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Der Mongolensturm in Europa: von Rjasan bis Liegnitz und Mohi

Mongolensturm heißt der Feldzug der Mongolen nach Osteuropa von 1237 bis 1242. Unter Batu und Subutai eroberten sie die Fürstentümer der Rus und Kiew, siegten im April 1241 bei Liegnitz und Mohi und verwüsteten Ungarn. 1242 zogen sie ab; als Grund gilt meist der Tod des Großkhans Ögödei, Historiker nennen aber auch andere Ursachen.

Eine weite flache Flussebene in Osteuropa im Frühjahr mit kahlen Weiden am Ufer und Morgennebel
Bild: KI-generiert

Als "Mongolensturm" bezeichnen die abendländische, arabische und persische Geschichtsschreibung die Einfälle der Mongolen im 13. Jahrhundert [6]. Die Wikipedia hält für diese Angriffe die Bezeichnung mongolische Eroberung für genauer [6]. Im engeren Sinn ist der große Westfeldzug von 1237 bis 1242 gemeint, der die Fürstentümer der Rus, Polen und Ungarn traf [1, 6]. Westliche Chroniken nannten die Angreifer oft "Tataren". Die Tataren gehörten aber zu den ersten Völkern, die die Mongolen selbst unterworfen hatten, deshalb gilt "Mongolen" als genauere Bezeichnung [6]. Wie das Reich der Mongolen entstand, erklärt der Beitrag über das Mongolische Reich.

Vorgeschichte: der Erkundungszug von 1222 bis 1224

Schon rund 15 Jahre vor dem großen Feldzug waren mongolische Reiter in Osteuropa [1]. Nach der Eroberung des Reiches der Choresm-Schahs zog ein Verband von etwa 25.000 Reitern unter Jebe und Subutai über den Kaukasus nach Norden [9]. 1222 besiegte er Georgier und Kumanen, nahm Astrachan ein und stieß über den Don bis auf die Krim vor [9]. An der Kalka unterlag 1223 ein Heer der Rus und Kumanen unter dem Kiewer Fürsten Mstislaw [5, 9]. Die Länderstudie beziffert dieses Heer auf 80.000 Mann [9]. Der Historiker Charles Halperin schrieb, die Zerstörungskraft der mongolischen Kriegsmaschine habe alles übertroffen, was die Russen bis dahin gesehen hatten [9]. Jebe starb unterwegs an einer Krankheit, Subutai führte den Verband 1224 nach mehr als 6.400 Kilometern zum Hauptheer zurück [9].

Der Beschluss zum Westfeldzug

Nach dem Tod Dschingis Khans wurde dessen Sohn Ögödei 1228 zum Großkhan gewählt [2]. Batu, ein Enkel Dschingis Khans, griff 1229 die meisten Außenposten der Wolgabulgaren an [2]. 1235 beschloss ein Kuriltai, die Versammlung der mongolischen Fürsten, Feldzüge nach Tibet und nach Osteuropa [2]. Den Oberbefehl hatte Batu, ein Sohn von Dschingis Khans Sohn Dschötschi [6], dem das Gebiet im Westen als Erbe zustand [1]. Die eigentliche Führung lag bei Subutai, den die Länderstudie der Library of Congress den wohl begabtesten mongolischen Feldherrn nach Dschingis Khan nennt [1].

Die Eroberung der Rus 1237 bis 1240

Den Anfang machte das Reich der Wolgabulgaren an der mittleren Wolga. Die Länderstudie datiert seine Niederlage auf 1236, die deutschsprachige Wikipedia auf 1237 [1, 6]. Im Dezember 1237 überquerte das Heer die zugefrorene Wolga [1]. Moskau wurde nach der Wikipedia am 20. Januar 1238 zerstört, bis zum Sommer 1238 fielen auch Wladimir und weitere Fürstentümer im Norden [1, 6]. Ein Streit zwischen Batu und anderen Prinzen hielt den Feldzug danach etwa ein Jahr auf [1].

Ein zugefrorener breiter Fluss in verschneiter Waldlandschaft, am anderen Ufer Holzhütten unter grauem Himmel
Bild: KI-generiert

Im November 1240 überschritt das Heer den Dnjepr, am 6. Dezember 1240 fiel Kiew [1, 5]. Die Fürstentümer der Rus gerieten für lange Zeit unter mongolische Oberherrschaft [5]. Wie sich Russland danach entwickelte, steht im Beitrag über die Geschichte Russlands.

Polen und Schlesien: die Schlacht bei Liegnitz

1241 teilten die Mongolen ihre Kräfte. Ein Flügel zog durch Litauen und Polen, nach der Länderstudie mit drei Tumen [1]. Er verwüstete Kleinpolen und Schlesien und drang bis in Teile Brandenburgs vor [6]. Krakau wurde 1241 geplündert [5]. Am 9. April 1241 stellte sich Herzog Heinrich II. von Schlesien, genannt der Fromme, den Angreifern bei Wahlstatt nahe Liegnitz, dem heutigen Legnica [1, 7].

Ein grünes Feld in Schlesien, im Hintergrund eine kleine Backsteinkirche und ein Klosterturm im Frühling
Bild: KI-generiert

Zu seinem Heer gehörten nach dem polnischen Chronisten Jan Długosz vier Abteilungen, eine davon unter Poppo von Osterna, den Długosz als Anführer der Deutschordensritter nennt [7]. Nach der Wikipedia zu Poppo, der 1241 Landmeister in Preußen war und erst 1252 oder 1253 Hochmeister wurde, ist seine Teilnahme an der Schlacht eine spätere Legende [10]. Auch Templer kämpften mit, vielleicht einige Johanniter. Das Fußvolk bestand vor allem aus Bürgern, Bauern und Bergleuten aus Goldberg [7]. Auf mongolischer Seite führten nach der Wikipedia Orda und Baidar [7]. Die Mongolen siegten, Heinrich fiel in der Schlacht [7]. Baidar verzichtete danach auf einen Angriff auf die Stadt Liegnitz und zog durch Mähren und Niederösterreich nach Süden [6, 7]. Mitte April stießen die beiden Flügel unter Kaidu und Kadan in Mittelungarn wieder zu Batu [1]. Zeitgenössische Chroniken nennen 100.000 Mongolen und etwa 40.000 Verteidiger, ältere Chroniken 30.000 Tote; die Wikipedia vermutet, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich niedriger lagen [7]. Wie Ritterheere ausgerüstet waren, zeigt der Beitrag über Ritter und Rüstungen.

Wahlstatt als Gedenkort

Heinrichs Mutter Hedwig von Andechs und seine Witwe Anna von Böhmen gründeten auf dem Schlachtfeld eine Propstei, die Benediktiner aus dem böhmischen Kloster Opatovice übernahmen [7]. Der Ort Wahlstatt heißt seit 1948 Legnickie Pole. Jedes Jahr am 9. April wird dort an die Schlacht erinnert, seit 1961 gibt es ein Museum [7]. Der preußische Feldmarschall Blücher erhielt 1814 den Titel Fürst von Wahlstatt [7]. Sechs schlesische Adelsfamilien nennen sich "Vettern von Wahlstatt" [7].

Ungarn: die Schlacht bei Mohi

Der südliche Flügel zog durch Siebenbürgen und das Donautal, Batu selbst überquerte Anfang April 1241 die Karpaten [1]. Nur zwei Tage nach Liegnitz, am 11. April 1241, vernichtete er am Fluss Sajó bei Mohi das Heer König Bélas IV. von Ungarn [1, 6]. Nach dem Historiker Denis Sinor griffen die Mongolen das ungarische Lager in der Nacht an [8]. Die ungarischen Verluste werden mit mehr als 10.000 gefallenen Soldaten angegeben [8]. Béla floh bis an die dalmatinische Küste und fand nach Thomas von Split Zuflucht auf einer Insel bei Trogir [8]. Weitere große Schlachten der Epoche stellt der Beitrag über Schlachten des Mittelalters vor.

Ein sumpfiges Flussufer in der ungarischen Ebene mit Schilf und flachem Wasser unter bedecktem Himmel
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Im Laufe des Jahres 1241 nahmen die Mongolen Pest ein und besetzten Ungarn östlich der Donau [1]. Die World History Encyclopedia nennt für 1241 auch die Einnahme von Buda [5]. Im Dezember 1241 überquerten sie die zugefrorene Donau, einzelne Abteilungen streiften in Richtung Venedig, Treviso und Wien [1]. Mongolische Verbände erreichten auch die kroatische Adriaküste und Thrakien [6].

Die Opfer in Ungarn

Wie viele Menschen starben, lässt sich nur schätzen. Die englischsprachige Wikipedia beziffert die Verluste auf 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung, etwa 300.000 bis 500.000 Menschen, durch Gewalt, Hunger und die Flucht der Kumanen [8]. Nach dem Historiker Peter Sugar wurden in der Tiefebene 50 bis 80 Prozent der Siedlungen zerstört, in Wald- und Berggebieten und in Siebenbürgen verlor die Bevölkerung 25 bis 30 Prozent [8]. Der ungarische Mittelalterforscher József Laszlovszky hält Zehntausende Tote für die Untergrenze und Hunderttausende für wahrscheinlicher [8]. Über die Verwüstung Ungarns und Siebenbürgens schrieb der Geistliche Rogerius von Apulien sein Klagelied "Carmen miserabile" [8].

Warum die Mongolen 1242 abzogen

Am 11. Dezember 1241 starb Großkhan Ögödei [1, 8]. Nach der Länderstudie verlangte das Gesetz der Mongolen, die Yasaq, dass die Nachkommen Dschingis Khans zur Wahl eines neuen Khans in die Mongolei zurückkehrten. Das Heer zog über Dalmatien und Serbien ab, verwüstete Serbien und Bulgarien und kehrte in die südrussische Steppe zurück [1]. Ungarn verließen die Mongolen nach der Länderstudie auch, weil Weideland für die Pferde fehlte [1].

Ob der Tod Ögödeis wirklich den Ausschlag gab, ist umstritten. Als Zeuge für diese Erklärung gilt der Franziskaner Johannes de Plano Carpini [8]. Die englischsprachige Wikipedia hält es aber für kaum möglich, dass ein Bote die Strecke im Winter in rund drei Monaten zurücklegte, denn Carpini selbst brauchte für seine Reise 1246 fünf Monate [8]. Der persische Geschichtsschreiber Raschid ad-Din schreibt, Batu habe beim Abzug noch nichts von Ögödeis Tod gewusst und sei gegen einen Aufstand der Kumanen gezogen [8]. An einem Kuriltai nahm Batu erst 1244 teil [8], nach der deutschsprachigen Wikipedia hatte er die Wahl aus taktischen Gründen hinausgezögert [6]. Die Forscher Nicola Di Cosmo und Ulf Büntgen schließen aus Baumringen, dass ein kalter, nasser Winter Anfang 1242 die ungarische Tiefebene in Sumpf verwandelte und den Pferden die Weide nahm [8].

Folgen für Osteuropa

Ungarn, Siebenbürgen und Bulgarien erholten sich lange nicht von den Zerstörungen und Bevölkerungsverlusten [6]. Das plötzliche Auftauchen der Mongolen gab auch den Anstoß zu den Gesandtschaftsreisen des Johannes de Plano Carpini und des Wilhelm von Rubruk an den Hof des Großkhans [6].

Eine mittelalterliche Burgruine aus Stein auf einem bewaldeten Hügel in Nordungarn im Herbstlicht
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Batu gründete nach der Länderstudie schon 1241 Sarai an der unteren Wolga, die Hauptstadt seines Khanats, das als Goldene Horde in die Geschichte einging [3]. Ihre Herrschaft über die Rus endete nach der World History Encyclopedia erst mit dem Stehen an der Ugra am 8. Oktober 1480 [5]. Unter Großkhan Möngke unternahmen Batus Heere in den 1250er Jahren weitere Raubzüge nach Polen, Litauen und Estland und überrannten Serbien und Bulgarien [4].

In Ungarn hatten vor dem Einfall nur wenige Steinburgen gestanden, weil die Könige privaten Burgenbau untersagten. Rund 80 befestigte Orte hielten 1241 stand, darunter alle Steinburgen [8]. Béla IV. ließ in den ersten zehn Jahren nach dem Einfall 44 Steinburgen bauen [8]. Als Nogai Khan 1285 einen neuen Angriff wagte, wehrte Ungarn ihn rasch ab [6, 8]. Wie die Ereignisse in die Geschichte des Kontinents passen, zeigt der Überblick zur Geschichte Europas.

  1. Behörde Mongolia: Subetei and the European Expedition (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division: Mongolia. A Country Study, hrsg. von Robert L. Worden und Andrea Matles Savada, Washington: GPO, 1989 (Spiegel countrystudies.us). Stand 1989. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Mongolia: Successors of Chinggis, 1228 to 1259 (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division: Mongolia. A Country Study, hrsg. von Robert L. Worden und Andrea Matles Savada, Washington: GPO, 1989 (Spiegel countrystudies.us). Stand 1989. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Mongolia: Reign of Kuyuk (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division: Mongolia. A Country Study, hrsg. von Robert L. Worden und Andrea Matles Savada, Washington: GPO, 1989 (Spiegel countrystudies.us). Stand 1989. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Mongolia: Mengke and the War in China (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division: Mongolia. A Country Study, hrsg. von Robert L. Worden und Andrea Matles Savada, Washington: GPO, 1989 (Spiegel countrystudies.us). Stand 1989. abgerufen am 29.10.2026
  5. Mark Cartwright: Mongol Empire. World History Encyclopedia. Stand 11.11.2019. abgerufen am 29.10.2026
  6. Mongolensturm. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Schlacht bei Liegnitz (1241). Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  8. First Mongol invasion of Hungary. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Mongolia: Conquest of Khwarizm (Country Study). Library of Congress, Federal Research Division: Mongolia. A Country Study, hrsg. von Robert L. Worden und Andrea Matles Savada, Washington: GPO, 1989 (Spiegel countrystudies.us). Stand 1989. abgerufen am 29.10.2026
  10. Poppo von Osterna. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.