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Hannibal: der Feldherr Karthagos gegen Rom
Hannibal (247 bis 183 v. Chr.) war ein Feldherr Karthagos. Im Zweiten Punischen Krieg zog er 218 v. Chr. mit Heer und Elefanten über die Alpen nach Italien und besiegte die Römer 216 v. Chr. bei Cannae. 202 v. Chr. unterlag er Scipio bei Zama, später floh er ins Exil und nahm sich in Bithynien mit Gift das Leben.

Hannibal führte im Zweiten Punischen Krieg das Heer Karthagos gegen Rom [1]. Er zog 218 v. Chr. aus Iberien über die Pyrenäen und die Alpen nach Italien, schlug mehrere römische Heere und blieb rund 15 Jahre mit seiner Armee im Land [1]. Den Krieg verlor Karthago trotzdem: 202 v. Chr. siegte Scipio bei Zama [1, 2]. Die Geschichte stützt sich fast ganz auf römische und griechische Autoren wie Livius und Appian, also auf die Gegenseite [1, 3, 4].
Herkunft und Familie
Hannibal wurde 247 v. Chr. in Karthago geboren [1]. Sein Name bedeutete in der punischen Sprache etwa "Gnade Baals" [1]. Sein Vater Hamilkar Barkas war Feldherr Karthagos [1]. Die Geschichte seiner Heimatstadt beschreibt der Artikel über Karthago.
237 v. Chr. nahm Hamilkar den zehnjährigen Sohn mit nach Iberien [1]. Nach Livius ließ er Hannibal dort ewigen Hass gegen Rom schwören [1]. Die World History Encyclopedia schildert die Szene so, dass der etwa neunjährige Junge an einem Altar schwor, niemals ein Freund Roms zu sein [2]. Jona Lendering von Livius.org hält den Schwur für möglicherweise erfunden [1].
Die Jahre in Iberien
Hamilkar starb nach Livius.org 229 v. Chr., die World History Encyclopedia gibt seine Lebenszeit mit etwa 275 bis 228 v. Chr. an [1, 2]. Nach ihm übernahm sein Schwiegersohn Hasdrubal der Schöne die Führung in Iberien [1]. Er dehnte den Einfluss Karthagos durch Diplomatie und Heiraten aus, auch Hannibal heiratete eine einheimische Fürstentochter [1].
221 v. Chr. wurde Hasdrubal ermordet [1, 2]. Die karthagischen Truppen wählten Hannibal zum Feldherrn, die Regierung in Karthago bestätigte die Wahl [1]. Livius.org gibt sein Alter dabei mit 26 Jahren an, die World History Encyclopedia mit 25 [1, 2]. 220 v. Chr. nahm er Salamanca ein [1].
Sagunt und der Beginn des Krieges
219 v. Chr. belagerte Hannibal Sagunt, eine mit Rom verbündete Stadt, die nach acht Monaten fiel [1]. Ob er damit einen Vertrag brach, lässt sich nach Lendering nicht klären [1]. Rom verlangte seine Auslieferung [1]. Im Mai 218 v. Chr. überschritt Hannibal den Ebro, darauf erklärte Rom den Krieg [1].
Über Pyrenäen, Rhône und Alpen
Für den Marsch nennt Livius.org 50.000 Fußsoldaten, 9.000 Reiter und 37 Elefanten [1]. Das Heer überquerte die Pyrenäen und bei Arausio, dem heutigen Orange, die Rhône, die Elefanten wurden auf Flößen übergesetzt [1]. Unterwegs musste Hannibal sich nach Livius mehrfach gegen gallische Bergstämme durchschlagen [3].

Die Alpen überquerte er im Herbst, wahrscheinlich über den Col du Montgenèvre, Schnee erschwerte den Weg [1]. Über die Verluste gehen die Angaben auseinander. Nach der World History Encyclopedia dauerte die Überquerung 17 Tage, danach blieben etwa 26.000 Mann und nur wenige Elefanten [2]. Livius.org nennt für Oktober 218 v. Chr. rund 38.000 Fußsoldaten und 8.000 Reiter in der Poebene bei Turin [1].
Ticinus, Trebia und Trasimenischer See
Am Ticinus gewann Hannibal ein Reitergefecht, danach schlossen sich ihm etwa 14.000 Gallier an [1]. Im Dezember 218 v. Chr. siegte er an der Trebia über ein römisches Heer, das Verstärkung aus Sizilien bekommen hatte [1, 2]. Im Frühjahr 217 v. Chr. zog er über den Apennin nach Etrurien und verlor bei einem kleineren Gefecht ein Auge, manche Historiker führen das auf eine Augenentzündung zurück [1].
Am Trasimenischen See geriet der Konsul Gaius Flaminius mit etwa 25.000 Mann in einen Hinterhalt und fiel, zwei Legionen wurden vernichtet [1]. Nach Livius legte Hannibal 6.000 Römer, die sich durchgeschlagen hatten, trotz einer Zusage seines Reiterführers Maharbal in Ketten [3]. Die erhofften Abfälle der römischen Bundesgenossen blieben aber aus [1].
Rom ernannte Quintus Fabius Maximus zum Diktator [1]. Er folgte Hannibal, ohne sich auf eine Schlacht einzulassen, und bekam dafür den Spottnamen "Cunctator", der Zauderer [1]. Lendering hält den Spott für ungerecht, weil Fabius Zeit brauchte, um ein neues Heer auszubilden [1].
Die Schlacht von Cannae
216 v. Chr. entschied sich der Senat doch für eine Entscheidungsschlacht [1]. Die beiden Konsuln stellten rund 80.000 Mann gegen Hannibals etwa 50.000 [1, 2]. Am 2. August 216 v. Chr. trafen die Heere bei Cannae an der Adriaküste aufeinander [1]. Hannibals Linie wölbte sich nach innen, seine Reiterei umfasste die römischen Kerntruppen im Zentrum [1]. Weitere Schlachten der Zeit vergleicht der Artikel über Schlachten der Antike.

Die römischen Verluste beziffern die Quellen unterschiedlich [2, 3, 4]:
| Quelle | Gefallene Römer bei Cannae |
|---|---|
| Livius (Periochae, Buch 22) | 45.000, darunter Konsul Paullus und 90 Senatoren |
| Appian (Krieg gegen Hannibal) | etwa 50.000 |
| World History Encyclopedia | 44.000, auf karthagischer Seite etwa 6.000 |
Nach Livius fiel der Konsul Lucius Aemilius Paullus im Kampf [3]. Sein Kollege Gaius Terentius Varro entkam nach Appian gleich zu Beginn der Flucht [4]. Etwa 10.000 Mann sammelten sich danach um die überlebenden Befehlshaber [4].
Die Jahre in Süditalien
Nach Cannae wechselten viele Bundesgenossen Roms die Seite, Sardinien erhob sich, und Capua wurde Hannibals Stützpunkt in Italien [1]. Sein Bruder Mago brachte die Siegesnachricht nach Karthago und schüttete dort Hunderte goldene Ringe gefallener Römer aus [1]. 215 v. Chr. verbündete sich Hannibal mit Philipp V. von Makedonien, 214 v. Chr. trat Syrakus auf Karthagos Seite [1]. 213 v. Chr. nahm er Tarent und weitere Häfen im Süden ein [1].
Der Senat lehnte Verhandlungen ab [1]. 212 v. Chr. eroberte Rom Syrakus zurück, dabei kam Archimedes ums Leben [1]. Um die Belagerung Capuas zu sprengen, lagerte Hannibal vor den Mauern Roms, doch die Römer zogen nicht ab und nahmen Capua 211 v. Chr. ein [1]. 209 v. Chr. fiel auch Tarent wieder an Rom [1].
Sein Bruder Hasdrubal zog mit Verstärkung aus Iberien über die Alpen, wurde aber 207 v. Chr. am Metaurus geschlagen, bevor er Hannibal erreichte [1]. Danach führte Hannibal im Süden Italiens einen Kleinkrieg [1]. Die verbreitete Ansicht, er habe Süditalien verwüstet, hält Lendering mit Verweis auf archäologische Befunde für falsch [1].
Zama und der Friede von 201 v. Chr.
Publius Cornelius Scipio nahm in Iberien Neukarthago, das heutige Cartagena, im Handstreich und beendete dort 206 v. Chr. den Krieg [1]. Danach setzte er nach Afrika über, verbündete sich mit dem numidischen König Massinissa und griff Karthago an [1]. 203 v. Chr. rief die Regierung die Veteranen Hannibals aus Italien nach Afrika zurück [1].

Am 19. Oktober 202 v. Chr. kam es bei Zama zur Entscheidungsschlacht [1]. Scipio hatte die bessere Reiterei als die Konsuln von Cannae [1]. Er entkam nach Karthago und riet zu Verhandlungen [1]. Im Frieden von 201 v. Chr. musste Karthago seine Flotte ausliefern, die römische Herrschaft über Iberien anerkennen und 10.000 Talente in 50 Jahresraten zahlen [1]. Hannibal musste sein Kommando niederlegen [1]. Wie Rom danach weiter wuchs, beschreibt der Artikel über das Römische Reich.
Sufet, Exil und Tod
196 v. Chr. wählte Karthago Hannibal zum Sufeten, einem der obersten Beamten [1]. Er führte gemäßigt demokratische Reformen ein, ordnete die Staatseinnahmen neu und förderte Landwirtschaft und Handel [1]. Die Großgrundbesitzer meldeten daraufhin nach Rom, er plane ein Bündnis mit dem Seleukidenreich und einen neuen Angriff auf Italien; ob das stimmte, ist unbekannt [1]. Als Rom eine Kommission schickte, floh er nach weniger als einem Jahr im Amt [1]. Die World History Encyclopedia datiert die Flucht auf 195 v. Chr. und nennt Tyros als erste Station [2].
Rom hatte Philipp V. im Zweiten Makedonischen Krieg von 200 bis 197 v. Chr. besiegt und seine Truppen danach überraschend aus Griechenland abgezogen [1]. 192 v. Chr. fiel der Seleukidenkönig Antiochos III. in Griechenland ein [1]. Hannibal, der an seinem Hof in Antiochia lebte, riet zu einem Angriff auf Italien, bekam aber nur ein kleines Flottenkommando [1]. 190 v. Chr. verlor er vor Side eine Seeschlacht gegen Rhodos, einen Verbündeten Roms [1]. Rom schlug Antiochos bei Magnesia, im Frieden von Apameia 188 v. Chr. fiel ein großer Teil der heutigen Türkei an Pergamon [1].
Hannibal ging zu Artaxias, der sich zum König von Großarmenien gemacht hatte, und riet ihm zum Bau der Stadt Artaxata [1]. Später floh er nach Bithynien, wo er König Prusias I. gegen Eumenes II. von Pergamon diente und 184 v. Chr. dessen Flotte schlug [1].
Rom stand auf der Seite Pergamons [1]. Um seiner Auslieferung zu entgehen, nahm Hannibal in Libyssa Gift [1, 2]. Livius.org datiert seinen Tod auf den Winter 183/182 v. Chr., die World History Encyclopedia auf 183 v. Chr., als er 65 Jahre alt war [1, 2]. Scipio starb nach der World History Encyclopedia im selben Jahr [2]. Später verehrten Pilger, darunter auch Römer, den Ort seines Todes; ein Denkmal, das Kaiser Septimius Severus errichten ließ, war noch im 11. Jahrhundert zu sehen [1].
- Studie Jona Lendering: Hannibal Barca. Livius.org. Stand 08.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Hannibal. World History Encyclopedia. Stand 29.03.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Livius, Periochae 21 bis 25 (Übersetzung Jona Lendering). Livius.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Appian, Der Krieg gegen Hannibal, Abschnitt 5. Livius.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.


