Das 20. JahrhundertRatgeber
Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918: Ursachen, Verlauf, Folgen
Der Erste Weltkrieg dauerte vom Sommer 1914 bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918. Auslöser war das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger in Sarajevo am 28. Juni 1914. Weltweit starben rund 17 Millionen Soldaten und Zivilisten, und mit dem Kriegsende brachen die Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland zusammen.

Der Erste Weltkrieg begann im August 1914 und endete mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918. Auf der einen Seite standen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn, später auch das Osmanische Reich und Bulgarien. Ihnen gegenüber standen die Staaten der Entente, zu Beginn Frankreich, Großbritannien und Russland [1, 10]. 1918 waren 25 Staaten am Krieg beteiligt, in denen etwa drei Viertel der damaligen Weltbevölkerung lebten [9]. Der Krieg kostete schätzungsweise 17 Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben [9]. Der US-Diplomat George F. Kennan nannte ihn die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts [10].
Spannungen vor 1914
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts rangen die europäischen Großmächte um Kolonien, Absatzmärkte und Einfluss. Diese imperialistischen Bestrebungen belasteten die Beziehungen untereinander [9]. Dazu kam ein Wettrüsten zu Land und zur See. Die deutsche Militärführung hielt einen Krieg in ganz Europa schon ab Ende 1912 für unvermeidbar [1]. Wie die Großmächte die Welt unter sich aufteilten, erklärt der Artikel über den Imperialismus.
Europa war in Bündnisse aufgeteilt. Als 1914 die Diplomatie versagte, zogen diese Bündnisse innerhalb weniger Tage eine Großmacht nach der anderen in den Krieg [1, 9].
Das Attentat von Sarajevo und die Julikrise
Am 28. Juni 1914 ermordete ein serbischer Nationalist in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau [3, 9]. Wien sah Hinweise auf eine Beteiligung des serbischen Geheimdienstes und bat Berlin um Rückendeckung. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Kaiser Wilhelm II. sagten Anfang Juli zu, einen Krieg gegen Serbien zu unterstützen. Die deutsche Führung fürchtete, sonst ihren letzten verlässlichen Verbündeten zu verlieren [3].
In den folgenden Wochen griff ein Schritt in den nächsten [3, 4]:
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 23.07.1914 | Österreich-Ungarn stellt Serbien ein Ultimatum mit zwei Tagen Frist, darunter die Forderung nach eigenen Ermittlungen auf serbischem Boden |
| 28.07.1914 | Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg |
| 29.07.1914 | Russland mobilisiert gegen Österreich-Ungarn |
| 31.07.1914 | Österreich-Ungarn ordnet die Generalmobilmachung an, Deutschland verlangt von Russland binnen 12 Stunden den Stopp der Mobilmachung |
| 01.08.1914 | Deutschland erklärt Russland den Krieg |
| 03.08.1914 | Deutschland erklärt Frankreich den Krieg |
| 04.08.1914 | Deutschland erklärt Belgien den Krieg, Großbritannien tritt wegen des Einmarschs in das neutrale Belgien gegen Deutschland in den Krieg ein |
| 23.08.1914 | Japan erklärt Deutschland den Krieg |
In fast allen Ländern glaubten die Menschen, ihr eigenes Land sei angegriffen worden. Das erleichterte die Mobilmachung [3]. In den deutschen Großstädten herrschten nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums vor allem Sorge und Zuversicht, weniger offene Begeisterung [1].
Vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg
Der deutsche Aufmarsch folgte dem Schlieffen-Plan. Er sah einen schnellen Sieg über Frankreich vor, danach sollte die Entscheidung im Osten fallen. Zu Kriegsbeginn standen rund 3,5 Millionen Soldaten der Mittelmächte mehr als 5,7 Millionen Soldaten der Entente gegenüber [2]. Deutsche Truppen besetzten am 2. August Luxemburg und marschierten ab dem 3. und 4. August in Belgien ein. Ende August erreichten sie die Marne, die französische Regierung wich nach Bordeaux aus. In der Schlacht an der Marne vom 5. bis 12. September 1914 kam der Vormarsch zum Stehen, und Generalstabschef Helmuth von Moltke befahl den Rückzug. Damit war der Schlieffen-Plan gescheitert [2].

Beide Seiten versuchten danach, sich gegenseitig im Norden zu überflügeln. Dieser "Wettlauf zum Meer" endete an der Kanalküste, und die Westfront erstarrte zu einem System aus Schützengräben [2]. Im Osten blieb der Krieg beweglicher. Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff siegten Ende August 1914 bei Tannenberg und machten dabei rund 92.000 russische Soldaten zu Gefangenen [2].
Materialschlachten im Westen
Ab 1915 versuchten beide Seiten, die gegnerischen Linien mit immer mehr Artillerie, Munition und Soldaten zu durchbrechen. Die Herbstschlacht in der Champagne 1915 gilt als erste große Materialschlacht [2]. Am 22. Februar 1916 griff die deutsche Armee bei Verdun an. Generalstabschef Erich von Falkenhayn wollte das französische Heer zermürben. Auf beiden Seiten zusammen kostete die Schlacht über 700.000 Mann an Toten, Verwundeten und Vermissten [2]. Sie gilt bis heute als Sinnbild des sinnlosen Sterbens [1].
An der Somme griffen vom 24. Juni bis 26. November 1916 britische und französische Truppen an. Die Deutschen verloren über 500.000 Mann, die Briten ebenfalls über 500.000 und die Franzosen rund 200.000. Am Ende hatten die Alliierten einen Streifen von etwa 40 Kilometern Breite und 12 Kilometern Tiefe gewonnen [2].
Neue Waffen und Giftgas
Die Haager Konferenz hatte chemische Kampfstoffe 1899 verboten. Trotzdem forschten deutsche, französische und britische Wissenschaftler daran, auf deutscher Seite ab Januar 1915 unter dem Chemiker Fritz Haber [5]. Am 22. April 1915 ließ die deutsche Armee bei Ypern aus 5.730 Stahlflaschen rund 180 Tonnen Chlor abblasen. Hunderte alliierte Soldaten starben, Tausende wurden verletzt [5]. Bald setzten alle Kriegsparteien Gas ein, zunehmend in Granaten. 1918 war fast jede dritte Granate mit chemischen Kampfstoffen gefüllt [5].
Auch Maschinengewehre, Flugzeuge, U-Boote und gepanzerte Kampfwagen wurden in großer Zahl industriell hergestellt [10]. Bei Cambrai setzten die Briten am 20. November 1917 erstmals Panzer in großer Zahl ein [2].
Die Heimatfront
Der Krieg verlangte die ganze Wirtschaft. In Deutschland stellte die dritte Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff in der zweiten Kriegshälfte mit dem Hindenburg-Programm die Gesellschaft auf Rüstung um. Kriegsgefangene mussten gegen das Völkerrecht in der Kriegswirtschaft arbeiten [10]. Allein in Deutschland wurden rund 13,2 Millionen Männer mobilisiert [1].

Die britische Seeblockade schnitt Deutschland von Lebensmittelimporten ab. Ab 1915 waren Lebensmittel rationiert. Im Winter 1916/17 brachte die Kartoffelernte nur die Hälfte des üblichen Ertrags, und die Behörden gaben stattdessen Steckrüben aus. Ein Erwachsener kam 1913 auf rund 3.000 Kalorien am Tag, 1917 meist auf weniger als 1.000 [6]. Die Kindersterblichkeit stieg im Krieg um die Hälfte. Schätzungen gehen von bis zu 700.000 Menschen aus, die in Deutschland zwischen 1914 und 1918 an Hunger und Unterernährung starben [6].
1917: USA und Russland
Die USA waren zunächst neutral, belieferten aber die Entente. 1915 versenkte ein deutsches U-Boot den britischen Passagierdampfer "Lusitania". Unter den knapp 1.200 Toten waren 139 US-Bürger [7]. Am 1. Februar 1917 erklärte Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, bei dem auch neutrale Handelsschiffe ohne Warnung versenkt wurden. Die USA brachen zwei Tage später die Beziehungen ab und erklärten Deutschland am 6. April 1917 den Krieg [4, 7]. Im Sommer 1918 standen rund zwei Millionen amerikanische Soldaten an der Westfront [7].
Im Osten brach Russland zusammen. Nach der Februarrevolution 1917 und der Machtübernahme der Bolschewiki schlossen beide Seiten im Dezember einen Waffenstillstand, am 3. März 1918 folgte der Friede von Brest-Litowsk [1, 2]. Den Weg dorthin beschreibt der Artikel über die Oktoberrevolution.
Das Kriegsende 1918
Ab dem 21. März 1918 griff die deutsche Armee in der Picardie mit über 70 Divisionen an. Weitere Offensiven folgten bis Juli, ein Durchbruch gelang nicht [2]. Ab dem 18. Juli gingen die Alliierten unter Marschall Ferdinand Foch zum Gegenangriff über. Am 8. August durchbrachen sie bei Amiens mit 450 Panzern die deutschen Linien, Ludendorff sprach vom "schwarzen Tag des deutschen Heeres" [2]. Am 29. September 1918 verlangte die Oberste Heeresleitung Waffenstillstandsverhandlungen [1].
Anfang November erfasste die Revolution Deutschland. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen, Kaiser Wilhelm II. dankte ab. Am 11. November unterzeichneten deutsche Vertreter den Waffenstillstand, und noch am selben Tag schwiegen die Waffen [1, 2]. Wie es in Deutschland weiterging, erzählt der Artikel über die Weimarer Republik.
Der Versailler Vertrag
Den Friedensvertrag unterzeichneten Außenminister Hermann Müller und Verkehrsminister Johannes Bell am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles. Die Nationalversammlung hatte ihn zuvor mit 237 zu 138 Stimmen gebilligt, in Kraft trat er am 10. Januar 1920 [8]. Deutschland verlor etwa ein Siebtel seines Gebiets und ein Zehntel seiner Bevölkerung, darunter Elsass-Lothringen an Frankreich sowie Posen und Westpreußen an Polen, außerdem alle Kolonien [8].
Das Heer durfte höchstens 100.000 Berufssoldaten umfassen, die Marine 15.000 Mann. Schwere Waffen und Luftstreitkräfte waren verboten, das linke Rheinufer blieb 15 Jahre besetzt [8]. Der Vertrag schrieb die Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für den Krieg fest und begründete damit hohe Reparationsforderungen [8, 9]. Fast alle Parteien von rechts bis zur Sozialdemokratie lehnten ihn ab. Gemeinsam mit der Dolchstoßlegende diente er der Hetze gegen die junge Republik [8].
Folgen für Europa und die Welt
Weltweit wurden über 60 Millionen Soldaten mobilisiert, etwa 10 Millionen von ihnen fielen [10]. Auf deutscher Seite kamen rund 2 Millionen Soldaten ums Leben [11]. Im Osmanischen Reich fielen dem Völkermord an den Armeniern nach seriösen Schätzungen mehr als eine Million Menschen zum Opfer [10]. In der Endphase des Krieges breitete sich die Spanische Grippe aus. Sie tötete vermutlich bis zu 50 Millionen Menschen, wahrscheinlich mehr als die Kämpfe selbst [10]. Mehr dazu steht im Artikel Die Spanische Grippe 1918.

Politisch veränderte der Krieg die Landkarte. Die Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland gingen unter, das Osmanische Reich zerfiel, und in Mittel- und Osteuropa entstanden neue Nationalstaaten [1]. Bereits 1916 hatten Großbritannien und Frankreich im Sykes-Picot-Abkommen den arabischen Raum unter sich aufgeteilt [10]. Die USA waren nach 1918 eine Weltmacht. Deutschland hatte den Krieg überwiegend mit Krediten bezahlt, die hohe Inflation der Nachkriegsjahre war eine Folge davon [9].
In Deutschland prägten Kriegerdenkmäler bald die Ortsbilder. 1919 gründete sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der einen Volkstrauertag propagierte [11]. Wie die ungelösten Konflikte zwanzig Jahre später in den nächsten Krieg führten, zeigen die Artikel zur Zwischenkriegszeit und zum Zweiten Weltkrieg.
- Organisation Arnulf Scriba: Der Erste Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Burkhard Asmuss, Manfred Wichmann: Kriegsverlauf (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.06.2011. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Andreas Mix: Juli-Krise 1914 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 01.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Kriegserklärungen (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Thomas Weißbrich: Giftgas (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 01.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Der "Kohlrübenwinter" 1916/17 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Manfred Wichmann: Kriegseintritt der USA 1917 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Der Versailler Vertrag (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 02.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 110 Jahren: Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 19.08.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wolfgang Kruse: Der Erste Weltkrieg als totaler Krieg. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 23.02.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wolfgang Kruse: Erbschaften des Krieges. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 19.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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