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Afrika im Mittelalter: von Aksum bis Groß-Simbabwe
Im mittelalterlichen Afrika bestanden große Reiche und Handelsstädte. In Westafrika folgten Ghana, Mali und Songhai aufeinander, die vom Gold- und Salzhandel durch die Sahara lebten. Im Osten lagen Aksum und die Swahili-Städte wie Kilwa, im Süden Groß-Simbabwe, das Gold an die Küste des Indischen Ozeans lieferte.

Afrikas Geschichte war lange vor der Ankunft der Europäer mit anderen Weltgegenden verbunden. Der Historiker Toby Green vom King's College London nennt als Beispiele Kaurischnecken von den Malediven, die im 12. Jahrhundert am Niger als Zahlungsmittel aufkamen, und chinesische Keramik, die in der Sahara gefunden wurde [1]. Zwischen etwa 500 und 1500 entstanden in Westafrika, am Horn von Afrika, an der Ostküste und im Süden Reiche und Städte, deren Reichtum meist auf Handel beruhte.
Ghana: das Reich des Goldes
Das Reich Ghana bestand nach World History Encyclopedia mindestens vom 6. bis zum 13. Jahrhundert, seine Blüte lag im 9. bis 11. Jahrhundert [2]. Mit dem heutigen Staat Ghana hat es geografisch nichts zu tun: Sein Gebiet lag im heutigen Süden Mauretaniens und in Mali [2]. Die Hauptstadt Koumbi Saleh lag rund 322 Kilometer nördlich des heutigen Bamako und bedeckte etwa 45 Hektar [2]. Mittelalterliche arabische Autoren schätzten ihre Einwohnerzahl auf 40.000 bis 50.000, was World History Encyclopedia für eher zu niedrig hält [2].

Die Könige kontrollierten den Handel mit Gold, Elfenbein, Häuten und Sklaven, den Berberhändler nach Norden brachten [2]. Auf dem Rückweg führten die Kamelkarawanen Salz nach Süden [2]. Waren wurden zweimal besteuert, beim Eintritt und beim Verlassen des Reiches, und Goldklumpen durfte nur der König besitzen [2]. Um 1076 plünderten die Almoraviden, die etwa von 1055 bis 1147 in Nordafrika herrschten, die Hauptstadt, im 12. Jahrhundert zerfiel das Reich unter Dürre, Bürgerkriegen und verlagerten Handelswegen [2].
Mali und Mansa Musa
Einen großen Teil Ghanas übernahm zunächst das Reich der Sosso, das etwa von 1180 bis 1235 bestand [2]. 1235 besiegte Sundiata Keita den Sosso-Herrscher Sumanguru, 1240 nahm er die alte Hauptstadt ein; daraus entstand das Reich Mali, das World History Encyclopedia im Haupttext von 1240 bis 1645 datiert [2, 3]. Die Angaben zu Beginn und Ende schwanken je nach Darstellung.
Der bekannteste Herrscher Malis ist Mansa Musa, der von 1312 bis 1337 regierte [3]. Sein Heer soll rund 100.000 Mann umfasst haben, darunter eine Reiterei mit 10.000 Pferden [3]. Pilger aus Mali reisten ab dem frühen 14. Jahrhundert jedes Jahr nach Mekka, die berühmteste Pilgerfahrt unternahm Mansa Musa 1324/25 [1]. Im Juli 1324 erreichte er Kairo und blieb dort drei Monate [3]. Er soll dem Sultan von Ägypten 50.000 Golddinar als Begrüßungsgeschenk gegeben und in Kairo so viel Gold ausgegeben haben, dass dessen Wert um 20 Prozent fiel [3]. Nach manchen Berichten trugen 100 Kamele je 135 Kilogramm Goldstaub mit [3]. Solche Zahlen geben Überlieferungen wieder und sind nicht gesichert; auch die Menge des mitgeführten Goldes schwankt je nach Bericht [3].
In Timbuktu ließ Mansa Musa die Djinguereber-Moschee errichten, die bis 1330 fertig war; der Baumeister Ishak al-Tuedjin erhielt dafür nach der Überlieferung unter anderem 200 Kilogramm Gold und blieb bis zu seinem Tod 1346 in Mali [3]. Auch in Gao ließ Mansa Musa Moscheen bauen [3].Um 1375 zeigt eine Karte im Katalanischen Atlas Mansa Musa auf einem Thron [3].
Timbuktu zwischen Salz und Gold
Timbuktu gründeten Tuareg-Hirten um 1100 an einem Ort, an dem sich Wege über Land und auf dem Fluss trafen [9]. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte die Stadt zum Reich Mali, unter Mansa Musa wurde sie zur wichtigsten Handelsstadt der Region [9]. Die Sankore-Moschee reicht ins späte 12. Jahrhundert zurück [9].
Timbuktu vermittelte zwischen dem Salz aus dem Norden und dem Gold aus dem Süden. Ein Salzblock von 90 Kilogramm konnte auf dem Weg von Timbuktu nach Djenné seinen Wert etwa verdoppeln und brachte dann rund 450 Gramm Gold ein [9]. Die Stadt hatte mehrere Lehrstätten und große Bibliotheken, im 16. und 17. Jahrhundert gab es dort 150 bis 180 Koranschulen [9]. Um 1468 eroberte der Songhai-König Sunni Ali die Stadt, die Zeittafel derselben Quelle nennt 1469 [9].
Songhai und das Ende der Sahelreiche
Das Reich Songhai bestand etwa von 1460 bis 1591, seine Hauptstadt war Gao am Niger [4]. Sunni Ali regierte von 1464 bis 1492 [4]. Askia Muhammad, der von 1494 bis 1528 herrschte, begründete den Herrschertitel Askia [4]. 1590/91 griff das marokkanische Reich Songhai an und eroberte es [4].
Kontakte nach Europa knüpften westafrikanische Herrscher auch selbst. Green berichtet, dass Prinzen aus dem senegambischen Reich Jolof schon im späten 15. Jahrhundert Portugal besuchten, um Militärbündnisse zu schließen [1]. Die Folgen der europäischen Ankunft behandeln die Artikel zu den europäischen Entdeckungsfahrten und zum atlantischen Sklavenhandel.
Aksum und die Felsenkirchen von Lalibela
Am Horn von Afrika, im heutigen Äthiopien und Eritrea, lag das Königreich Aksum. Es wurde im 1. Jahrhundert gegründet und blühte vom 3. bis 6. Jahrhundert [5]. Um 350 nahm Aksum offiziell das Christentum an [5]. Berühmt sind seine Stelen: Viele sind rund 24 Meter hoch, die größte, heute umgestürzt und zerbrochen, maß 33 Meter [5]. Den Beginn des Niedergangs setzt dieselbe Quelle an einer Stelle ins späte 6., an einer anderen ins 7. Jahrhundert; das alte Reich bestand bis spätestens ins späte 8. Jahrhundert [5].

Im äthiopischen Hochland entstanden später die Felsenkirchen von Lalibela. Elf Kirchen wurden als Monolithe aus dem Fels gehauen [6]. Die Überlieferung schreibt sie einem Herrscher namens Lalibela im 12. Jahrhundert zu, der ein "Neues Jerusalem" schaffen wollte. Der Historiker Emeri van Donzel sieht in der Innenpolitik Äthiopiens um 1200 den wahrscheinlicheren Anlass für den Bau als im Fall Jerusalems 1187 [12]. Seit 1978 stehen sie auf der Welterbeliste der UNESCO, und Gläubige der äthiopisch-orthodoxen Kirche besuchen sie bis heute als Pilgerziel [6].
Die Städte der Swahili-Küste
An der Ostküste ließen sich ab der Mitte des 8. Jahrhunderts dauerhaft muslimische Händler nieder [7]. Die Sprache Swahili entstand nach World History Encyclopedia bereits um die Mitte des 1. Jahrtausends [7]. Kilwa blühte vom 12. bis 15. Jahrhundert als unabhängiger Stadtstaat, um 1200 hatte sich dort die Herrschaft der Shirazi-Dynastie durchgesetzt [7]. Die Große Moschee begann Sultan al-Hasan ibn Suleiman im 14. Jahrhundert, vollendet wurde sie unter Suleiman al-Adil, der von 1412 bis 1442 regierte [7]. Der Reisende Ibn Battuta besuchte die Stadt um 1331 und nannte sie eine der schönsten Städte der Welt [7].

Kilwas Wohlstand hing am Gold aus dem Landesinneren, das über den Hafen Sofala an die Küste kam [7]. Durch dieses Gold wurden Kilwa und Sofala nach World History Encyclopedia zu den reichsten Handelsplätzen der Swahili-Küste [8]. Wann dieser Handel begann, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Green schreibt, dass Schiffe in Sofala etwa ab dem 10. Jahrhundert Gold aus dem Hochland des Sambesi handelten [1]. World History Encyclopedia lässt Sofala selbst erst um 1300 gegründet sein [7]. 1505 griffen die Portugiesen Kilwa an und bauten im selben Jahr eine Festung in Sofala [7].
Groß-Simbabwe
Das Gold kam aus dem Gebiet von Groß-Simbabwe im heutigen Simbabwe. Nach der World History Encyclopedia war die Anlage etwa von 1100 bis 1550 bewohnt, ihre Blüte lag zwischen 1300 und 1450 [8]. Archäologische Datierungen reichen von etwa 1000 bis 1800, wobei die Teile der Anlage zu verschiedenen Zeiten genutzt wurden [10]. Die Mauer der großen Einfriedung ist bis zu 9,7 Meter hoch und stellenweise 5,5 Meter dick, der kegelförmige Turm etwa 10 Meter hoch [8]. Die Einfriedung hat einen Umfang von 250 Metern [8]. Die Erbauer schichteten Granitblöcke ohne Mörtel [8]. Die Stätte umfasst rund 720 Hektar [10]. Die World History Encyclopedia schätzt die Bevölkerung auf etwa 18.000 Menschen [8]; eine archäologische Neuberechnung hält mehr als 10.000 Einwohner für unwahrscheinlich und verweist darauf, dass die Teile der Anlage nicht gleichzeitig genutzt wurden [10].
Gold, Elfenbein und Kupfer gingen an die rund 400 Kilometer entfernte Küste, im Tausch kamen chinesisches Porzellan der Ming-Zeit und persische Fayencen ins Land [8]. Getauscht wurde ohne Märkte, Ware gegen Ware [8]. Als Gründe für den Niedergang gelten vor allem Konkurrenz anderer Staaten und erschöpfte Goldvorkommen, möglich sind auch Überbevölkerung und Dürren [8]. Im 15. Jahrhundert endeten die Verbindungen zur Küste, und die Shona zogen nach Norden, wo das Reich Mutapa entstand [8]. Groß-Simbabwe trug nach Green zur Entstehung späterer Reiche wie Mutapa und Changamire bei [1]. Grabungen fanden dort über 100 Gefäße zur Goldverarbeitung aus lokalem Ton; nach Einschätzung der Forschenden wurde Gold in vielen Haushalten und Siedlungen der Anlage verarbeitet, und der Austausch über den Indischen Ozean wurde von den Menschen vor Ort aktiv mitgestaltet [11].
In den 1890er Jahren plünderten Europäer die Ruinen. Weil sie aus rassistischen Gründen nicht glauben wollten, dass Afrikaner die Anlage gebaut hatten, erfanden sie fremde Erbauer wie die Phönizier [8]. Archäologische Untersuchungen haben bestätigt, dass die einheimische Bevölkerung Groß-Simbabwe errichtete; 1986 wurde die Stätte Welterbe [8].
Was wir über diese Reiche wissen
Viele Angaben stammen aus Berichten arabischer Gelehrter und Reisender oder aus späteren Chroniken, andere aus Ausgrabungen. Deshalb weichen Jahreszahlen oft voneinander ab, selbst innerhalb derselben Darstellung: World History Encyclopedia nennt für Mali je nach Stelle 1240 bis 1645, um 1235 bis um 1672 oder um 1230 bis 1670 [3]. Einen Überblick über den ganzen Kontinent gibt die Geschichte Afrikas, die Fernhandelswege nach Asien beschreibt der Artikel zur Seidenstraße.
- Studie Toby Green: Globalgeschichte Afrikas (Dossier Afrika). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 23.09.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Ghana Empire. World History Encyclopedia. Stand 05.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Mansa Musa I. World History Encyclopedia. Stand 26.02.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Songhai Empire. World History Encyclopedia. Stand 08.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Kingdom of Axum. World History Encyclopedia. Stand 21.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Felsenkirchen von Lalibela. Wikipedia. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Kilwa. World History Encyclopedia. Stand 29.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Great Zimbabwe. World History Encyclopedia. Stand 14.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Timbuktu. World History Encyclopedia. Stand 22.02.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie S. Chirikure, T. Moultrie, F. Bandama, C. Dandara, M. Manyanga: What was the population of Great Zimbabwe (CE 1000 bis 1800)?. PLoS ONE 12(6). Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026
- Studie J. Vieri, S. Chirikure, P. Lane, M. Martinón-Torres: Archaeological science, globalisation, and local agency: gold in Great Zimbabwe. Archaeological and Anthropological Sciences 15(8). Stand 2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Emeri van Donzel: Ethiopia's Lalibäla and the fall of Jerusalem 1187. Aethiopica 1, Universität Hamburg. Stand 1998. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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