Das lange 19. JahrhundertRatgeber
Der Amerikanische Bürgerkrieg: Ursachen, Verlauf und Folgen
Der Amerikanische Bürgerkrieg dauerte von 1861 bis 1865. Elf Südstaaten hatten sich von den USA abgespalten, weil sie die Sklaverei bedroht sahen. Die Union siegte, die Sklaverei wurde mit dem 13. Verfassungszusatz 1865 abgeschafft, und nach der üblichen Zählung starben rund 620.000 Soldaten, neuere Schätzungen reichen bis 850.000.

Von 1861 bis 1865 kämpften in den USA die Nordstaaten der Union gegen die Konföderierten Staaten von Amerika, einen Bund von elf Südstaaten, die sich vom Gesamtstaat abgespalten hatten. Es war der verlustreichste Krieg der amerikanischen Geschichte. Die übliche Zählung nennt rund 620.000 tote Soldaten. Der Historiker J. David Hacker kam 2011 auf der Grundlage von Volkszählungsdaten auf 650.000 bis 850.000 Tote, am wahrscheinlichsten auf 750.000 [1, 12]. Am Ende stand der Sieg der Union und die Abschaffung der Sklaverei in den ganzen USA. Die rechtliche Gleichstellung der befreiten Afroamerikaner setzte sich dagegen erst viel später durch.
Ursachen: der Streit um die Sklaverei
Im Kern ging es um die Sklaverei. In den Südstaaten arbeiteten auf den Plantagen Millionen versklavte Menschen, während die meisten Nordstaaten die Sklaverei abgeschafft hatten. Je weiter die USA nach Westen wuchsen, desto heftiger wurde gestritten, ob die Bundesregierung die Sklaverei in den Territorien verbieten durfte, die noch keine Bundesstaaten waren [2].

Zum Bruch kam es 1860. Abraham Lincoln gewann die Präsidentschaftswahl als erster Präsident der Republikanischen Partei. Sein Programm sah vor, die Sklaverei aus den Territorien herauszuhalten [2]. Viele Politiker im Süden sahen darin eine Bedrohung ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Mehr zu Lincolns Leben steht im Artikel über Abraham Lincoln.
Sezession und Kriegsbeginn
Als erster Staat erklärte South Carolina am 20. Dezember 1860 den Austritt aus der Union. Bis zum 8. Juni 1861, als Tennessee folgte, hatten sich elf Staaten abgespalten [1]. Zunächst waren es sieben Sklavenstaaten im tiefen Süden, die die Konföderierten Staaten von Amerika gründeten, vier weitere schlossen sich später an. Präsident der Konföderation wurde Jefferson Davis [2].
Der Krieg begann am 12. April 1861. Konföderierte Truppen beschossen Fort Sumter im Hafen von Charleston, die Besatzung der Bundesregierung gab auf [1, 2]. Die erste große Schlacht folgte am 21. Juli 1861 bei Bull Run in Virginia und endete mit einem Sieg der Konföderierten [2].
Kräfteverhältnis zwischen Nord und Süd
Auf dem Papier war die Union klar überlegen. In den Nordstaaten lebten 1860 rund 22 Millionen Menschen, in den Südstaaten etwa 9 Millionen. Davon waren 4 Millionen versklavt [1]. Hinzu kamen die Mittel der Bundesregierung: Die Union verfügte über die Marine und konnte nach der Emanzipationsproklamation auch schwarze Soldaten aufnehmen [5].
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 20.12.1860 | South Carolina erklärt die Sezession |
| 12.04.1861 | Beschuss von Fort Sumter, Kriegsbeginn |
| 21.07.1861 | Erste Schlacht am Bull Run |
| 17.09.1862 | Schlacht am Antietam |
| 01.01.1863 | Emanzipationsproklamation tritt in Kraft |
| 01.07. bis 03.07.1863 | Schlacht von Gettysburg |
| 04.07.1863 | Kapitulation von Vicksburg |
| 09.04.1865 | Kapitulation Lees in Appomattox |
| 14.04.1865 | Attentat auf Lincoln |
Die entscheidenden Schlachten
Am 17. September 1862 stießen bei Antietam in Maryland die Armeen aufeinander. Mit 22.717 Toten, Verwundeten und Vermissten, davon 12.401 auf Seiten der Union und 10.316 bei den Konföderierten, gilt sie als blutigster Tag des Krieges [1, 3].
Die Wende kam im Sommer 1863. Vom 1. bis 3. Juli kämpften bei Gettysburg in Pennsylvania die Armee von General Robert E. Lee und die Unionstruppen. Lee verlor, die Verluste beider Seiten zusammen schätzt man auf 51.112 Mann [1]. Am 4. Juli 1863 kapitulierte die Festung Vicksburg am Mississippi vor den Truppen von Ulysses S. Grant. Der National Park Service nennt den Fall von Vicksburg und die Niederlage bei Gettysburg zusammen den Wendepunkt des Krieges [4].
In den Jahren 1864 und 1865 setzte die Union ihre Überlegenheit durch. Grant band Lees Armee in Virginia in verlustreichen Kämpfen, etwa um Petersburg. Im Westen siegten die Unionstruppen am 22. Juli 1864 bei Atlanta in Georgia [2]. Danach zog General William T. Sherman mit seiner Armee tief durch Georgia und South Carolina und zerstörte dabei die wirtschaftliche Infrastruktur des Südens [2]. Bei Nashville in Tennessee rieb General George Thomas die konföderierte Tennessee-Armee fast vollständig auf [2]. Am 9. April 1865 kapitulierte Lee vor Grant in Appomattox Court House in Virginia [1]. Bis zum Frühjahr hatten alle großen Armeen der Konföderation aufgegeben, Jefferson Davis wurde am 10. Mai 1865 in Georgia gefangen genommen [2].
Die Emanzipationsproklamation
Am 1. Januar 1863 trat Lincolns Emanzipationsproklamation in Kraft. Sie erklärte, dass alle Menschen, die in den abtrünnigen Staaten als Sklaven gehalten wurden, "von nun an frei" seien [5]. Ihre Wirkung war begrenzt: Sie galt nur für die Staaten, die sich abgespalten hatten, nicht für die Sklavenstaaten an der Grenze, die zur Union hielten. Gebiete der Konföderation, die die Union schon besetzt hatte, waren ausgenommen, und die Freiheit hing vom militärischen Sieg ab [5].
Wichtig war ein zweiter Punkt. Die Proklamation öffnete Armee und Marine der Union für schwarze Männer. Bis Kriegsende dienten fast 200.000 schwarze Soldaten und Matrosen [5]. Nach den Zahlen des American Battlefield Trust waren es rund 180.000 in 163 Einheiten der Armee und 18.000 in der Marine. Fast 40.000 von ihnen starben im Krieg [1].
Das Attentat auf Lincoln
Fünf Tage nach Lees Kapitulation, am Abend des 14. April 1865, besuchte Lincoln in Washington eine Aufführung der Komödie "Our American Cousin" im Ford's Theatre. Der Schauspieler und Anhänger der Konföderation John Wilkes Booth schlich sich in die Präsidentenloge und schoss mit einer einschüssigen Pistole auf Lincoln. Lincoln wurde in ein Haus gegenüber gebracht und starb am Morgen des 15. April 1865 [6, 11]. Sein Nachfolger wurde Vizepräsident Andrew Johnson, der noch am 15. April 1865 als 17. Präsident der USA vereidigt wurde [11].

Reconstruction: drei Verfassungszusätze
Nach dem Krieg begann die Zeit der Reconstruction, des Wiederaufbaus und der Neuordnung des Südens. Ihr wichtigstes Ergebnis sind drei Zusätze zur amerikanischen Verfassung:

- Der 13. Zusatz verbietet Sklaverei und Zwangsarbeit in den ganzen USA, außer als Strafe nach einer Verurteilung. Der Kongress beschloss ihn am 31. Januar 1865, Lincoln billigte die Vorlage an die Staaten am 1. Februar. Ratifiziert war der Zusatz am 6. Dezember 1865, nach Lincolns Tod [7]. Zusammen mit dem 14. und 15. Zusatz zählt er zu den Verfassungszusätzen des Bürgerkriegs, die die Bürgerrechte stark erweiterten [7].
- Der 14. Zusatz macht alle Personen, die in den USA geboren oder eingebürgert sind, zu Staatsbürgern der USA und des Bundesstaats, in dem sie leben. Der Kongress verabschiedete ihn am 13. Juni 1866, ratifiziert wurde er im Juli 1868 [8].
- Der 15. Zusatz verbietet dem Bund und den Einzelstaaten, das Wahlrecht wegen Rasse, Hautfarbe oder früherer Knechtschaft zu verweigern. Der Kongress beschloss ihn am 26. Februar 1869, ratifiziert war er am 3. Februar 1870. Er gab afroamerikanischen Männern das Wahlrecht [9].
Frauen, schwarze wie weiße, bekamen durch den 15. Zusatz kein Wahlrecht, denn sein Text nennt nur Rasse, Hautfarbe und frühere Knechtschaft [9]. Im Jahr 1870 zogen die ersten Afroamerikaner in den Kongress ein. Der Senat nahm am 25. Februar 1870 den Republikaner Hiram R. Revels aus Mississippi auf, am 12. Dezember 1870 wurde Joseph H. Rainey aus South Carolina als erster schwarzer Abgeordneter des Repräsentantenhauses vereidigt [10]. Bis 1901 saßen 20 schwarze Abgeordnete und zwei schwarze Senatoren im Kongress [10].
Das Ende der Reconstruction und Jim Crow
Die Gleichstellung hielt nicht. Bis 1877 hatten die Demokraten die Regierungen der Südstaaten zurückerobert und gingen mit Diskriminierung, Einschüchterung und Gewalt gegen die politische Beteiligung der Schwarzen vor. Damit war das Projekt der Reconstruction praktisch beendet [10]. Rund zwei Jahrzehnte nach der Ratifizierung schrieben ehemalige Konföderiertenstaaten Lesetests und sogenannte Großvaterklauseln in ihre Gesetze, die Afroamerikaner von der Wahl ausschlossen [9]. Über den Süden legte sich ein System der Rassentrennung, das nach den Jim-Crow-Gesetzen benannt ist. Nachdem George Henry White 1901 aus dem Kongress ausgeschieden war, wurde bis 1928 kein afroamerikanischer Abgeordneter mehr gewählt [10]. Erst der Voting Rights Act von 1965 ging gegen die verbliebenen Hürden beim Wahlrecht vor. 2013 erklärte der Oberste Gerichtshof eine zentrale Vorschrift dieses Gesetzes für ungültig, die in neun Bundesstaaten die Wahlregeln unter Bundesaufsicht gestellt hatte [9].
Was der Krieg bedeutete
Der Bürgerkrieg entschied zwei Fragen: Die Union blieb bestehen, und die Sklaverei war abgeschafft. Nach den Zahlen des American Battlefield Trust starben in ihm fast so viele amerikanische Soldaten wie in allen anderen Kriegen der USA zusammen [2]. Wie die Sklaverei in anderen Teilen der Welt endete, beschreibt der Artikel Sklaverei in der Geschichte. Die längeren Linien der amerikanischen Geschichte findest du unter Die Geschichte der USA, die Einordnung in die Epoche im Bereich Das lange 19. Jahrhundert. Wie das Wahlrecht heute in Deutschland geregelt ist, steht auf Wer wählen darf: Wahlalter und Wahlrecht.
- Organisation Civil War Facts. American Battlefield Trust. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation A Brief Overview of the American Civil War. American Battlefield Trust. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Antietam: Casualties. National Park Service, Antietam National Battlefield. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vicksburg: Surrender (July 4). National Park Service, Vicksburg National Military Park. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Emancipation Proclamation. U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ford's Theatre. National Park Service. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 13th Amendment to the U.S. Constitution: Abolition of Slavery. U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 14th Amendment to the U.S. Constitution: Civil Rights. U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 15th Amendment to the U.S. Constitution: Voting Rights. U.S. National Archives. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Fifteenth Amendment in Flesh and Blood: Introduction. U.S. House of Representatives, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Andrew Johnson's Inauguration. National Park Service. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- New analysis suggests Civil War took bigger toll than previously estimated (zu J. David Hacker: A Census-Based Count of the Civil War Dead, Civil War History 57, Nr. 4, 2011). ScienceDaily, Binghamton University. Stand 21.09.2011. abgerufen am 29.10.2026
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