Antike und AltertumRatgeber
Die Han-Dynastie: Chinas Kaiserreich über vier Jahrhunderte
Die Han-Dynastie regierte China von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr., unterbrochen von der Xin-Dynastie des Wang Mang von 9 bis 23 n. Chr. Hauptstadt war zuerst Chang'an, ab 25 n. Chr. Luoyang. Unter den Han wurde der Konfuzianismus zur Grundlage des Staates, und die Mehrheit der Chinesen nennt sich bis heute nach dieser Dynastie.

Die Han-Dynastie regierte China von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. [1]. Sie folgte auf die kurze Qin-Dynastie, die von 221 bis 206 v. Chr. bestand [1]. Die Forschung teilt die Han-Zeit in zwei Hälften: die Westliche oder Frühere Han mit der Hauptstadt Chang'an, dem heutigen Xi'an, und die Östliche oder Spätere Han mit der Hauptstadt Luoyang [1, 2]. Dazwischen lag die Herrschaft des Wang Mang. Die größte Bevölkerungsgruppe im heutigen China bezeichnet sich nach dieser Dynastie als "Han" [4].
Gründung nach dem Ende der Qin
Der erste Kaiser der Qin, Qin Shihuangdi, starb 210 v. Chr., vier Jahre später endete seine Dynastie [1]. Es folgte ein Bürgerkrieg zwischen dem Reich Chu und den Anhängern Liu Bangs, der von 206 bis 202 v. Chr. dauerte [4]. In der Schlacht bei Gaixia 202 v. Chr. schlug Liu Bang seinen Rivalen und wurde Kaiser [4]. Nach seinem Tod erhielt er den Namen Gaodi [2]. Die Han zählen ihre Herrschaft trotzdem ab 206 v. Chr. [1].
Im Norden bedrohten die Xiongnu das junge Reich, ein Bund von Reiternomaden in der östlichen Steppe Eurasiens [4]. Die Han versuchten es zunächst mit Heiratsbündnissen. 198 v. Chr. schickten sie eine Prinzessin zum Herrscher der Xiongnu. Die Quellen beschreiben sie unterschiedlich: als Tochter des Kaisers oder als angebliche Prinzessin [3, 6]. Der Vertrag sah außerdem jährliche Geschenke in Gold und Seide vor [6]. Mehr über diese Reitervölker steht im Artikel Die eurasische Steppe und ihre Reitervölker.
Kaiser Wu und der Konfuzianismus
Unter Kaiser Wu, chinesisch Wudi, der von 141 bis 87 v. Chr. regierte (nach der Columbia University bis 86 v. Chr.), wuchs das Reich stark [1, 2, 4]. Seine Truppen zogen gegen die Xiongnu, und China dehnte sich nach Korea und Vietnam aus [2]. 111 v. Chr. kam das Reich Nanyue im Süden dazu, 108 v. Chr. eroberten die Han Gojoseon im Norden Koreas und richteten dort die Kommandanturen Xuantu und Lelang ein [4]. Die Feldzüge belasteten die Staatskasse schwer [2]. Um sie zu bezahlen, übernahm der Staat 117 v. Chr. die private Salz- und Eisenherstellung. Das Asian Art Museum datiert ein Staatsmonopol auf Eisen schon auf 119 v. Chr. [2, 4]. Eisen und Salz blieben danach gut ein Jahrhundert lang Staatsmonopole [3].
Ab der Regierung Wudis unterstützte der Hof den Konfuzianismus [4]. Er wurde zur Grundlage des Staates, und es entstand ein Beamtenapparat mit Prüfungen [1]. Grundlage der Ausbildung waren die fünf Klassiker, wie Konfuzius sie festgelegt hatte. Ein Prüfungssystem gab es nach dem Asian Art Museum schon seit 196 v. Chr. [2]. 124 v. Chr. gründete der Kaiser eine Akademie, an der künftige Beamte die konfuzianischen Klassiker lernten [2, 4]. Am Ende der Westlichen Han hatte sie mehr als 3.000 Studenten, im 2. Jahrhundert n. Chr. mehr als 30.000 [2, 4]. Auch der Kalender wurde neu geordnet: 104 v. Chr. führte der Hof den Taichu-Kalender ein [4].
Zhang Qian und die Wege nach Westen
Von 139 bis 125 v. Chr. reiste der Gesandte Zhang Qian in die Gebiete westlich des Reiches. Seine Reisen brachten China in Kontakt mit vielen Nachbarkulturen [4]. Über die Handelswege nach Westen gelangte Seide bis nach Rom, im 1. Jahrhundert v. Chr. war sie dort angekommen [2, 6]. Den Namen "Seidenstraße" prägte erst 1877 der deutsche Geologe Ferdinand von Richthofen [6]. Unter den Han wurde Seide zu einem wichtigen Handelsgut und diente als königliches Geschenk und als Tribut. Sie war zugleich ein Zahlungsmittel: Bauern zahlten ihre Steuern in Seide, Beamte erhielten ihr Gehalt in Seide [6]. Auf demselben Weg kam der Buddhismus nach China. Er wird zuerst im Jahr 65 n. Chr. erwähnt [4].

Die Geschichte dieser Handelswege erzählt der Artikel Die Seidenstraße, die Ausbreitung der Lehre Buddhas Die Geschichte des Buddhismus.
Wie viele Menschen im Reich lebten
Aus der Han-Zeit stammt die erste landesweite Volkszählung Chinas. Im Jahr 2 n. Chr. zählten die Beamten 57.671.400 Menschen in 12.366.470 Haushalten [4]. Rund um das Jahr 100 n. Chr. entstand mit dem Shuowen das erste chinesische Wörterbuch [2].
Wang Mang und die Östliche Han
Im Jahr 9 n. Chr. riss der Regent Wang Mang den Thron an sich und gründete die Xin-Dynastie, die bis 23 n. Chr. bestand [4, 2]. 25 n. Chr. stellte Liu Xiu die Han-Herrschaft wieder her. Er regierte als Kaiser Guangwu und verlegte die Hauptstadt nach Luoyang [2, 4]. Damit begann die Östliche Han, die bis 220 n. Chr. dauerte [1].
Erfindungen und Wissen
Aus der Han-Zeit stammen mehrere technische Neuerungen. Das übliche Verfahren der Papierherstellung erfand der Hofbeamte Cai Lun, der von 50 bis 121 n. Chr. lebte, im Jahr 105 [4]. Ganz neu war Papier damals nicht. Das älteste bekannte chinesische Papier aus Hanf stammt schon aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. [4]. Das Asian Art Museum beschreibt das Papier der Han-Zeit als Masse aus ausgekochten Stoffresten, Rinde, Raps und Hanf [2].

Der Gelehrte Zhang Heng, der von 78 bis 139 n. Chr. lebte, baute ein Gerät, das er "Erdbeben-Wetterfahne" nannte. Der Wissenschaftshistoriker Joseph Needham nannte es den Vorfahren aller Seismographen [4]. Die Schubkarre war in China im 1. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch, ebenso entstand im 1. Jahrhundert v. Chr. die Armillarsphäre zur Beobachtung des Himmels [4]. Um 20 n. Chr. erwähnt der Gelehrte Huan Tan Wasserräder, die Hämmer antrieben und Getreide verarbeiteten [4]. Weitere Beispiele: 15 v. Chr. beschrieb Yang Xiong einen Riemenantrieb für eine Spulmaschine, und Du Shi, gestorben 38 n. Chr., baute ein wasserradgetriebenes Gebläse für die Metallverhüttung [4]. Um 180 n. Chr. konstruierte Ding Huan einen von Hand gedrehten Ventilator für Palastgebäude [4]. In 49 staatlichen Gießereien entstanden große Mengen landwirtschaftlicher Geräte aus Eisen [2]. Weitere Erfindungen aus allen Epochen sammelt der Artikel Wissenschaft und Technik in der Geschichte.
Auch die Geschichtsschreibung bekam unter den Han ihre Form. Sima Tan, gestorben 110 v. Chr., begann das Shiji, die "Aufzeichnungen des Historikers", sein Sohn Sima Qian vollendete es. Das Werk wurde zum Vorbild für die offiziellen Geschichtswerke der folgenden Dynastien [4].
Gräber und Kunst
Viel über das Leben der Oberschicht verraten Gräber. In Mancheng in der Provinz Hebei liegen Gräber, die in Felsklippen gehauen sind. Die bekanntesten Funde daraus sind Totengewänder aus Jade [2]. Im Holzkammergrab der Fürstin Dai in der Provinz Hunan fanden Archäologen große Mengen Seide, darunter ein berühmtes Banner [2].

Besonders reich ist die Fundstätte Mawangdui in Changsha in der Provinz Hunan, ausgegraben von 1972 bis 1974. In drei Gräbern lagen Mitglieder des Königreichs Changsha aus der Westlichen Han-Zeit: Li Cang, Markgraf von Dai und Kanzler von Changsha, gestorben 186 v. Chr., seine Frau Xin Zhui und ein Verwandter, der 168 v. Chr. starb [5]. Das Grab der Frau enthielt ein T-förmiges Seidenbanner, das über ihrem Sarg lag [5]. In Grab 3 fanden sich Texte auf Seide, darunter Fassungen des Yijing und des Daodejing, die deutlich älter sind als die bis dahin bekannten. Dazu kamen drei Karten auf Seide, die bei ihrer Entdeckung als älteste Karten Chinas galten [5]. Die meisten Fundstücke zeigt heute das Provinzmuseum von Hunan [5].
Niedergang und Ende
In der zweiten Hälfte der Östlichen Han verlor der Hof an Stabilität [2]. 184 n. Chr. brach unter den Brüdern Zhang der Aufstand der Gelben Turbane aus [3, 4]. Am 22. September 189 ermordeten Eunuchen den General He Jin. Wenige Tage später stürmten Truppen den Palast und töteten etwa 2.000 Eunuchen [4].
Danach lag die Macht bei den Heerführern. Der Heerführer Cao Cao verlor im Winter 208 die Schlacht von Chibi [3]. Cao Pi, König von Wei, setzte 220 den letzten Han-Kaiser Xian ab [3, 4]. Damit begann die Zeit der Drei Reiche [3]. Die spätere Wiedervereinigung und die nächste große Blüte Chinas behandelt der Artikel Die Tang-Dynastie, den langen Überblick Die Geschichte Chinas.
Die wichtigsten Daten
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 206 v. Chr. | Beginn der Han-Dynastie, Ende der Qin [1] |
| 202 v. Chr. | Liu Bang siegt bei Gaixia und wird Kaiser [4] |
| 141 bis 87 oder 86 v. Chr. | Regierung Kaiser Wus [2, 4] |
| 139 bis 125 v. Chr. | Reisen des Zhang Qian [4] |
| 124 v. Chr. | Gründung der kaiserlichen Akademie [2, 4] |
| 119 bis 117 v. Chr. | Staatsmonopole auf Salz und Eisen [2, 4] |
| 108 v. Chr. | Eroberung von Gojoseon in Korea [4] |
| 2 n. Chr. | Volkszählung: 57,7 Millionen Menschen [4] |
| 9 bis 23 n. Chr. | Xin-Dynastie des Wang Mang [4] |
| 25 n. Chr. | Östliche Han, Hauptstadt Luoyang [4] |
| 105 n. Chr. | Cai Lun verbessert die Papierherstellung [4] |
| 184 n. Chr. | Aufstand der Gelben Turbane [3] |
| 220 n. Chr. | Absetzung des letzten Han-Kaisers [3] |
Die Zeit vor den Han, von den ersten Dynastien bis zur Reichseinigung, beschreibt der Artikel Das antike China.
- Organisation Timeline of Chinese History and Dynasties. Columbia University, Asia for Educators. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation An Introduction to the Han Dynasty. Asian Art Museum San Francisco. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Han-Dynastie. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Han dynasty. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mawangdui. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Richard Kurin: The Silk Road: Connecting People and Cultures (Programmheft Smithsonian Folklife Festival 2002). Smithsonian Institution. Stand 2002. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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