Personen der GeschichteRatgeber
Winston Churchill: Offizier, Minister und Premierminister im Krieg
Winston Churchill (30.11.1874 bis 24.01.1965) war ein britischer Politiker, Offizier und Schriftsteller. Er führte Großbritannien von Mai 1940 bis 1945 als Premierminister durch den Zweiten Weltkrieg und regierte erneut von 1951 bis 1955. 1953 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Winston Churchill wurde am 30.11.1874 im Blenheim-Palast in Oxfordshire geboren und starb am 24.01.1965 in London [1, 2]. Er war Offizier, Kriegsberichterstatter, Minister in vielen Ressorts und zweimal Premierminister, 1953 erhielt er den Nobelpreis für Literatur [1, 2].
Herkunft und frühe Jahre als Offizier
Churchills Vater war der konservative Politiker Lord Randolph Spencer Churchill, seine Mutter die Amerikanerin Jennie Jerome [2]. Nach der Royal Military Academy Sandhurst, die er von 1893 bis 1895 besuchte, trat er 1895 in die Kavallerie ein [1, 2]. Von 1895 bis 1899 nahm er als Leutnant an Feldzügen in Kuba, Indien und dem Sudan teil [2].
Im Burenkrieg in Südafrika arbeitete Churchill 1899/1900 als Kriegsberichterstatter. Er geriet in Gefangenschaft, und seine Flucht machte ihn in Großbritannien bekannt [2]. Aus seinen Zeitungsberichten aus Indien entstand 1898 sein erstes Buch "The Story of the Malakand Field Force". 1899 folgte "The River War" in zwei Bänden über die Rückeroberung des Sudan [8].
Abgeordneter und Minister vor 1914
1900 wurde Churchill für die Konservativen ins Unterhaus gewählt [1, 2]. Sein Wahlkreis war Oldham, gewählt wurde am 01.10.1900 [12]. 1904 wechselte er zur Liberalen Partei [1, 2]. In der liberalen Regierung stieg er rasch auf: 1906 wurde er Unterstaatssekretär für die Kolonien, von 1908 bis 1910 war er Handelsminister, 1910/11 Innenminister [2]. 1911 übernahm er als Erster Lord der Admiralität die politische Führung der Kriegsmarine [2].
Am 12.09.1908 heiratete Churchill Clementine Hozier in der Kirche St Margaret's in Westminster. Die Ehe hielt rund 56 Jahre, bis zu seinem Tod 1965 [9].
Gallipoli und der Erste Weltkrieg
Als Marineminister entwarf Churchill den Plan für das Unternehmen an den Dardanellen, das 1915 scheiterte [1, 2]. Nach heftiger Kritik schied er aus der Regierung aus [1, 2]. Er ging zur Armee und diente an der Westfront, 1916 kehrte er ins Parlament zurück [1, 2].

Im weiteren Verlauf des Ersten Weltkriegs holte ihn die Regierung zurück. 1917/18 war er Munitionsminister, von 1918 bis 1921 Minister für Krieg und Luftfahrt, 1921/22 Kolonialminister [2].
Zwischen den Kriegen
1924 kehrte Churchill zu den Konservativen zurück und wurde Schatzkanzler [1, 2]. In diesem Amt, das er bis 1929 innehatte, führte er Großbritannien zum Goldstandard zurück, der vor 1914 gegolten hatte [1, 2]. Die britische Regierung bezeichnet diese Entscheidung auf ihrer Website als umstritten [1].
Nach der Wahlniederlage der Konservativen 1929 verlor Churchill sein Regierungsamt und blieb die meiste Zeit der folgenden elf Jahre ohne Amt [1]. In den 1930er Jahren warnte er vor dem nationalsozialistischen Deutschland und kritisierte die Beschwichtigungspolitik von Premierminister Neville Chamberlain [1, 2]. Er lehnte außerdem die Unabhängigkeit Indiens ab [1]. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde er erneut Erster Lord der Admiralität [2].
Premierminister im Zweiten Weltkrieg
Am 10.05.1940 wurde Churchill Premierminister. Er folgte auf Chamberlain und führte eine Koalition aller Parteien [1, 2]. Zusätzlich übernahm er das eigens geschaffene Amt des Verteidigungsministers [1].

Am 13.05.1940 trat er zum ersten Mal als Premierminister vor das Unterhaus und bat um das Vertrauen für seine Regierung. Er habe, sagte er, nichts zu bieten als "Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß" [3]. Die britische Regierung schreibt seinen Reden im Krieg zu, die Moral in Großbritannien gestärkt zu haben [1].
Dünkirchen
Am 26.05.1940 begann die Evakuierung britischer und französischer Truppen aus Dünkirchen. Vorher hatte man gehofft, etwa 45.000 Mann retten zu können [4]. Am 04.06.1940 berichtete Churchill dem Unterhaus, dass über 335.000 französische und britische Soldaten gerettet worden waren [4]. Nach der Einleitung der International Churchill Society erreichten insgesamt mehr als 338.000 alliierte Soldaten England, darunter 26.000 Franzosen [4]. Nach seiner Darstellung waren 220 leichte Kriegsschiffe und 650 weitere Schiffe an der Rettung beteiligt [4]. Die britische Armee hatte nach seinen Angaben über 30.000 Tote, Verwundete und Vermisste verloren [4]. In derselben Rede kündigte er an, man werde an den Stränden kämpfen und sich niemals ergeben [4].
Nach dem Zusammenbruch der französischen Front sprach Churchill am 18.06.1940 erneut vor dem Unterhaus. Die Rede endet mit den Worten, dies sei ihre "finest hour", ihre beste Stunde, gewesen [10]. Im Sommer 1940 griff die deutsche Luftwaffe das Jagdfliegerkommando der Royal Air Force an, die Krise erreichte am 15.08.1940 einen Höhepunkt [11]. Als gefährlichste Phase der Luftschlacht um England gelten die Tage vom 24.08. bis 06.09.1940, in denen sich die Angriffe auf die Flugplätze in Südengland richteten [11]. Am 20.08.1940 dankte Churchill im Unterhaus den Jagdfliegern, die er "The Few" nannte, die Wenigen [11].
Bündnisse und Konferenzen
Churchill trieb das Bündnis zwischen Großbritannien, den USA und der Sowjetunion maßgeblich voran [2]. Am 14.08.1941 veröffentlichte er gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt die Atlantikcharta [2]. 1945 nahm er an der Konferenz von Jalta teil [2]. Die Potsdamer Konferenz vom 17.07. bis 02.08.1945 fiel in die Wochen seiner Wahlniederlage [2]. Den Verlauf des Krieges insgesamt beschreibt die Seite zum Zweiten Weltkrieg.
Die Hungersnot in Bengalen 1943
In Churchills Amtszeit fällt die Hungersnot von 1943 in Bengalen. Sie forderte sehr viele Menschenleben [5]. Neben dem Hunger war Malaria eine wichtige Todesursache [13]. Die Zahl der Opfer ist umstritten. Ein Fernsehbeitrag der BBC aus dem Jahr 2020 sprach nach dem Bericht der Times von einem Massensterben mit bis zu drei Millionen Toten [5]. Der Wirtschaftshistoriker Cormac Ó Gráda schreibt in einer Übersichtsarbeit von 2007, die Hungersnot von 1943 bis 1944 habe bei rund 60 Millionen Einwohnern Bengalens über zwei Millionen Menschen das Leben gekostet [13]. Historikerinnen und Historiker sind sich weitgehend einig, dass viele der Todesfälle mit einer wirksameren Hilfe hätten verhindert werden können [5]. Umstritten ist, wie viel Verantwortung Churchill persönlich trägt [5].
Rudrangshu Mukherjee von der Ashoka University nennt Churchill wegen seiner Politik einen Auslöser des Massensterbens. Yasmin Khan von der Universität Oxford sagte, Churchill könne sich schuldig gemacht haben, weil er weiße Leben über asiatische gestellt und keine Hilfe geschickt habe [5]. Tirthankar Roy von der London School of Economics sieht die Anfälligkeit Indiens für wetterbedingte Hungersnöte vor allem in der ungleichen Verteilung der Nahrungsmittel, in fehlenden Investitionen in die Landwirtschaft und in Versäumnissen der örtlichen Verwaltung [5]. Die International Churchill Society, ein 1968 gegründeter Verein zur Pflege von Churchills Andenken und damit selbst Partei in dieser Debatte, weist die Aussage zurück, Churchill habe den Tod von Millionen verursacht [6, 14]. Sie nennt Hortung, sinkende Löhne, Arbeitslosigkeit, steigende Lebensmittelpreise und eine schlechte Verteilung als Ursachen und schreibt, im schlimmsten Fall habe Churchill nicht mehr Hilfe geschickt [6]. Ó Gráda gewichtet anders: Die Suche nach gehorteten Vorräten im Sommer 1943 habe nur rund 100.000 Tonnen Reis zutage gefördert, und Kriegsprioritäten hätten den armen Bengalen die Nahrung vorenthalten, die sie dringend brauchten [13].
Wahlniederlage und Reden nach dem Krieg
Bei der Unterhauswahl 1945 verloren die Konservativen gegen die Labour Party unter Clement Attlee, und Churchill trat als Premierminister zurück [1, 2]. 1946 hielt er zwei Reden außerhalb Großbritanniens [2].
Am 05.03.1946 sprach er in Fulton im US-Bundesstaat Missouri. Über den europäischen Kontinent, sagte er, sei ein "Eiserner Vorhang" niedergegangen [1, 2]. Er warnte damit vor der Macht der Sowjetunion [1]. Wie sich die Ost-West-Konfrontation danach entwickelte, beschreibt die Seite zum Kalten Krieg. Am 19.09.1946 rief er in Zürich zur europäischen Zusammenarbeit auf. Großbritannien sah er dabei nicht als Teil des engeren Europa [2]. Wie es mit der Einigung weiterging, zeigt die Seite zur Europäischen Union.
Der Schriftsteller
Neben der Politik schrieb Churchill über Jahrzehnte Bücher, vor allem über Geschichte. Zwischen 1923 und 1931 erschien "The World Crisis" in sechs Bänden über die Jahre 1911 bis 1918 [8]. 1930 veröffentlichte er seine Jugenderinnerungen "My Early Life", von 1933 bis 1938 eine vierbändige Biografie des ersten Herzogs von Marlborough [8].
Nach dem Krieg folgten "The Second World War" in sechs Bänden von 1948 bis 1953 und "A History of the English-Speaking Peoples" in vier Bänden von 1956 bis 1958 [8]. Sein Aufsatz über die Malerei als Zeitvertreib erschien 1932 in einer Sammlung und 1948 als eigenes Buch [8].
Zweite Amtszeit und Nobelpreis
Von 1951 bis 1955 war Churchill noch einmal Premierminister [1, 2]. Seine Gesundheit war schlecht und sein Einfluss auf die Innenpolitik begrenzt. Die Konservativen behielten den Wohlfahrtsstaat bei, den die Labour-Regierung aufgebaut hatte [1]. 1955 trat er zurück, sein Nachfolger wurde Außenminister Anthony Eden [1].
1953 erhielt Churchill den Nobelpreis für Literatur [1, 2]. Gewürdigt wurden seine meisterhafte historische und biografische Darstellung und seine glänzende Redekunst bei der Verteidigung hoher menschlicher Werte [8]. Im selben Jahr wurde er zum Ritter geschlagen und durfte sich "Sir" nennen [2]. 1956 verlieh ihm die Stadt Aachen den Karlspreis, 1963 machten ihn die USA zum Ehrenbürger [2].
Tod und Staatsbegräbnis
Churchill starb am Morgen des 24.01.1965 in London [1, 7]. Vom 27.01. bis zum frühen Morgen des 30.01.1965 lag sein Sarg in der Westminster Hall aufgebahrt. 321.360 Menschen nahmen dort Abschied, zeitweise reichte die Schlange rund drei Meilen weit [7].

Am 30.01.1965 fand in der St Paul's Cathedral das Staatsbegräbnis statt. Etwa 3.000 Gäste nahmen teil, darunter Vertreter aus mehr als 100 Ländern [7]. Unter den Gästen war der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower [7]. Etwa 7.000 Soldaten gingen im Trauerzug mit, rund eine halbe Million Menschen säumte den Weg [7]. Das Schiff "Havengore" brachte den Sarg vom Tower Pier über die Themse zum Festival Pier. Von der Waterloo Station fuhr ihn ein Sonderzug in 125 Minuten nach Long Hanborough in Oxfordshire [7]. Beigesetzt wurde Churchill auf dem Friedhof der St Martin's Church in Bladon [2, 7]. Mehr zur britischen Geschichte steht auf der Seite zu Großbritannien.
- Behörde Past Prime Ministers: Sir Winston Churchill. GOV.UK, UK Government. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Winston Churchill (LeMO Biografie). Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Blood, Toil, Tears and Sweat (Rede vom 13.05.1940). International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation We Shall Fight on the Beaches (Rede vom 04.06.1940). International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Historians blast BBC for 'unbalanced' News At Ten report on Churchill (Nachdruck aus The Times). History News Network, George Washington University. Stand 23.07.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Did Churchill cause the Bengal Famine of 1943, as has been claimed?. International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Churchill's Final Farewell: The State and Private Funeral of Sir Winston Churchill (Finest Hour 166). Rodney J. Croft, International Churchill Society. Stand 24.07.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Churchill, Sir Winston (30 November 1874 bis 24 January 1965) (Dictionary of Literary Biography). Encyclopedia.com, Gale. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Their Finest Hour (Churchill Bulletin 123). International Churchill Society. Stand 16.09.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Their Finest Hour (Rede vom 18.06.1940). International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Few (Rede vom 20.08.1940). International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Churchill's Elections. International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie The Ripple that Drowns? Twentieth-century famines in China and India as economic history (Working Paper WP07/19). Cormac Ó Gráda, UCD Centre for Economic Research. Stand November 2007. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation About the International Churchill Society. International Churchill Society. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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