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Klöster im Mittelalter: Leben nach der Regel

Ein mittelalterliches Kloster war eine abgeschlossene Gemeinschaft von Mönchen oder Nonnen unter einem Abt oder einer Äbtissin. Die meisten Klöster im Westen folgten der Regel Benedikts von Nursia mit ihren 73 Kapiteln: siebenmal am Tag Chorgebet, dazu feste Zeiten für Handarbeit und Lesung. Klöster waren zugleich Grundherren, Schulen und Schreibstuben.

Ein romanischer Kreuzgang mit Rundbögen um einen grünen Innenhof mit Steinbrunnen im Morgenlicht
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Ein mittelalterliches Kloster war eine abgeschlossene, oft abgelegene Gemeinschaft von Mönchen unter der Leitung eines Abtes, bei Frauen einer Äbtissin [1, 11]. Die Mönche beteten gemeinsam, arbeiteten, lasen und schrieben Bücher ab [1]. Christliche Klöster entstanden im 4. Jahrhundert in Ägypten und Syrien und erreichten Westeuropa im 5. Jahrhundert [1]. Im Westen setzte sich eine Ordnung durch, die auf Benedikt von Nursia zurückgeht. Sie regelte den Tag vom nächtlichen Gebet bis zur Komplet am Abend [2].

Von Ägypten bis Monte Cassino

Als einer der ersten Gründer gilt Pachomios, der etwa von 290 bis 346 lebte. Der frühere Soldat gründete in Tabennisi in Ägypten neun Klöster für Männer und zwei für Frauen und schrieb für sie eine Regel [1]. Basilius von Caesarea, um 330 bis um 379, verlangte, dass Mönche auch der Gemeinschaft außerhalb der Mauern dienen [1].

Benedikt von Nursia, der etwa von 480 bis 543 lebte, gilt als Begründer des europäischen Klostermodells. Er gründete das Kloster Monte Cassino in Italien [1]. Seine Regel verlangt einfaches Essen, schlichte Unterkunft und wenig Besitz [1]. Sie umfasst nach einem Prolog 73 Kapitel. Im letzten nennt Benedikt sie eine ganz einfache Regel für Anfänger und verweist für das vollkommene Leben auf die Schriften der Kirchenväter, auf Cassian und die Regel des Basilius [4].

Die Regel Benedikts

Der Abt hatte in seinem Kloster fast unbeschränkte Autorität. Deshalb fiel die Strenge der Regel von Haus zu Haus verschieden aus [1]. Persönliches Eigentum war verboten, nicht einmal ein Buch, eine Schreibtafel oder ein Griffel durfte einem Mönch allein gehören. Was er brauchte, sollte er vom Abt erwarten, und die Regel beruft sich dafür auf den Satz "Allen sei alles gemeinsam" [5].

Wer eintreten wollte, wurde nicht sofort aufgenommen. Er musste vier oder fünf Tage an der Pforte ausharren, wohnte dann einige Tage im Gästehaus und zog schließlich in die Zelle der Novizen [6]. Ein erfahrener älterer Mönch prüfte ihn. Nach zwei Monaten, nach weiteren sechs und noch einmal nach vier Monaten las man ihm die ganze Regel vor, und jedes Mal stand ihm der Austritt frei [6]. Am Ende versprach er in der Kirche vor der Gemeinschaft Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam. Seinen Besitz musste er vorher verschenken oder dem Kloster übertragen [6].

Eine eigene Regel galt den Gästen. "Jeden Gast, der da kommt, nehme man wie Christus auf", heißt es in Kapitel 53 [7]. Arme und Fremde sollten mit besonderer Sorgfalt empfangen werden, Abt und Brüder wuschen den Gästen die Füße, und für Abt und Gäste gab es eine eigene Küche, damit unerwartete Besucher die Brüder nicht störten [7].

Ein Tag nach der Regel

Den Tag gliederte das gemeinsame Chorgebet. Kapitel 16 der Regel nennt die Gebetszeiten Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet und beruft sich auf das Psalmwort "Siebenmal bei Tage sing ich Dein Lob" [2]. Dazu kamen die Metten in der Nacht, für die die Mönche aufstanden [2]. Im Winterhalbjahr gehörte die Zeit nach dem Essen der Lesung oder dem Lernen der Psalmen [3]. Woher diese Lieder stammen, erklärt die Seite Die Psalmen.

Das Chorgestühl einer dämmrigen Abteikirche im Kerzenlicht vor Sonnenaufgang mit dunklen Holzsitzen
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Zwischen den Gebeten wechselten Arbeit und Lesung. Kapitel 48 beginnt mit dem Satz "Müßiggang ist ein Feind der Seele" und legt die Zeiten nach Jahreszeit fest [3]. Von Ostern bis zum 14. September arbeiteten die Mönche nach der Prim bis gegen die vierte Stunde und lasen dann bis etwa zur sechsten. Nach der Non arbeiteten sie wieder bis zur Vesper [3]. In der Fastenzeit erhielt jeder ein Buch aus der Bibliothek, das er ganz durchlesen sollte. Wer nicht lesen konnte, bekam am Sonntag eine andere Arbeit, damit er nicht müßig blieb [3]. Schwache und Kranke erhielten leichtere Aufgaben [3].

Nach der World History Encyclopedia gab es eine Hauptmahlzeit am Tag, im Winter zwei [1]. Die Mönche sollten weitgehend schweigen und trugen einfache, grobe Kleidung [1]. Zur Gemeinschaft gehörten auch Oblaten, Jungen, die im Kloster erzogen wurden, und Novizen in der Ausbildung [1]. Laienbrüder waren keine vollen Mönche. Sie leisteten zusammen mit Lohnarbeitern und abhängigen Bauern einen großen Teil der Arbeit [1].

Der St. Galler Klosterplan

Wie ein ideales Kloster aussehen sollte, zeigt ein Pergament in der Stiftsbibliothek St. Gallen. Der St. Galler Klosterplan entstand auf der Reichenau, nach der Beschreibung des Handschriftenportals e-codices 819 oder um 827 bis 830 [8]. Er besteht aus fünf zusammengenähten Stücken Schafspergament und misst etwa 112 mal 77,5 Zentimeter [8]. Der Plan zeigt 52 Gebäude mit 333 lateinischen Beischriften. Gewidmet ist er Gozbert von St. Gallen, vermutlich dem Abt [8]. Entstanden ist er unter Abt Heito oder Abt Erlebald, die Beischriften setzten der Bibliothekar Reginbert und ein jüngerer Mitbruder von der Reichenau [8]. Die Rückseite wurde erst am Ende des 12. Jahrhunderts beschrieben [8]. Die Portalbeschreibung nennt ihn die älteste überlieferte Architekturzeichnung des Abendlandes [8].

Luftbild einer mittelalterlichen Klosteranlage mit Kirche, Kreuzgang, Gärten und Werkstätten um mehrere Höfe
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Die World History Encyclopedia beschreibt die typischen Bauten eines mittelalterlichen Klosters. Herz der Anlage war der Kreuzgang, ein Bogengang um einen offenen Hof, den nur die Gemeinschaft betreten durfte [1]. Daran schlossen die Kirche, der Kapitelsaal, Bibliothek und Schreibstube an. Die Schreibstube lag nach Süden, wegen des Lichts [1]. Im Refektorium aß man gemeinsam, die Wärmestube war außer den Küchen der einzige beheizte Raum. Dazu kamen Schlafsäle, Vorratsräume, Bäckerei, Garten mit Fischteich, Krankenstube, Gästehaus, Werkstätten und Friedhöfe [1]. Wie die Kirchen dieser Zeit gebaut wurden, erklärt der Artikel über die Romanik.

Klöster als Grundherren

Ein Kloster lebte von Schenkungen, Steuerbefreiungen, Gütern und Pachten, vom Zehnten, von Märkten und von Handwerkserzeugnissen. Manche durften sogar Münzen prägen [1]. Auf den Gütern arbeiteten neben Laienbrüdern und Lohnarbeitern auch abhängige Bauern [1]. Wie diese Abhängigkeit aussah, beschreiben die Artikel über die Grundherrschaft und die Leibeigenschaft.

Cluny und die Reform

Das bekannteste Reformkloster liegt in Burgund. Nach der New Catholic Encyclopedia übergab Herzog Wilhelm von Aquitanien am 2. September 909 das Land an Berno, der dort das Kloster gründete [9]. Die World History Encyclopedia gibt als Gründungsjahr um 910 an [1]. Wilhelm stellte das Kloster unter den Schutz des Apostolischen Stuhls und entzog es jeder weltlichen Gewalt [9].

Unter Äbten wie Odilo, der von 994 bis 1049 regierte, und Hugo wuchs Cluny zum Haupt eines Verbands. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts gehörten nach der New Catholic Encyclopedia 1.184 Häuser in Frankreich, Deutschland, England, Italien und Spanien dazu [9]. Die Zahl der Mönche in Cluny selbst stieg von 76 bei Odilos Wahl auf über 400 im frühen 12. Jahrhundert [9]. Die dritte Kirche, Cluny III, war um 1113 fertig und wurde 1130 geweiht [9]. Am 19. Februar 1790 wurde die Abtei rechtlich aufgehoben, die alte Basilika zwischen 1798 und 1823 fast ganz abgerissen [9].

Zisterzienser und Bettelorden

1098 entstand der Orden der Zisterzienser. Er legte Wert auf das Studium, wählte abgelegene Orte und baute schlicht [1]. Ein gut erhaltenes Beispiel steht in Württemberg: Im Jahr 1147 begannen Zisterzienser mit dem Bau des Klosters Maulbronn [10]. Das Land Baden-Württemberg nennt es die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen. Seit dem 11. Dezember 1993 steht es auf der Welterbeliste der UNESCO [10]. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster aufgehoben und eine Klosterschule, die auf das Theologiestudium in Tübingen vorbereitete [10].

Eine schlichte Klosterkirche aus grauem Stein zwischen Wiesen und einem Fischteich in einem stillen Tal
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Ab dem 13. Jahrhundert kamen die Bettelorden hinzu. Ihre Brüder lebten von Almosen [1]. Franz von Assisi gründete die Franziskaner, um 1220 folgten die Dominikaner [1]. Die Baukunst dieser Zeit beschreibt der Artikel über die Gotik.

Frauenklöster und Hildegard von Bingen

Schon Pachomios gründete zwei Klöster für Frauen [1]. Die bekannteste Nonne des deutschen Mittelalters ist Hildegard von Bingen, die von 1098 bis 1179 lebte. Mit sieben Jahren kam sie 1105 ins Kloster auf dem Disibodenberg, 1136 wurde sie mit 38 Jahren zur Nachfolgerin der Äbtissin Jutta gewählt [11]. Um 1150 gründete sie mit 18 Nonnen das Kloster Rupertsberg, 1165 ein weiteres in Eibingen [11]. Ihr erstes großes Werk, "Scivias", schrieb sie etwa von 1142 bis 1151, es erzählt 26 Visionen [11]. Papst Benedikt XVI. erkannte sie 2012 als Heilige an und erhob sie zur Kirchenlehrerin [11].

Ein mittelalterlicher Kräutergarten mit Beeten aus Salbei, Lavendel und Minze vor alten Mauern und Weinbergen
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Das Ende vieler Klöster

In England beendete die Reformation das Klosterleben. Heinrich VIII. und sein Minister Thomas Cromwell brachten 1536 ein Gesetz durch das Parlament, mit dem die Auflösung begann, 1539 folgte die Schließung aller Klöster gleich welcher Größe [1]. Als letztes schloss im März 1540 Waltham Abbey in Essex [1]. Mehr dazu steht im Artikel über Heinrich VIII. In Württemberg wurde Maulbronn im 16. Jahrhundert aufgehoben und zur Schule [10]. Die Umbrüche dieses Jahrhunderts schildert der Artikel über die Reformation.

  1. Mark Cartwright: Medieval Monastery. World History Encyclopedia. Stand 14.12.2018. abgerufen am 29.10.2026
  2. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel XVI: Wie das Chorgebet während des Tages zu halten ist (übersetzt von Pius Bihlmeyer, Bibliothek der Kirchenväter, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  3. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel XLVIII: Von der täglichen Handarbeit (übersetzt von Pius Bihlmeyer, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  4. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel LXXIII: Davon, daß in dieser Regel nicht alle Vorschriften des vollkommenen Lebens enthalten sind (übersetzt von Pius Bihlmeyer, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  5. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel XXXIII: Ob die Mönche etwas als Eigentum besitzen dürfen (übersetzt von Pius Bihlmeyer, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  6. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel LVIII: Vom Verfahren bei der Aufnahme von Brüdern (übersetzt von Pius Bihlmeyer, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  7. Die Regel des hl. Benedikt, Kapitel LIII: Von der Aufnahme der Gäste (übersetzt von Pius Bihlmeyer, 1914). Bibliothek der Kirchenväter, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 1914. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 1092: St. Galler Klosterplan (Handschriftenbeschreibung). e-codices, Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz, Universität Freiburg (Schweiz). Stand 20.03.2014. abgerufen am 29.10.2026
  9. R. Grégoire: Cluny, Abbey of (New Catholic Encyclopedia). Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde 30 Jahre UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn (Pressemitteilung). Land Baden-Württemberg, Ministerium für Finanzen. Stand 27.11.2023. abgerufen am 29.10.2026
  11. Joshua J. Mark: Hildegard of Bingen. World History Encyclopedia. Stand 30.05.2019. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.