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Karl der Große: König der Franken und Kaiser des Westens
Karl der Große wurde nach der Neuen Deutschen Biographie wahrscheinlich am 2. April 747 geboren und starb am 28. Januar 814 in Aachen. Ab 768 war er König der Franken, am 25. Dezember 800 krönte ihn Papst Leo III. in Rom zum Kaiser.

Karl der Große regierte ab 768 als König der Franken und ab dem Weihnachtstag 800 als Kaiser. Er starb am 28. Januar 814 in Aachen [1]. In seiner Regierungszeit kamen das Reich der Langobarden, Sachsen und Bayern unter fränkische Herrschaft, und an seinem Hof entstand eine Bildungsreform, auf die unter anderem die karolingische Minuskel zurückgeht [1]. Wie das Reich der Franken entstand, beschreibt der Artikel über das Fränkische Reich.
Geburt und Herkunft
Karl kam am 2. April zur Welt, das Jahr ist umstritten. Überliefert und errechnet sind 742 und 747. Der Historiker Theodor Schieffer hält in der Neuen Deutschen Biographie 747 für glaubwürdiger [1]. Sein Vater war König Pippin der Jüngere, der 768 starb, seine Mutter Bertrada, eine Tochter des Grafen Heribert von Laon. Die Ehe der Eltern ist für 744 bezeugt [1].
Sein Biograf Einhard, der ihn persönlich kannte, beschreibt ihn als groß gewachsen: Seine Körpergröße habe das Siebenfache seiner Fußlänge betragen [2].
König der Franken
Pippin starb am 24. September 768 und teilte das Reich zwischen seinen Söhnen auf. Karl wurde am 9. Oktober 768 in Noyon erhoben, sein Bruder Karlmann in Soissons [1]. Die Brüder waren Rivalen. Als Karlmann am 4. Dezember 771 starb, übernahm Karl auch dessen Reichsteil [1].
Karl war mehrmals verheiratet. Die Neue Deutsche Biographie zählt die Verbindungen so auf [1]:
| Zeit | Ehefrau oder Verbindung |
|---|---|
| vor 768 | Himiltrud |
| 769/770 bis 771 | eine Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, 771 verstoßen |
| 771 bis 783 | Hildegard |
| 783 bis 794 | Fastrada |
| 794/796 bis 800 | Liutgard |
| danach | weitere Verbindungen mit unklarem Rechtsstand |
Italien und die Langobarden
In Italien richtete sich Karls Feldzug gegen den Langobardenkönig Desiderius. Anfang Juni 774 fiel dessen Hauptstadt Pavia, und Desiderius musste in ein fränkisches Kloster [1]. Ostern 774 war Karl in Rom. Am 5. Juni 774 nannte er sich erstmals "König der Franken und der Langobarden", am 16. Juli 774 ist auch der Titel "Patricius Romanorum" belegt, Schutzherr der Römer [1].
Die Sachsenkriege
Am längsten dauerten die Kriege gegen die Sachsen, von 772 bis 804 [1]. 772 zog Karl von Worms aus nach Norden, eroberte die Eresburg und ließ die Irminsul zerstören [1]. 782 ließ er in Verden Anführer eines Aufstands hinrichten. In den Reichsannalen steht an dieser Stelle ein schwer verständlicher Einschub, der schon früh als Zahl von 4.500 Getöteten gelesen wurde. Schieffer verwirft die Zahl als absurd und hält sie für eine Phantasiezahl [1]. Der sächsische Anführer Widukind ließ sich 785 in Attigny taufen [1].

Schon die Unterwerfung in Paderborn 777 war mit Massentaufen verbunden [1]. Um 785, vielleicht schon 782, erließ Karl die Capitulatio für das Land der Sachsen. Schieffer nennt sie überaus streng: Sie drohte selbst für geringe Verstöße gegen die neue politische und kirchliche Ordnung die Todesstrafe an [1]. Unmut weckte nach Schieffer auch die Einführung des Kirchenzehnten [1]. In den Feldzügen von 794 bis 799 wurden Sachsen planmäßig ins Innere des Reiches umgesiedelt, eine letzte große Umsiedlung folgte 804 [1]. Für 798 nennt die Neue Deutsche Biographie 4.000 getötete Sachsen [1]. 797 ersetzte das deutlich mildere Capitulare Saxonicum die Capitulatio, 802 wurde das Stammesrecht als Lex Saxonum aufgezeichnet [1]. Wie sich das Christentum in Europa ausbreitete, zeigt der Artikel Die Ausbreitung des Christentums.
Feldzüge an den Grenzen
Weitere Feldzüge führten Karl nach Spanien, Bayern und an die Donau, im Norden kam es zu Kämpfen mit den Dänen. Die Neue Deutsche Biographie nennt diese Stationen [1]:
- 778: Zug über die Pyrenäen nach Spanien, am 15. August 778 schwere Verluste in den Bergen. Aus dieser Niederlage entstand später die Sage vom Tod Rolands [1].
- 787 und 788: Herzog Tassilo von Bayern unterwarf sich am 3. Oktober 787 auf dem Lechfeld bei Augsburg. 788 wurde er in Ingelheim verurteilt, begnadigt und in ein Kloster geschickt [1].
- 791 bis 796: Feldzug gegen die Awaren an der Donau 791, deren Herrschaft 795/96 politisch zerschlagen wurde [1].
- 808 bis 811: König Godofrid von Dänemark überfiel 808 die Abodriten und landete 810 mit etwa 200 Schiffen in Friesland. Sein Neffe und Nachfolger Hemming schloss 811 Frieden [1, 5].
Die Kaiserkrönung im Jahr 800
Am 23. November 800 traf Karl in Rom ein. Am 25. Dezember 800 krönte ihn Papst Leo III. in der Weihnachtsmesse, und das Volk rief ihn zum "Kaiser der Römer" aus [1]. Schieffer misst dieser Akklamation mehr Gewicht bei als der Krönung selbst [1]. Einhard schreibt, Karl habe gesagt, er hätte die Kirche an diesem Tag nicht betreten, hätte er den Plan des Papstes vorher gekannt [2].
Der neue Kaisertitel betraf das Verhältnis zu Byzanz. 812 begrüßten griechische Gesandte Karl in Aachen als Basileus, Byzanz erkannte damit ein gleichrangiges westliches Kaisertum an. Karl überließ Byzanz dafür Venetien und Dalmatien [1]. Schon 801 hatte der abbasidische Kalif Harun ar-Raschid ihm unter anderem einen Elefanten geschickt [5]. Über das östliche Kaiserreich berichtet der Artikel zum Byzantinischen Reich.
Herrschaft und Verwaltung
Im Alltag vertraten Grafen den König. Sie waren in ihrer Grafschaft für Gericht, Abgaben, Heerwesen und Ordnung zuständig [1]. Seit 779 sind Königsboten belegt. Eine Bestimmung von 802 sah vor, dass sie zu zweit reisten, meist ein Geistlicher und ein Laie, um Verwaltung und Rechtsprechung zu prüfen und Eide abzunehmen [1]. Karls Erlasse, die Kapitularien, sind unter anderem aus den Jahren 779, 789, 794, 802 und 805 erhalten. Schieffer relativiert das Bild eines lückenlos durchorganisierten Großreichs. Ob etwa der wiederholt geforderte allgemeine Treueid wirklich geleistet wurde, stellt er in Frage [1]. Zusammen mit seinem Vater Pippin führte Karl einen einheitlichen Silberdenar ein, der im ganzen Reich umlief [1].
Die Synode von Frankfurt verurteilte 794 die Lehre des Adoptianismus und lehnte erneut jede Verehrung von Bildern ab [1]. Schon 791 waren in Karls Namen die Libri Carolini entstanden, wahrscheinlich verfasst von Theodulf, die sich gegen die Bilderverehrung und das Konzil von Nicäa 787 wandten [1].
Bildung und Schrift
Um 781/782 kam der Gelehrte Alkuin aus York an den Hof und leitete die Hofschule [1]. In einem Rundschreiben an Abt Baugulf von Fulda, um 784/785, rief Karl zur Pflege der Bildung auf, 789 folgte die Admonitio generalis, eine allgemeine Ermahnung an Klerus und Volk [1]. Mit dieser Reform ist die karolingische Minuskel verbunden [1]. Welche Rolle die Klöster für Schrift und Bildung spielten, erklärt der Artikel über die Klöster im Mittelalter.

Karl selbst sprach nach Einhard Latein so gut wie seine Muttersprache und verstand Griechisch besser, als er es sprach. Schreiben lernte er spät. Er habe Tafeln unter dem Kopfkissen gehabt, um Buchstaben zu üben, mit wenig Erfolg [2].
Die Pfalz in Aachen
Die Marienkirche, heute der Aachener Dom, war nach der Allgemeinen Deutschen Biographie ein Rundbau nach dem Vorbild von San Vitale in Ravenna, mit antiken Marmorsäulen aus Rom und Ravenna. Als Baumeister nennt sie einen Meister Odo [5]. Um 800 entstand das Oktogon, der Kern des Doms, mit einer inneren Höhe von über 31 Metern [3]. Ein Säulengang verband die Kirche mit dem Palast, auf dessen Dach ein bronzener Adler stand [5].

Zwischen 936 und 1531 wurden im Aachener Dom die römisch-deutschen Könige gekrönt. 1978 kam der Dom als erstes deutsches Denkmal auf die Welterbeliste der UNESCO [3]. Mehr über das Reich dieser Könige steht im Artikel über das Heilige Römische Reich.
Nachfolge und Tod
Am 6. Februar 806 legte Karl in Diedenhofen eine Teilung des Reiches unter seinen drei Söhnen fest [1]. Im September 813 krönte Karl in Aachen seinen Sohn Ludwig selbst zum Mitkaiser. Ludwig nahm die Krone vom Altar, ein Zeichen, dass der Kaisertitel ohne Mitwirkung des Papstes vererbt werden konnte [1, 5].
Karl starb am 28. Januar 814 und wurde noch am selben Tag in der Pfalzkapelle beigesetzt [1]. Otto III. ließ das Grab im Jahr 1000 öffnen. Berichte über eine Bestattung im Sitzen hält Schieffer für unzuverlässig [1].
Heiligsprechung und Nachleben
Am 29. Dezember 1165 ließ Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Gebeine Karls erheben und ihn durch den Gegenpapst Paschalis III. heiligsprechen [1]. Seit 1215 liegen die Reliquien im Karlsschrein, und in Aachen ist der 28. Januar bis heute sein Festtag [1, 3]. Mehr über diesen Kaiser erzählt der Artikel über Friedrich I. Barbarossa.
Das Bild Karls formte schon um 830 Einhards Lebensbeschreibung. Bis zum Ende des 10. Jahrhunderts entstand eine Sage von einem Kreuzzug Karls, an dem er selbst nicht teilgenommen hatte [5]. In Aachen vergibt man seit 1950 den Karlspreis an Menschen und Einrichtungen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Erster Preisträger war Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi, die Verleihung findet im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt [4].
- Studie Theodor Schieffer: Karl der Große, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 157 bis 174. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1977. abgerufen am 29.10.2026
- Einhard: The Life of Charlemagne, übersetzt von Samuel Epes Turner (1880). Internet Medieval Sourcebook, Fordham University. Stand 1880. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Aachener Dom: Deutschlands erstes UNESCO-Weltkulturerbe (Information für die Presse). aachen tourist service e.v.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Stiftung. Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ernst Dümmler: Karl I. der Große, in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 127 bis 152. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Deutsche Biographie. Stand 1882. abgerufen am 29.10.2026
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