Die Frühe NeuzeitRatgeber
Der Absolutismus: Herrschaft ohne Mitsprache der Stände
Absolutismus ist eine Herrschaftsform, in der eine Person, meist der Monarch, allein über die Staatsgewalt verfügt. Auf dem europäischen Kontinent prägte er die Zeit vom Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zur Französischen Revolution 1789. Als Musterfall gilt Frankreich unter Ludwig XIV.

Absolutismus nennt man eine Herrschaftsform, in der eine einzelne Person, in der Regel der Monarch, die volle Verfügung über die Staatsgewalt beansprucht [1]. Zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und der Französischen Revolution 1789 war er auf dem europäischen Kontinent die vorherrschende Regierungsform [1, 2]. Das Wort geht auf das lateinische "absolutus" zurück, "losgelöst" oder "uneingeschränkt" [2]. Als klassisches Beispiel gilt Ludwig XIV. von Frankreich, dem der Satz "Der Staat bin ich" zugeschrieben wird [1, 2].
Was den Absolutismus ausmacht
Begründet wurde die Macht mit dem Gottesgnadentum: Der Herrscher sah sich von Gott in sein Amt gesetzt [1, 2]. Um diese Macht zu sichern, bauten die Monarchen eine staatliche Bürokratie, eine Verwaltung und ein Heer auf [1]. Nach innen entmachteten sie die Stände und schwächten den Feudalismus, nach außen strebten sie nach geschlossenen Territorien und mehr Macht [1]. Das Politiklexikon der bpb sieht in der Betonung staatlicher Einheit und Souveränität eine Grundlage der späteren Nationalstaaten [1].
Wie der Dreißigjährige Krieg die Ordnung Europas veränderte, erklärt der Artikel Der Dreißigjährige Krieg.
Die Theorie: Bodin, Hobbes und Bossuet
Systematisch begründet wurde die unbeschränkte Herrschaft im 16. und 17. Jahrhundert [8]. Der französische Jurist Jean Bodin (1529 oder 1530 bis 1596; sein Hauptwerk "Les six livres de la République" erschien 1576 [9]) forderte an der Spitze des Staates einen Souverän mit ausschließlicher und unteilbarer Macht. Diese Macht war von den Gesetzen gelöst, aber nicht vom Recht [3]. Bodin fasste die Souveränität, lateinisch maiestas, als "summa in cives ac subditos legibusque soluta potestas", als höchste, von den Gesetzen gelöste Gewalt über Bürger und Untertanen [8]. An das Naturrecht und an die Gebote Gottes blieb der Herrscher auch nach Bodin gebunden [8].
Der Engländer Thomas Hobbes (1588 bis 1679) veröffentlichte 1651 seinen "Leviathan" als Antwort auf den Englischen Bürgerkrieg [8]. Ohne Staat herrsche ein Krieg aller gegen alle, deshalb brauche es einen absoluten Herrscher [3]. Jacques Bénigne Bossuet (1627 bis 1704), Hofprediger Ludwigs XIV., nannte die Monarchie die älteste, natürlichste, dauerhafteste und stärkste Staatsform [3].
Gegenstimmen kamen bald. John Locke (1632 bis 1704) trat für einen Verfassungsstaat ein, der Gesetzgebung und ausführende Gewalt trennt. Montesquieu (1689 bis 1755) sah in der Gewaltenteilung die Voraussetzung politischer Freiheit [3]. Wie die Gewaltenteilung heute in Deutschland umgesetzt ist, erklärt demokratie.domain-root.de unter Gewaltenteilung einfach erklärt.
Ludwig XIV. und Versailles
Ludwig XIV. regierte von 1661 bis 1715 selbst, sein Leitsatz lautete "Ein Glaube, ein Gesetz, ein König" [3]. Die Unruhen vor dieser Zeit hatte er selbst erfahren: 1649 musste er überstürzt aus Paris fliehen, um der Fronde zu entgehen, einer Reihe von Bürgerkriegen zwischen 1648 und 1653 [4].

Versailles baute Ludwig zum Sitz seiner Macht aus. Am 6. Mai 1682 wurde das Schloss zum Sitz der Regierung, zum Missfallen seines Ministers Colbert, der den Hof lieber in Paris gehalten hätte [4]. Paris blieb offiziell die Hauptstadt, das tatsächliche Zentrum des Königreichs war bis 1789 Versailles [4]. 1685 arbeiteten mehr als 36.000 Menschen an den Bauten in Versailles und den Nebengebäuden [4]. Architektur und Gärten sollten zeigen, dass der Mensch die Natur ordnen und beherrschen kann [3]. Mehr über den König steht im Artikel Ludwig XIV., der Sonnenkönig, über Kunst und Bauten der Zeit im Artikel Der Barock.
Prachtentfaltung, Kriege und das große stehende Heer ruinierten bis zum Ende seiner Regierung die Staatsfinanzen [3]. Die Steuern trugen vor allem Bürger und Bauern, denn Adel und hoher Klerus waren von der Hauptsteuer, der Taille, befreit. Das führte immer wieder zu Aufständen [3].
Merkantilismus und stehendes Heer
Das Geld für Hof und Heer sollte die Wirtschaftspolitik beschaffen. Der Merkantilismus zielte darauf, mehr auszuführen als einzuführen, um mit dem Überschuss die Staatsausgaben zu decken [3]. In Frankreich förderte Jean-Baptiste Colbert (1619 bis 1683) große Manufakturen mit Steuervorteilen [3]. Die Physiokraten um François Quesnay und Turgot hielten dagegen, der Reichtum eines Landes komme aus der Landwirtschaft [3].

Ein stehendes Heer war teuer. Manche Fürsten vermieteten deshalb ihre Truppen, so kämpften deutsche Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 für den britischen König Georg III. [3]. Die Zwangsrekrutierung in Württemberg unter Herzog Carl Eugen prangerte Friedrich Schiller 1784 in "Kabale und Liebe" an [3].
Ein Glaube: die Vertreibung der Hugenotten
Wie weit der Anspruch auf Einheit ging, zeigt das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 [5]. Mit ihm hob Ludwig XIV. das Edikt auf, das sein Großvater Heinrich IV. im April 1598 in Nantes erlassen hatte. Es hatte geregelt, an welchen Orten die Reformierten ihren Glauben ausüben durften [5]. Alle Gotteshäuser der Reformierten sollten unverzüglich zerstört werden. Prediger, die nicht katholisch werden wollten, mussten das Land binnen vierzehn Tagen verlassen, bei Strafe der Galeeren [5]. Den übrigen Reformierten verbot das Edikt dagegen die Auswanderung, Männern drohten die Galeeren, Frauen die Einziehung von Person und Gut [5].

Trotzdem flohen viele. Nach einem Bericht des Schweizer Rundfunks SRF verließen von 1685 bis 1730 etwa 200.000 Hugenotten Frankreich, unter anderem in die Niederlande, nach Preußen, England, Nordamerika und in die Schweiz [6]. Das Deutsche Historische Institut in Washington spricht von rund einer halben Million Calvinisten, die ins Exil gingen [7]. In Genf zählte der Torwächter am 30. August 1687 an einem einzigen Tag 8000 Ankömmlinge, bei damals etwa 16.000 Einwohnern [6].
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, antwortete am 29. Oktober 1685 mit dem Edikt von Potsdam [7]. Er bot den Flüchtlingen Hilfe bei Reise, Ansiedlung und Rechtsstellung an. Dahinter standen Solidarität unter Reformierten und der Wunsch, das im Krieg entvölkerte Land mit Bauern, Handwerkern und Kaufleuten zu stärken [7]. Angenommen haben das Angebot rund 20.000 französische Calvinisten [7].
Der aufgeklärte Absolutismus
Der Nationalökonom Wilhelm Roscher teilte den Absolutismus im 19. Jahrhundert in drei Stufen ein: einen konfessionellen mit Philipp II. von Spanien als Beispiel, einen höfischen mit Ludwig XIV. als Muster und einen aufgeklärten [8]. Für diesen stehen Friedrich II. von Preußen, Maria Theresia, Joseph II. und Katharina II. [8]. Friedrich II. nannte sich selbst den "ersten Diener des Staates" [8]. Ob die Reformen dieser Herrscher aus den Ideen der Aufklärung kamen oder vor allem den Staat leistungsfähiger machen sollten, ist umstritten [8].
Auch in Frankreich fand der aufgeklärte Absolutismus ab den 1760er Jahren Anhänger. Le Mercier de la Rivière sprach 1767 vom Herrscher als "väterlichem und legalem Despoten" [3]. Zu den Reformen der Zeit gehört, dass Kaiser Joseph II. 1787 die Hexerei aus dem Strafrecht strich [3]. Die meisten Todesurteile wegen Hexerei hatten weltliche Gerichte zwischen 1580 und 1650 gefällt, Frankreich schaffte seine Hexereigesetze 1791 ab [3]. Die Ideen, auf die sich diese Herrscher beriefen, erklärt der Artikel Die Aufklärung.
Dänemark und England
Nur ein Land führte den Absolutismus durch ein geschriebenes Gesetz ein: Dänemark-Norwegen mit dem Königsgesetz von 1665, gedruckt 1705 [8]. Vorausgegangen war 1660 das Angebot der Stände, das Königtum erblich zu machen. Im Januar 1661 erließ Friedrich III. eine Urkunde über die Erbfolge, ohne die Stände zu beteiligen [8]. Grenzen setzte es dem König nur beim lutherischen Bekenntnis und beim Verbot, das Reich zu teilen [8].
In England setzte sich der Absolutismus nie durch [8]. Das Parlament hatte seit dem späten 13. Jahrhundert das Recht, Steuern zu bewilligen [3]. Karl I. regierte ab 1629 ohne Parlament. Als ihn 1637 der Konflikt mit Schottland zwang, das Parlament um Geld zu bitten, verweigerte es ihm die Mittel [3]. 1642 begann der Bürgerkrieg, 1649 wurde der König hingerichtet, danach regierte Oliver Cromwell elf Jahre als Militärdiktator [3]. Unter Karl II. schrieb die Habeas-Corpus-Akte von 1679 vor, dass eine Verhaftung eine richterliche Anordnung braucht [3]. In der Glorreichen Revolution wurde Jakob II. abgesetzt, sein Nachfolger Wilhelm III. erkannte die Rechte des Parlaments an [3]. Das wissen.de-Bildwörterbuch datiert die Revolution auf 1688, die Wikipedia auf 1689 [3, 8].
Wie die Forschung den Begriff heute sieht
Seit dem späten 20. Jahrhundert wird der Begriff in Frage gestellt, auch weil im selben Zeitraum Republiken wie die Niederlande und Verfassungsmonarchien wie England blühten [8]. Schon Gerhard Oestreich fragte nach dem "Nichtabsolutistischen im Absolutismus" [8]. Der Historiker Nicholas Henshall argumentierte, das Frankreich Ludwigs XIV. sei nicht zentralisiert gewesen, Einigkeit sei durch Konsens und nicht durch Zwang entstanden [8]. Den Begriff Absolutismus nannte er eine "eindrucksvolle Ausrede für schlampiges Denken" [8]. Ronald G. Asch hält den Absolutismus für ein oft vor allem sprachlich erzeugtes Phänomen, das über das höfische Zeremoniell aber tatsächlich königliche Macht schuf [8].
Das Ende
In Frankreich berief Ludwig XVI. 1788 die Generalstände ein. Daraus ging die Revolution von 1789 hervor, mit der der Absolutismus dort endete [8]. Wie es weiterging, erzählt der Artikel Die Französische Revolution.
- Organisation Absolutismus (Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon, 7. Auflage). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Absolutismus (Gerd Schneider, Christiane Toyka-Seid: Das junge Politik-Lexikon). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Absolutismus: Idee, Anspruch und Wirklichkeit. wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Versailles, capital of the kingdom (1682). Château de Versailles. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 (Übersetzung Ernst Mengin, 1963). Hugenottenmuseum Berlin. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Flüchtlingswelle nach Genf vor 300 Jahren (Deborah Sutter). SRF. Stand 20.10.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Edikt von Potsdam, erlassen von Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten (29. Oktober 1685). Deutsches Historisches Institut Washington, German History in Documents and Images. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Absolutismus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Jean Bodin. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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