Das 20. JahrhundertRatgeber
Der Holocaust: der Völkermord an den europäischen Juden 1933 bis 1945
Der Holocaust, hebräisch Schoah, ist die systematische, staatlich organisierte Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, seine Verbündeten und Kollaborateure zwischen 1933 und 1945. Er reichte von der Entrechtung ab 1933 über Massenerschießungen ab 1941 bis zum Mord in Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau.

Der Holocaust war die systematische, staatlich organisierte Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Regime, seine Verbündeten und Kollaborateure [1]. Er wird auch Schoah genannt, nach dem hebräischen Wort für Katastrophe [1]. Die Zeit der Verfolgung begann mit der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 und endete im Mai 1945 mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland [1]. 1933 lebten in Europa rund neun Millionen Juden, fast zwei Drittel von ihnen wurden ermordet [1]. Diese Seite zeichnet nach, wie aus Ausgrenzung Massenmord wurde, und nennt Orte, an denen heute daran erinnert wird.
Entrechtung ab 1933
Gleich nach 1933 begann die Ausgrenzung der Juden in Deutschland: mit antisemitischen Gesetzen, öffentlicher Kennzeichnung, Boykotten, Gewalt, Enteignung und Zwangsarbeit [1]. Wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen und ihren Staat aufbauten, erklärt die Seite zum Nationalsozialismus.
Einen tiefen Einschnitt brachten die Nürnberger Gesetze vom 15.09.1935, beschlossen auf dem Reichsparteitag der NSDAP [2]. Das Reichsbürgergesetz bestimmte, dass nur Menschen "deutschen oder artverwandten Blutes" volle Rechte als Reichsbürger hatten. Juden waren nur noch Staatsangehörige ohne politische Rechte [2]. Das sogenannte Blutschutzgesetz verbot Ehen zwischen Juden und Nichtjuden und stellte Geschlechtsverkehr zwischen ihnen unter Strafe [2]. Als "Volljude" galt, wer mindestens drei jüdische Großeltern hatte. Wer der Diskriminierung entgehen wollte, musste einen "Ariernachweis" erbringen [2].
Das Novemberpogrom 1938
Dem Pogrom ging eine Abschiebung voraus. Auf Anweisung Heinrich Himmlers wurden etwa 17.000 polnische Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich an die polnische Grenze gebracht [3]. Am 07.11.1938 schoss Herschel Grynszpan in Paris auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath, der am 09.11.1938 starb [3]. Die NS-Führung nahm das zum Vorwand für Gewalt, die sie als "Volkszorn" ausgab. In der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938 wurden in Deutschland und Österreich mindestens 1.400 Synagogen schwer beschädigt oder zerstört, Geschäfte geplündert und verwüstet [3]. Hunderte Menschen starben während der Ausschreitungen und kurz danach. Über 30.000 Juden wurden in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald verschleppt [3]. Am 12.11.1938 legte eine Konferenz unter Hermann Göring den jüdischen Gemeinden eine "Sühneleistung" von einer Milliarde Reichsmark auf [3].
Ghettos im besetzten Polen
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 entstanden 1939 und 1940 die ersten Ghettos, etwa in Warschau und Lodz [1]. Sie waren abgeriegelt, überfüllt und unhygienisch. Hunderttausende Menschen starben dort an Hunger, Krankheiten und Gewalt. Ab 1941 und 1942 lösten die Deutschen die meisten Ghettos auf und deportierten die Bewohner [1].
Massenerschießungen ab 1941
Den systematischen Massenmord begann das Regime 1941 [1]. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 kamen dort vier Einsatzgruppen mit zusammen rund 3.000 Mann zum Einsatz [4]. In den ersten neun Monaten erschossen sie mehr als eine halbe Million Menschen, überwiegend Juden [4]. In der Schlucht von Babyn Jar bei Kiew ermordeten sie im September 1941 an zwei Tagen 33.771 Juden [4]. Deutsche Einheiten töteten Juden in mehr als 1.500 Städten, Gemeinden und Dörfern Osteuropas [1]. Auf dem Gebiet der Sowjetunion wurden mindestens 1,5 Millionen, möglicherweise über 2 Millionen Juden erschossen oder in Gaswagen ermordet [4]. Mehr als ein Drittel aller jüdischen Opfer des Holocaust starb bei solchen Massenerschießungen [4].
Weitere Opfer der NS-Verfolgung
Neben den Juden verfolgte und ermordete das Regime mehrere Millionen weitere Menschen [1]. Dazu gehörten politische Gegner, Zeugen Jehovas, Menschen mit Behinderungen, die im sogenannten Euthanasieprogramm getötet wurden, Sinti und Roma, Angehörige der polnischen Elite, sowjetische Funktionäre und sowjetische Kriegsgefangene [1]. Die Holocaust-Enzyklopädie des USHMM verwendet den Begriff Holocaust für den Mord an den Juden und nennt die anderen Gruppen gesondert als Opfer des NS-Regimes [1].
Die Wannsee-Konferenz
Am 20.01.1942 lud Reinhard Heydrich, vom Regime mit der "Endlösung der Judenfrage" beauftragt, hohe Beamte aus Ministerien, Partei und SS in eine Villa am Großen Wannsee in Berlin ein [5]. Sie sollten die Zusammenarbeit aller beteiligten Dienststellen beim Völkermord abstimmen [5]. Adolf Eichmann führte das Protokoll, das erhalten ist [5]. Die SS ging dabei von elf Millionen Juden in Europa aus, die sie ermorden wollte [1]. Bis zu diesem Tag hatten die Einsatzgruppen bereits mehr als 500.000 Juden ermordet [5]. Heute ist das Haus eine Gedenk- und Bildungsstätte, die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

Die Vernichtungslager
Ab Ende 1941 betrieb das Regime fünf Vernichtungslager im besetzten Polen: Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka und Auschwitz-Birkenau. Dort wurden fast 2,7 Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet, die meisten mit Giftgas [1].
Auschwitz entstand 1940 als Konzentrationslager am Rand der Stadt Oświęcim, die Deutschland annektiert hatte. Die ersten Häftlinge waren 728 polnische politische Gefangene, die am 14.06.1940 eintrafen [10]. Ab 1942 wurde Auschwitz zum größten Ort des Mordes an den Juden [6]. Fast 1,1 Millionen Juden wurden dorthin deportiert, davon allein über 600.000 im Jahr 1944. Nur etwa 200.000 von ihnen wurden zur Arbeit ausgewählt und als Häftlinge registriert [6]. Insgesamt wurden in den Lagern von Auschwitz schätzungsweise mehr als eine Million Menschen ermordet [7]. Anfang 1942 ließ die SS dort die ersten Gaskammern bauen. Im Stammlager waren zeitweise mehr als 20.000 Menschen gefangen, im drei Kilometer entfernten Lager Birkenau mehr als 90.000 [7].
Als Häftlinge registriert wurden in Auschwitz insgesamt rund 400.000 Menschen, etwa 205.000 Juden und 195.000 Nichtjuden [6]. Bis Mitte 1942 stellten Polen die Mehrheit der Gefangenen. Allein 1941 registrierte die SS rund 15.000 Polen und 10.000 sowjetische Kriegsgefangene [6]. Mehr als 10.000 Menschen, vor allem Polen, sowjetische Kriegsgefangene sowie Sinti und Roma, kamen ins Lager, ohne je eine Häftlingsnummer zu erhalten oder in Unterlagen aufzutauchen [6]. Neben Juden waren auch Polen, Sinti und Roma und sowjetische Kriegsgefangene unter den Häftlingen und Opfern [6]. Den Völkermord an den Sinti und Roma beschreibt die Seite zum Porajmos.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 15.09.1935 | Nürnberger Gesetze |
| 9. bis 10.11.1938 | Novemberpogrom |
| Juni 1941 | Beginn der Massenerschießungen in der Sowjetunion |
| September 1941 | Massaker von Babyn Jar |
| 20.01.1942 | Wannsee-Konferenz |
| 19.04.1943 | Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto |
| 27.01.1945 | Befreiung von Auschwitz |
Widerstand im Warschauer Ghetto
Am 19.04.1943, am Vorabend des Pessachfests, erhoben sich im Warschauer Ghetto etwa 700 junge jüdische Kämpfer gegen die Deutschen, die das Ghetto räumen wollten. Viele Bewohner widersetzten sich, indem sie nicht zu den Sammelpunkten kamen und sich in Bunkern versteckten [8]. Der Aufstand dauerte 27 Tage. Am 16.05.1943 meldete SS-General Jürgen Stroop, das jüdische Viertel bestehe nicht mehr [8]. Etwa 7.000 Gefangene wurden in Treblinka ermordet, rund 42.000 weitere kamen in Zwangsarbeitslager und nach Majdanek. Die meisten dieser rund 42.000 Menschen wurden im November 1943 erschossen [8].
Befreiung und Gedenktag
Am 27.01.1945 befreiten sowjetische Soldaten das Lager Auschwitz [7]. Im Mai 1945 befreiten die alliierten Truppen auf ihrem Vormarsch die übrigen Konzentrationslager und die Überlebenden der Todesmärsche [1]. Das Leid war damit nicht vorbei: Viele Überlebende hatten ihre Familien verloren, manche erlebten weiter Antisemitismus und Vertreibung [1].
Im Januar 1996 erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag international als Holocaust-Gedenktag zu begehen [7]. Wie die Hauptverantwortlichen vor Gericht kamen, beschreibt die Seite zu den Nürnberger Prozessen.
Leugnung ist in Deutschland strafbar
Wer in Deutschland öffentlich oder in einer Versammlung die Verbrechen des Holocaust billigt, leugnet oder verharmlost und damit den öffentlichen Frieden gefährden kann, macht sich nach § 130 Absatz 3 des Strafgesetzbuchs strafbar. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor [9]. Wo die Meinungsfreiheit sonst ihre Grenzen hat, erklärt die Seite Meinungsfreiheit und ihre Grenzen.
Orte der Erinnerung
Auf dem Gelände der früheren Lager Auschwitz und Birkenau besteht heute das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau [6]. In Washington dokumentiert das United States Holocaust Memorial Museum den Völkermord, seine Online-Enzyklopädie erscheint auch auf Deutsch und erklärt Begriffe, Orte und Abläufe [1, 4]. In Berlin betreut die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit dem Stelenfeld und dem Ort der Information [11]. Wie jüdisches Leben vor und nach der Schoah aussah, beschreibt die Seite zur Geschichte des Judentums.

- Organisation Einführung in den Holocaust (Holocaust-Enzyklopädie). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Burkhard Asmuss: Die Nürnberger Gesetze (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 23.06.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Oliver Schweinoch: Die Novemberpogrome 1938 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 09.11.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Einsatzgruppen: Übersicht (Holocaust-Enzyklopädie). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Wannsee-Konferenz (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 15.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation History of the camp and The number of victims. Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 27. Januar: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 26.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Warsaw Ghetto Uprising (Holocaust Encyclopedia). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Strafgesetzbuch § 130 Volksverhetzung. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation First Transport of Polish Prisoners Arrives at Auschwitz (Holocaust Encyclopedia). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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