Antike und AltertumRatgeber
Das antike China: von den ersten Dynastien bis zum Ende der Han
Als antikes China gilt meist die Zeit von den frühen Dynastien Xia, Shang und Zhou bis zum Ende der Han-Dynastie 220 n. Chr. Im Jahr 221 v. Chr. einte das Herrscherhaus Qin die rivalisierenden Staaten zu einem Kaiserreich. Die Han übernahmen dessen Grundlagen und herrschten rund vier Jahrhunderte.

Die chinesische Geschichte reicht nach der Darstellung des Sinologen Thomas O. Höllmann rund 5.000 Jahre zurück [1]. Ihr antiker Abschnitt endet mit dem Untergang der Han-Dynastie 220 n. Chr. In diese Zeit fallen die ersten Schriftzeugnisse und die Gründung des Kaiserreichs, das bis zur Revolution von 1911 bestand [1]. Die gesamte Entwicklung bis heute erzählt die Seite Die Geschichte Chinas.
Wo die chinesische Kultur entstand
Lange galt das Lößgebiet am Unterlauf des Huanghe, des Gelben Flusses, als Keimzelle Chinas. Höllmann hält diese Sicht für überholt. Funde aus den Randregionen zeigen eigenständige Traditionen, die ebenfalls in die spätere chinesische Kultur eingingen [1].
Schrift ist in Zentralchina bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück belegt. Sie diente zuerst rituellen Zwecken, später der Geschichtsschreibung [1]. Diese Geschichtsschreibung verband die Herrscherhäuser Xia, Shang und Zhou zu einer durchgehenden Kette, die spätere Dynastien als Legitimation nutzten. Zugleich vermittelte sie den Anspruch, den "Barbaren" an den Grenzen kulturell überlegen zu sein [1].
| Dynastie | Zeit |
|---|---|
| Xia | 21. bis 16. Jahrhundert v. Chr. |
| Shang | 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr. |
| Westliche Zhou | 11. Jahrhundert bis 771 v. Chr. |
| Östliche Zhou | 771 bis 221 v. Chr. |
| Qin | 221 bis 207 v. Chr. |
| Frühere Han | 207 v. Chr. bis 9 n. Chr. |
| Xin (Wang Mang) | 9 bis 23 n. Chr. |
| Spätere Han | 24 bis 220 n. Chr. |
Diese Zeitangaben stammen von der Bundeszentrale für politische Bildung [1]. Der Beginn der Han-Dynastie wird unterschiedlich angesetzt: Die Bundeszentrale nennt 207 v. Chr. [1], die Wikipedia 206 v. Chr. [5], die World History Encyclopedia 202 v. Chr., das Jahr der Gründung durch Liu Bang [6]. Die Späteren Han beginnen nach der Bundeszentrale im Jahr 24 [1], nach der World History Encyclopedia im Jahr 25 n. Chr. [6].
Die Shang und die Orakelknochen
Die ältesten bekannten chinesischen Schriftzeichen stehen auf Orakelknochen aus der Shang-Zeit. Das sind Schulterblätter von Rindern und Panzer von Schildkröten, die erhitzt wurden, bis sie Risse bekamen. Aus den Rissen lasen die Menschen Antworten ihrer Ahnen [3]. Eine Inschrift hielt meist die Frage fest, die vorhergesagte Antwort und später oft auch, ob sie eingetroffen war. Danach wurden die Knochen archiviert [3].

Erkannt wurden die Knochen erst 1899. Ein Apotheker wollte sie bei Anyang als vermeintliche "Drachenknochen" zu Arznei zermahlen, bis die Gelehrten Wang Yirong und Liu E ihre historische Bedeutung erkannten [3]. Planmäßige Grabungen von 1928 bis 1937 brachten viele weitere Stücke zutage. Insgesamt sind über 100.000 Knochen gefunden worden, mit etwa 4.500 verschiedenen Zeichen, von denen nur rund ein Drittel verstanden ist [3]. Wie andere Kulturen zur Schrift kamen, beschreibt die Seite Die Erfindung der Schrift.
Die Zhou und die Zeit der Einzelstaaten
771 v. Chr. zwangen Angreifer die Zhou, ihre Hauptstadt nach Osten zu verlegen. Die Dynastie verlor dabei große Teile ihres Gebiets und damit ihre politische Grundlage [1]. China zerfiel in Einzelstaaten, die aus früheren Lehensgebieten hervorgingen, dazu kamen neue Fürstentümer an den Rändern. Diese Staaten kämpften bis 221 v. Chr. um die Vorherrschaft [1].
In diese unruhige Zeit fällt das Leben des Konfuzius. Er lebte vermutlich von etwa 551 bis 479 v. Chr. im Staat Lu, im heutigen Shandong, beide Daten gelten als unsicher [4]. Selbst schrieb er nichts auf. Seine Schüler und deren Nachfolger hielten seine Lehren etwa 100 Jahre nach seinem Tod in den "Gesprächen" fest, dem Lunyu [4]. Im Mittelpunkt stehen Tugenden wie Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, kindliche Hingabe gegenüber den Eltern und die Einhaltung der Riten. Bildung galt als Weg, sich selbst zu vervollkommnen [4].
Die Reichseinigung durch Qin
Am Ende setzte sich das Herrscherhaus Qin durch. Zwischen 230 und 221 v. Chr. eroberte König Ying Zheng einen rivalisierenden Staat nach dem anderen [2]. 221 v. Chr. vereinte er sie zu einem Reich, das nach seiner Herkunftsregion benannt wurde [1], und nahm den neuen Titel Huangdi an, Kaiser [1]. Als Qin Shihuangdi, "Erster Erhabener Kaiser", ging er in die Geschichte ein [2].
Der Kaiser vereinheitlichte die Schrift, Maße und Gewichte, die Achsbreite der Wagen und das Geld, runde Münzen mit quadratischem Loch. Das Reich wurde in 36 Kommandanturen und rund 1.000 Kreise gegliedert, ein Straßennetz von etwa 6.800 Kilometern entstand [2]. Er regierte nach den Grundsätzen des Legalismus, beraten von seinem Kanzler Li Si. Um die Bevölkerung zu kontrollieren, setzte er auf gemeinsame Haftung ganzer Gruppen und auf Umsiedlungen in großem Stil [2]. Zu seinen Bauvorhaben gehörten der Lingqu-Kanal und der Epang-Palast, der 212 v. Chr. begonnen wurde [2]. Um 220 v. Chr. begann der Bau einer Großen Mauer. 213 v. Chr. ließ er Geschichtswerke anderer Staaten und viele philosophische Schriften verbrennen und Gelehrte hinrichten [2].
Zwei Jahre nach der Einigung reiste der Kaiser durch das Reich und ließ Steinstelen errichten, die einen neuen Zeitabschnitt verkündeten. Ihre Inschriften betonen Gesetze, Vorschriften und den Gehorsam der Untertanen [1]. Für seine Reformen blieb ihm nur etwa ein Jahrzehnt, vieles blieb unvollendet [1]. Er starb 210 v. Chr. auf einer Inspektionsreise, kurz danach zerfiel die Dynastie [2].
Das Grab des ersten Kaisers
Mit dem Bau seines Grabmals hatte Ying Zheng schon in seinem ersten Jahr als König von Qin begonnen [2]. 1974 kamen in der Nähe des Grabhügels, rund 40 Kilometer von Xi'an, die ersten Figuren der Terrakotta-Armee zum Vorschein, am 29. März beim Brunnenbau von Bauern bei Lintong [2, 7]. Die Zahlen schwanken: Die Wikipedia nennt gut 8.000 Figuren [2], die World History Encyclopedia über 7.000 Krieger, 600 Pferde und knapp 100 Streitwagen [7]. Weitere Kunstwerke der Antike stellt die Seite Kunst der Antike vor.

Die Han-Dynastie
Liu Bang ging aus den Bauernaufständen gegen die Qin hervor und wurde Kaiser, nachdem er seinen Rivalen Xiang Yu besiegt hatte. Einen großen Teil der Qin-Verwaltung behielt er bei [5]. Höllmann betont, dass die Han, die rund vier Jahrhunderte herrschten, wesentliche Grundlagen des Qin-Staates übernahmen, auch wenn das offiziell kaum zugegeben wurde [1].

Unter Kaiser Wu kämpften die Han gegen die Xiongnu, eroberten Gebiete im Süden und dehnten ihre Kontrolle entlang der Seidenstraße aus [5]. Der Staat hielt Monopole auf Eisen und Salz, die konfuzianische Lehre wurde offiziell anerkannt, und Erfindungen wie das Papier und die Schubkarre kamen auf [5]. Im Jahr 2 n. Chr. zählte die Verwaltung knapp 60 Millionen Einwohner. Das sind die frühesten halbwegs verlässlichen Zahlen zur Bevölkerung Chinas [1].
9 n. Chr. riss Wang Mang die Macht an sich und rief sich zum Kaiser aus. Ein Bauernaufstand und Anhänger der Han stürzten ihn 23 n. Chr. [5]. Später gewannen reiche Grundbesitzer an Macht, Gruppen am Hof bekämpften einander, und 184 brach der Aufstand der Gelben Turbane aus. Kriegsherren übernahmen die Kontrolle, 220 beendete Cao Pi die Dynastie [5]. Mehr dazu steht auf der Seite Die Han-Dynastie, den Handelsweg nach Westen beschreibt Die Seidenstraße.
Kaiser, Himmel und Untertanen
Der Kaiser galt als Mittler zwischen Mensch und Kosmos. Naturkatastrophen, Unglückszeichen, Aufstände oder ausbleibende Tribute konnten anzeigen, dass er das Mandat des Himmels verloren hatte [1]. Die Han-Kaiser waren zugleich oberste religiöse Instanz. Nur sie durften die Riten für den Himmel vollziehen, sie waren Oberbefehlshaber und oberste Richter, gegen deren Urteile es keinen Einspruch gab. Über den Kalender beanspruchten sie sogar die Herrschaft über die Zeit [1].
Die Staatslehre teilte die Bevölkerung in vier Stände: Gelehrte, Bauern, Handwerker und Kaufleute. Diese Ordnung stammte aus der Sicht der gebildeten Oberschicht. In der Praxis waren die Grenzen unscharf, Beamte, Offiziere, Großgrundbesitzer und Unternehmer gingen oft Bündnisse ein [1]. Zeitweise hatten Eunuchen und Verwandte des Kaisers großen Einfluss [1]. Die Privilegierten blieben eine winzige Minderheit, der Anteil der Beamten lag weit unter einem Prozent der Bevölkerung [1].
Nach dem Ende der Han
Mit dem Ende der Han begann die Zeit der Drei Reiche Wei, Shu und Wu, die bis 280 dauerte [1]. Die Einheit des Reiches blieb danach lange eine Vorstellung, die der Wirklichkeit oft nicht entsprach. Zwischen der Reichsgründung 221 v. Chr. und der Revolution von 1911 lagen nach den Jahreszahlen der Bundeszentrale rund 2.130 Jahre, in denen Phasen der Teilung und kurzlebige Dynastien häufig waren [1]. Eine der späteren großen Dynastien stellt die Seite Die Tang-Dynastie vor.
- Studie Das alte China (Thomas O. Höllmann). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.08.2008. abgerufen am 29.10.2026
- Qin Shihuangdi. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Orakelknochen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Konfuzius. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Han-Dynastie. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Das alte China (Joshua J. Mark). World History Encyclopedia. Stand 18.12.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Terracotta Army (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 06.11.2017. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
AntikeDie Han-DynastieWie Liu Bang die Han-Dynastie gründete, was Kaiser Wu veränderte, wie Papier und Seidenstraße in diese Zeit fallen und warum …
AntikeDas PerserreichWie Kyros II. das Perserreich gründete, wie Dareios I.
AntikeDie minoische Kultur auf KretaKnossos, Linear A und der Ausbruch von Thera: wie die Minoer auf Kreta lebten, schrieben und Handel trieben und warum ihre …
Begriffe der Geschichte von A bis ZBegriffe der Geschichte kurz erklärt: Epoche, Quelle, Darstellung, Mittelalter, Lehen, Hanse, Reformation, Absolutismus …