselben Wegen wanderten Krankheiten. Nach der englischen Wikipedia verbreitete sich die Pest entlang der Routen und trug möglicherweise zum Schwarzen Tod bei [3]. Wie die Pandemie Europa traf, steht im Artikel Der Schwarze Tod.
Warum die Karawanenwege an Bedeutung verloren
Mit dem Zerfall der Mongolenherrschaft wurde die Kontrolle über die Wege wieder umkämpft [1]. Karawanen mussten hohe Schutzgelder zahlen oder wurden überfallen. Portugal suchte deshalb einen sichereren und billigeren Seeweg nach Indien [1]. Als Vasco da Gama diesen Seeweg fand und Europäer direkte Schiffsverbindungen nach China aufbauten, ging der Kontakt mit Zentralasien stark zurück [1]. Nach der englischen Wikipedia trieb ab 1453 der Wettstreit der Osmanen mit anderen Mächten um die Landwege die europäischen Staaten zur Suche nach anderen Wegen [3]. Die World History Encyclopedia formuliert es schärfer: Das Osmanische Reich habe 1453 die alten Routen geschlossen [2].
Die Seidenstraße als Welterbe
Am 22. Juni 2014 nahm das Welterbekomitee der UNESCO auf seiner 38. Sitzung in Doha einen Abschnitt der Seidenstraße in die Welterbeliste auf [6]. Das "Straßennetz des Chang'an-Tianshan-Korridors" umfasst 33 Stätten in China, Kasachstan und Kirgistan auf etwa 5.000 Kilometern, von Zentralchina bis zum Siebenstromland in Zentralasien [6]. Der Antrag von 2013 nannte 22 Stätten in China, acht in Kasachstan und drei in Kirgistan [6]. 2023 kam der Zarafschan-Karakum-Korridor als weiteres Welterbe hinzu [3].

Wie Handel und Geld die Geschichte geprägt haben, beschreibt der Artikel Wirtschaft und Handel in der Geschichte.
- Studie Richard Kurin: The Silk Road: Connecting People and Cultures (Programmheft Smithsonian Folklife Festival 2002). Smithsonian Institution. Stand 2002. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Silk Road. World History Encyclopedia. Stand 01.05.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Silk Road. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Sogdia. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Timeline of Chinese History and Dynasties. Columbia University, Asia for Educators. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Silk Roads: the Routes Network of Chang'an-Tianshan Corridor. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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