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Der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich

Der Hundertjährige Krieg war eine Folge von Kriegen zwischen England und Frankreich von 1337 bis 1453, unterbrochen von langen Waffenruhen. Es ging um englische Lehen in Frankreich und um den Anspruch der englischen Könige auf die französische Krone. Am Ende hatte England alle Besitzungen auf dem Festland verloren, nur Calais blieb bis 1558 englisch.

Eine mittelalterliche Burg mit runden Türmen auf einem Hügel über einem Fluss in der Morgendämmerung
Bild: KI-generiert

Zwischen 1337 und 1453 kämpften England und Frankreich immer wieder gegeneinander, insgesamt 116 Jahre lang, mit langen Friedenszeiten dazwischen [1]. Den Namen Hundertjähriger Krieg gaben dem Konflikt erst Historiker im 19. Jahrhundert [1]. Als frühen Beleg für die französische Form "guerre de cent ans" nennt die Wikipedia ein Werk von C. Desmichels aus dem Jahr 1823 [4]. Heute teilt man den Krieg meist in drei Abschnitte: den Edwardianischen Krieg von 1337 bis 1360, den Karolinischen Krieg von 1369 bis 1389 und den Lancastrianischen Krieg von 1415 bis 1453 [1].

Worum gestritten wurde

Die englischen Könige besaßen seit langem Land in Frankreich, darunter die Gascogne im Südwesten. Dafür waren sie Lehnsleute des französischen Königs, und daraus entstand immer wieder Streit [1]. 1328 starb der französische König Karl IV. ohne Sohn [5]. Eduard III. von England war über seine Mutter Isabella sein nächster männlicher Verwandter und beanspruchte die Krone. Der französische Adel wollte keinen Erbgang über die weibliche Linie und keinen englischen König und setzte Philipp VI. aus dem Haus Valois auf den Thron [5]. 1337 zog Philipp die Gascogne ein, und der Krieg begann [5].

Dazu kamen handfeste Interessen: Handel, Beute und Land für den Adel [1]. Im späteren Verlauf spielten auch Konflikte innerhalb Frankreichs eine Rolle. Die Parteien der Armagnacs und der Bourguignons führten von 1410 bis 1419 einen Bürgerkrieg, und die Geisteskrankheit König Karls VI. schwächte das Land [1, 4].

Die erste Phase: Crécy und Poitiers

Im Juni 1340 schlug die englische Flotte die französische bei Sluis [4]. Im selben Jahr erklärte sich Eduard in Gent zum König von Frankreich [1]. 1346 siegte er in der Schlacht von Crécy, und 1347 nahm er nach einer Belagerung die Hafenstadt Calais ein [1]. Frankreichs Verbündeter Schottland fiel 1346 in England ein. Bei Neville's Cross wurde das schottische Heer geschlagen und König David II. gefangen genommen [5]. Erst der Vertrag von Berwick 1357 ließ ihn gegen Lösegeld frei [1]. Danach unterbrach die Pest die Kämpfe. Sie erreichte Europa 1347 [1]. Wie die Seuche Europa veränderte, steht im Artikel über den Schwarzen Tod.

Ein sanfter grasbewachsener Hügel mit einer einzelnen Holzwindmühle unter weitem Wolkenhimmel in Nordfrankreich
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1356 errang der "Schwarze Prinz" auf englischer Seite bei Poitiers den nächsten großen Sieg und nahm den französischen König Johann II. gefangen [1, 5]. Im Frieden von Brétigny 1360 verzichtete Eduard auf die französische Krone. Dafür erhielt er rund ein Viertel Frankreichs und ein hohes Lösegeld für Johann [4, 5].

Die zweite Phase: Frankreich holt auf

Der Frieden hielt nicht lange. Unter König Karl V. eroberten die Franzosen zwischen 1372 und 1375 den größten Teil der verlorenen Gebiete zurück [1]. England blieben danach im Wesentlichen Calais und ein Teil der Gascogne [5]. 1389 vereinbarten beide Seiten einen Waffenstillstand, und 1396 heiratete der englische König Richard II. Isabella von Frankreich [1]. Nach der World History Encyclopedia folgte darauf eine Waffenruhe von rund zwei Jahrzehnten, bis Heinrich V. den Krieg 1415 wieder aufnahm [5].

Die dritte Phase: Azincourt und der Vertrag von Troyes

Der Wahnsinn Karls VI. und die Machtkämpfe im französischen Adel boten England neue Gelegenheiten, und Heinrich V. wollte seine Herrschaft durch Eroberungen festigen [5]. 1415 eroberte er Harfleur und siegte bei Azincourt [1]. Die Schlacht fand am 25. Oktober 1415 statt, etwa 75 Kilometer südlich von Calais [2]. Nach den Angaben der World History Encyclopedia war Heinrich mit etwa 10.000 Mann gelandet. Nach der Belagerung von Harfleur und einer Ruhrepidemie war sein Heer auf 6.000 bis 7.000 Mann geschrumpft. Die Franzosen unter dem Konnetabel Charles d'Albret hatten etwa 20.000 Mann, manche Historiker gehen von bis zu 36.000 aus [2].

Ein frisch gepflügtes schlammiges Feld zwischen zwei Waldstreifen an einem grauen Herbstmorgen
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Die Engländer stellten sich in einer Senke auf, die links und rechts von Wald begrenzt war. Dadurch konnten die Franzosen ihre Überzahl nicht ausspielen. Die leichtere Rüstung vieler Engländer war im Schlamm von Vorteil [2].

Frisch gepflügte Felder und Regen in der Nacht hatten den Boden aufgeweicht, und die schwer gerüsteten französischen Reiter kamen kaum voran. Auf jeden englischen Waffenknecht kamen mindestens drei Bogenschützen [2]. Etwa 7.000 Franzosen starben, höhere Schätzungen nennen 13.000; auf englischer Seite waren es vielleicht 500 [2]. Als Franzosen den englischen Tross angriffen und ein Rest des französischen Heeres weiterkämpfen wollte, ließ Heinrich Gefangene töten. Französische Historiker haben ihm das nach der World History Encyclopedia nie verziehen [2]. Nach dem Sieg brachte Heinrich die Normandie unter seine Kontrolle und zog gegen Paris [2]. Shakespeares Drama "Heinrich V." von 1599 machte die Schlacht in England berühmt, vor allem durch die Rede, die er dem König vor dem Kampf in den Mund legt [2]. Wie andere Feldschlachten der Zeit abliefen, beschreibt der Artikel Schlachten des Mittelalters.

1419 ermordeten Gefolgsleute des französischen Thronfolgers Karl den Herzog von Burgund, Johann Ohnefurcht [4]. Zwischen 1417 und 1419 hatten die Engländer die Normandie erobert [1]. Im Vertrag von Troyes vom Mai 1420 wurde Heinrich V. zum Regenten und Erben König Karls VI. bestimmt und heiratete dessen Tochter Katharina von Valois [2]. Heinrich starb aber schon am 31. August 1422, und sein Sohn Heinrich VI. war beim Herrschaftsantritt noch ein kleines Kind [1, 5]. Die englische Stellung wurde danach schwächer [5]. 1431 ließen die Engländer Heinrich VI. in Paris zum König von Frankreich krönen, praktisch änderte das wenig [1].

Jeanne d'Arc und die Wende

1429 belagerten die Engländer Orléans an der Loire. Hier griff eine junge Frau aus Domrémy ein, Jeanne d'Arc. Sie wurde um 1412 geboren und berichtete, Heilige hätten ihr aufgetragen, die Engländer zu vertreiben und den Thronfolger in Reims krönen zu lassen [3]. In Chinon traf sie den Thronfolger Karl, der sie prüfen ließ. In Poitiers wurde anschließend geprüft, ob ihr Glaube rechtgläubig war [3]. Nach ihrer Ankunft in Orléans wurde die Belagerung binnen neun Tagen aufgehoben, im Juni 1429 folgte der Sieg bei Patay [3]. Im Juli 1429 wurde Karl VII. in Reims gekrönt [1, 3].

Alte Steinbrücke und mittelalterliche Stadtmauern einer Stadt an der Loire in der Abenddämmerung
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Am 23. Mai 1430 nahmen burgundische Verbündete der Engländer Jeanne bei Compiègne gefangen und verkauften sie an die Engländer [3]. Ein Gericht in Rouen verurteilte sie als Ketzerin, und am 30. Mai 1431 wurde sie dort verbrannt [3]. 1456 wurde das Urteil für ungültig erklärt, 1920 sprach die katholische Kirche sie heilig [3]. Weitere Kapitel der französischen Geschichte erzählt der Überblick Die Geschichte Frankreichs.

Das Ende bei Castillon

Im Vertrag von Arras 1435 löste sich Burgund von England, vermittelt von Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel [4]. Zwischen 1435 und 1440 holten die Franzosen Dieppe, Paris und Harfleur zurück [1]. 1445 heiratete Heinrich VI. Margarete von Anjou [1]. 1450 siegten die Franzosen bei Formigny, 1452 eroberten sie die Gascogne [1]. Die letzte Schlacht fand 1453 bei Castillon statt [1]. Die Wikipedia nennt sie die erste europäische Feldschlacht, die durch den Einsatz von Schießpulver entschieden wurde; der englische Heerführer John Talbot fiel [4]. Von den englischen Besitzungen auf dem Festland blieb nur Calais, das Frankreich 1558 zurückeroberte [1, 4]. Die Hafenstadt war damit von 1347 an über 200 Jahre lang in englischer Hand gewesen [1, 4].

Was der Krieg veränderte

Beide Länder zahlten einen hohen Preis. Viele Soldaten und Zivilisten starben, und in Frankreich fielen zahlreiche Adlige [1]. In England wuchs der Hochadel dagegen, weil die Könige neue Lords ernannten, um den Krieg zu finanzieren [5]. In England führten die Kriegssteuern zu Aufständen, darunter der Bauernaufstand von 1381 [1]. Das Land stand am Rand des Bankrotts. Die inneren Spannungen nach der Niederlage mündeten in die Rosenkriege von 1455 bis 1487, in deren Verlauf Heinrich VI. im Mai 1471 im Tower von London ermordet wurde [1].

Frankreich schuf ein stehendes Heer, und die königliche Verwaltung wurde stärker zentralisiert [1]. In England gewann das Parlament an Selbstbewusstsein, und die Kirche richtete sich stärker national aus [1, 5]. Schießpulverwaffen und Befestigungen wurden weiterentwickelt [5]. Beide Völker sahen sich stärker als Nation. Heinrich V. gilt in England als Nationalheld, und Jeanne d'Arc zählt in Frankreich zu den besten Beispielen für das Nationalgefühl [1]. Die englische Seite der Geschichte erzählt Die Geschichte Großbritanniens, das Leben der Krieger beschreibt der Artikel Ritter und Rüstungen.

Zeittafel

JahrEreignis
1328Tod Karls IV., Philipp VI. wird König von Frankreich [5]
1337Philipp VI. zieht die Gascogne ein, Kriegsbeginn [5]
1346Englischer Sieg bei Crécy [1]
1356Englischer Sieg bei Poitiers, Johann II. gefangen [1]
1360Frieden von Brétigny [1]
1415Englischer Sieg bei Azincourt [2]
1420Vertrag von Troyes [2]
1429Orléans befreit, Krönung Karls VII. in Reims [3]
1431Hinrichtung Jeanne d'Arcs in Rouen [3]
1435Vertrag von Arras [4]
1453Französischer Sieg bei Castillon, Kriegsende [1]
1558Frankreich erobert Calais zurück [4]
  1. Mark Cartwright: Hundertjähriger Krieg (übersetzt von Marina Wrackmeyer). World History Encyclopedia. Stand 17.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
  2. Mark Cartwright: Battle of Agincourt. World History Encyclopedia. Stand 02.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
  3. Joshua J. Mark: Joan of Arc. World History Encyclopedia. Stand 28.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
  4. Hundertjähriger Krieg. Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Hundred Years' War. World History Encyclopedia. Stand 17.03.2020. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.